Elektrofahrzeug als Dienstwagen – das sollten Sie dazu wissen!

Elektrofahrzeug als Dienstwagen – das sollten Sie dazu wissen!

Umweltschutz ist nicht nur eine Herausforderung im privaten Bereich, sondern gerade auch im beruflichen Umfeld. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind aufgerufen, die eigenen Möglichkeiten zu nutzen und den Schutz der Umwelt und des Klimas so gut es geht voranzutreiben.

Die Aktualität des Themas hat in vielen Betrieben dafür gesorgt, dass interne Prozesse modifiziert wurden. Auch beim Flottenmanagement für Dienstwagen und bei der Auswahl der Fahrzeuge hat mittlerweile ein Umdenken eingesetzt.

    In folgendem Artikel können Sie alles Wichtige zum Thema Betriebsausgaben nachlesen: Betriebsausgaben im Unternehmen – Wie Aufwendungen, Erlöse und Gewinne solide kalkuliert werden

    Können Elektrofahrzeuge auch als Dienstwagen eingesetzt werden?

    Wenn es um die Wahl des perfekten Dienstwagens geht, dann wird dem Arbeitnehmer über die sogenannte Car Policy des Unternehmens regelmäßig eine Auswahl zwischen verschiedenen Marken angeboten. Ebenfalls zur Wahl steht dann das entsprechende Ausstattungsmodell – auch dieses kann ganz unterschiedlich aussehen und ist in der Gestaltung oft den Vorlieben des Dienstwagennutzers angepasst.

    Steuerlicher Vorteil bei der Privatnutzung von Dienstwagen mit Elektroantrieb

    Unmittelbar mit der Ausstattung des Dienstwagens ist auch die Art des Antriebs verbunden. Neben Diesel- und klassischen Ottomotoren ist mittlerweile auch das Elektrofahrzeug als Dienstwagen verfügbar. Der Gesetzgeber belohnt Arbeitnehmer mit einem Steuerbonus bei der privaten Nutzung des Dienstwagens: Seit Beginn 2020 müssen Arbeitnehmer die privaten Fahrten monatlich nur noch mit einem Viertel der eigentlichen Bemessungsgrundlage versteuern. Das sind lediglich 25 Prozent des Bruttolistenpreises des Fahrzeugs. Dies geht explizit aus § 6 Abs. (1) Nr. (4) Satz (3) des Einkommensteuergesetzes (kurz: EStG) hervor.

    Wichtig zu wissen: Die Regelung ist nur dann einschlägig, wenn der inländische Listenpreis zum Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich der Kosten für Sonderausstattungen unter 40.000 Euro liegt.

    Für Dienstwagen als Elektrofahrzeug, deren Bruttolistenpreis über 40.000 Euro liegt, bleibt es bei der bisherigen Kürzung des Bruttolistenpreises um 50 Prozent.

    Gibt es noch weitere steuerliche Vorteile rund um die Elektrofahrzeuge?

    Nicht nur bei der Kürzung des Bruttolistenpreises im Rahmen der Privatnutzung von Dienstwagen unterstützt der Fiskus den Umstieg auf umweltfreundliche Antriebsmotoren. Für Unternehmer ist besonders interessant, dass Fahrzeuge, die in der Zeit vom 18. Mai 2011 bis einschließlich 31. Dezember 2020 angeschafft werden, für ganze zehn Jahre von der Kraftfahrzeugsteuer befreit sind. Das ergibt sich aus § 3d Abs. (1) Kraftfahrzeugsteuergesetz (kurz: KraftStG).

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    Ein Elektrofahrzeug als Dienstwagen zu nutzen, kann steuerliche Vorteile mit sich bringen © romaset – Adobe Stock

    Im Anschluss gilt dann § 9 Abs. (2) KraftStG: Die Kraftfahrzeugsteuer ermäßigt sich um ganze 50 Prozent nach Ablauf der steuerfreien ersten zehn Jahre.

    Gelten die steuerlichen Erleichterungen auch für Fahrzeuge, die nachträglich umgerüstet wurden?

    Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob die Steuervorteile auch für diejenigen Fahrzeuge einschlägig sind, die erst nachträglich auf einen reinen Elektroantrieb umgerüstet wurden. Dies ist mittlerweile technisch bei fast allen verfügbaren Automodellen möglich und wird daher von zahlreichen Dienstleistern angeboten.

    Die genannten Regelungen rund um die Steuererleichterung gelten hierbei analog – das geht aus § 3d Abs. (4) KraftStG hervor. Allerdings ist bei der Umrüstung zu beachten, dass für die Anwendung von § 3d Abs. (4) KraftStG folgende Bedingungen zu erfüllen sind:

    • Das Fahrzeug war zum Zeitpunkt der Erstzulassung mit Fremdzündungs- oder Selbstzündungsmotor ausgestattet und wurde im Zeitraum vom 18. Mai 2016 bis 31. Dezember 2020 nachträglich zum Elektrofahrzeug umgerüstet.
    • Die bei der Umrüstung eingesetzten Fahrzeugteile haben eine Allgemeine Betriebserlaubnis nach §§ 22, 20 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (kurz: StVZO).

    Wichtig zu wissen: Bereits im Juli 2019 hat die Bundesregierung bekannt gegeben, dass die oben erwähnte Steuererleichterung für Dienstwagen in Form von Elektrofahrzeugen bis zum Jahr 2030 verlängert wird.

    Für wen lohnt sich der Umstieg auf ein Elektrofahrzeug als Dienstwagen?

    Elektrofahrzeugen haftet im Allgemeinen in Bezug auf Reichweite und Auswahl kein guter Ruf an. Das ist einfach erklärt, denn insbesondere die Reichweite und die dabei notwendige Infrastruktur in Form von Ladestationen lassen in Deutschland oft zu wünschen übrig. Gerade das ist für berufliche Vielfahrer ein echtes Hindernis und hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Unternehmen von Elektrofahrzeugen Abstand genommen haben, wenn es um die Anschaffung von Dienstwagen ging. Dabei gibt es noch weitere Nachteile, die bei der Wahl eines Elektrofahrzeugs als Dienstwagen berücksichtigt werden müssen:

    FaktorenBedeutung
    Elektrofahrzeuge sind im Dienstleistungssektor Mangelware: Besonders im Service- und Dienstleistungsgewerbe und auch bei Handwerkern ist die Suche nach einem geeigneten Elektrofahrzeug für den dienstlichen Gebrauch oft frustrierend – die Auswahl ist deutlich schlechter als bei konventionellen Antriebsarten.
    Ladedauer ist oft zu lange: Die Ladedauer für die Elektrofahrzeuge spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung für oder gegen ein Elektrodienstfahrzeug. Gerade im gewerblichen Bereich gilt der Volksmund „Zeit ist Geld“ – ein Dienstwagen, der zehn Stunden oder länger an der Steckdose hängt, bietet hier wenig bis gar keinen Mehrwert. Immerhin müssen Betriebe auch während der Ladezeit arbeiten oder aber Kunden beliefern – damit scheiden Elektrofahrzeuge in diesen Fällen fast immer aus.
    Hohe Anschaffungskosten: Die Anschaffungskosten für ein Elektrofahrzeug sind auch heute noch deutlich höher als für Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb. Das wirkt sich natürlich auch auf die Leasingraten aus. Die günstigen Stromkosten – im Vergleich zum Diesel- bzw. Benzinpreis – amortisieren diesen Unterschied nachweislich nicht. Das gilt selbst dann, wenn das Elektrofahrzeug über mehrere Jahre zum Einsatz kommt.
    Hohe Betriebskosten: Nicht nur die Anschaffung, sondern auch der Unterhalt eines Elektrofahrzeuges kann das eigene Budget deutlich belasten. Dies gilt vor allem auch in Bezug auf die Versicherungsprämien, die regelmäßig für das Elektrofahrzeug fällig werden und bei einigen Versicherern mehr kosten können als die Versicherung für ein Fahrzeug mit Diesel- oder Ottomotor.
    Lange Lieferdauer: .Ebenfalls ins Gewicht fällt bei der Anschaffung eines Elektrofahrzeuges die regelmäßig extrem lange Lieferdauer. Während das im privaten Bereich logistisch zu verschmerzen ist, ist dies im gewerblichen Bereich und bei professionellem Einsatz völlig indiskutabel. Unternehmen verzichten daher auch deshalb auf Elektrofahrzeuge, weil sie die lange Wartezeit auf das neue Firmenfahrzeug nicht überbrücken können oder wollen

    Vorteile bei der Wahl eines Elektrofahrzeugs als Dienstwagen

    Bei allen Nachteilen: Elektrofahrzeuge als Dienstwagen haben ganz klar auch Vorteile. Zum einen bieten sich dem Unternehmen selbst schon die genannten steuerlichen Begünstigungen, die mit der Anschaffung eines Elektrofahrzeuges einhergehen. Zum anderen profitiert aber auch der einzelne Arbeitnehmer vom Elektrofahrzeug: Durch die Reduzierung der Steuerlast für den geldwerten Vorteil ist der Dienstwagen somit auch für den Fahrer finanziell reizvoll.

    Ein weiterer Vorteil für den Unternehmer ergibt sich aber auch bei der Stromsteuer. Schon seit 2017 müssen Betriebe, die für ihre Mitarbeiter, Kunden oder auch Geschäftspartner Ladestrom anbieten, auf diesen keine Stromsteuer bezahlen. Das gilt jedoch nicht für den Strom, mit dem Firmenwagen für dienstliche Fahrten aufgeladen werden: Er ist regulär zu versteuern.

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    Wenn die Wahl auf ein Elektroauto als Dienstwagen fällt, haben Sie einige Vorteile © andranik123 – Adobe Stock

    Unternehmer sollten in diesem Zusammenhang auch bedenken, dass die Umstellung auf Elektrofahrzeuge einen erheblichen Imagegewinn bedeutet. Das gilt besonders dann, wenn die eigene Zielgruppe umweltbewusst ist und der Imagefaktor somit einen hohen Wert hat. Dieser Imagegewinn lässt sich zwar nur schwer in Zahlen einkleiden, kann sich aber positiv auf den Gesamteindruck des Unternehmens in der öffentlichen Wahrnehmung auswirken.

    Welche Elektrofahrzeuge sind als Dienstwagen besonders beliebt?

    Da sich die Kaufpreise und somit auch die Leasingraten für Elektrofahrzeuge immer noch deutlich im Vergleich zum Anschaffungspreis für konventionelle Fahrzeuge abheben, zeigt sich bei den beliebten Modellen ein anderes Bild als bei den Fahrzeugen mit Diesel- oder Ottomotor.

    Die Statistik zeigt dabei folgende besonders beliebte Elektrofahrzeuge im Einsatz als Dienstwagen:

    AutomodellVorteile
    Renault Zoe: Der Renault Zoe überzeugt in der Anschaffung vor allem durch den niedrigen Kaufpreis. Die Reichweite beträgt je nach Modell maximal 400 Kilometer – ein guter Wert, der auch im Dienstwagenbereich von Vorteil ist.
    BMW i3:Deutsche Fabrikate erfreuen sich bei Dienstwagen regelmäßig großer Beliebtheit. Er ist deutlich teurer als vergleichbare Modelle anderer Hersteller und ist auch bei der Reichweite eher unterdurchschnittlich: Maximal 290 Kilometer kann der BMW i3 nach dem Aufladen zurücklegen.
    VW E-Golf: Ebenfalls ein deutsches Fabrikat und als Elektrodienstwagen sehr beliebt ist der VW E-Golf. Er liegt preislich im Mittelfeld, kann aber mit einer guten Reichweite von maximal 300 Kilometer den etwas höheren Anschaffungspreis ausgleichen.
    Smart EQ Fortwo: Besonders für Stadtfahrten ist der Smart EQ Fortwo gedacht. Er ist wie andere Smart-Modelle sehr klein und eignet sich daher perfekt für kurze Fahrten. Die Parkplatzsuche ist mit dem Smart ebenfalls kein Problem – allerdings kann der Smart auch nicht mit langer Reichweite punkten. Hier schafft der kleine Flitzer lediglich maximal 150 Kilometer, bis er wieder neuen „Saft“ benötigt
    Tesla Model S: Fahrzeuge der Oberklasse sind gerade in der Führungsebene von Unternehmen gefragt. Es ist daher wenig erstaunlich, dass auch die Luxuslimousine Tesla Model S als Dienstwagen große Beliebtheit aufweist. Der Preis bürgt aber auch für Qualität, denn: Satte 630 Kilometer können mit dem Tesla nach einer Aufladung gefahren werden. Eine so hohe Reichweite überzeugt auch Kritiker, die sonst von Elektrofahrzeugen Abstand nehmen.

    Worauf sollte ich achten, wenn ich ein Elektrofahrzeug als Dienstwagen in Erwägung ziehe?

    Ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer: Wenn ein Elektrofahrzeug für dienstliche Zwecke eingesetzt werden soll, dann erfordert die Entscheidung eine gründliche Abwägung aller Pro- und Kontra-Argumente. Dabei sollte nicht nur die Kostenfrage eine Rolle spielen, sondern auch alle anderen Aspekte wie beispielsweise der Faktor der Nachhaltigkeit. Ebenfalls nicht unwichtig: Wie viele Ladestationen gibt es im individuellen Umfeld? Schon vor der Anschaffung eines Elektrofahrzeugs für das Unternehmen muss geklärt werden, wo der Wagen im Bedarfsfall aufgeladen werden kann. 

    Im Gespräch ist übrigens die Idee, dass Autokäufer mit dem Elektrofahrzeug auch gleich eine Ladestation für daheim miterwerben können. Hier gibt es aber noch keine konkreten Angebote – in der Zukunft wird aber realistisch auch damit zu rechnen sein.

    Autor: Redaktion Personalwissen