New Work: Definition, Fakten und Hintergründe zur Arbeit 4.0

New Work: Definition, Fakten und Hintergründe zur Arbeit 4.0

Viele innovative und qualifizierte Mitarbeiter möchten nicht ausschließlich ihre persönlichen Fähigkeiten und Stärken weiterentwickeln, sondern ebenfalls die eigene Arbeitsweise reformieren. Sich neu zu erfinden und in einer Wissensgesellschaft ortsunabhängig, in wechselnden Projektteams und mit mehr Selbstbestimmtheit zu arbeiten, ist mehr als ein Traum. New Work ist eine Möglichkeit, sich in eine neue Dimension des Arbeitens zu begeben, in der Ideenreichtum, Flexibilität, Produktivität sowie eine effektivere Work-Life-Balance gegeben sind.

New Work ist zusammengefasst der Arbeitsplatz, den die Menschen von heute bevorzugen. Es ist einer, an dem Zusammenarbeit und Teamwork geschätzt werden. Statt Hierarchien, Kontrolle und angestaubten Führungsstilen fokussiert sich New Work auf Individuen, eine nutzenorientierte Kommunikation, Offenheit, Unterstützung und Freiraum. Ein New-Work-Arbeitsplatz ist ein Ort, an dem Menschen gemeinsam etwas erreichen, indem sie ihre Stärken und Qualifikationen bündeln und in Bezug auf die Arbeitsweise flexibel agieren.

Nicht jeder versteht unter „Neuer Arbeit“ dasselbe. In diesem Artikel lesen Sie, wie Experten New Work und Arbeit 4.0 definieren, welches Potenzial sich hinter New Work verbirgt und welche Herausforderungen mit New Work verbunden sein können.

    New Work Definition: Was bedeutet New Work in der Praxis?

    Fast schon ein Buzzword: Überall, wo über Arbeiten gesprochen wird und wo Menschen zusammenkommen, die an innovativen Ideen zu Organisations- und Personalfragen arbeiten, bleibt der Themenbereich New Work nicht unerwähnt. In den meisten Kontexten bezeichnet New Work andersartige Arbeitsmodelle und alternative Arbeitsformen, die den sich verändernden Bedürfnissen der Arbeitnehmer entgegenkommen. Spricht man über New Work, spielen unterschiedliche Ansätze eine Rolle.

    Warum wird New Work häufig diskutiert?

    New Work ist kein Selbstzweck. Hinter New Work und einer Veränderung der Herangehensweise beim Thema Arbeit steht vor allem die sich verändernde Gesellschaft. Mit der Globalisierung und der Digitalisierung hat sich ein Paradigmenwechsel im Arbeitsleben ergeben. Flexibilität, schnelle Entscheidungswege, Kommunikation und das Hinterfragen der Bedürfnisse von Mitarbeitern werden von Jahr zu Jahr wichtiger. Typische Gründe, warum sich Führungskräfte und HR-Manager mit New Work auseinandersetzen sind:

    • Der fortschreitende Fachkräftemangel, der es notwendig macht, Talente anders anzusprechen und bedürfnisorientiert ans Unternehmen zu binden.
    • Zwang zu Kostensenkungen durch globalen Wettbewerbsdruck.
    • Junges Mitarbeiterklientel, das agiles Arbeiten, Freiraum, Privatleben und Work-Life-Balance sowie Selbstbestimmtheit und Ortsunabhängigkeit bevorzugt.

    Insgesamt ist New Work als Themengebiet vielfältig und kann nicht in eine Form gepresst werden. Abhängig vom Unternehmen, seinen Mitarbeitern und der Branche kann sich New Work als Oberbegriff mit:

    • Modellen zur Förderung von selbstbestimmtem Arbeiten,
    • mit Anreiz- und Benefit-Systemen,
    • mit der generellen Ausrichtung der Arbeitsweise oder
    • mit einer Reorganisation des Projektmanagements oder Projektarbeiten beschäftigen.

    Da Teamarbeit und Kundenzentriertheit essenzieller werden, beschäftigt sich New Work ebenfalls mit der Implementierung moderner Arbeitsmethoden, wie beispielsweise Design Thinking oder OKR.  

    New Work ist als HR-Ansatz und Methodik nicht neu. Seinen Ursprung hatte New Work als Theoriekonzept bereits in den 1970er-Jahren.

    New Work: Definition nach Frithjof Bergmann

    Der Grundgedanke, der hinter dem New-Work-Konzept steht, geht auf Prof. Dr. Frithjof Bergmann zurück. In den späten 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts setzte sich Bergmann mit der zentralen (sozial-)philosophischen Fragestellung nach der Freiheit des Menschen auseinander. Seiner Erkenntnis nach sei es vor allem die Arbeit, die die Menschen zunehmend unfreier mache.

    Es ist Fakt, dass der Mensch seit Beginn der Industrialisierung ein Teil des Arbeitsprozesses ist. Er fungiert, abhängig von Branche und Aufgabe, mehr oder weniger als Werkzeug oder ist ein „Mittel zum Zweck.“ Im Detail beobachtet werden kann dies zum Beispiel bei der Fertigung von Fahrzeugen im Automobilbau. Ähnlich wie Roboter führen Mitarbeiter ihre Aufgabe gewissenhaft aus. Statt Freiraum und Selbstbestimmtheit sind sie gefangen im System von Routineaufgaben.

    Mit dem Konzept von New Work formuliert Bergmann die grundlegende Umkehr dieser Situation. Nicht der Mensch ist das Mittel für die Arbeit, sondern die Arbeit dient als Mittel für den Menschen, der sich frei entfalten und entwickeln kann und soll.

    Sein Fazit: Arbeit müsse sich grundlegend ändern, damit Werte wie Freiheit, Selbstbestimmung und Kreativität erneut neu aufleben könnten. New Work oder die neue Arbeit impliziert somit, dass Menschen einer Arbeit nachgehen, bei der ihre Fähigkeiten, ihre menschlichen Kompetenzen und Selbstbestimmtheit im Vordergrund stehen. Statt eintöniger Routinetätigkeiten bezieht sich New Work auf eine Tätigkeit, die Freude bereitet, einen sinnstiftenden Nutzen hat und die den Stärken des Mitarbeiters entspricht.

    Arbeitsmodelle im Wandel: Was ist Arbeit 4.0?

    Seitdem New Work als Oberbegriff erstmals geprägt wurde, hat sich in der Arbeitswelt vieles verändert. Vor allem der rasante Umbruch, der mit der Digitalisierung und dem technischen Fortschritt einhergeht, hat die Bedeutung des Konzepts an Wichtigkeit gewonnen. New Work hat sich zu einem Schlüsselbegriff etabliert, der die weitreichende Transformation der Arbeitswelt beschreibt. Konkret ist dies zum Beispiel an folgenden Parametern ablesbar:

    • Digitalisierung: Neue technische Möglichkeiten prägen die Arbeitswelt. Algorithmen, künstliche Intelligenz und Software professionalisieren Arbeitsprozesse. Maschinen können einzelne Arbeitsschritte oder ganze Prozesse übernehmen. Diese neuen Möglichkeiten haben Auswirkungen auf das Aufgabenspektrum der Belegschaft. Das Internet und neue Telekommunikationskanäle ermöglichen darüber hinaus eine globale Kommunikation in Echtzeit.
    • Weltweite Vernetzung: Vor allem durch das „Internet of Things“ und neue Mobilfunkstandards wie 5G sind Unternehmen und Produktionsprozesse an unterschiedlichen Standorten miteinander vernetzt. Projektteams können, ohne physisch an einem Ort präsent zu sein, produktiv zusammenarbeiten. Chats, Voice-over-IP und Co. ermöglichen eine grenzenlose Vernetzung, die neue Möglichkeiten eröffnet.

    In der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass moderne Kommunikationsmethoden eine effektive Zusammenarbeit in Projektteams ohne einen gemeinsamen Arbeitsort ermöglichen. Die Covid-19-Pandemie hat agilen Arbeitsmethoden, New Work und dezentraler Projektarbeit einen Schub gegeben und neue Innovationen hervorgebracht.

    • Agilität und Disruption: Schrittweiser Wandel und Entwicklungen weichen und machen Platz für rasante, bahnbrechende Neuerungen, die die gesamte Arbeitswelt betreffen und nachhaltig prägen können. Agilität ist essenziell, um auf diese Veränderungen reagieren zu können.

    Arbeit 4.0 schafft neue Modelle, die sich auf der einen Seite am Puls der Zeit bewegen und gleichzeitig den Wünschen der Arbeitnehmer entgegenkommen. Dies beinhaltet ebenfalls neue Arbeitsmethoden.

    Jobsharing, Digitalisierung und Homeoffice: Epochale Neuerungen

    New Work bezeichnet eine Arbeit, die dem Menschen Spaß macht. Selbstbestimmtheit und Selbstverwirklichung werden bei New Work großgeschrieben. Diese Merkmale von New Work decken sich deutlich mit den Wünschen und Bedürfnissen der Generationen Y und Z, die den Arbeitsmarkt erobern. War es für die Babyboomer (Geburtsjahrgänge 1955 bis 1969) noch von großer Relevanz, möglichst früh nach dem Eintritt ins Erwerbsleben eine Familie zu gründen und ein Eigenheim zu bauen, hat sich diese Prämisse längst geändert.

    Spätestens seit der Generation Y haben andere Werte an Wichtigkeit gewonnen. Selbstbestimmung, Freiheit, ein ausgewogenes Privatleben sowie sinnstiftende Tätigkeiten, die nicht ausschließlich dem Broterwerb dienen, bestimmten den Alltag. Statussymbole werden unter anderem durch die folgenden Benefits verdrängt:

    • Sabbaticals und freie(re) Arbeitszeitgestaltung,
    • örtliche Flexibilität, modernes Zeitmanagement sowie
    • flache Hierarchien.

    Aus Unternehmenssicht ist es alternativlos, auf die Wünsche der jungen Generation einzugehen und die Bedürfnisse der heutigen Wissensgesellschaft zu hinterfragen.  

    New Work trägt zum Erfolg eines Unternehmens bei, da die Mitarbeiter zufriedener sind. © tirachard l Adobe Stock

    New Work: Potenzialentfaltung vs. Karriere machen

    Der Begriff von New Work setzt sich mit den sich wandelnden Wünschen und Bedürfnissen der Arbeitnehmer auseinander. Im Rahmen von „Neuer Arbeit“ sollen Arbeitsmodelle geschaffen werden, die den sich ändernden Wünschen der Arbeitnehmer entgegenkommen. Erklärtes Ziel aller Maßnahmen ist es, die Mitarbeiterzufriedenheit, die einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg eines Unternehmens und auf das Employer Branding hat, zu erhöhen.

    Im Umkehrschluss müssen die Maßnahmen zu New Work ebenfalls zu den Beschäftigten passen. Das bedeutet, dass Arbeitsumfeld und Berufsalltag mit den Wünschen der Mitarbeiter konform gehen sollten. Traditionelle Branchen wie Banken oder Versicherungen, in denen Kleiderordnungen oder die Arbeitsweise festen Regeln folgt, tun sich schwerer, zukunftsorientierte und flexible Arbeitsformen einzuführen. Da Mitarbeiter der Generationen Y und Z dies gleichzeitig einfordern, müssen Unternehmen Maßnahmen ergreifen, die die Bedürfnisse aufgreifen.  

    Warum Arbeit 4.0 und Work-Life-Balance kein Gegensatz ist

    Vor allem in den jüngeren Generationen Y und Z ist ein Paradigmenwechsel, bei dem Freiraum, Privatleben, Ortsunabhängigkeit und Selbstbestimmtheit großgeschrieben werden, unübersehbar. Gleichzeitig sind moderne Kommunikationsmittel wie Smartphones und Tablets praktisch überall präsent. Dies macht es schwieriger, Arbeit und Freizeit oder Familienleben strikt voneinander zu trennen.

    Diese Entwicklung muss nicht unbedingt negativ sein und kann ebenfalls mit New Work in Einklang gebracht werden. Passt die Attitüde der Mitarbeiter zur Firmenphilosophie, profitieren Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen von den Möglichkeiten der „Neuen Arbeit“. Vor allem junge und hippe Unternehmen aus der IT- und Kreativbranche setzen auf eine aktive Vermischung von Freizeit und Arbeit. Büroräume, die an eine Wohngemeinschaft erinnern, oder Teambuilding-Events, die den Aktivitäten innerhalb eines Freundeskreises gleichen, sind typische Beispiele vom sogenannten Work-Live-Blending, einer weiteren erwähnenswerten Entwicklung innerhalb des New-Work-Konzepts.

    Herausforderungen bei New Work – warum Kundenorientierung und New Work zusammengehören

    Modernität und Innovation sind die Schlagworte unserer Zeit. New Work zielt ebenfalls auf diese beiden Leitworte ab und versucht, eine neue, zukunftsorientierte und selbstbestimmte Arbeitswelt mit mehr Freiheiten zu etablieren. Gleichzeitig dürfen Unternehmen einen Fehler nicht machen: New Work und Kundenorientierung müssen grundsätzlich als Einheit gesehen werden.

    Konzentrieren sich HR-Manager und Führungskräfte ausschließlich auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter, könnten die Kundenbedürfnisse zu kurz kommen. Da das Unternehmensziel vor allem darin besteht, Produkte und Dienstleistungen an Kunden zu verkaufen, sollten die Wünsche der Kunden an erster Stelle stehen. Entscheidend ist ein mehrwertorientierter Verkauf, der Kundenprobleme löst. Im zweiten Schritt oder flankierend können ebenfalls die Bedürfnisse der Mitarbeiter in Bezug auf eine Umwandlung des Unternehmens nach New Work-Prinzipien bedacht werden.

    Da es kein New-Work-Korsett gibt, das einer Organisation übergestülpt werden kann, sollten individuelle New-Work-Maßnahmen implementiert werden. Auf diese Weise wird es möglich, die Wünsche der Mitarbeiter zu berücksichtigen und deren Potenzial völlig auszuschöpfen. Drei Praxisbeispiele zeigen, wie New Work zielorientiert umgesetzt werden kann:

    • Homeoffice: Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Ortsunabhängigkeit und Zusammenarbeit kein Widerspruch sein müssen. Homeoffice ist, wenn es zielführend im Betrieb umgesetzt wird, für alle Beteiligten eine Bereicherung.  
    • Flexible Arbeitszeiten: Derr zentrale Aspekt der Freiheit des Mitarbeiters steht ebenfalls weit vorn. Der klassische 9-to-5-Job hat ausgedient und sollte flexiblen Arbeitsmodell weichen.
    • Selbstorganisiertes Arbeiten: Nicht in jedem Unternehmen ist es möglich, den Mitarbeitern die maximale Freiheit zum selbstorganisierten Arbeiten zu geben. Eine offene Feedbackkultur und eine nutzenorientierte und offene Kommunikation auf Augenhöhe kann Mitarbeitern trotz klarer Rahmenbedingungen Freiräume aufzeigen, die sukzessive erweitert werden können.

    Zusammenfassend muss festgehalten werden, dass New Work grundsätzlich individuell ist. New Work bezieht sich auf eine Adaption der Arbeitsweise, auf mehr Freiraum, Ortsunabhängigkeit und eine höhere Selbstbestimmtheit der Mitarbeiter. Die Umsetzung von New Work-Maßnahmen in der Praxis funktioniert, wenn sich Führungskräfte, Personalverantwortliche und Mitarbeiter im Kollektiv an einem effizienten und zukunftsorientierten Change-Prozess beteiligen und die Organisation reformieren.

    Häufig gestellte Fragen zum Thema New Work

    Was ist das Gegenteil von New Work?

    New Work impliziert einen Strukturwandel der allgemeinen Arbeitswelt hin zu mehr Selbstverantwortung, flexiblen Arbeitsmethoden, Freiraum und agilem Management. Das Gegenteil von New Work ist die traditionelle Arbeitsweise mit Hierarchien, starren Arbeitszeitmodellen, Kontrolle und Autoritäten.

    Was machte den Begründer von New Work, Frithjof Bergmann besonders?

    Der im Jahr 2021 verstorbene Philosoph Frithjof Bergmann erkannt vor 40 Jahren, wohin sich die Arbeitswelt entwickeln würde. Er sah voraus, dass Selbstbestimmtheit, Ortunabhängigkeit und agiles Arbeiten die Schlagworte einer digitalisierten und globalisierten Wissensgesellschaft sein würden.