Homeoffice und Corona: Das müssen Arbeitgeber beachten

Homeoffice und Corona: Das müssen Arbeitgeber beachten

Seit dem 24. November ist das "Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes und anderer Gesetze" in Kraft.

Der Grund: Die 4. Welle der Corona-Pandemie soll gebrochen werden. Was Arbeitgeber dabei von ihren Beschäftigten verlangen können und welche Pflichten Arbeitgeber treffen, lesen Sie hier.

    Was bedeutet die erneute Homeoffice-Pflicht?

    Nachdem am 19. November 2021 der Bundesrat dem „Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes und anderer Gesetze“ zugestimmt hat, ist die Homeoffice-Pflicht für Arbeitgeber wieder in Kraft. Jetzt gilt wieder, was zu Beginn dieser Pandemie schon einmal gegolten hat: Wo immer es möglich ist, sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihren Beschäftigten Homeoffice anzubieten. Mit diesem Schritt soll das Ansteckungsrisiko minimiert werden. Vor allem in Großraumbüros, in denen es kaum möglich ist, die Abstandsregeln einzuhalten, kann die Homeoffice-Pflicht nützlich sein. 

    Arbeitgeber müssen nun, wo irgend möglich, ihren Beschäftigten die Möglichkeit geben, aus dem Homeoffice zu arbeiten. Bei Tätigkeiten, die am Bildschirm ausgeübt werden, dürfte Homeoffice in aller Regel gut umsetzbar sein.

    Allerdings gilt diese Pflicht für Arbeitgeber nur dann, wenn keine betrieblichen Gründe entgegenstehen. Muss der Beschäftigte während seiner Arbeitszeit zum Beispiel die eingehende Briefpost bearbeiten, kann er das nicht im Homeoffice tun.  

    Auch weitere, zwingende betriebliche Gründe sind denkbar, die verhindern, dass der Arbeitgeber seinen Beschäftigten Homeoffice während der Corona-Pandemie anbieten kann. Zum Beispiel kann der Beschäftigte nicht von zuhause arbeiten, wenn ihm die entsprechende IT-Ausstattung fehlt. Gut zu wissen: Die Betriebsgröße ist kein zwingender betrieblicher Grund für eine Ausnahme von der Homeoffice-Pflicht. Heißt konkret: Unternehmen jeglicher Größe sind wieder dazu verpflichtet, ihren Beschäftigten Homeoffice wo immer es geht, anzubieten. 

    Kann der Arbeitgeber Beschäftige ohne Einverständnis ins Homeoffice versetzen?

    Ob und wie Arbeitgeber Homeoffice in Zeiten von Corona für ihre Beschäftigten anordnen dürfen, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. In erster Linie davon, ob die Tätigkeit überhaupt aus dem Homeoffice ausgeübt werden kann. 

    Das aktuelle Gesetz sieht außerdem vor, dass Beschäftigte die Möglichkeit zur Arbeit aus dem Homeoffice annehmen müssen, wenn ihr Arbeitgeber eine derartige Möglichkeit wegen der Corona-Pandemie für sie schafft. 

    Einige Arbeitgeber weichen der Homeoffice-Regelung und den damit verbundenen Vorschriften aus, indem sie „mobile office“ anordnen. Dabei stellen sie ihren Beschäftigten die nötigen Arbeitsmittel, in der Regel ist das ein Laptop, zur Verfügung und erteilen die Weisung, dass der Beschäftigte seine Arbeit für einen begrenzten Zeitraum nicht vor Ort beim Arbeitgeber, sondern mobil ausüben soll.

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    Die Corona-Pandemie zwingt uns wieder ins Homeoffice zurückzukehren. © epixproductions – Adobe Stock

    Haben Beschäftigte einen Anspruch auf Arbeit im Homeoffice während der Corona-Pandemie?

    Aktuell (Stand November 2021) haben Beschäftigte noch keinen Rechtsanspruch auf Homeoffice. Die Arbeitsschutzverordnungen, die während der Pandemie mit dem Corona-Virus erlassen wurden, sehen für die Einführung von Homeoffice folgendes vor: Arbeitgeber sind dazu angehalten zu überprüfen, ob sie ihren Mitarbeitern Homeoffice anbieten können. Das ist vor allem dort möglich, wo der Beschäftigte seine Tätigkeit hauptsächlich am Bildschirm ausübt. 

    Ein genereller Rechtsanspruch auf Homeoffice, wie er zum Beispiel in den Niederlanden gilt, ist damit jedoch nicht verbunden.

    Müssen Beschäftigte während Corona im Homeoffice arbeiten?

    Seit dem Inkrafttreten des “Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes und anderer Gesetze” besteht die Homeoffice-Pflicht nun auch für Arbeitnehmer. Dieses Gesetz gibt Arbeitgebern wieder mehr Befugnisse, in den  Arbeitsalltag ihrer Beschäftigten einzugreifen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren und die Infektionen mit dem Corona-Virus einzudämmen. Sollte es dem Arbeitnehmer möglich sein, ist er dazu verpflichtet, das Homeoffice-Angebot anzunehmen und wieder von zuhause zu arbeiten. 

    Allerdings muss dabei nach wie vor die individuelle Situation des Beschäftigten betrachtet werden. Sollte es dem einzelnen Beschäftigten zum Beispiel deshalb nicht möglich sein, aus dem Homeoffice zu arbeiten, weil ihm dazu der nötige Platz fehlt oder weil auch die Kinder zuhause sind und er deshalb nicht zum Arbeiten kommen würden, muss auch das in die Betrachtung miteinbezogen werden. 

    Wer ist für die Ausstattung des Homeoffice verantwortlich?

    In der Regel muss sich der Arbeitgeber darum kümmern, dass seine Beschäftigten all die Dinge haben, die sie brauchen, um ohne Probleme arbeiten zu können. Jedoch ist das nicht immer und ohne Ausnahme vorgeschrieben. Denkbar ist zum Beispiel, dass Beschäftigte den Bürostuhl im Homeoffice nutzen, den sie ohnehin schon zu Hause haben. Auch andere Arbeitsmittel wie zum Beispiel einen Drucker oder ein Telefon muss der Arbeitgeber nicht unbedingt anschaffen, um seinen Mitarbeitern Homeoffice in Zeiten von Corona zu ermöglichen. Wenn sich diese Dinge schon im Haushalt seines Mitarbeiters befinden, sollte beide Seite eine Regelung treffen. In dieser Regelung kann vereinbart werden, wie die privaten Arbeitsmittel des Beschäftigten während des Homeoffice wegen der Corona-Pandemie genutzt werden. Doch aufgepasst: Werden private Dinge vom Arbeitnehmer beruflich genutzt, hat der Arbeitnehmer in der Regel Anspruch auf eine angemessene Entschädigung.

    Welche gesetzlichen Regelungen müssen Arbeitgeber im Homeoffice beachten?

    Ob der Arbeitnehmer aufgrund von Corona im Homeoffice arbeitet oder andere Gründe dafür ausschlaggebend waren, spielt zunächst keine Rolle. Denn der Arbeitgeber ist grundsätzlich für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich. Unter anderem verpflichtet ihn die Fürsorgepflicht zu den Schutzmaßnahmen. 

    Da die meisten Beschäftigten, die während Corona im Homeoffice arbeiten, ihre Tätigkeit an einem Bildschirmarbeitsplatz ausüben, muss sich der Arbeitgeber an die entsprechenden Vorschriften halten, die diesbezüglich in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) zu finden sind. Nämlich:

    • der Schreibtisch, an dem der Beschäftigte im Corona-Homeoffice arbeitet, muss eine angemessene Größe haben. Laut Verordnung sind das aktuell 160x80cm.
    • der Bürostuhl, den der Beschäftigte zum Arbeiten nutzt, muss ergonomisches Sitzen ermöglichen. 
    • außerdem sollte der Arbeitsplatz so gestaltet sein, dass er ausreichend beleuchtet ist. 
    • im Sommer sollte es einen Hitzeschutz am Schreibtisch geben und der Bildschirm vor zu großer Sonneneinstrahlung geschützt sein. Beide Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Augen des Beschäftigten nicht überanstrengt werden. 

    Dürfen Arbeitgeber den Impfstatus kontrollieren?

    Mit dem Inkrafttreten des „Gesetzes zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes und anderer Gesetze“ gilt nur auch die sogenannte 3G-Pflicht am Arbeitsplatz. Diese besagt, dass Mitarbeiter geimpft, genesen oder getestet sein müssen, bevor sie die Betriebsstätte betreten dürfen. 

    Der Arbeitgeber darf in diesem Zusammenhang auch den Impfstatus seines Beschäftigten erfragen. Muss er sogar. Denn laut Gesetz ist er nun dafür zuständig, zu kontrollieren, ob seine Beschäftigten ein Ansteckungsrisiko für andere Personen darstellen. Vor allem an Arbeitsplätzen, an denen nicht immer auf die Abstandsregeln geachtet werden kann, wie zum Beispiel in der Produktion. 

    Ist der Beschäftigte nicht geimpft, muss er einen negativen Coronatest nachweisen. Für das Testangebot selbst ist der Arbeitgeber nicht verantwortlich. Vielmehr müssen sich ungeimpfte Arbeitnehmer selbst darum kümmern, einen aktuellen Test vorzulegen, um die Betriebsstätten betreten zu dürfen. 

    Stellt der Arbeitgeber dagegen das Testangebot selbst zur Verfügung, dürfen Mitarbeiter auch ohne gültigen Impfausweis den Betrieb betreten, um sich dort impfen zu lassen. 

    Mit welchen Konsequenzen müssen Arbeitgeber bei Verstößen rechnen?

    Die Arbeitsschutzbehörden der Länder kontrollieren regelmäßig, ob die Vorgaben der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung eingehalten werden. Sollten sie dabei feststellen, dass Unternehmen gegen die Vorgaben verstoßen, kann das Sanktionen zur Folge haben. Diese richten sich nach Art und Schwere des Verstoßes. Bei krassen und/oder wiederholten Verstößen kann ein Bußgeld von bis zu 30.000 Euro verhängt werden. 

    Zusätzlich dazu müssen Betriebe die Einhaltung der 3G-Regeln peinlich genau überwachen. Denn sie sind ein wichtiger Baustein, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Sollte der kontrollierenden Behörde (z.B. Ordnungsamt) dabei auffallen, dass der Arbeitgeber seiner Mitwirkungspflicht nicht nachkommt, droht ein Bußgeld in Höhe von bis zu 25.000 Euro. 

    Welche zusätzlichen Maßnahmen können Arbeitgeber treffen?

    Arbeitgeber müssen sich nicht nur darauf beschränken, Homeoffice in Zeiten von Corona anzubieten, wo es nur geht. Sie können diese Situation auch dazu nutzen, ihr Unternehmen insgesamt zu digitalisieren und damit die Möglichkeiten für Arbeiten aus dem Homeoffice auszuweiten. Das kann unter anderem so gelingen:

    1. Neue Prozesse etablieren: Besprechungen müssen nicht mehr grundsätzlich im Besprechungsraum eines Großraumbüros stattfinden. Wenn die Mehrzahl der Beschäftigten im Homeoffice arbeitet, lassen sich auch andere Optionen finden: Videokonferenzen über das Internet sind dank der zahlreichen Anbieter heute ganz leicht zu organisieren.
    2. Neue Arbeitsformen ermöglichen: Dort, wo es nicht möglich ist, dass Mitarbeiter durchgehend aus dem Homeoffice arbeiten, lässt sich vielleicht etwas anderen tun, um das Infektionsrisiko zu senken. Denkbar ist zum Beispiel eine Arbeitsplatzteilung wie im Jobsharing. Dabei teilen sich zwei Mitarbeiter einen Arbeitsplatz. Derjenige Mitarbeiter, der vor dem Corona-Virus geschützt werden muss, kann zuhause arbeiten, während der Kollege vor Ort die dortigen Aufgaben übernimmt und an ihn kommuniziert. Das kann auch nach dem Infektionsgeschehen dazu beitragen, dass vermehrt familienfreundliche Arbeitsplätze geschaffen werden, denn Jobsharing ist ein solches Modell, das die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern kann. 
    3. Neue Führungskultur einführen: Die Führungskräfte im Unternehmen müssen mit gutem Beispiel vorangehen und eine Kultur des Digital Leadership vorleben. Damit ist gemeint, dass sie ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen vertrauen, dass sie auch im Homeoffice die vertraglich vereinbarte Stundenzahl arbeiten und sie dabei ermutigen, mehr und mehr digitale Prozesse auszuprobieren. 

    Häufig gestellte Fragen zum Thema Homeoffice

    Welche Neuerungen hält die Corona-Arbeitsschutzverordnung bereit?

    Die wohl wichtigste Neuerung der Arbeitsschutzverordnung ist, dass Arbeitgeber sich dafür einsetzen sollen, dass sich die Impfbereitschaft innerhalb der Belegschaft erhöht. Idealerweise mit betrieblichen Impfangeboten und der Einbeziehung des Betriebsarztes.

    Gilt das “Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes und anderer Gesetze” ausnahmslos für alle Betriebe?

    Die Regelungen sind dazu da, das Infektionsrisiko für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu senken. Aus diesem Grund gelten sie für alle Betriebe – unabhängig davon, wie groß der jeweilige Betrieb ist.