Qualifizierte Fachkraft oder Quereinsteiger – Das müssen Personaler beachten

Qualifizierte Fachkraft oder Quereinsteiger – Das müssen Personaler beachten

Der Arbeitsmarkt ist heute durchlässiger, vielseitiger, aber auch komplexer geworden. Personaler müssen entscheiden, ob für eine bestimmte Stelle eine dezidiert ausgebildete Fachkraft oder ein Quereinsteiger mit vielseitigen Erfahrungen die bessere Wahl ist. Hier erfahren Sie anhand von Beispielen, welche Unterschiede und Besonderheiten es hinsichtlich der beiden Varianten gibt und worauf für eine zielführende Entscheidung zu achten ist.

Fachkräfte: Vor- und Nachteile

Zunächst lohnt sich für den Personaler ein Blick darauf, welche Vor- und Nachteile Fachkräfte in verschiedenen Bereichen ganz grundsätzlich mitbringen.

Vorteile von Fachkräften

Zu den Vorteilen gehört die Erfahrung im entsprechenden Gebiet. Fachkräfte, die bereits einige Zeit im Beruf sind, können ihr Wissen von Beginn an abrufen und benötigen oftmals nur eine vergleichsweise kurze Einarbeitungszeit für eine erste Orientierung im Betrieb.

Des Weiteren sind die Fachkräfte, sofern sie sich regelmäßig weiterbilden, auf dem jeweils aktuellen Stand der Branche und kennen vielerlei Hintergründe. So können sie bestimmte Entwicklungen einordnen und damit helfen, zielführende Entscheidungen für die Zukunft des Betriebs zu treffen.

Nachteile von Fachkräften

Allerdings kann das Einstellen von Fachkräften bzw. der Fokus auf diese Mitarbeitergruppe einige Nachteile haben. In bestimmten Sparten sind die Gehälter für solche Angestellten äußerst hoch.

Gerade, wenn der Betrieb erst kürzlich gegründet wurde, kann dies womöglich die wirtschaftlichen Möglichkeiten übersteigen. Darüber hinaus besteht in verschiedenen Branchen ein Fachkräftemangel.

Das hat zur Folge, dass die Suche nach entsprechendem Personal aufwendig sein kann und viel Zeit in Anspruch nimmt. In dieser Phase fehlt dem Unternehmen ein wertvoller Mitarbeiter, der dabei helfen könnte, den Betrieb voranzubringen und Umsätze zu generieren.

Quereinsteiger: Vor- und Nachteile

Wie Fachkräfte bringen Quereinsteiger einige Vor- und Nachteile mit, die vor einer Einstellung bedacht werden sollten.

Vorteile von Quereinsteigern

Zu den typischen Vorteilen vieler Quereinsteiger zählen unter anderem:

  • hohe Motivation und Leidenschaft,
  • ein anderer Blick auf verschiedene Fragestellungen
  • sowie womöglich geringere Kosten.

Quereinsteiger werden häufig von einer großen Leidenschaft für das jeweilige Thema angetrieben. Das hat zur Folge, dass sie die neue Tätigkeit mit einer außerordentlich hohen Motivation angehen, was wiederum zu einer umfangreichen Produktivität führt.

Gleichzeitig haben viele Quereinsteiger auf die ein oder andere Fragestellung eine andere Sichtweise als Fachkräfte. Dieser frische Blick kann im besten Fall zu neuen Ideen oder raffinierten Lösungen für verschiedene Probleme führen.

Des Weiteren können Vorteile hinsichtlich des Gehaltes bestehen. Womöglich erwartet der Quereinsteiger aufgrund der fehlenden Qualifikation und Erfahrung zumindest zum Einstieg einen geringen Lohn als eine Fachkraft.

Nachteile von Quereinsteigern

Zu den Nachteilen der Quereinsteiger gehört oftmals, dass sie eine längere Zeit der Einarbeitung benötigen. Das ist vor allem deshalb der Fall, da ihnen die Erfahrung im entsprechenden Beruf fehlt.

Hierdurch gehen zu Beginn Ressourcen und Produktivität verloren. Gleichzeitig können eventuelle Weiterbildungen einige Kosten mit sich bringen, die den Vorteil eines geringeren Gehaltes für einen gewissen Zeitraum zunichtemachen.

Darüber hinaus ist gerade zu Beginn unklar, ob der Quereinsteiger eine Zukunft im jeweiligen Job hat. So kann es sein, dass der Mitarbeiter nach einiger Zeit feststellt, dass er sich seine Arbeit anders vorgestellt hat und erneut das Berufsfeld wechseln möchte. In diesem Fall würde sich der Mehraufwand der Einarbeitung und Weiterbildung nicht lohnen.

Beispiel IT-Branche

Eine Branche, in der Quereinsteiger aufgrund des Fachkräftemangels immer häufiger eine Chance bekommen, ist der IT-Sektor.
Eine Branche, in der Quereinsteiger aufgrund des Fachkräftemangels immer häufiger eine Chance bekommen, ist der IT-Sektor. © REDPIXEL (#167812893) | Adobe Stock

Eine Sparte, die in der aktuellen Zeit eine besonders wichtige Bedeutung in der Wirtschaft hat, ist die IT-Branche. Von Sicherheit bis hin zu künstlicher Intelligenz gibt es viele verschiedene Felder, für die womöglich kompetentes Personal benötigt wird.

Quereinsteiger und Fachkräfte in der Digitalbranche

Die Digitalbranche ist eine der Sparten, in denen ein umfangreicher Fachkräftemangel besteht. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft waren in diesem Sektor im Jahr 2022 im Durchschnitt 67.924 Stellen offen.

Dementsprechend wird versucht, dem Fachkräftemangel unter anderem durch das Einstellen von Quereinsteigern entgegenzutreten. Das zeigt sich anhand von Stellenausschreibungen von großen Unternehmen in der Branche, zum Beispiel im Bereich der Softwareentwicklung.

Firmen wie Valantic suchen hier ganz explizit nicht nur nach Fachkräften, sondern gleichermaßen nach Quereinsteigern. Darüber hinaus gibt es für Studierende die Möglichkeit, bei diesem Unternehmen eine Stelle zu bekommen. Dementsprechend ist es sinnvoll, für Quereinsteiger offen zu bleiben und solche Kandidaten bei der Suche zu berücksichtigen.

Was sollten Quereinsteiger im Bereich IT mitbringen?

Wichtig bei einem Quereinstieg in der IT-Branche ist, dass der jeweilige Kandidat bereits einige grundsätzliche Fähigkeiten mitbringt. Diese kann er über eine Weiterbildung oder als Autodidakt erworben haben.

Letzteres ist zum Beispiel dann der Fall, wenn IT-Themen ein Hobby des potenziellen Mitarbeiters sind und er sich in der Freizeit bereits selbst im Programmieren versucht hat. Vorteilhaft können verschiedene Skills auf Basis beruflicher Erfahrung in anderen Bereichen sein. Durch Teamfähigkeit, Kommunikationsvermögen und Ähnliches kann der Kandidat sogar Vorteile gegenüber einer Fachkraft haben, die keinerlei Berufserfahrung mitbringt.

Beispiel Kreativbranche

Eine weitere Branche, in der eine Entscheidung zwischen Fachkräften und Quereinsteigern womöglich eine Bedeutung haben könnte, ist die Kreativbranche. Hierzu gehören unter anderem Berufe wie:

  • Grafiker und Designer,
  • Fotograf
  • oder Musiker.

Für die jeweiligen Tätigkeiten gibt es Ausbildungen oder sogar Studiengänge. Andererseits beschäftigen sich viele Menschen in ihrer Freizeit mit diesen Themen und haben sich so womöglich über einen langen Zeitraum umfangreiche Fähigkeiten angeeignet, die durch eine Weiterbildung vertieft werden können.

Der große Vorteil dabei ist, dass die in der Freizeit bereits entstandenen Arbeiten der Quereinsteiger einen umfangreichen Überblick über ihr Können bieten. Dementsprechend haben Personaler die Möglichkeit, sie ganz direkt mit den Skills der Fachkräfte zu vergleichen. Im besten Fall kann ein bereits angestellter Experte aus dem Unternehmen hinzugezogen werden.

Beispiel Gastgewerbe

Eine weitere Sparte, die sich potenziell für Quereinsteiger eignet, ist das Gastgewerbe. Hierzu gehören vor allem Restaurants und Hotels.

Verschiedene Bereiche und Personalmangel in der Gastronomie

Die möglichen Jobs in dieser Branche sind vielseitig. So gibt es unter anderem Positionen in der Küche oder im Service. Sowohl in Hotels als auch in Restaurants besteht außerdem die Möglichkeit, im Bereich des Managements zu arbeiten.

Die Branche hat es ebenfalls schwer, Personal zu finden. Das liegt zum einen an den unattraktiven Arbeitszeiten. Darüber hinaus hat die Corona-Pandemie den Personalmangel noch verstärkt. So haben viele Menschen, die hier tätig waren, aufgrund der Schließungen mittlerweile auf andere Bereiche umgesattelt.

Was sollten Fachkräfte und Quereinsteiger gleichermaßen mitbringen?

Dabei gibt es verschiedene Skills, die sowohl Fachkräfte als auch Quereinsteiger im Gastgewerbe in jedem Fall mitbringen sollten. Dazu gehören allen voran Stressresistenz und Kommunikationsfähigkeit. In der Managementebene kommt ein umfangreiches Maß an Organisationsfähigkeit hinzu. Sicherlich gibt es viele andere Jobs, in denen solche oder ähnliche Fähigkeiten gefragt sind. Dazu gehören unter anderem der Verkauf oder administrative Tätigkeiten (hierbei vor allem die Organisationsfähigkeit). Bringt ein Bewerber einen entsprechenden Lebenslauf mit, kann dies eine gute Basis für deinen Quereinstieg sein.

Management-Skills können für Quereinsteiger im Gastgewerbe einige Vorteile mit sich bringen.
Management-Skills können für Quereinsteiger im Gastgewerbe einige Vorteile mit sich bringen. © Gorodenkoff (#401659958) | Adobe Stock

Wichtig ist, dass die Mitarbeiter die arbeitsrechtlich notwendigen Grundlagen mitbringen, um im entsprechenden Sektor tätig zu sein. In der Gastronomie gehören dazu für viele Tätigkeiten Hygieneschulungen.

Grenzen hat der Quereinstieg in der Küche. Gerade wenn es um hochpreisige Gastronomie geht, ist wohl oftmals eine Ausbildung im Bereich des Kochens notwendig, um eine Küche zu leiten und neue Gerichte zu entwickeln.

In welchen Branchen ist der Quereinstieg problematisch oder sogar unmöglich?

Neben diesen Einschränkungen gibt es ganze Berufsgruppen, in denen die Zusammenarbeit mit Quereinsteigern schwer bis unmöglich ist. Dazu gehören allen voran:

Wer als Jurist Mandaten oder Unternehmen rechtssicher beraten möchte, benötigt hierfür als Grundlage ein Studium. Oftmals ist zusätzlich eine Ausbildung zum Fachanwalt nötig. Ohne einen offiziellen juristischen Abschluss ist die Arbeit vor Gericht gar nicht möglich.

Gleiches gilt für Ärzte. Hier muss die Arbeit auf Basis eines abgeschlossenen Medizinstudiums genehmigt werden. In beiden Fällen lauern ohne das Studium Gefahren: Bei einem Anwalt für die korrekte juristische Behandlung der Mandanten, bei einem Arzt im Ernstfall sogar für Leib und Leben des Patienten.

Allerdings gibt es im Gesundheitswesen ganz allgemein Berufe, in denen ein Quereinstieg möglich ist. Dazu gehört zum Beispiel der Bereich der Pflege. Aufgrund des Fachkräftemangels werden hier sogar händeringend Quereinsteiger gesucht.

Fazit

Quereinsteiger und Fachkräfte bringen jeweils einige Vor- und Nachteile mit. Je nach Branche kann es als Personaler sinnvoll sein, diese Aspekte abzuwägen und beiden Personengruppen eine Chance zu geben. Gerade bei Quereinsteigern ist dabei zu beachten, dass sie in einigen Sparten die notwendigen Grundvoraussetzungen mitbringen. Ein Beispiel hierfür bieten Hygieneschulungen im Bereich der Gastronomie.