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Demographischer Wandel: Das sind die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

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Demographischer Wandel

Der Begriff demographischer Wandel ist in aller Munde, und das nicht zu Unrecht: Er ist nämlich schon heute in vielen Sphären des Lebens zu spüren. Aber auch die Wirtschaft muss sich auf die älter werdende Gesellschaft einstellen.

Denn: Je Frau kommen in Deutschland nur noch 1,5 Kinder zur Welt. Somit wird es in Zukunft weniger Auszubildende und mehr ältere Arbeitnehmer in Unternehmen geben. Wichtige Aspekte, die auch Sie als Personaler betreffen werden, lesen Sie in diesem Artikel.

Was ist demographischer Wandel?

Das Wort „Demographie“ leitet sich von den griechischen Wörtern „demos“ (= Volk) und „gráphein“ (= schreiben) ab. So bezeichnet der demographische Wandel die Bevölkerungsentwicklung im Hinblick auf die Altersstruktur, Geburtenzahlen, Sterbefälle und Emigration.

In Deutschland zeichnet vor allem die sinkende Geburten- und Sterberate den demographischen Wandel aus. Seit den 1970er-Jahren ist die Geburtenrate sogar niedriger als die Sterberate – die Gesellschaft wird also immer älter. Gründe hierfür liegen in gesellschaftlichen und medizinischen Umbrüchen:

  • Wertewandel in der Gesellschaft: Die klassische Rollenverteilung von Mann und Frau ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß. Nicht mehr nur die Männer sorgen für den Familienunterhalt, sondern auch die Frauen. Dabei sehen beide Partner oftmals wenig Möglichkeiten, Familie und Beruf zu vereinbaren. Die Folge: Viele Arbeitnehmer verzichten entweder komplett auf die Familienplanung oder entscheiden sich nur noch für ein oder zwei Kinder.
  • Medizinischer Fortschritt: Die Menschen werden immer älter. Dafür sorgt einerseits der medizinische Fortschritt, andererseits auch bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Dies hat seit den 1970er-Jahren bis zum heutigen Tag eine Zunahme der Lebenserwartung von zehn Jahren zur Folge – bisher ohne Anzeichen einer Stagnation.

Wenn die Geburten- und Sterberaten auf dem heutigen Niveau bleiben – so hat das Statistische Bundesamt berechnet – wird die Bevölkerungszahl in Deutschland von heute 82 Millionen Menschen auf etwa 67 bis 73 Millionen Menschen im Jahr 2060 sinken.

Jedoch wurde die Zahl im Jahr 2017 aufgrund der wachsenden Einwanderung aktualisiert: Nunmehr gehen die Experten davon aus, dass in Deutschland im Jahr 2060 etwa 76,5 Millionen Menschen leben werden. Dabei vermuten die Statistiker aber auch, dass der demographische Wandel je nach Region unterschiedliche Auswirkungen haben wird: So werden Städte weniger von einer schrumpfenden Bevölkerung betroffen sein als ländliche Regionen.

Demographischer Wandel: Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Demographischer Wandel unterliegt vielen Faktoren: Daher ist es auch schwierig, vorherzusehen, wie sich die Bevölkerungsstruktur in der Zukunft entwickeln wird. Dennoch bleibt eines klar: Auch für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt ist der Bevölkerungswandel ein wichtiger Aspekt, dem Beachtung geschenkt werden sollte.

So wird die Belegschaft in Zukunft immer älter werden. Aktuelle Zahlen schätzen eine Steigerung des durchschnittlichen Alters von erwerbsfähigen Menschen um 2,2 Jahre bis 2030/40. Auf den ersten Blick hört sich das nicht viel an, doch: Diese Zahl ist drei Mal so hoch wie in den vergangenen drei Jahrzehnten.

Welche Auswirkungen hat der demographische Wandel nun für Unternehmen? Möglich sind folgende Szenarien:

  • Sinkendes Innovationspotenzial: Wenn es immer weniger junge Menschen gibt, die den Betrieben nach ihrer schulischen oder universitären Ausbildung zur Verfügung stehen, so verliert die Wirtschaft eine wichtige Quelle an innovativen Denkern. Weniger junge High-Potentials resultieren nicht nur in einem Verlust von Know-how aus den Bildungssystemen. Es wird den Unternehmen auch immer schwieriger fallen, geeignete Auszubildende zu finden, an die sie ihr eigenes Wissen transferieren können.
  • Verminderte Leistungsfähigkeit: Eine immer älter werdende Gesellschaft steht auch mit der Leistungsfähigkeit in direktem Kontakt. Rückt das Rentenalter immer weiter nach hinten, müssen Menschen bis in ein höheres Lebensalter erwerbstätig bleiben. Zahlreiche Experten warnen daher von einem Absinken der Leistungsfähigkeit des Personals – schlicht und ergreifend aus Altersgründen.

Der Fachkräftemangel ist somit ein Thema, das vor allem durch den demographischen Wandel vorangetrieben wurde. Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern wird dadurch auch in Zukunft immer schwieriger werden: Nicht, weil die jungen Menschen schlechter ausgebildet wären, sondern weil es einfach immer weniger geeignete Kandidaten geben wird.

Demographischer Wandel – Maßnahmen gegen die Auswirkungen

Die Frage, was Firmen tun können, um den demographischen Wandel auszugleichen, beschäftigt Experten schon länger. Die Auswirkungen sind auch heute schon spürbar und werden sich in den kommenden Jahren weiter verstärken. Daher ist es wichtig, dass die Unternehmen schon frühzeitig ihre Personalentwicklungspolitik anpassen.

Das bedeutet: Schon rechtzeitig an nachhaltigen Altersstrukturen arbeiten und auch an die Weiterbildung und Anstellung älterer Mitarbeiter denken. Das ist notwendig, da es nicht alleine ausreichen wird, jungen Nachwuchs in die eigenen Reihen aufzunehmen. Die Nachfrage nach Mitarbeitern wird nämlich das „Angebot“ an jungen Kräften um einiges übertreffen.

Die Maßnahmen, die ein Unternehmen gegen die Auswirkungen des demographischen Wandels treffen kann, sind vielfältig:

  • Employer Branding: Das eigene Unternehmen nach innen und außen attraktiv zu vermarkten, wird in Zukunft immer wichtiger werden. Denn: Potenzielle Bewerber werden sich eher für einen attraktiven Arbeitgeber entscheiden, der das auch an die Außenwelt kommuniziert.
  • Corporate Benefits: „Softe“ Pull-Faktoren wie flexible Arbeitszeiten oder ein Firmenauto sichern den Unternehmen nicht nur eine geringe Fluktuationsrate: Auch Bewerber, die neben einem angemessenen und attraktiven Gehalt von Zusatzleistungen profitieren können, werden sich eher für ein Unternehmen entscheiden, das solche Benefits bietet.
  • Personalmaßnahmen für ältere Arbeitnehmer: Speziell zugeschnittene Maßnahmen für ältere Arbeitnehmer haben einen positiven Effekt auf die Arbeitsproduktivität – das fand zumindest eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) So hilft es schon, wenn der Arbeitsplatz besser beleuchtet ist oder dem Mitarbeiter ein kontrastreicherer Bildschirm zur Verfügung gestellt wird. Außerdem bietet es sich an, den älteren Mitarbeitern weniger körperlich belastende Tätigkeiten aufzutragen, sondern eher Aufgaben, für die ein großer Erfahrungsschatz notwendig ist.

Fazit: Dem Fachkräftemangel aktiv entgegenwirken

Durch geeignete personalpolitische Maßnahmen kann den Auswirkungen des demographischen Wandels entgegengewirkt werden. Die oben genannte Studie fand zudem heraus, dass es sinnvoll ist, mehr Aufgaben an Gruppen aus älteren und jüngeren Mitarbeitern zu übertragen.

Die jungen Mitarbeiter können dann einerseits von der Expertise und der Arbeitserfahrung der älteren Kollegen profitieren. Andererseits erhöht sich durch die Zusammenarbeit in gemischten Teams auch die Arbeitsproduktivität der älteren Arbeitnehmer.

Fazit: Demographischer Wandel macht also auch vor der Wirtschaft keinen Halt. Viele Unternehmen spüren schon jetzt die Auswirkungen der Veränderung der Gesellschafts- und Altersstrukturen.

Je nach Branche hinterlässt der Fachkräftemangel bereits seine Spuren. Aus diesem Grund wird es auch in Zukunft immer wichtiger werden, einerseits in das Potenzial der älteren Arbeitnehmer zu investieren und andererseits junge High-Potentials durch gutes Personalmarketing auf sich aufmerksam zu machen und zu binden.

Autor: Redaktion Personalwissen

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