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Krankengeldzuschuss durch den Arbeitgeber: Das müssen Sie wissen

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Krankengeldzuschuss

Erkrankt ein Arbeitnehmer, sind Unternehmen dazu verpflichtet, sechs Wochen lang die Entgeltfortzahlung zu gewährleisten. Ist der Beschäftigte danach noch immer im Krankenstand, springt die Krankenkasse ein: Sie zahlt das Krankengeld. Doch was hat es mit dem Krankengeldzuschuss durch den Arbeitgeber auf sich? Dieser Artikel klärt fünf wesentliche Fragen rund um den Zuschuss zum Krankengeld.

1. Was ist der Krankengeldzuschuss durch den Arbeitgeber überhaupt?

Der Krankengeldzuschuss ist eine Zahlung des Arbeitgebers zusätzlich zum Krankengeld. Dabei sollten Sie beachten, dass es sich hierbei nicht um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall handelt, die ein Unternehmen einem erkrankten Beschäftigten in den ersten sechs Wochen seiner Krankheit auszahlen muss. Das sogenannte Gesetz über die Zahlung des Arbeitsentgelts an Feiertagen und im Krankheitsfall (Entgeltfortzahlungsgesetz, kurz: EntgFG) enthält jedoch keine Regelungen rund um Zuschüsse zum Krankengeld.

Achtung: Der Krankengeldzuschuss ist nicht dasselbe wie die Entgeltfortzahlung.

 

Generell gibt es keine gesetzliche Regelung rund um die Zuschüsse zum Krankengeld, was bedeutet, dass es sich dabei um eine freiwillige Zahlung des Arbeitgebers handelt. Näheres zum Zuschuss, der während des Bezugs von Krankengeld gezahlt wird, wird häufig in einem Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung geregelt. Die Details betreffen unter anderem diese Punkte:

  • Anspruch
  • Dauer der Zahlung
  • Höhe der Auszahlung

Der Zuschuss hat primär das Ziel, finanzielle Nachteile des Beschäftigten auszugleichen. Denn: Nach Ablauf der sechs Wochen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall reduziert sich der Auszahlungsbetrag. Der erkrankte Mitarbeiter erhält nur noch einen Teil seines ursprünglichen Lohns, was mitunter finanzielle Risiken nach sich ziehen kann.

2. Rechtliches: Sind Zuschüsse zum Krankengeld verpflichtend?

Wie bereits erwähnt, gibt es keine gesetzlich festgeschriebene Zahlungsverpflichtung des Krankengeldzuschusses durch den Arbeitgeber. Hierbei handelt es sich vornehmlich um eine freiwillige Zusatzleistung, die in einigen Branchen beispielsweise durch Gewerkschaften durchgesetzt wurden.

Ein Zuschuss zum Krankengeld kann auf unterschiedliche Art und Weise vertraglich festgesetzt werden:

Wie bei allen anderen arbeitsrechtlichen Aspekten ist hierbei auch die Hierarchie der Regelwerke von Relevanz: Regelungen, die in einem Tarifvertrag festgelegt sind, haben mehr Tragweite als die individuellen Vereinbarungen eines Arbeitsvertrags.

Das heißt: Wenn in einem Arbeitsvertrag kein Zuschuss geregelt ist, aber im jeweiligen Tarifvertrag schon, steht dem Arbeitnehmer der Zuschuss zu. Wenn im Arbeitsvertrag ein Zuschuss zugesichert wird, im Tarifvertrag aber nicht, so gilt dennoch gemäß dem Günstigkeitsprinzip, dass der Arbeitnehmer den vertraglich festgeleten Zuschuss erhält.

Wichtiger Hinweis: Das Krankengeld, das durch die Krankenkasse ausgezahlt wird, liegt bei 70 Prozent des Bruttogehalts des Mitarbeiters. Es unterliegt aber ebenfalls einer Deckelung, und zwar 90 Prozent des Nettogehalts.

 

Der Arbeitgeberzuschuss hat also das Potenzial, die entstandene Differenz zwischen Lohnzahlung und Krankengeld auszugleichen.

3. Ist der Krankengeldzuschuss lohnsteuerpflichtig?

Ja, der Krankengeldzuschuss, den der Arbeitgeber zahlt, ist lohnsteuerpflichtig. Dabei ist es unerheblich, ob der Mitarbeiter sein Krankengeld von einer privaten oder einer gesetzlichen Krankenversicherung erhält. Die rechtliche Grundlage dafür stellen § 8 des Einkommensteuergesetzes und § 2 der Lohnsteuer-Durchführungsverordnung dar.

Ist die Höhe der Zuschüsse so gering, dass nach der Anwendung der Monatslohnsteuertabelle keine Lohnsteuer anfällt, sind Arbeitgeber dennoch in der Pflicht, die Zuschüsse sowohl im Lohnkonto als auch in der Lohnsteuerbescheinigung als steuerpflichtigen Arbeitslohn zu erfassen.

Wichtiger Hinweis: Bekommt der Beschäftigte mindestens fünf Arbeitstage lang Krankengeld, muss diese Unterbrechung zudem durch ein „U“ gekennzeichnet werden. Das ist auch dann der Fall, wenn das Unternehmen einen Krankengeldzuschuss bezahlt.

4. Wie sieht es mit der Sozialversicherung aus?

Erhält der Mitarbeiter Zuschüsse vom Arbeitgeber während er Krankengeld bekommt – dazu zählt auch der Krankengeldzuschuss – sind diese aus der Perspektive der Sozialversicherung nicht als beitragspflichtiges Arbeitsentgelt zu werten, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden.

Hier gilt folgende Einschränkung: Die Bezüge, die der Arbeitnehmer während seiner Krankheit bzw. während der Auszahlung von Krankengeld erhält, dürfen das Nettoarbeitsentgelt um maximal 50 Euro überschreiten. Nur wenn die Einnahmen des Arbeitgebers unter diesem Grenzbetrag liegen, sind die Zuschüsse zum Krankengeld nicht sozialversicherungspflichtig.

Wichtiger Hinweis: Den exakten Sozialversicherungsfreibetrag können Sie mithilfe eines vergleichenden Nettoarbeitsentgelts ausrechnen. Der maximale SV-Freibetrag errechnet sich aus der Differenz zwischen dem vergleichenden Nettoarbeitsentgelt und dem Netto-Krankengeld.

5. Sonderfall TVöD im Detail

Im öffentlichen Dienst herrschen noch einmal gesonderte Bedingungen, was die Berechnung und die Auszahlung des Krankengeldzuschusses angeht. Das lässt sich mit dem entsprechenden Tarifvertrag (TVöD) begründen.

Im öffentlichen Dienst gibt es generell eine Einschränkung, was die Bezugsberechtigten angeht. Das bedeutet, dass nicht jeder Arbeitnehmer, der länger als sechs Wochen krankgeschrieben ist, einen Krankengeldzuschuss erhält. Ob ein Beschäftigter berechtigt ist, Krankengeldzuschuss zu bekommen, hängt von der sogenannten „Beschäftigungszeit“ ab.

Wer länger als ein Jahr beschäftigt ist, bekommt maximal bis zur 13. Krankheitswoche einen entsprechenden Zuschuss. Bei Arbeitnehmern, die bereits länger als drei Jahre im öffentlichen Dienst tätig sind, wird der Krankengeldzuschuss höchstens bis zur 39. Woche gewährt.

Interessant: Die ersten sechs Wochen, in denen der Arbeitnehmer noch eine Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber erhält, sind bei den oben genannten Fristen bereits eingerechnet. Tatsächlich bekommen die Arbeitnehmer also nur sieben bzw. 33 Wochen die Krankengeldzuschüsse.

Ist ein Krankengeldzuschuss sinnvoll?

Insbesondere kleinere oder mittelständische Unternehmen stehen oftmals vor der Entscheidung, ob die Ausbezahlung von Zuschüssen zum Krankengeld überhaupt sinnvoll ist. Hierbei gibt es keine allgemein gültige Antwort. Fakt ist, dass freiwillige Leistungen auf den ersten Blick ein Loch ins Budget reißen. Sie sollten in jedem Fall überlegen, ob Ihre Firma freiwillige Zusatzzahlungen verkraften kann.

Jedoch sollten Sie auch die Außenwirkung nicht außer Acht lassen. Denn: Wer dafür sorgt, dass die Mitarbeiter im Krankheitsfall und insbesondere auch bei längerer Krankheit finanziell abgesichert sind, kann sich das für das eigene Arbeitgeberimage zunutze machen. Zusatzleistungen, Corporate Benefits und Co. werden in Zeiten des Fachkräftemangels immer wichtiger.

Wer als Arbeitnehmer den Luxus hat, sich zwischen verschiedenen Unternehmen zu entscheiden, wird sich den zukünftigen Arbeitgeber genauer ansehen: Was unterscheidet ihn von anderen Firmen und warum ist es sinnvoll, gerade dort eine Anstellung zu forcieren? Insbesondere aus diesem Grund sollten Sie Zusatzleistungen auch personalmarketingtechnisch aufbereiten: Ob im Rahmen von Employer-Branding-Kampagnen oder durch den geschickten Einsatz von Testimonials.

Autor: Redaktion Personalwissen

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