• 0228 / 95 50 160
Marken der Personalwissen Familie

Cultural Fit im Recruiting: Personalauswahl nach neuen Kriterien

© Rawpixel.com – Shutterstock
Culture-Fit

Nicht nur die Technik und die Kommunikation, auch der Umgang mit Mitarbeitern hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Arbeitswelt ist in einem ständigen Wandel. Vorgesetzte und auch Arbeitnehmer müssen bestimmte Handlungsweisen anpassen und regelmäßig erneuern. Dazu gehören unter anderem Methoden, um Mitarbeiter für das eigene Unternehmen auszuwählen. Während früher die reine Fachkompetenz im Vordergrund stand, rücken nun individuelle Ziele und Eigenschaften in den Fokus: Passt ein Kandidat in die Firma und das Unternehmen auch zu ihm? Cultural Fit spielt dabei eine wichtige Rolle. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Charakteristika und Anwendungsaspekte des Konzepts Cultural Fit im Recruiting.

Was ist Cultural Fit und welche Bedeutung hat es für das Recruiting von Mitarbeitern?

Um den Begriff Cultural Fit zu verstehen, ist es hilfreich, seinen Zusammenhang genauer zu betrachten. Im HR-Kontext bezieht sich Kultur nicht auf ländertypische Eigenschaften, sondern auf die Kultur eines Unternehmens. Demnach bezeichnet der Ausdruck die Kongruenz der Unternehmenskultur mit den Vorstellungen eines Mitarbeiters.

Eine besonders wichtige Rolle spielt Cultural Fit im Recruiting von neuen Mitarbeitern. Wenn Personalverantwortliche eine Stelle neu vergeben möchten, achten sie dabei nicht nur auf die fachlichen Kompetenzen der Kandidaten: Bewerber sollten sich mit dem Unternehmen identifizieren können und die Arbeit in der Firma als Gewinn erleben. Es gilt deshalb, die grundsätzlichen Einstellungen und Eigenschaften eines Kandidaten schon im Vorstellungsgespräch herauszufinden.

Unternehmenskultur und individuelle Charakteristika: Ein Cultural Fit?

Damit Führungskräfte entscheiden können, ob ein Bewerber für die Stelle im Unternehmen geeignet ist, muss zunächst geklärt werden, was die Firma braucht. Die Personalauswahl wird dabei sowohl von wirtschaftlichen Bedürfnissen wie auch von der Philosophie des Unternehmens beeinflusst. Diese hat sich oft über Jahre hin entwickelt und ist mit der Geschichte der Firma gewachsen.

Der langwierige Aufbau einer Unternehmenskultur hat zur Folge, dass bestimmte Einstellungen und Prinzipien tief in der Mentalität aller Mitarbeiter verankert sind. Neue Bewerber sollten aus diesem Grund ähnliche Werte vertreten, damit eine Zusammenarbeit funktionieren kann. Nur dann ergibt sich ein hoher Wert des Cultural Fit zwischen Mitarbeiter und der Kultur der Firma. Weichen die individuellen Vorstellungen einer Person stark von der Unternehmensphilosophie ab, können verschiedene Probleme und negative Folgen für die Organisation entstehen.

Cultural Fit: Im Recruiting die zentralen Aspekte beachten

Genauso wie sich Einstellungen und Geschmäcker individuell stark unterscheiden, variieren auch die Bedürfnisse und Eigenschaften verschiedener Firmen. Jedes Unternehmen weist einen anderen Aufbau, unterschiedliche Hierarchien und abweichende strukturelle Abläufe auf. Diese Charakteristika müssen Vorgesetzte beim Recruiting neuer Mitarbeiter beachten.

Zunächst sollten sich Verantwortliche darüber bewusst werden, welche Ziele das Unternehmen verfolgt. Ist die Firma klein und im ständigen Wandel? Müssen sich die Mitarbeiter immer neu erfinden und weiterentwickeln? Die Eigenschaften und Anforderungen, die das Unternehmen stellt, sollten mit den Fähigkeiten und vor allem mit den Vorstellungen der Bewerber übereinstimmen. Nur so können Arbeitgeber sicherstellen, dass die Arbeit in ihrer Firma durch einen hohen Cultural Fit so effektiv wie möglich erfolgt.

Cultural Fit und Unternehmenskultur: Unterschiede und Zusammenhänge

Während die Unternehmenskultur im Allgemeinen die gesamte Philosophie eines Unternehmens beschreibt, bezieht sich der Cultural Fit auf die Übereinstimmung dieser Werte mit der Einstellung eines Mitarbeiters. Aus diesem Grund stehen die beiden Begriffe in einem engen Zusammenhang. Der Cultural Fit spielt im Recruiting deshalb eine wichtige Rolle, weil die Unternehmenskultur einer Firma handlungsleitend ist.

Personalverantwortliche haben die Aufgabe, Bewerber zu finden, die zu den Werten des Unternehmens passen und diese auch vertreten. Im Job Interview müssen Vorgesetzte die Persönlichkeit der Kandidaten soweit erkennen, dass sie genau die Bewerber auswählen, die den größten Gewinn und positiven Einfluss für die Firma bringen.

Cultural Fit im Recruiting: Gemeinsamkeiten finden im Vorstellungsgespräch

Da der Stellenwert der Kultur einer Firma zunehmend an Bedeutung gewinnt und Firmen ständig daran arbeiten, ihre Philosophie und Arbeitsweisen weiter zu entwickeln und zu verbessern, steigt auch der Anspruch an die Bewerber in dieser Hinsicht. Kandidaten sollten sich mit ihrer persönlichen Lebensauffassung auseinandersetzen, um sich selbst besser einschätzen zu können.

Arbeitgeber nutzen immer häufiger neue und abgewandelte Methoden in Bewerbungsgesprächen. Die Kandidaten müssen nicht mehr nur mit fachlichen Kompetenzen überzeugen: Durch die Darstellung ihrer Persönlichkeit zeigen Bewerber, wer sie sind und welche Vorstellungen sie allgemein und in Bezug auf den ausgeschriebenen Job haben.

In gewisser Hinsicht betrachten Personalverantwortliche die Aussagen der Bewerber dabei aus einer neuen Perspektive. Der Fokus auf den Cultural Fit lenkt die Aufmerksamkeit auf konkrete Aspekte. Dadurch wird die Wahrnehmung der Vorgesetzten stark beeinflusst. So stehen die Werte des Unternehmens im Vordergrund und Verantwortliche überprüfen vor allem, ob das Verhalten und die Aussagen des Bewerbers dazu passen.

Vorteile für ein Unternehmen: Wie sich Cultural Fit für Firmen lohnt

Das Überprüfen beziehungsweise Erfassen des Cultural Fit bringt einige Vorteile für Unternehmen, aber auch für die Bewerber und Mitarbeiter einer Firma.

Ökonomische Vorteile für Unternehmen

In erster Linie verbessert sich das Zusammenspiel zwischen Arbeitnehmern und den Zielen der Organisation. Diese Wirkung zeigt sich in einigen Aspekten der Arbeit.

  • Kostenersparnisse
  • Gesteigerte Motivation und höheres Engagement
  • Verbesserte Zusammenarbeit
  • Arbeitszufriedenheit
  • Engere Bindungen

Indem Personalverantwortliche die Kandidaten, die nicht zum Unternehmen passen, frühzeitig aus dem Bewerbungsprozess nehmen, können sie negative Folgen verhindern. Zeigt sich zum Beispiel erst nach der Einstellung, dass ein Bewerber sich gegen grundlegende Ideen der Firma widersetzt, entstehen Probleme in der Teamarbeit und Einbußen in der Arbeitsproduktivität. Die Berücksichtigung des Cultural Fit kann auf diese Weise Kosten einsparen, die beispielsweise durch erneute Bewerbungsverfahren oder Umstrukturierungen entstehen würden.

Positive Effekte auf das Betriebsklima

Neben den ökonomischen Vorteilen, die ein Cultural Fit zwischen Mitarbeiter und Unternehmen liefert, zeigt sich auch ein langfristiger Nutzen für das Betriebsklima. Arbeitnehmer, die spüren, dass ihre Arbeit gebraucht wird und sich in die Strukturen einer Firma einfügen, sind motivierter. Durch die Passung zwischen den Werten beider Seiten erhöht sich zudem ihre Bereitschaft, Leistung zu erbringen.

Die Motivationssteigerung zeigt sich außerdem in der Zusammenarbeit mit Kollegen. Wenn Vorgesetzte bei allen Mitarbeitern auf ein Cultural Fit achten, arbeiten alle Arbeitnehmer auf ein und dasselbe Ziel hin. Und das mit dem gleichen Antrieb. Das Gefühl der Zugehörigkeit führt die Mitarbeiter zusammen und vereinfacht Teamarbeit und Kooperation. Auf diese Weise steigt zudem die Bindung der Arbeitnehmer an das Unternehmen.

Mitarbeiter, die sich in einer Firma wohlfühlen und sich verwirklichen können, binden sich stärker an die Organisation. Somit sinkt die Fluktuation und Vorgesetzte können längerfristig und sicher in die Zukunft planen. Mit dem Beachten des Cultural Fit können Arbeitgeber das Unternehmen so schon frühzeitig stärken. Gewinne sind also – zusammenfassend dargestellt – eine erhöhte Arbeitszufriedenheit und -motivation, welche die Produktivität und Effizienz einer Firma steigern.

Interviewfragen: Welche Fragen erfassen den Cultural Fit eines Bewerbers am besten?

Um die Haltung eines Bewerbers überblicken zu können und sie anschließend mit der einer Firma zu vergleichen, müssen Vorgesetzte im Vorstellungsgespräch einige zielgerichtete Fragen stellen. Den Cultural Fit zwischen Kandidaten und Unternehmen erfassen Verantwortliche nur, wenn sie ehrliche und offene Antworten von den Bewerbern bekommen.

Da die Bedeutung eines Cultural Fit im Recruiting immer weiter steigt, müssen Vorgesetzte auch die Kommunikation und die Techniken im Bewerbungsgespräch anpassen. Arbeitgeber sollten sich somit schon im Voraus gut überlegen, welche Fragen sie den Kandidaten stellen wollen. Es kann helfen, sich vor dem Auswahlverfahren ein Konzept und konkrete Formulierungen zu überlegen, die anschließend an die Situation und die Bewerber angepasst werden.

Cultural Fit im Recruiting: Im Interview die persönliche Meinung erfragen

Das wichtigste Ziel von Vorgesetzten in einem Vorstellungsgespräch ist es, ein authentisches und echtes Bild der Kandidaten zu erhalten. Arbeitgeber müssen die Bewerber so genau wie möglich kennenlernen, um feststellen zu können, ob sie zur Firma passen oder eben nicht. Dabei spielt auch die Meinung des Kandidaten eine wichtige Rolle. Seine Erwartungen beeinflussen, wie er später seine Arbeit ausführt und somit auch, inwieweit das Unternehmen von ihm als Mitarbeiter profitiert.

Aus diesem Grund sollten HR-Manager im Gespräch mit den Bewerbern solche Fragen stellen, die ebenjene Einstellungen der Kandidaten erfassen. So erhalten Vorgesetzte eine Vorstellung davon, wie die Arbeitsmoral der Bewerber aussieht und welche Anforderungen sie an ihren Arbeitgeber stellen. Mögliche Fragen sind:

  • Was schuldet eine Firma ihren Mitarbeitern?
  • Welche Rolle spielt Mitarbeiterförderung für Sie?
  • Auf welche Prinzipien und Ideen legen Sie besonders Wert?
  • Wie stellen Sie sich Ihren idealen Vorgesetzten vor?
  • Was waren für Sie positive und was waren negative Umstände an Ihrer letzten Arbeitsstelle?

Diese exemplarischen Fragen explorieren die Erwartungen des Kandidaten. Diese können Personalverantwortliche mit den Möglichkeiten und Normen des Unternehmens vergleichen und so entscheiden, ob der Bewerber zum Unternehmen passt oder ob er keinen hohen Cultural-Fit-Wert erreicht und deshalb nicht länger im Auswahlverfahren bleibt.

Cultural Fit: Im Recruiting die Erwartungen klären

Neben den Ansprüchen, die ein Kandidat an seinen potenziellen Arbeitgeber stellt, sollten Vorgesetzte im Job-Interview auch herausfinden, unter welchen Bedingungen der Bewerber am effektivsten arbeitet. Verantwortliche stellen hierzu Fragen, die die Wünsche und Bedürfnisse des Kandidaten erfassen, beispielsweise:

  • Wie stellen Sie sich die optimale Teamarbeit vor?
  • Wie definieren Sie das ideale Arbeitsklima für sich?
  • Welche Anforderungen stellen Sie an ein Team? Wie sollte es aussehen?
  • Was zeichnet Mitarbeiter aus, mit denen Sie gerne kooperieren?
  • Was ermöglicht es Ihnen, gute Leistungen zu erzielen?

Mit Fragen dieser Art finden Personalverantwortliche heraus, unter welchen Bedingungen der Kandidat produktiv arbeitet. Dazu gehören unter anderem seine Vorstellungen von Teamarbeit und Kooperation sowie sein Bild von der idealen Arbeitsatmosphäre. Stimmen Unternehmenskultur und Werte beziehungsweise Bedürfnisse des Kandidaten an dieser Stelle überein, erreicht der Bewerber einen hohen Cultural-Fit-Wert.

Insgesamt sollten Verantwortliche großen Wert auf die Formulierung ihrer Fragen legen. Je ausgearbeiteter und bedachter Vorgesetzte das Interview führen, desto genauer wird ihr Bild von den Kandidaten. So können Personaler gewährleisten, dass sie die bestmöglichen Bewerber auswählen, die den höchsten Cultural Fit aufweisen.

Schwierigkeiten und Nachteile: Beeinträchtigungen für die Messung des Cultural Fit

In einer Studie von StepStone gaben rund 93 Prozent der befragten Unternehmen an, Cultural Fit im Recruiting als wichtig einzustufen. Diese Zahl weist darauf hin, dass Cultural Fit schon jetzt eine große Rolle spielt. Dabei sollten Verantwortliche jedoch auch mögliche Schwierigkeiten beachten, um negative Einflüsse auf die Auswahl neuer Mitarbeiter zu verhindern.

Der starke Fokus auf die Unternehmenskultur und damit auf Aspekte wie Kommunikation, Werte und Normen einer Firma, stellen andere Merkmale in den Hintergrund. Trotzdem ist es zum Beispiel maßgebend, welche beruflichen Erfahrungen ein Kandidat mitbringt und welche Referenzen er vorweisen kann. Auch das fachliche Wissen ist für die Ausübung eines Berufs essenziell und sollte unter keinen Umständen in den Hintergrund geraten.

Personalverantwortliche müssen deshalb darauf achten, die Relevanz des Cultural nicht zu schwer zu gewichten. Grundsätzlich gilt jedoch, dass die systematische Umsetzung des Cultural Fit im Recruiting in den meisten Firmen noch ausbaufähig ist. Schulungen und Fortbildungen zum Thema Cultural Fit können Vorgesetzten helfen, die Ausführung zu verbessern und die richtige Balance zu finden. Immer wichtiger erscheinen dabei auch IT-basierte Lösungen wie spezielle Tests zur automatisierten, initialen Erfassung des Cultural Fit bereits in der Vorauswahl des Bewerbungsprozesses.

Autor: Redaktion Personalwissen

Siegel

Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
0228 / 95 50 160