7 Recruiting Trends 2022

7 Recruiting Trends 2022

Die Recruiting Trends in 2022 sprechen eine eindeutige Sprache: Die neue Arbeitswelt ist da und bringt viele Herausforderungen mit sich, auf die sich Personaler einstellen sollten.

Die Corona-Pandemie begleitet uns auch in 2022: Für viele Unternehmen ist es das „neue Normal“, dass ihre Mitarbeiter remote arbeiten und in den meisten Betrieben wurden bereits neue Regelungen implementiert, die auch nach der Pandemie mehr Home Office für die Mitarbeiter vorsehen. Im Recruiting hat sich die Lage weiterhin verschärft – viele Firmen suchen nach neuen Mitarbeitern, aber werden nicht fündig. 

Innovatives Recruiting ist daher wichtiger denn je, denn mit dem Wandel der Arbeitswelt wandeln sich auch die Ansprüche der Arbeitnehmer und somit die Personalbeschaffung. Vorbei sind die Zeiten, in denen eine Jobanzeige ausgereicht hat, zahlreiche Bewerbungen im Posteingang vorzufinden. Und selbst wenn es geeignete Kandidaten gibt, so haben diese heutzutage ganz andere Ansprüche an einen Arbeitgeber als noch vor der Pandemie. 

Ob ein bewerberzentrierter Arbeitsmarkt, der Fokus auf Gleichberechtigung und Vielfalt, On-Demand-Mitarbeiter oder die Höhergewichtung von Soft Skills. Diese 7 Recruiting-Trends müssen Sie im Jahr 2022 kennen.

1. Rollentausch bei Arbeitgebern und Bewerbern: Wer umwirbt wen?

Der Arbeitsmarkt steht vor der größten Talentkrise seit 2008 und für viele Unternehmen wird es immer schwerer, geeignete Mitarbeiter zu finden. Mittlerweile konkurrieren nicht mehr die Bewerber um den Arbeitgeber, sondern Arbeitgeber um die Talente. Die Rollen wurden getauscht, von einem Arbeitgebermarkt zu einem Bewerbermarkt und Firmen müssen sich bewusst machen, dass sie ihren Angestellten etwas bieten müssen. 

In einigen Branchen wie im Vertrieb, in der Logistik, im Handwerk sowie in vielen digitalen Berufen werden händeringend neue Mitarbeiter gesucht, die sich ihren Arbeitsplatz zum Teil frei aussuchen können, so groß ist der Bedarf. Um da herauszustechen, müssen Arbeitgeber das Thema Employer Branding ernst nehmen und sich als Arbeitgebermarke ansprechend platzieren.

2. Recruiting Trends Diversity, Gleichberechtigung und Inklusion: Vom „Möglich“ zum „Muss“? 

Waren Diversity, Gleichberechtigung, Inklusion und Vielfalt lange Zeit eine nette Option, so hat sich das mittlerweile geändert. Für Mitarbeiter und Bewerber sind diese Themen ins Zentrum gerückt und Unternehmen sollten sie auch wirklich leben und nicht nur als Buzzwords nutzen, denn die Realität wird schnell entlarvt.

Vielfalt beginnt schon im Bewerbungs- und Einstellungsprozess. Diverse, interdisziplinäre und inklusive Teams bringen ihrem Arbeitgeber jede Menge Vorteile. Sie steigern die Innovationskraft, den Ertrag und die Wettbewerbsfähigkeit. Zudem stellt ein Diversity-Konzept für potenzielle Mitarbeiter einen großen Anziehungspunkt dar und sollte selbstverständlich Teil des Employer Brandings sein.

Machen Sie sich klar, dass zu einem diversen Unternehmen mehr gehört als nur ein Foto vom bunten Team auf der Website. Nehmen Sie die Herausforderung an und bedenken Sie Themen wie:

  • Kinderbetreuungsmöglichkeiten
  • Sabbatical-Optionen
  • Hinweise auf Homeoffice
  • Hinweise auf flexible Arbeitszeitmodelle
  • Work-Life-Balance

Warum bieten Sie in Ihrem Unternehmen nicht Tandem-Lösungen an? Stellen Sie Geflüchtete ein oder Bewerber aus dem Ausland und matchen Sie diese mit langjährigen Mitarbeitern. Letztere helfen beispielsweise beim Abbau sprachliche Hürden und dem Einleben in eine neue Umgebung. Ausländische Mitarbeiter bringen ihr Fachwissen vor dem Hintergrund ihre Erfahrungen mit ein. Ein absoluter Mehrgewinn für Ihr Unternehmen! 

3. Recruiting Trend Mental Health: Wie können Sie Ihre Mitarbeiter 2022 psychisch unterstützen?

Das Thema Mental Health ist nach zwei Jahren Pandemie und in Anbetracht vieler weiterer globalen Krisen so relevant wie nie zuvor. Home Office kann die psychische Gesundheit verschlechtern und es gibt viele Arbeitnehmer, die nicht damit zurechtkommen. Sie beklagen das Verschwimmen von Freizeit und Arbeit, sie machen Überstunden und ihnen fehlt der soziale Austausch mit anderen. In einigen Branchen herrscht außerdem seit Pandemiebeginn große Unsicherheit und die Angst vor Entlassungen hat ebenfalls viele Menschen umgetrieben. Unternehmen sollten die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter ernst nehmen, da sonst Burnout, Depressionen oder psychosomatische Erkrankungen drohen. 

Mit einer regelmäßigen Erfassung der Bedürfnisse und Stimmungen im Team, können Führungskräfte sehen, wo bei Mitarbeitern der Schuh drückt. Anschließend lässt sich mit Maßnahmen wie einem Resilienz-Training, Entspannungs-Workshops oder dem Anbieten eines Mediationsprogrammes entgegenwirken. Im Rahmen des Recruitings sollten Sie mit solchen Möglichkeiten auch explizit werben, denn das zeigt, dass Ihnen Ihre Mitarbeiter wichtig sind. Weitere Wege, die zu mehr Mental Health im Team führen können, sind:

  • Zusätzliche freie Tage
  • Einräumen flexibler Arbeitszeiten
  • (Virtuelle) Räume schaffen, in denen sich Mitarbeiter mit Kollegen austauschen können, vorwiegend über nicht-arbeitsbezogene Themen

4. Mitarbeiter über Social Recruiting finden? 

Wie auch schon in den vergangenen Jahren ist Social Recruiting ein anhaltender Trend. Social Media Plattformen wie Facebook, TikTok und Instagram sind ein Weg, insbesondere junge Bewerber anzusprechen und ihnen einen Job bzw. das dahinterstehende Unternehmen näherzubringen. Eine vorherige Eingrenzung der Zielgruppe erleichtert zudem die Themensetzung und verhindert Streuverluste.

60 Prozent der potenziellen Bewerber sind nicht aktiv auf der Suche nach neuen Jobs. Das machen sich auch sogenannte Headhunter, also Anwerber für zumeist Führungskräfte, zunutze. Bewerberrecherche über Soziale Medien eignet sich ebenfalls gut, um Quereinsteiger zu rekrutieren. Vor allem die Karriereportale LinkedIn und Xing nutzen Headhunter als Recruitingprozess zum Durchforsten von Jobprofilen. Anschließend nehmen sie zu den möglichen Kandidaten online direkt Kontakt auf.

Bei der Nutzung von Social Recruiting gibt es zudem ein paar Eigenschaften, mit denen Sie bei Bewerbern besonders punkten können:

  • Erster Eindruck: Visuell ansprechende Gestaltungselemente und Inhalte stärken das Interesse an Ihrem Unternehmen.
  • Authentizität: Echte Fotos aus dem Unternehmen zu verwenden und Mitarbeiter einzubinden, vermitteln dem Betrachter einen wirklichkeitsnahen Eindruck von Ihren als Arbeitgeber.
  • Kommunikation: Persönlich ist hier das Schlagwort. Egal, welchen Social Media Account Sie für die Bewerbersuche nutzen, die direkte Ansprache in der Du-Form ist weit verbreitet. Wichtig: Jede Plattform hat hier ihre eigenen Besonderheiten, die beim Recruiting-Prozess beachtet werden sollten.
  • Evaluierung: Welche Maßnahmen funktionierten in der Vergangenheit gut? Was spricht Bewerber besonders an? Wie machen es die anderen? All das hilft, die eigene soziale Performance zu verbessern.

Der Social Recruiting-Trend macht außerdem deutlich, dass Motivationsschreiben und ausführliche Bewerbungsmappen zunehmend ausgedient haben. Ein schlanker Bewerbungsprozess, unkomplizierte und niederschwellige Bewerbungsmöglichkeiten, direkte Wege zur Kontaktaufnahme sowie lockere Bewerberinterviews und One-Click-Bewerbungsverfahren per Tablet oder Smartphone sind die Zukunft und darauf sollten sich Recruiter einstellen – alles andere wirkt abschreckend.

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Social Media Recruiting wird immer beliebter bei jungen Bewerbern. © fizkes – Adobe Stock

5. Wie wichtig sind Soft Skills?

Wie gut Menschen und ihre Persönlichkeit in eine Firma passen, ist wichtiger denn je zuvor. Nicht nur die fachliche Eignung bestimmt darüber, wie gut ein Unternehmen durch eine Krise kommt. Mit der sich verändernden Arbeitswelt verändern sich auch die Anforderungen an Mitarbeiter. Ist jemand besonders kommunikativ und gerne in Gesellschaft und unter Kollegen? Dann ist eine Stelle 100 %-remote Stelle für diese Person möglicherweise nicht das richtige. Benötigt jemand viel Flexibilität und Freiheit, zum Beispiel aufgrund einer persönlichen Situation wie der Pflege von Angehörigen? Für einen Job mit frei einteilbaren Arbeitszeiten könnte diese Person genau die Richtige sein. 

Bei vielen Menschen hat die Pandemie außerdem zu Umbrüchen im Lebenslauf geführt, da sie sich neu orientieren mussten. Recruiter sollten bunte Lebensläufe und viele Jobwechsel im Jahr 2022 nicht als Schwäche ansehen und nur auf lineare Entwicklungen setzen: Quereinsteiger beweisen Flexibilität und dass sie veränderungsbereit, lernwillig und offen für Neues sind. Solche Eigenschaften sind insbesondere in Krisenzeiten enorm wichtig. 

6. Die Generation Y halten: Wie geht das?

Die Generation Y, also alle, die zwischen 1981 und 1995 geboren wurden, ist nach Zahlen die zweitstärkste Generation auf dem Arbeitsmarkt. Noch überwiegt die Generation X, aber in einem Jahrzehnt werden die ersten aus dieser Generation in den Ruhestand gehen und die Generation Y wird die dominierende am Arbeitsmarkt sein. Derzeit führt die Generation Y die Statistiken der Kündigungen an, die Arbeitgeber aufgrund des Fachkräftemangels gerade eigentlich nicht gebrauchen können. Vielen Millennials fehlt in ihrem Job der Sinn oder sie sehen dort keine Perspektiven für ihre Zukunft, zum Teil auch weil sie nicht ausreichend gefördert werden. 

Für Arbeitgeber liegt die Kunst daher darin, den Wert dieser Generation zu kennen und zu fördern. Mitarbeiter, die heute zwischen 30 und 40 sind und bereits seit drei bis fünf Jahren in einem Betrieb arbeiten, befinden sich nach dieser Zeit in der Blüte ihrer Karriere, können in den nächsten Jahren in hohe Management-Positionen gelangen und kennen insbesondere ihren positiven Marktwert. Und genau diesen wollen sie in ihrem jetzigen Job auch gespiegelt bekommen, weshalb Sie diese Generation gezielt fördern sollten. 

Sorgen Sie dafür, dass sich diese Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen gesehen und wertgeschätzt fühlen und verhindern Sie so Kündigungen, die Sie erneutes Recruiting kosten würden. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern Perspektiven auf, fördern Sie sie und geben Sie der Arbeit einen tieferen Sinn – denn das zahlt sich aus!

7. Recruiting Trend 2022: Mitarbeiter On Demand – was bedeutet das?

Viele Unternehmen sind in ihren Strukturen offener geworden, was an der Remote-Arbeit liegt. Wenn Mitarbeiter nicht mehr im Büro sitzen müssen, um für eine Firma zu arbeiten, müssen sie auch nicht mehr in der gleichen Stadt wohnen, das heißt auch Remote-Hiring ist möglich und Mitarbeiter aus anderen Städten oder sogar Ländern können problemlos eingestellt werden. Daraus ergibt sich eine neue Flexibilität und die Idee von On Demand-Mitarbeitern wird für viele Firmen relevanter. 

Sich für verschiedene Projekte oder in Hochphasen Freelancer hinzuzunehmen und Mitarbeiter für spezielle Zwecke immer wieder für kurze Phasen hinzuzukaufen, kann höchst effizient sein und unternehmerische Bedürfnisse erfüllen. Freiberufler benötigen kein ausführliches Onboarding, müssen nicht komplett in eine Firma integriert werden und haben zum Teil ausgefeilte Fähigkeiten in einer Nische, mit denen sie sinnvoll unterstützen können. Unternehmen können so ihr Skill Set ganz einfach erweitern. Die Möglichkeiten, passende Freiberufler zu finden, sind immens und es gibt zahlreiche Plattformen, auf denen sich viele Talente tummeln:

  • Upwork
  • Freelance.de
  • Smartjobr
  • Twago
  • Gulp 
  • Uplink
  • Fiverr

Ein weiterer Bonus dieser Arbeitskräfte On Demand ist, dass über sie auch mehr Vielfalt und Inklusion in ein Unternehmen gebracht werden können. Ebenfalls Themen, die zu den Recruiting Trends 2022 gehören. 

Fazit: Mit den Recruiting Trends 2022 neue Mitarbeiter finden und Mitarbeiterbindung verbessern

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben den Arbeitsmarkt ordentlich umgekrempelt und es bestehen weiterhin viele Herausforderungen. Bei vielen Unternehmen gab es einen Wegfall der Anwesenheitspflicht oder sie haben Remote oder Hybrid Work mittlerweile in ihren Betriebsvereinbarungen und Konzepten verankert. Für Bewerber ist es heutzutage ein Grund, einen Job abzulehnen, wenn der Arbeitgeber solche Modelle nicht anbietet. Viele weitere Aspekte sind Mitarbeitern heute wichtig, die vor ein paar Jahren noch eine kleinere Rolle gespielt haben. Dazu zählen gelebte Inklusion, gelebte Diversity und auch die Möglichkeiten zu flexiblen Arbeitszeitmodellen, Elternzeit, Sabbaticals und vielem mehr ist relevant.

Auch die Lebensläufe müssen heutzutage nicht mehr linear sein. Es gibt immer mehr Quereinsteiger und viele Menschen, die durch die Corona-Pandemie zu einem Jobwechsel gezwungen wurden. Doch das spricht für Flexibilität und Offenheit und auch Unternehmen können von diesen Social Skills profitieren. Den Menschen mit seiner Persönlichkeit zu betrachten, ist wichtiger denn je, um zu schauen, ob der Job überhaupt zu ihm passt. Die 7 Recruiting Trends 2022 zeigen, dass nach wie vor viel im Umbruch ist und die Arbeitswelt gerade viele starre Muster der letzten Jahrzehnte auflöst. On Demand-Mitarbeiter, der Fokus auf das Thema Mental Health sowie niederschwellige Möglichkeiten zur Bewerbung sind wichtige Themen, die zu einem erfolgreichen Recruiting für HR-Abteilungen beitragen und außerdem für zufriedene Mitarbeiter sorgen, die ihrem Arbeitgeber erhalten bleiben. Nutzen Sie diese Recruiting Trends 2022 auf der Suche nach neuen Talenten und stärken Sie Ihr Unternehmen mit den besten Mitarbeitern für mehr Wachstum und Erfolg.

Häufig gestellte Fragen zu den Recruiting Trends 2022:

Was sind die größten Recruiting Trends 2022?

2022 geht es nach wie vor um Social Recruiting sowie um Diversity und Inklusion. Es geht aber auch um On Demand-Mitarbeiter, einen stärkeren Fokus auf Soft Skills sowie Mental Health und den Blick hin zur Generation Y.

Wie hat sich der Arbeitsmarkt verändert?

Der Markt hat sich von einem Arbeitgebermarkt zu einem Bewerbermarkt gewandelt und Unternehmen müssen zusehen, dass sie bestehende Arbeitnehmer halten und neue Arbeitnehmer mit einer glaubwürdigen Firmenphilosophie überzeugen.

Welche Herausforderungen gibt es für HR-Mitarbeiter?

Sie müssen nicht nur bestehende Mitarbeiter fördern und ihnen Perspektiven aufzeigen, sondern auch gezielt neue Mitarbeiter finden. HR-Arbeit ist dabei das Herzstück eines Unternehmens, weshalb ihr die nötige Aufmerksamkeit und Personalstärke entgegengebracht werden sollte.