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Azubi-Recruiting – welche Kanäle sind sinnvoll?

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Azubi-Recruiting

Laut einer Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages blieb im Jahr 2017 etwa ein Drittel der Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Als wichtigste Faktoren gelten jedoch der demografische Wandel und die Taktik der Unternehmen, Azubis für die betriebliche Ausbildung zu gewinnen. In diesem Artikel lesen Sie, welche Besonderheiten beim Azubi-Recruiting beachtet werden sollten und welche Punkte dazu beitragen, geeignete Nachwuchskräfte für das eigene Unternehmen zu finden.

Azubis – gefragt wie noch nie

Die steigende Anzahl unbesetzter Ausbildungsplätze steht zu einem großen Teil mit dem demografischen Wandel in Verbindung: Aufgrund der sinkenden Geburtenrate mangelt es auf dem Arbeitsmarkt an fähigem Nachwuchs. Ein weiterer Punkt, weshalb offene Ausbildungsstellen nicht besetzt werden können, ist bei den Unternehmen selbst zu verorten: Rudimentär umgesetztes Ausbildungsmarketing und wenig zielgruppenspezifische Ansprache gehen zu wenig auf potenzielle Azubis ein – und sind ebenfalls keine valide Informationsquelle für zukünftige Mitarbeiter.

Oftmals wissen Auszubildende gar nicht um das Ausbildungsangebot nahe gelegener Firmen, da die Unternehmen kein strategisches Marketing betreiben. Sinnvoll ist es deshalb, sich beim Azubi-Recruiting nicht nur auf die kurzweilige Stellenbesetzung zu konzentrieren, sondern eine umfassende Employer-Branding-Strategie mit speziellem Fokus auf Azubis auszuarbeiten.

Tipp: Stellen Sie klar heraus, wieso Sie als Arbeitgeber gerade für motivierte junge Menschen attraktiv sind. Mögliche Alleinstellungsmerkmale können spezifische Arbeitszeitregelungen sein, finanzielle Benefits oder aber spezielle Unterstützungsangebote, beispielsweise durch eine gezielte Ausbildungsförderung.

Die Nachwuchsgewinnung über Social-Media-Kanäle

Die erwähnte Employer-Branding-Strategie kann dann mit dem aktiven Recruiting verknüpft werden – besonders leicht geht das in den sozialen Medien. Mit etwas Know-how ist dort eine gezielte Streuung von Informations- und Jobangeboten bei der passenden Zielgruppe möglich. Allerdings sollten Sie beim Schalten von Annoncen auf die richtige Plattform setzen, von denen es mittlerweile zahlreiche gibt:

  • Facebook
  • Instagram
  • Snapchat
  • Google+

Für die Jobsuche wird Facebook als seriöse Online-Plattform anerkannt und geschätzt. Das „jugendlichere“ Snapchat hingegen verbinden die meisten Azubis mit Freizeit, was dieses soziale Medium für die seriöse Arbeitgeber-Präsenz eher ungeeignet erscheinen lässt. Social-Media-Workshops und Ad-Lehrgänge tragen dazu bei, sich auf dem Feld der kommerziellen Anzeigenschaltung sicher zu bewegen. Gerade was das sogenannte Targeting – also die Zielgruppen-Filterung angeht – braucht es zunächst Expertise und Übung. Schließlich soll mit einem möglichst überschaubaren Werbeanzeigenbudget auch die maximale Anzahl geeigneter Personen erreicht werden.

Tipp: Schauen Sie sich auch in spezifischen Facebook-Gruppen um. Dort ist es besonders leicht, mit Interessierten in Kontakt zu treten und auf das eigene Unternehmen als Arbeitgeber aufmerksam zu machen. Es gibt nicht nur regional beschränkte Job-Gruppen, sondern auch Informationsgruppen für zukünftige Auszubildende mit branchenspezifischem Schwerpunkt. Wer als Unternehmen selbst aktiv sein möchte und auch entsprechende personelle Ressourcen aufbringen kann, könnte auch erwägen, selbst eine Gruppe zu gründen und als Administrator und Moderator tätig zu werden.

Digitaler Ausbildungsbetrieb: Mit der Zeit gehen

Immer mehr Auszubildende erwarten von ihrem Ausbildungsbetrieb eine digitale Performance – denn schließlich sind die zumeist jungen Leute mehrheitlich mit Neuen Medien, Smartphone und Internet aufgewachsen. Eine ausschließliche Digitalisierung von Ausbildungsinhalten ist jedoch nicht gewünscht – der Mix macht’s also.

Eine zeitgemäße Möglichkeit, die Ausbildung mit der fortschreitenden Digitalisierung zu verbinden, wäre es, das Berichtsheft digital führen zu können. Diese Möglichkeit bieten allerdings bisher nur knapp 7 % der Ausbildungsbetriebe ihren Nachwuchskräften. Das soll jedoch zeitnah geändert werden: Die IHK kündigte an, geeignete Software-Lösungen für Ausbildungsbetriebe zur Verfügung stellen zu wollen, um die digitale Berichtsheftführung zu forcieren.

Weitere digitale Lösungen – die gerne auch im Rahmen der Employer-Branding-Strategie formuliert werden dürfen – wirken auf potenzielle Azubis ansprechend:

  • Mobil optimierte Inhalte: Lerninhalte, die für Smartphone und Tablet optimiert sind, steigern die Attraktivität eines Ausbildungsbetriebs. Bestes Beispiel sind hier die Fahrschulen, die sich bereits vor Jahren auf die steigenden digitalen Anforderungen eingestellt haben und die Vorbereitung für die Theorieprüfung über Apps anbieten.
  • Praktische Erfahrung und virtuelles Arbeiten verbinden: Die duale Berufsausbildung ist nicht umsonst so gefragt – mehr Praxiserfahrung lässt nicht sammeln. Bevor Azubis erstmalig wirklich am realen Objekt oder an einem echten Menschen arbeiten dürfen, bieten sich virtuelle Lernumgebungen an. In der Pflege beispielsweise können Auszubildende zunächst eine virtuelle Routine entwickeln, bevor sie schließlich mit Patienten interagieren – was nicht zuletzt für die Ausbilder eine Erleichterung darstellt.

Die wichtigsten Entscheidungshilfen für potenzielle Azubis

Die Berufsausbildung adressiert größtenteils die junge Zielgruppe. Doch potenzielle Auszubildende und gerade junge Menschen, die den ersten Schritt ins Berufsleben wagen, beziehen erfahrene Vertrauenspersonen in ihre Entscheidung für oder wider eine Ausbildung mit ein. In aller Regel sind das die Eltern der künftigen Nachwuchskräfte.

Das Azubi-Recruiting sollte aus diesem Grund nicht nur die jungen Erwachsenen fokussieren, sondern auch den Anforderungen der Eltern gerecht werden. Im Fokus stehen dabei in erster Linie das Wohlergehen der Kinder sowie in zweiter Instanz die Wege der Anwerbung, die eher noch traditioneller ausgerichtet sind:

  • Werbung auf Plakaten
  • Stellenanzeigen in lokalen Zeitungen
  • Mund-zu-Mund-Propaganda

Tipp: Eine interessante Möglichkeit, um Eltern und Auszubildende zugleich anzusprechen, sind Selbsttests. Interaktive Online-Tests, die auf das Unternehmen und die Anforderungen der Ausbildungsstelle ausgerichtet sind, helfen den Jugendlichen bei der Selbsteinschätzung. Im besten Fall setzen sich die jüngere und die ältere Generation gemeinsam mit der jeweiligen Ausbildungsstelle und dem -betrieb auseinander.

5 Tipps: Azubi-Recruiting leicht gemacht

  1. Azubi-Recruiting beginnt in der Schule

Eine erfolgreiche Anwerbung zukünftiger Auszubildender sollte bereits in der Schulzeit erfolgen. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist das Anbieten von Schnuppertagen oder Praktika für Schüler. Dadurch gewinnen junge Leute bereits frühzeitig einen Einblick in Ihr Unternehmen und können herausfinden, ob ihnen die Arbeit Spaß macht. Denn Freude ist schließlich die größte Motivation.

  1. Setzen Sie auf eine persönliche Bindung

Mitarbeiter, die sich mit einem Unternehmen identifizieren können, bringen bessere Leistungen und sind loyaler. Ebenso verhält es sich mit zukünftigen Mitarbeitern. Machen Sie Werbung für Ihre Unternehmensphilosophie und achten Sie darauf, welche potenziellen Azubis sich mit dieser identifizieren können.

  1. Bewerben Sie sich bei den Azubis

Ein eher unüblicher Weg, der Erfolg verspricht: Wenn Ihnen Schüler im Zuge eines Praktikums positiv auffallen, kontaktieren Sie diese von sich aus. Das wird dem zukünftigen Azubi das Gefühl vermitteln, wichtig für Ihr Unternehmen zu sein. Diese Maßnahme hilft nicht nur, passende Kandidaten zu finden, sondern bindet diese auch langfristig an das Unternehmen.

  1. Achten Sie auf die Bedürfnisse Ihrer Azubis

Um diese herauszufinden, eignen sich beispielsweise jährliche anonyme Umfragen. In diesen können Sie die Vorstellungen und Wünsche Ihrer Auszubildenden abfragen. Aufgrund der Anonymität lässt sich mit ehrlichem Feedback rechnen.

  1. Ermöglichen Sie einen Karriereaufstieg

Die persönliche und fachliche Weiterbildung spielt bereits in der Ausbildung eine wesentliche Rolle: Ziehen Sie es daher in Erwägung, Ihren Azubis Weiterbildungen, Coachings oder Seminarteilnahmen zu ermöglichen.

Autor: Redaktion Personalwissen

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