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Arbeitsplatzteilung: Welche Vor- und Nachteile Jobsharing mit sich bringt

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Jobsharing

Flexible Arbeitszeitmodelle gewinnen nicht nur bei Arbeitnehmern immer mehr an Bedeutung. Auch Arbeitgeber erkennen zunehmend, dass sie dadurch ihre Attraktivität erhöhen können. Jobsharing ist eins dieser Modelle, bei denen sich zwei oder mehr Arbeitnehmer einen Vollzeitarbeitsplatz teilen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Arbeitsplatzteilung funktioniert und welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringt.

Das Prinzip hinter Jobsharing ist schnell erklärt: Wie der Name bereits vermuten lässt, wird eine Vollzeitstelle nicht nur von einem Arbeitnehmer bekleidet, sondern mehrere Personen teilen sich diese Stelle. In der Praxis tun das üblicherweise zwei Personen, wobei theoretisch auch drei und mehr möglich sind, wenngleich die Koordination dann doch deutlich schwieriger wird.

    Freie Aufgaben- und Arbeitszeiteinteilung

    Denn das Besondere beim Jobsharing ist, dass nicht Sie die Aufgaben und Verantwortungen verteilt, sondern die Stelleninhaber das selbst tun. Das, sowie die Tatsache, dass sich die Mitarbeiter die Arbeitszeit ebenfalls untereinander aufteilen, ist einer der großen Unterschiede zu einem klassischen Teilzeitarbeitsplatz.

    Für die Arbeitnehmer bedeutet das, dass sie ihre Arbeitszeit deutlich flexibler gestalten können als bei einer Teilzeitstelle. Denn während bei letzterer in der Regel Sie vorgeben, wann der einzelne Mitarbeiter zu arbeiten hat, geben Sie bei einer geteilten Arbeitsstelle lediglich den Arbeitszeitrahmen vor (zum Beispiel zwischen 8 und 17 Uhr). Wer dann wann tatsächlich die Stellung hält, entscheiden Ihre Arbeitnehmer.

    Hinweis: Jobsharing lässt sich in verschiedene Kategorien einteilen, die häufig jedoch auch synonym verwendet werden. Als Jobsplitting wird die Teilung eines Vollzeitarbeitsplatzes in zwei Teilzeitarbeitsplätze bezeichnet, wobei die Stelleninhaber trotz identischem Stellenprofil in der Regel unabhängig voneinander agieren. Beim Jobpairing hingegen werden Entscheidungen und Verantwortungen gemeinsam getragen, was eine enge Zusammenarbeit voraussetzt. Von Topsharing wird gesprochen, wenn eine Führungsposition geteilt wird (z. B. Doppelspitze), was ebenfalls viel Abstimmung erfordert.

     

    Hohes Organisations- und Kommunikationstalent erforderlich

    So viel Spielraum bei der Arbeitsgestaltung erfordert freilich Stelleninhaber, die nicht nur verantwortungsbewusst sind, sondern sich gut verstehen. Da es keinen abgegrenzten Aufgabe- und Verantwortungsbereich gibt, ist ein hohes Maß an Abstimmung notwendig. Das setzt voraus, dass Mitarbeiter, die an unterschiedlichen Standorten sitzen, sich regelmäßig für Besprechungen treffen müssen. Organisations- und Kommunikationstalent sind folglich zwei wesentliche Eigenschaften, die Jobsharing-Partner mitbringen müssen.

    Was für Arbeitgeber zunächst nach Aufwand und Risiko klingt, hat tatsächlich auch einige Vorteile, für die von Unternehmen vermehrt auch die höheren Lohnnebenkosten in Kauf genommen werden. Keine Frage: In erster Linie wird mit Jobsharing den Bedürfnissen der Mitarbeiter entgegengekommen, die sich zumeist nach einer ausgeglicheneren Work-Life-Balance sehnen.

    Typische Gründe für Jobsharing:

    • Vereinbarkeit von Beruf und Familie

    Einer der klassischen Gründe, warum Arbeitnehmer sich Jobsharing wünschen, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dadurch, dass Mütter oder Väter nicht komplett aus dem Job aussteigen, sondern lediglich kürzertreten, vermindern sie das Risiko eines Karriereknicks.

    • Erhöhung der Freizeit

    Für neue Generationen hat eine ausgeglichene Work-Life-Balance einen hohen Stellenwert. Der Arbeitsmarkt ermöglicht es Ihnen, Ihren Arbeitgeber auch nach Faktoren auszusuchen, die Einfluss auf die Lebensqualität haben. Immer mehr junge Arbeitnehmer verzichten lieber auf Geld und wünschen sich dafür mehr Freizeit.

    • Zeit für Weiterbildung

    Intensive Weiterbildungsmaßnahmen wie ein berufsbegleitendes Studium benötigen viel Zeit. Durch das Jobsharing können die Mitarbeiter trotzdem Berufserfahrung sammeln. Sie hingegen können die bald gut qualifizierte Arbeitskraft bereits an Ihr Unternehmen binden, noch bevor sie den Arbeitsmarkt betritt.

    Viele Vorteile – auch für Arbeitgeber

    Es gibt aber durchaus auch Vorteile, von denen Sie profitieren. Ausgeglichene Mitarbeiter sind zufriedene Mitarbeiter. Sie sind motivierter und dadurch letztlich auch produktiver. Anders als bei getrennten Teilzeitstellen ist eine Jobsharing-Stelle stets besetzt. Abwesenheit durch Urlaub oder Krankheit fallen weniger ins Gewicht, da der oder die Partner übernehmen können.

    Überhaupt sind der Ablauf und die Zusammenarbeit deutlich besser, als man zunächst annehmen könnte. Denn wenn der eine Mitarbeiter beispielsweise am Mittag nach Hause geht, bleibt die Arbeit nicht bis zum nächsten Tag liegen, sondern der zweite Stelleninhaber führt sie direkt weiter. Interne und externe Kontaktpersonen finden während der regulären Arbeitszeiten stets einen Ansprechpartner vor, was die Prozesse beschleunigt und den Service verbessert.

    Dadurch, dass eine Stelle von zwei Personen besetzt wird, verdoppeln sich sowohl das Fachwissen als auch die Erfahrung. Im Idealfall ergänzen sich die Stelleninhaber. Das Vier-Augen-Prinzip führt dazu, das Fehler vermieden werden. Und die Betrachtung aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln ermöglicht schnelle Problemlösungen. Letztlich kann die Arbeitsqualität sogar steigen, wenn sich ein eingespieltes Tandem die Arbeit teilt.

    Vorteile von Jobsharing Nachteile von Jobsharing
    • Motiviertere und produktivere Mitarbeiter
    • Zufriedene und loyale Mitarbeiter
    • Doppeltes Fachwissen und doppelte Erfahrung
    • Zwei unterschiedliche Blickwinkel
    • Vier-Augen-Prinzip verringert Fehlerquote
    • Arbeitsstelle ist ständig besetzt
    • Unternehmensimage wird verbessert
    • Höhere Lohn- und Lohnnebenkosten
    • Höherer Verwaltungs- und Organisationsaufwand
    • Passende Jobsharing-Partner sind schwer zu finden
    • Hohes Konfliktpotential, wenn Chemie zwischen Stelleninhabern nicht passt
    • Kontraproduktivität, wenn Stelleninhaber unterschiedliche Ziele verfolgen und Meinungen haben

     

    Für jede Situation die passende Konstellation

    Prinzipiell sind beim Jobsharing verschiedene Konstellationen denkbar: Die Partner können sich die Arbeitszeit zu gleichen Teilen aufteilen, die Stunden können jedoch auch unterschiedlich verteilt werden. Die Vergütung orientiert sich in der Regel am zeitlichen Arbeitspensum.

    Das heißt jedoch nicht, das beide Stelleninhaber heruntergerechnet das gleiche Gehalt bekommen müssen. Mal abgesehen von der ohnehin herrschenden Vertragsfreiheit, kann es durchaus gute Gründe für unterschiedliche Stundenlöhne geben.

    Jobsharing eignet sich beispielsweise hervorragend, um einem älteren Arbeitnehmer den Übergang in den Ruhestand zu ebnen und einem Nachwuchstalent den Einstieg zu erleichtern. In diesem Fall würde die erfahrene Kraft in der Regel mehr verdienen, als der Berufseinsteiger.

    Aber auch die Kombination aus Mann und Frau auf einer Position kann eine echte Bereicherung sein. Denkbar ist zudem eine Stelle mit einem Muttersprachler und einem International zu besetzen.

    Sympathie und gemeinsame Ziele entscheidend

    Wichtig ist nur, dass sich die Partner auf einer Position mit Respekt und so gut es geht auf Augenhöhe begegnen, auch wenn der eine etwas Erfahrener sein mag. Sympathie und Harmonie sind Grundvoraussetzung für erfolgreiches Jobsharing. Denn auch wenn die Tandempartner zu unterschiedlichen Zeiten arbeiten, ist ein enger Austausch Pflicht, der beispielsweise die Übergabe von begonnenen Aufgaben und Tätigkeiten beinhaltet.

    Unabdingbar ist, dass die Stelleninhaber auch nach außen geschlossen auftreten und mit einer Stimme sprechen. Ist das nicht der Fall, könnten interne und externe Anspruchsgruppen versuchen die Personen gegeneinander auszuspielen. Nur wenn das Tandem in die gleiche Richtung fährt, also dieselben Ziele verfolgt, kann es erfolgreich sein.

    Diese Eigenschaften sollten Jobsharing-Partner mitbringen:

    • Harmoniebedürfnis
    • Kommunikationstalent
    • Kompromissbereitschaft
    • Organisationstalent
    • Teamfähigkeit
    • Vertrauenswürdigkeit
    • Zuverlässigkeit

    Harmonierende Tandempartner finden

    Das Schwierigste beim Jobsharing ist häufig nicht die Schaffung von entsprechenden Stellen oder die Zusammenarbeit der Stelleninhaber. Die größte Herausforderung ist das Finden zweier Mitarbeiter, die so gut harmonieren, dass sie sich eine Arbeitsstelle teilen können.

    Jobsharing-Stellen werden nur selten ausgeschrieben. In der Regel tritt ein Mitarbeiter mit dem Wunsch kürzertreten zu wollen an seinen Vorgesetzten heran. Die Arbeitsplatzteilung bietet sich dann häufig als gute Lösung an, vor allem wenn sich intern ein geeigneter Kandidat findet, der den gleichen Wunsch hat und ins Team passt. Mittlerweile gibt es aber auch Vermittlungsplattformen wie Tandemploy, über die sich Arbeitnehmer finden lassen, die zusammenpassen.

    Jobsharing ist ein Arbeitszeitmodell der Zukunft

    Jobsharing ist nicht nur ein Modell für durchschnittlich qualifizierte Arbeitskräfte. Längst nutzen auch Führungskräfte in Managementpositionen das Arbeitszeitmodell, um Beruf, Familie und Freizeit besser unter einen Hut zu bekommen. Vor allem Müttern ermöglicht Jobsharing schneller und einfacher wieder auf die Position zurückzukehren, die sie einmal innehatten.

    In Zeiten von Personalmangel ist Jobsharing auch für Sie eine Möglichkeit um qualifiziertes Personal zu halten und sich in der Außendarstellung als flexibler und attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Den verhältnismäßig überschaubaren Mehrkosten stehen motivierte, produktive und zufriedene Mitarbeiter gegenüber, die entsprechend gute Leistungen bringen und Ihr Unternehmen erfolgreich und wettbewerbsfähig machen.

    Autor: Matthias Koprek

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