Gesundheit am Arbeitsplatz: Wichtige Tipps für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Gesundheit am Arbeitsplatz: Wichtige Tipps für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Die Gesundheit am Arbeitsplatz sollten Arbeitgeber in den Fokus rücken und auch Arbeitnehmer können ihren Teil dazu beitragen. Gesundheit am Arbeitsplatz hat viele Dimensionen und betrifft sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer.

Schließlich unterliegen Arbeitgeber im Arbeitsalltag einer Fürsorgepflicht.

Sie sind zu folgendem verpflichtet:

  • Räume, Vorrichtungen und Gerätschaften, die zwecks Erbringung der Arbeitsleistung zur Verfügung gestellt werden, müssen so eingerichtet und unterhalten werden, dass Leib, Leben und Gesundheit so weit geschützt sind, wie es die Gegebenheiten des Betriebs und der Arbeit zulassen.
  • Arbeitgeber sind verpflichtet, Mitarbeiter bei einer erhöhten Gefahr für die Gesundheit aufzuklären.
  • Dienstleistungen müssen – zum Beispiel durch den Erlass einer Betriebsordnung – geregelt werden.
  • Arbeitgeber müssen Arbeitnehmer vor Überanstrengung bewahren und dürfen keine unangemessene Arbeitsleistung einfordern oder entgegennehmen.
  • Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben sich an die Hygieneregeln zu halten, die Aufgrund des Coronavirus gelten.

Die Begrenzung der Fürsorgepflicht wird durch die Art der Arbeit und des Betriebs definiert. Die Ausgestaltung dieser Fürsorgepflicht macht deutlich, dass sie sowohl körperliche als auch psychische Aspekte betrifft.

    Diese Beeinträchtigungen der psychischen und körperlichen Gesundheit am Arbeitsplatz gibt es

    Gesundheit ist das höchste Gut und hat immer zwei Aspekte – sie betrifft den Körper und die Psyche. Der Arbeitsalltag kann beide Ebenen auf vielfältige Weise beeinträchtigen.

    Beispiele für psychische Faktoren:

    • Stress während der Arbeit
    • Schlafstörungen, die durch den Arbeitsstress entstehen
    • Mobbing durch Kollegen
    • Über- oder Unterforderung, die zu Depressionen und psychischen Problemen führen kann
    • Burnout
    • Boreout
    Mobbing, psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz, Burnout, Boreout,
    Ist der Körper und Geist beeinträchtigt, ist das Arbeiten fast unmöglich – hier ist ein Eingreifen dringend erforderlich © XtravaganT – Adobe Stock

    Beispiele für körperliche Faktoren:

    • Schlafstörungen, die durch den Arbeitsstress entstehen
    • Ein gestörter Tag- und Nacht-Rhythmus durch Schichtarbeit
    • Rückenbeschwerden durch langes und häufiges Sitzen
    • Schmerzen durch langes und häufiges Stehen
    • Kopfschmerzen und Nackenschmerzen aufgrund von Verspannungen
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch mangelnde Bewegung
    • Gelenkschmerzen durch schwere körperliche Arbeit
    Hinweis: Die Arbeitsmedizin ist ein eigener Bereich der Medizin. Sie befasst sich ausschließlich mit dem Zusammenhang von Arbeitsbedingungen, Anforderungen sowie der Organisation der Arbeit und den Auswirkungen auf den Menschen, seine Gesundheit, Krankheiten und seine Arbeitskraft. Die Gefährdungsbeurteilung einer Tätigkeit, Empfehlungen zu Gesundheitsschutz und Vorsorge, Beratungen zum ergonomischen Arbeiten und vieles mehr basieren immer auf arbeitsmedizinischen Forschungen, Beurteilungen und Empfehlungen.

    Gesundheit am Arbeitsplatz wird dank Betrieblichem Gesundheitsmanagement zum Thema

    Immer mehr Betriebe implementieren ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM), das sich dem Thema Gesundheit am Arbeitsplatz annimmt. Das Ziel des BGM ist eine nachhaltige und dauerhafte Förderung der Gesundheit der Mitarbeiter. So soll die Arbeitsmotivation gesteigert werden und die Mitarbeiterzufriedenheit erhöht werden.

    Zudem ist es im Interesse von Unternehmen, die Gesundheit von Arbeitnehmern aufrecht zu erhalten, um von ihrer Arbeitskraft zu profitieren. Ist die Belastung durch die Arbeit körperlich oder psychisch zu hoch, wirkt sich das negativ aus. Ein gesunder Mitarbeiter ist produktiver und leistungsfähiger, was sich auf die Erfolge eines Betriebs auswirkt.

    BMG für mehr Gesundheit am Arbeitsplatz: Wie Arbeitgeber und Arbeitnehmer profitieren

    Von einem guten Betrieblichen Gesundheitsmanagement profitieren also beide Seiten – der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer:

    Vorteile für ArbeitgeberVorteile für Arbeitnehmer
    Beschäftigte sind leistungsfähiger und motivierter.Gesundheitliche Risiken am Arbeitsplatz werden verringert und die Gesundheit der Beschäftigten somit aufrechterhalten.
    Die Identifikation mit dem Betrieb steigt.Fehlzeiten werden aufgrund von weniger Krankheitstagen und Arztbesuchen reduziert.
    Krankheitsfälle und Fehlzeiten werden weniger, wodurch Kosten eingespart werden.Arbeitnehmer profitieren dank BGM von einem auf sie zugeschnittenen Arbeitsplatz, den sie selber gestalten können.
    Die Produktivität sowie die Qualität der Arbeit steigen durch die erhöhte Motivation der Mitarbeiter.Psychische und Physische Belastungen werden abgebaut.
    Der gesamte Betrieb profitiert von einem verbesserten Image und einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.Die Lebens- und Arbeitsqualität steigen ebenso wie die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter, da das Betriebsklima positiv gefördert wird. Dadurch steigt die Leistungsfähigkeit.

    Eine gesteigerte Leistungsfähigkeit und Motivation kann sich positiv auf die eigene Karriere auswirken.

    Das Problem beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement ist, dass Methoden und die konkrete Umsetzung von Maßnahmen in Betrieben noch nicht ausreichend erforscht sind. Dennoch gibt es Schritte, die bereits in vielen Unternehmen umgesetzt werden und zu den häufigsten Methoden des BGM zählen.

    5 gängige Methoden des Betrieblichen Gesundheitsmanagements

    Im folgenden nennen wir Ihnen fünf Methoden, die sich für ein gelungenes betriebliches Gesundheitsmanagement bewährt haben:

    1. Workshops für Führungskräfte, um den eigenen Führungsstil an die gesundheitlichen Belange der Mitarbeiter anzupassen und für einen gesundheitsfördernden Arbeitsplatz zu sensibilisieren.
    2. Betriebliche Vorsorgeuntersuchungen, die zum Beispiel auch das Angebot für die jährliche Grippeimpfung beinhalten.
    3. Ausgewogene Ernährung in der Kantine.
    4. Die Förderung von Bewegung wie zum Beispiel Kooperationen mit Fitnessstudios, eigene Lauftreffs oder Yoga-Kurse für die Mitarbeiter.
    5. Eine Ausstattung des Arbeitsplatzes, die die körperliche Gesundheit des Mitarbeiters berücksichtigt.

    Gesundheit am Arbeitsplatz durch die richtige Ausstattung fördern

    Insbesondere Menschen, die viel am Schreibtisch arbeiten und viel sitzen, bekommen mit den Jahren häufig körperliche Beschwerden:

    • Rückenschmerzen
    • Nackenverspannungen
    • Schulterverspannungen
    • Kopfschmerzen

    Gesunde Schreibtischarbeit sollte vom Unternehmen vorausgesetzt werden.

    Rückenprobleme sind das Volksleiden Nummer 1

    Dabei zählen Rückenschmerzen zu den häufigsten Ursachen für die Arbeitsunfähigkeit von Mitarbeitern.

    Studien besagen:

    • Jeder dritte Erwachsene hat regelmäßig Rückenbeschwerden.
    • Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
    • Eine Krankschreibung wegen Rückenbeschwerden dauert im Schnitt 13,5 Tage.

    Um dem vorzubeugen, sind eine gesundheitsfördernde Arbeitsumgebung sowie die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen das oberste Gebot.

    10 Berufsgruppen mit einer hohen körperlichen Belastung

    Doch nicht nur im Sitzen, sondern auch bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten, kann es schnell zu Rückenschmerzen kommen.

    Besonders betroffen sind zum Beispiel:

    1. Post- und Paketzusteller
    2. Mitarbeiter der Abfallbeseitigung
    3. Bäcker
    4. Kellner
    5. Frisöre
    6. Einzelhandelsverkäufer
    7. Pfleger
    8. Gärtner
    9. Handwerker wie Maler, Gerüstbauer, Fliesenleger oder Dachdecker
    10. Bergarbeiter

    Handwerker oder Bergarbeiter setzen sich zum Teil sogar großen Gefahren aus, um ihrer Tätigkeit nachzukommen. Dies gilt es im Rahmen der Gesundheit am Arbeitsplatz zu berücksichtigen – schließlich fällt auch das Thema Arbeitsschutz in diesen Bereich.

    Bei vielen Menschen resultieren Rückenbeschwerden aus einer Überbelastung beziehungsweise aus einer einseitigen Belastung der Wirbelsäule und dem gesamten Skelett.

    Gesundheit fördern: Unterschiedliche Tätigkeiten benötigen unterschiedliche Angebote

    Als Arbeitgeber liegt die Herausforderung darin, die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu erkennen. Während ein Schreibtischjob ein Bewegungsangebot wie Lauftreffs oder Rückengymnastik nötig macht, haben Fliesenleger oder Pfleger ganz andere Bedürfnisse.

    Um angemessen zu reagieren, sollten Verantwortliche die gewählten Maßnahmen auf die Mitarbeiter zuschneiden und die jeweilige Natur der Arbeit und die gesundheitlichen Einschränkungen der Mitarbeiter berücksichtigen.

    Gesunde Schreibtischarbeit: So gehen Sie das Thema an

    Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern eine ergonomische Ausstattung des Büroarbeitsplatzes ermöglichen, um gesunde Schreibtischarbeit zu fördern. Diese soll das Skelett bestmöglich schonen und unterstützen.

    Dazu gehört ein Bürostuhl, der verschiedene Kriterien erfüllen sollte:

    • Er sollte höhenverstellbar sein
    • Er sollte verstellbare Armlehnen haben
    • Die Rückenlehne sollte flexibel sein

    Dem Mitarbeiter einen einfachen Stuhl hinzustellen, genügt nicht.

    Ein höhenverstellbarer Schreibtisch ist das zweite wichtige Möbelstück, um ein rückenfreundliches Arbeiten zu ermöglichen. Auf Wunsch können Mitarbeiter einen Tisch erhalten, der sogar so hoch gefahren werden kann, dass sie im Stehen arbeiten können. Diesen Wechsel zwischen Stehen und Sitzen in Anspruch zu nehmen, kann die Wirbelsäule enorm entlasten.

    Unternehmen können ihre Mitarbeiter – zum Beispiel im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements – darin schulen, wie sie richtig an ihrem Schreibtisch sitzen und was sie für die Einstellungen ihrer Möbel beachten müssen. 

    Tipp: Wenn Neuerungen den eigenen Arbeitsplatz betreffen, sollten Mitarbeiter diese erstmal unvoreingenommen akzeptieren, ihren Unmut aber auch äußern, falls ihnen etwas daran nicht gefällt. Unternehmensleiter sollten dann ein offenes Ohr haben, um keine angestaute Unzufriedenheit zu riskieren, die in Krankheitstagen resultiert.

    Schutzkleidung zur Aufrechterhaltung der Gesundheit am Arbeitsplatz

    Der körperliche Aspekt ist nicht nur im Rahmen von Büroarbeit relevant. Gesundheit am Arbeitsplatz bezieht auch eine gewisse Ausrüstung oder Schutzkleidung ein.

    So benötigen zum Beispiel Chemielaboranten Schutzbrillen, Handschuhe und Kittel und Handwerker auf Baustellen Helme, Stahlkappenschuhe und eventuell einen Gehörschutz oder eine Schutzbrille für ihre Sicherheit am Arbeitsplatz. Auch Mitarbeiter in der Pflege und in medizinischen Berufen benötigen einen entsprechenden Schutz.

    Diese Pflichten hat der Arbeitgeber

    Alle diese Utensilien muss der Arbeitgeber laut des Arbeitsschutzgesetzes zur Verfügung stellen, wodurch dem Arbeitnehmer keine eigenen Kosten entstehen. Entscheidet sich der Arbeitnehmer freiwillig zum Tragen von Schutzkleidung, die im Rahmen des Arbeitsschutzgesetzes nicht zwingend nötig ist, muss er diese aus eigener Tasche bezahlen – kann sie unter Umständen aber in der jährlichen Steuererklärung geltend machen.

    Arbeitgeber müssen dafür Sorge tragen, dass Schutzkleidung und –ausrüstung immer voll funktionsfähig ist. Auch die angemessene Reinigung der Ausrüstung ist ihre Aufgabe. Verstöße gegen die arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben stellen eine Ordnungswidrigkeit dar und können mit Bußgeld belang t werden.

    Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz: ernstnehmen und vorsorgen

    Bei der Arbeit spielt nicht nur die körperliche Gesundheit eine wichtige Rolle, sondern auch die psychische. Psychische Leiden können zu Arbeitsausfällen führen oder dafür, dass sich körperliche Beschwerden manifestieren.

    Viele Faktoren können eine hohe psychische Belastung bei Mitarbeitern begünstigen.

    Zu den möglichen Auslösern gehören:

    • Arbeiten unter einem hohen Zeitdruck
    • Eintönige Tätigkeiten
    • Unterforderung
    • Überforderung
    • Überstunden
    • Kein einheitlicher Arbeitsrhythmus, sondern stark wechselnde Arbeitszeiten
    • Fehlende Informationen
    • Fehlende Flexibilität
    • Mangelnde soziale Kontakte
    • Negatives Führungsverhalten
    • Mobbing
    • Konflikte mit Kollegen oder dem Vorgesetzten
    • Sorge vor einer Kündigung
    • Fehlende Wertschätzung durch den Vorgesetzten

    Eine Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz kann zu Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder im schlimmsten Fall sogar zu Depressionen führen.

    Burnout: Eine der häufigsten psychischen Folgen einer kritischen Arbeitssituation

    Der Begriff „Burnout“ hat sich dabei in den letzten Jahren als gängiges Krankheitsbild entwickelt, das sich auf verschiedene Weise zeigen kann, letztlich aber denselben Ursprung hat: Die Belastung durch die Tätigkeit ist schlichtweg zu groß.

    Die Folgen des „sich ausgebrannt fühlen“ können sich auf verschiedene Weise bemerkbar machen:

    • Erschöpfung
    • Müdigkeit
    • Frustration
    • Enttäuschung über eigene Leistungen
    • Rückzug aus dem eigenen Sozialgefüge

    Ein Burnout entsteht aus den Folgen von Überforderung, Überlastung und großem Stress und ist zum Teil schwer zu diagnostizieren. Auch die Abgrenzung zur Depression ist aufgrund ähnlicher Ausprägungen nicht immer deutlich.

    So können Arbeitgeber einem Burnout vorbeugen

    Arbeitgeber sind beim Thema Burnout in der Pflicht, alles Nötige zu tun, dass die Überlastung von Mitarbeitern verhindert. Prävention gestaltet sich zudem oft einfacher als die Wiedereingliederung eines Mitarbeiters, falls es wirklich zu einem Burnout kommt.

    Mit einer transparenten Kommunikation ist schon ein großer Schritt getan, indem Mitarbeitern der Weg geebnet wird, über eventuelle Überforderung zu sprechen. Auch das Wissen, dass das Thema Burnout im eigenen Betrieb nicht ignoriert wird, kann mentale Erleichterung verschaffen.

    Mitarbeiter wertzuschätzen, Probleme anzusprechen und mit ihnen im Austausch zu bleiben, kann darüber hinaus eine gute Maßnahme sein, dass Mitarbeiter sich wohlfühlen sowie weniger Druck verspüren. Weiterhin können das Arbeitsumfeld und der Arbeitsalltag des Mitarbeiters modifiziert werden, sodass sich eine bessere Work-Life-Balance für den Arbeitnehmer ergibt.

    Burnout vs. Boreout: Anderer Ursprung, ähnliche Folgen

    Während Mitarbeiter bei einem Burnout unter Überforderung, hohem Druck und Ansprüchen leiden, ist bei einem Boreout das Gegenteil der Fall. Von einem Boreout ist die Rede, wenn Mitarbeiter sich über lange Phasen unterfordert fühlen oder gelangweilt sind. Sowohl zu wenig zu tun zu haben als auch das Gefühl, das eigene Potenzial nicht ausreichend einbringen zu können, kann zum Boreout führen.

    Betroffene entwickeln häufig Strategien, um ihre Unterbeschäftigung zu verbergen:

    • Sie machen Überstunden, obwohl sie eigentlich nicht genug zu tun haben.
    • Sie geben vor sehr beschäftigt zu sein.
    • Sie dehnen Tätigkeiten auf mehrere Tage aus.

    Durch dieses Versteckspiel steigt die gesundheitliche Belastung noch weiter an und ein Teufelskreis beginnt. Mitarbeiter erhalten noch weniger Aufgaben, da sie beschäftigt scheinen und auch ihre eigene Motivation sinkt immer stärker ab. Dies führt zu Unzufriedenheit, Erschöpfung und kann sogar Depressionen entstehen lassen oder verstärken. Fehlzeiten des Mitarbeiters sind die Folge, die sich auch negativ auf den Betrieb auswirken.

    So lässt sich ein Boreout vermeiden

    Klare Kommunikation kann Betroffenen dabei helfen, es gar nicht erst zum Boreout kommen zu lassen. Ein Boreout entsteht häufig aufgrund unterschiedlicher Erwartungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Wenn Führungskräfte ihre Mitarbeiter nicht im Blick haben und Aufgaben falsch verteilen, kann das Ungleichgewicht entstehen. Auch unflexible Arbeitszeiten, die den Mitarbeiter dazu zwingen, auch in Phasen mit wenigen Aufgaben seine Zeit im Büro „abzusitzen“, fördern die Unzufriedenheit. 

    Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz dank durchdachter Prozesse

    Psychische Belastung und somit eine Einschränkung der Gesundheit am Arbeitsplatz lassen sich durch verschiedene Prozesse reduzieren.

    Diese Möglichkeiten hat man beispielsweise, um Stress zu reduzieren:

    • Prozesse und Aufgaben sollten bei einer hohen Arbeitsintensität optimiert werden.
    • Konkrete Regeln für Abstimmungen und Besprechungen einführen.
    • Bei Hard- oder Softwareproblemen können neue und verbesserte Arbeitsmittel helfen, Stress zu reduzieren.
    • Eine sinnvolle Pausengestaltung sowie geänderte Arbeitszeitregelungen können in Phasen mit einer hohen Arbeitsbelastung etwas Druck nehmen.

    Ein weiterer Tipp, um psychische Belastung zu vermeiden, ist das Einführen von störungsfreien Arbeitsphasen. So kann zum Beispiel die erste Stunde des Arbeitstages nur für E-Mails reserviert werden oder für zwei begrenzte Zeitspannen am Tag wird das Telefon leise gestellt (natürlich nach vorheriger Ankündigung bei den Kollegen).

    Tipp: Arbeitgeber können die Gesundheitsförderung von Mitarbeitern mit bis zu 500 Euro jährlich steuerfrei bezuschussen. Das können Mitgliedschaften im Fitnessstudio oder die Teilnahme an Rückenkursen sein. Diese Angebote müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um auch wirklich für die steuerfreie Bezuschussung zugelassen zu sein.

    10 Tipps, um die Gesundheit am Arbeitsplatz in den Fokus zu rücken

    Um sowohl körperlich als auch psychisch gesund zu bleiben, kann jeder auch abgesehen von den Gegebenheiten des eigenen Arbeitsplatzes, seinen eigenen Beitrag leisten.

    Hier sind 10 Tipps:

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    Das sind die besten 10 Tipps für Gesundheit am Arbeitsplatz © Personalwissen

    1. Gesunde Ernährung: Sich selbstgekochtes Essen mitzubringen oder in der Kantine an die Salatbar zu gehen, statt Schnitzel und Pommes zu wählen, wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Mittags nicht so schwer zu essen, wirkt sich außerdem Produktivität am Nachmittag aus, die mit einem vollen Bauch gefährdet sein kann. Als gesunde Snacks am Arbeitsplatz empfiehlt sich Obst oder Gemüse wie zum Beispiel Karotten oder geschnittene Paprika.

    2. Bewegung integrieren: Wer viel am Schreibtisch arbeitet, sollte regelmäßig aufstehen und einige Schritte gehen. Zum Kollegen persönlich hinzugehen anstatt ihn anzurufen ist ebenso wirksam wie nach jeder Stunde Sitzen einmal den Flur auf und ab zu gehen oder sogar einige Schritte an der frischen Luft zu machen. Bewegung ist nicht nur gut für den Körper, sondern der Abstand vom Schreibtisch kann sich auch positiv auf die Kreativität auswirken. So haben viele Menschen die besten Ideen nicht dann, wenn sie auf ihren Bildschirm starren, sondern wenn sie gerade einer gänzlich anderen Tätigkeit nachgehen.

    3. Viel trinken: Bleiben Sie auch im Büro stets gut hydriert. Wer sich direkt morgens eine große Flasche (1,5 L) oder Karaffe Wasser (1 Liter) an den Platz stellt und diese über den Tag verteilt austrinkt oder nachfüllt, der nimmt genügend Flüssigkeit zu sich. Kaffee sollte nicht als Durstlöscher eingesetzt werden, da er den Körper zusätzlich entwässert.

    4. Atemübungen: Wenn es gerade besonders stressig ist oder Sie sich über einen Kollegen ärgern, helfen Atemübungen. Fünf Mal tief ein und wieder auszuatmen beruhigt das Nervensystem und schützt darüber hinaus vor Übersprunghandlungen.

    5. Lüften: Egal ob im Einzel- oder im Großraumbüro – ohne frische Luft geht es nicht. Sie belebt, macht wach und sorgt dafür, dass Bakterien und Viren weniger Chance haben sich zu verbreiten. Insbesondere in Großraumbüros ist da von großer Relevanz. Besser als ein gekipptes Fenster ist Stoßlüften. So kann sich die Luft im gesamten Raum austauschen, in der Regel genügen 5 bis 10 Minuten.

    6. Treppen steigen: Statt mit dem Aufzug in den vierten Stock zu fahren empfiehlt es sich, die Treppe zu nehmen. So wird die tägliche Bewegung gleich automatisch stärker in den Tagesablauf integriert und das Herz-Kreislauf-System freut sich.

    7. Dehnübungen: Wenn der Nacken sich versteift und die Schultern krampfen, können Sie schon mit geringen Mitteln entgegenwirken. Die Schultern vor- und zurück kreisen zu lassen, den Kopf zu drehen und die Arme einmal hoch in die Luft zu recken hilft dabei, die Muskeln zu lockern. Anschließend fällt das Arbeiten wieder leichter. 

    8. Die Augen entspannen: Wer viel auf den Bildschirm schaut, sollte den Blick immer mal wieder aktiv in die Ferne schweifen lassen. Das entspannt die Augen und kann so Kopfschmerzen und gereizten Augen entgegenwirken.

    9. Musik hören: Nicht für jeden und auch nicht für jede Art von Arbeit ist Musik hören geeignet. Ruhige Hintergrundmusik kann aber das Stresslevel senken und zu mehr Wohlbefinden beitragen. Im Großraumbüro empfiehlt sich das Tragen von Kopfhörern, im Einzelbüro kann auch leise Musik über die PC-Lautsprecher oder Radio gehört werden.  Sie wirkt entspannend und kann sogar die Produktivität steigern.

    10. Gelegenheiten für soziale Interaktion nutzen: Sich an der Kaffeemaschine über das letzte Wochenende auszutauschen, fördert den Teamgeist und somit auch das Wohlbefinden im Büro. Auch mit den Kollegen gemeinsam Mittagspause zu machen, kann die Kommunikation untereinander fördern. Gelegenheiten für den sozialen Austausch zu nutzen, wann immer er möglich ist, kann das Stresslevel reduzieren. Auch Burnout oder Boreout kann so entgegengewirkt werden.

    Betriebliche Wiedereingliederung: Freiwillige Option für längerfristig Erkrankte

    Kommt es doch zur Arbeitsunfähigkeit eines Beschäftigten aufgrund von psychischen oder physischen Erkrankungen, steht den Beschäftigten eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von sechs Wochen zu. Anschließend wird von der Krankenkasse Krankengeld gezahlt. Wer über diese sechs Wochen hinaus erkrankt ist oder mehrmals im Jahr für mehr als sechs Wochen arbeitsunfähig wird, hat gesetzlichen Anspruch auf eine betriebliche Wiedereingliederung.

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    Eine betriebliche Wiedreingliederung braucht Zeit und Geduld von Arbeitgeber und Arbeitnehmer © contrastwerkstatt – Adobe Stock

    Dabei geht es darum, die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden und auch vorzubeugen, dass es erneut dazu kommt. Im Rahmen einer Wiedereingliederung haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, stufenweise wieder in den Betrieb einzusteigen und sich so den Belastungen der Arbeit nach und nach wieder anzunähern. Dabei werden Zeitmodelle mit den Mitarbeitern vereinbart, die sie sich sanft wiedereingliedern lassen. Ob ein Mitarbeiter diese Option in Anspruch nehmen möchte, ist dabei rein freiwillig – wer direkt wieder voll einsteigen möchte, kann das in der Regel tun.  

    Vorsicht: Anders verhält es sich bei der Lohnfortzahlung durch das Coronavirus.

    Zusammenfassung: Gesundheit ist das wichtigste Gut

    Psychische und körperliche Gesundheit sind wesentliche Faktoren, um die Arbeitskraft eines Mitarbeiters aufrecht zu erhalten. Arbeitgeber sollten daher sorgfältig mit ihrer Fürsorgepflicht umgehen und die Gesundheit des Mitarbeiters in den Fokus rücken. Schließlich resultieren aus Unzufriedenheit und im schlimmsten Falle Erkrankungen mehr Krankentage, die die Produktivität des Unternehmens hemmen.

    Durch die Bereitstellung eines ergonomischen Arbeitsplatzes, dem Einrichten eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements und Gesundheits-Angeboten für die Mitarbeiter, gehen Unternehmen einen wichtigen Schritt. Weiterhin relevant sind eine transparente Kommunikationskultur, die Möglichkeit für offenes Feedback und das Gefühl, sich am Arbeitsplatz gut aufgehoben zu fühlen. Alles andere kann sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit beeinträchtigen.

    Es ist jedoch nicht nur die Pflicht des Arbeitgebers, die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen. Auch Arbeitnehmer können selber aktiv werden und gesundheitsfördernde Maßnahmen umsetzen. Dazu zählen mehr Bewegung am Arbeitsplatz, Sport in der Freizeit, eine gesunde Ernährung und ebenfalls eine offene Kommunikationskultur.

    Durch die Pflicht, alle Arbeitnehmer jederzeit zu schützen, kann es bei Nichteinhaltung der Hygieneregeln zur Betriebsschließung durch Verbreitung des Coronavirus kommen. Es hat sich eine neue Gefahr entwickelt, die auch mit zur Gesundheit am Arbeitsplatz zählt.

    Autor: Redaktion Personalwissen