Gewerkschaft: Aufgaben und Ziele der Arbeitnehmervertretung

Gewerkschaft: Aufgaben und Ziele der Arbeitnehmervertretung

Gewerkschaft: Unabhängig und demokratisch

Die größte Dachorganisation für Einzelgewerkschaften ist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Ihm gehören acht Mitgliedsgewerkschaften an, denen sich knapp sechs Millionen Frauen und Männer angeschlossen haben. Mit diesen Gewerkschaften sind alle Wirtschaftsbereiche und Branchen in Deutschland abgedeckt. Auch Selbstständige können Mitglied einer Gewerkschaft sein. 

    Zweitgrößter Dachverband der gewerkschaftlichen Interessenorganisationen ist der Beamtenbund/Tarifunion mit rund 1,3 Millionen Mitgliedern. An dritter Stelle steht der Christliche Gewerkschaftsbund (0,3 Millionen Mitglieder). 

    Die weiteren Berufsgewerkschaften sind kleiner und gehören keinem Dachverband an. Zum Beispiel der Marburger Bund (Vertretung der Klinikärzte) oder auch die GEW (Gewerkschaft für Erziehung in Wissenschaften). 

    Verhandlungen für ganze Branchen

    Die IG Metall ist die größte Gewerkschaft in Deutschland. Im Jahr 2019 wurden etwa 2,26 Millionen Mitglieder verzeichnet.

    Weil in Gewerkschaften unterschiedliche Beschäftigungsgruppen organisiert sind, sind sie in der Lage, großflächige Tarifverträge abzuschließen. Das kommt auch der Wirtschaft zu Gute. Denn in anderen Ländern müssen die Arbeitgeber mit kleinen und kleinsten Beschäftigtengruppen separat über Löhne und Arbeitsbedingungen verhandeln. Das kostet im Zweifelsfall viel Zeit. Zeit, die anderweitig besser für die Arbeit eingesetzt werden würde. 

    Anders in Deutschland: Hier werden Verträge für ganze Branchen abgeschlossen und meist verbindlich für einen bestimmten Zeitraum geregelt.

    Mitbestimmung für Arbeitnehmer

    Gewerkschaften gibt es in Deutschland seit rund 170 Jahren. Ab 1848 organisierten sich die Arbeitnehmer zunächst in Berufsverbänden. Die erste Gewerkschaft in Deutschland war der „Allgemeine Deutsche Cigarrenarbeiter-Verein“, der sich 1865 gründete. Im Laufe der Jahre wurden weitere Gewerkschaften gegründet

    Die Mitbestimmung in Gesellschaft, Unternehmen und Wirtschaft gehört zu den wichtigsten Zielen der Vereinigungen. Eine wichtige Aufgabe, weil die Arbeitsrechte auch in Deutschland in vielen Betrieben nicht eingehalten werden. Zum Beispiel dann, wenn Überstunden nicht bezahlt werden – oder erkrankten Mitarbeitern gedroht wird, sie zu entlassen. In diesen und anderen Fällen kann die Gewerkschaft weiterhelfen.

    Das Recht, eine Gewerkschaft zu gründen, ist schon im Grundgesetz festgehalten und daher in Deutschland ein hohes Gut:

    Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet. Abreden, die dieses Recht einschränken oder zu behindern suchen, sind nichtig, hierauf gerichtete Maßnahmen sind rechtswidrig.“

    Grundgesetz, Artikel 9, Absatz 3

    Gewerkschaft gründen: Wichtige Kriterien

    Jedoch müssen sich angehende Gewerkschafter an einige Vorgaben und Kriterien halten, wenn sie eine Gewerkschaft gründen möchten:

    • Gründung auf freiwilliger Basis
    • Privatrechtliche Vereinigung
    • Zweck: Förderung und Wahrnehmung wirtschaftlicher Interessen der Mitglieder (gegnerfrei und unabhängig von Einflüssen Dritter)
    • Organisiert auf überbetrieblicher Grundlage
    • Rechtlich in der Lage, Arbeitsbedingungen mit normativer Wirkung zu regeln (tarifvertraglich)

    Gewerkschaften beklagen Mitgliederschwund

    Seit einigen Jahren beklagen die Vereinigungen einen massiven Mitgliederschwund. Dieser Rückgang hängt unter anderem mit Veränderungen der modernen Arbeitswelt zusammen, an die sich Gewerkschaften nur unzureichend anpassen könnten – so eine gängige Meinung. 

    Noch ein Grund: Es haben sich viele neue Berufsgruppen entwickelt (zum Beispiel der IT-Bereich), die sich für klassische Gewerkschaftspolitik weniger empfänglich zeigen und die in den klassischen Gewerkschaften ihre Rechte nicht gewahr sehen. Trotzdem haben sich die Gewerkschaften als Partner der Wirtschaft bewährt. 

    Die größten Gewerkschaften in Deutschland

    Sechs große Gewerkschaften
    Deutscher Beamtenbund (DBB)
    Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
    Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG)
    IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU)
    Industrie Gewerkschaft Metall – IG Metall (IGM)
    Gewerkschaft der Polizei (GdP)

    Ziel der Gewerkschaften: Bessere Arbeitsbedingungen

    Zu den Aufgaben der Gewerkschaften gehören grundsätzlich Verhandlungen für bessere Arbeitsbedingungen mit den Arbeitgeberverbänden. Ziel ist, diese Ergebnisse in Tarifverträgen festzuschreiben. Fachanwälte für Arbeitsrecht beraten Gewerkschaftsmitglieder und vertreten diese auch vor Gericht. 

    Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zum Beispiel zählt rund 50000 Verfahren pro Jahr. Gründe für rechtliche Auseinandersetzungen gibt es viele. Sie dienen der Durchsetzung von Ansprüchen der Mitglieder genauso wie der Abwehr gegnerischer Forderungen. Häufig kommen die Juristen auch bei Kündigungen durch Arbeitgeber zum Einsatz. 

    Die Aufgaben einer Gewerkschaft

    Eine Gewerkschaft übernimmt unterschiedliche Aufgaben für die Beschäftigten, die sie vertritt. Unter anderem kommen folgende Aufgaben dabei in Frage:

    • Durchsetzung fairer Löhne
    • Anhebung der Urlaubstage
    • Durchsetzung kürzerer Arbeitszeiten
    • Arbeitsrechtliche Beratung
    • Rechtlicher Beistand
    • Durchsetzung besserer Arbeitsbedingungen

    Weil Gewerkschaften unabhängig und demokratisch organisiert sind und die Interessen ihrer Mitglieder vertreten, profitieren Arbeitnehmer von Verhandlungen mit diesem Zusammenschluss. Denn so sparen sie sich häufigere Verhandlungen mit kleineren Gruppen von Beschäftigten und damit im Idealfall auch Arbeitsausfälle weil die Mitarbeiter streiken. 

    Meistens geht es bei den Auseinandersetzungen mit den Arbeitgeberverbänden um bessere Arbeitsbedingungen.

    Wie finanzieren sich Gewerkschaften?

    Gewerkschaften finanzieren sich allein aus Mitgliedsbeiträgen. Die jeweilige Satzung einer Vereinigung bestimmt die Höhe des Beitrags. Dabei wird auf die finanziellen Möglichkeiten der Mitglieder Rücksicht genommen. Das heißt, dass nicht alle Mitglieder denselben Betrag zahlen. Normalerweise kostet eine Mitgliedschaft etwa ein Prozent des Bruttomonatslohns. Arbeitslose oder Personen in Elternzeit können einen Mindestbeitrag entrichten. Rentner zahlen etwas mehr als das Minimum. 

    Das Geld ist gut angelegt. Es sichert nämlich nicht nur die Gehälter der Gewerkschaftsangestellten, sondern wird im Bedarfsfall indirekt an die Mitglieder zurückgegeben. Rechtsstreitigkeiten und Prozesskosten bei Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber zahlt dann nicht zwingend der Arbeitnehmer, sondern die Gewerkschaft. 

    Aber auch die Streikkasse muss gut gefüllt sein: Bei einer von der Gewerkschaft organisierten Arbeitsniederlegung fließen keine Löhne und Gehälter. Der Arbeitnehmer erhält Streikgeld von seiner Gewerkschaft. Gestreikt wird zum Beispiel dann, wenn Arbeitgeber Verhandlungen ablehnen. Ein Streikrecht für alle Beschäftigten ist in Deutschland gesetzlich verankert. Das kostet die Gewerkschaften viel Geld: Im Jahr 2019 haben etwa 270000 Männer und Frauen in Deutschland an Gewerkschaftsstreiks teilgenommen. 

    Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft: Die Vor- und Nachteile 

    Es gibt gute Gründe, sich Gedanken über eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft zu machen. Aber auch die Kündigung einer Gewerkschaftsmitgliedschaft ist möglich. Dabei sollten die Beschäftigten natürlich die Vor- und Nachteile einer Gewerkschaft kennen.

    Vorteile einer Mitgliedschaft: Nachteile einer Mitgliedschaft: 
    Mitbestimmung durch ArbeitnehmerMonatsbeiträge für Mitglieder (ungefähr ein Prozent des Bruttogehalts) 
    Interessenvertretung für ArbeitnehmerArbeitnehmer in guten Positionen können oft selbst für sich sprechen
    Gegebenenfalls Probleme mit Vorgesetzten durch Gewerkschaftszugehörigkeit
    Kostenlose RechtsberatungGegebenenfalls Probleme mit Vorgesetzten durch Gewerkschaftszugehörigkeit
    Unterstützung bei Streiks
    Fortbildungen

    Größe der Gewerkschaft: Viele Menschen bewegen mehr

    Die Stärke einer Gewerkschaft richtet sich nach ihrer Mitgliederzahl. Denn viele Menschen können mehr bewegen als wenige. Seit Jahren fordern die deutschen Gewerkschaften für Betriebe mehr Mitbestimmung durch Arbeitnehmer – unter anderem durch mehr Betriebsrats- und Aufsichtsratswahlen. 

    Laut IG Metall stellen nur die wenigsten Unternehmen einen Betriebsrat. Außerdem, so heißt es, würden mehr und mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten in Aufsichtsräten unterbunden. Gründe dafür: Viele Unternehmer verhindern Betriebsratswahlen. Oder sie wählen internationale Unternehmensformen, die weit weniger auf Mitbestimmung setzen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund möchte die Firmen deshalb hart bestrafen lassen, damit Arbeitnehmer ihr Recht auf Mitbestimmung am Arbeitsplatz besser durchsetzen können. 

    Fazit zur Gewerkschaft

    Gewerkschaften spielen im Wirtschaftsleben eine wichtige Rolle. Für die Arbeitnehmer sind sie eine wichtige Organisation, durch die sie ihre Interessen wahrnehmen können. Für Arbeitgeber sind Gewerkschaften ein zuverlässiger Gesprächs- und Verhandlungspartner. Wer Mitglied in einer Gewerkschaft ist, sorgt mit seinen Beiträgen dafür, dass seine Interessensorganisation stark und handlungsfähig ist. 

    Autor: Redaktion Personalwissen