Arbeitszeiterfassung: Diese Angaben gehören auf den Stundenzettel

Arbeitszeiterfassung: Diese Angaben gehören auf den Stundenzettel

Wer arbeitet, braucht auch Pausen. Die Arbeitszeit von Arbeitnehmern ist streng geregelt und die dafür geltenden Gesetze werden laufend überarbeitet. Um zu kontrollieren, wie lange die Beschäftigten tatsächlich arbeiten, müssen Unternehmen die Arbeitszeit dokumentieren.

Dafür kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz, bei denen auch neue Technologien immer öfter Verwendung finden. Wie lange Ihre Beschäftigten arbeiten dürfen, welche Zeiterfassungssysteme es für die Arbeitszeiterfassung gibt und welche davon für Ihren Betrieb anwendbar sind, sowie die Dokumentation der Stundenzettel, erfahren Sie hier.

    Aufzeichnungspflicht gemäß Mindestlohngesetz

    Die gesetzliche Dokumentationspflicht gilt gemäß § 17 MiLoG für geringfügig Beschäftigte (Ausnahme: Minijobber im privaten Bereich) sowie für die im Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz (§ 2a Abs. 1) genannten Wirtschaftsbereiche, in denen eine besondere Missbrauchsgefahr besteht. Dazu zählen:

    • das Baugewerbe,
    • das Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe,
    • das Personenbeförderungsgewerbe,
    • das Speditions-, Transport- und damit verbundenen Logistikgewerbe,
    • das Schaustellergewerbe,
    • Unternehmen der Forstwirtschaft,
    • das Gebäudereinigungsgewerbe,
    • Unternehmen, die im Messebau tätig sind,
    • Unternehmen der Fleischwirtschaft und
    • das Prostitutionsgewerbe.

    Laut Gesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit seiner Arbeitnehmer aufzuzeichnen. In der Praxis überlässt er dies den Mitarbeitern meist selbst, indem er ihnen Stundenzettel zur Verfügung stellt, die auszufüllen und abzugeben sind.

    Zumindest laut Mindestlohngesetz müssen die Aufzeichnungen über die Arbeitszeit spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Tag der Arbeitsleistung folgenden Kalendertages niedergeschrieben sein. Die Aufbewahrungspflicht beträgt zwei Jahre.

    Das Arbeitszeitgesetz: So lange dürfen Beschäftigte arbeiten

    Das Arbeitszeitgesetz regelt, wie lange Arbeitnehmer arbeiten dürfen, welche Ruhepausen einzuhalten sind und was bei Verstößen geschieht. Dieses Gesetz soll vor allem dazu dienen, Beschäftigte zu schützen und deren Gesundheit nicht zu gefährden.

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    Diese Vorschriften gibt es im Arbeitszeitgesetz © Elnur – Adobe Stock

    Die wichtigsten Inhalte des Arbeitszeitgesetzes sind:

    • Die tägliche Arbeitszeit an Werktagen darf maximal acht Stunden betragen.
    • Unter bestimmten Voraussetzungen lässt sich ein Arbeitstag auf bis zu zehn Stunden verlängern. Im Ausgleich muss der Arbeitnehmer in der Folgezeit weniger arbeiten. Insgesamt darf der Mitarbeiter innerhalb von sechs Kalendermonaten nicht länger als durchschnittlich acht Stunden pro Tag arbeiten.
    • Pro Woche dürfen Beschäftigte maximal 48 Stunden arbeiten.
    • Man darf maximal sechs Stunden ohne Pause arbeiten. Danach muss eine mindestens 30-minütige Pause folgen. Bei Arbeitszeiten von mehr als neun Stunden müssen 45 Minuten Pause zur Verfügung stehen.
    • Nach der täglichen Arbeitszeit müssen mindestens elf Stunden Ruhezeit gewährleistet sein.
    • Der gesetzliche Urlaubsanspruch liegt bei vier Wochen im Jahr.
    • Für die meisten Beschäftigten gilt das Verbot der Sonn- und Feiertagsbeschäftigung. Ärzte, Pflegekräfte und andere müssen stattdessen Ersatzruhetage gewährt bekommen.

    Der Arbeitgeber steht in der Pflicht, die Arbeitszeiten des Beschäftigten genau zu dokumentieren. Verstößt er gegen eine der diversen Regelungen des Arbeitszeitgesetzes, begeht er eine Ordnungswidrigkeit, was entsprechend geahndet wird. Gewerbeaufsichtsämter oder Behörden für Arbeitsschutz übernehmen in der Regel die Überwachung der Einhaltung dieser Vorgaben.

    Was zählt als Arbeitszeit und für wen gilt das Arbeitszeitgesetz?

    Grundsätzlich gilt das Arbeitszeitgesetz füralle Beschäftigten – also auch Auszubildende. Allerdings gibt es auch hier zahlreiche Ausnahmen. So zählen beispielsweise Beamte, Richter und Soldaten nach dem Gesetz nicht als Arbeitnehmer. Für Arbeitnehmer, die noch nicht volljährig sind, gilt des Weiteren ein gesondertes Jugendarbeitsschutzgesetz.

    Auch andere Berufsgruppen sind von der geltenden Arbeitszeitregelung ausgeschlossen. Leitende Angestellte im öffentlichen Dienst, Chefärzte, Pflegepersonal, Arbeitnehmer, die andere Personen betreuen oder erziehen und mit diesen zusammen wohnen, Arbeitnehmer der Kirchen sowie Mitarbeiter in der Luftfahrt fallen dementsprechend nicht unter die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes. Doch auch diese Personen stehen unter einem besonderen Schutz – so haben beispielsweise auch sie ein Anrecht darauf, mindestens 15 Sonntage im Jahr nicht arbeiten zu müssen.

    Zudem muss für die Einhaltung der Arbeitszeit zunächst der Begriff „Arbeitszeit“ näher definiert werden. Zur Arbeitszeit zählt grundlegend die Zeit von der Aufnahme bis zum Ende der Arbeit. Dazu gehören weder die Pausen noch der Arbeitsweg dorthin. Genauso verhält es sich mit dem Umkleiden – es sei denn, der Arbeitgeber schreibt bestimmte Arbeitskleidung vor, die im Betrieb angezogen wird. Auf Dienstreisen lässt sich auch die Anreise zur Arbeitszeit zählen – sofern der Arbeitnehmer während der Reise nicht entspannen und sich erholen kann.

    Betriebsrat: Ehrenamt und die „Unzumutbarkeits-Regel“

    Betriebsräte sind ebenfalls von der Arbeitszeitregelung ausgeschlossen. Warum? Ein Betriebsrat bedient ein von sich selbst ausgesuchtes Ehrenamt, in dessen Möglichkeitsrahmen er sich eigenverantwortlich bewegt. Mit Sicherheit ist auch diese Arbeit mit hohem Aufwand und mit vielen Stunden der Arbeit verbunden. Was aber gegenüber den Arbeitern und Angestellten fehlt, ist die Weisungsgebundenheit. Mitglieder des Betriebsrates können ihre Arbeitszeit bzw. die Stunden der anfallenden Arbeit selbst bestimmen und bedürfen somit keines Schutzes.

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    Betriebsräte werden nicht in die Arbeitszeitregelung eingeschlossen © contrastwerkstatt – Adobe Stock

    Betriebsräte haben laut Arbeitszeitgesetz keinen wirklichen Anspruch auf Schutz vor zum Beispiel Überstunden. Dennoch existiert aufgrund eines Gerichtsbeschlusses eine Art Ausnahme-Regel. Laut einer Entscheidung vom 07.06.1989: Eine Arbeitsbefreiung für Betriebräte greift dann, wenn ein Mitglied des Betriebsrates beispielsweise an Betriebsratsversammelungen außerhalb seiner persönlichen Arbeitsstundenzahl teilnimmt.

    Wer auf der Versammlung ist, dem ist es nicht zuzumuten, die nach der Betriebsratsitzung anfallenden Stunden der Arbeit noch ordnungsgemäß zu erfüllen. Stattdessen hat das Mitglied des Betriebsrates nach Paragraf 37 Abs. 2 BetrVG Recht auf bezahlte Arbeitszeitbefreiung.

    Arbeitszeit muss am Arbeitsort kontrollierbar sein

    Mithilfe des Stundenzettels kann die Finanzkontrolle Schwarzarbeit kontrollieren und ob Sie Ihren Mitarbeitern tatsächlich Mindestlohn zahlen. Das Gesetz schreibt vor, die Arbeitszeitnachweise auf Verlangen der Prüfbehörde am Arbeitsort, zum Beispiel der Baustelle, vorzulegen. Zwar ist nicht vorgeschrieben, wie dieser Arbeitszeitnachweis aussehen muss, aber der Stundenzettel ist die sicherlich einfachste und praktikabelste Form.

    Können Ihre Mitarbeiter den Fahndern einen Stundenzettel vorlegen, der die Arbeitszeit in den letzten Tagen belegt, lassen sich Zweifel der Behörde schnell zerstreuen. Oftmals erspart eine gewissenhafte Arbeitszeitdokumentation, die nicht erst hektisch in der Verwaltung zusammengesucht werden muss, sogar eine unangenehme Betriebsprüfung durch den Zoll.

    Aber auch in anderen Fällen ist die Existenz von Stundenzetteln bei der Arbeitszeiterfassung nützlich. Denken Sie beispielsweise an einen Kunden, der nicht zahlen will und Sie zu einem Rechtsstreit nötigt. Mithilfe der Arbeitszeitaufzeichnung können Sie dem Gericht Ihre Aufwände nachweisen.

    Arbeitszeiterfassung: Methoden und Wege zur Erhebung

    Die Erfassung der Arbeitszeit ist zum einen also eine wichtige Methode zur Dokumentation der tatsächlichen Arbeitszeit – zum anderen ist sie Pflicht. Dabei geht es hauptsächlich darum, die zulässigen täglichen bzw. wöchentlichen Arbeitszeiten nicht zu überschreiten. Nachweise sind vom Arbeitgeber zudem mindestens zwei Jahre aufzubewahren.

    Diese Zeiterfassungssysteme gibt es

    Als Arbeitgeber muss man also auch wissen, wie man die Arbeitszeiten der Beschäftigten erfassen will. Dafür gibt es zahlreiche unterschiedliche Systeme:

    • Die simple Variante: Die händische Niederschrift der Arbeitszeiten in einem dafür vorgesehenen Formular stellt die flexibelste Arbeitszeiterfassung dar, allerdings geht damit auch ein hoher Verwaltungsaufwand einher.
    • Die altmodische Variante: Die mechanische Stechuhr ist in einigen älteren Betrieben heute noch immer zu finden. Nach dem Passieren eines Terminals wird die Zeit auf einer Stempelkarte festgehalten. Die Auswertung ist dabei erst möglich, wenn die Mitarbeiter die Karten abgeben.
    • Digitalisierte Versionen: Diese Art der Stempeluhr ist heute oftmals im Einsatz. Dazu muss der Beschäftigte zu Beginn und zum Ende der Schicht ein stationäres Terminal passieren, das die entsprechenden Zeiten digital festhält. In der Regel funktioniert diese Technik mithilfe von Chips oder Chipkarten.
    • Manuelle Eingabe: Quasi ein digitaler Stundenzettel, denn die Eingabe erfolgt über ein Programm am Rechner. Doch genauso wie die Niederschrift läuft sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer hier Gefahr von Missbrauch.
    • Moderne Zeiterfassung: Im modernen Zeitalter gibt es natürlich auch moderne Arbeitszeiterfassung. So sorgen Clouds mit mobilen Apps für eine flexible und mobile Erfassung von Zeiten und können Daten übersichtlich dokumentieren und auswerten.
    • Im Fahrzeug: Für Fahrdienste kann auch ein direkt im Fahrzeug fest installiertes Gerät zur Dokumentation von Arbeitszeiten dienen. Allerdings kann diese Technik nur im Fahrzeug genutzt werden und ist meist relativ teuer.
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    Die manuelle Arbeitszeiterfassung: Der Stundenzettel © Stockwerk-Fotodesign – Adobe Stock

    Arbeitszeiterfassung: Individuell abwägen

    Mithilfe dieser Methoden erfolgt die Erfassung der täglichen Arbeitszeiten mehr oder weniger genau bzw. zuverlässig. Gleichzeitig gibt es für jedes dieser unterschiedlichen Systeme sowohl Vor- als auch Nachteile. Wo händische oder manuelle Dokumentation relativ leicht für eigene Zwecke missbraucht werden kann, da kann Software nur in bestimmten Bereichen eingesetzt werden und erfordert oftmals auch den Besitz eines eigenen Smartphones oder Laptops. Es gilt also, sich genau zu überlegen, welche Methode Sie als Arbeitgeber einsetzen möchten.

    Vor- und Nachteile Arbeitszeiterfassung

    Vorteile:

    • Erfassung jeder einzelnen Überstunde.
    • Konkrete Trennung von Privatleben und Arbeit.
    • Die Aufgaben der Woche werden am Wochenende nicht mit nach Hause genommen.
    • Günstig für den Arbeitgeber: stärkere Kontrollmöglichkeiten.
    • Kosten werden eingespart.
    • Arbeitszeiten und Überstunden werden automatisch berechnet.
    • Die Zurechnung von Arbeitszeiten erfolgt projekt- und tätigkeitsbezogen.
    • Die Abteilung Zeitwirtschaft wird durch das neue System entlastet.

    Nachteile:

    • Überwachungsempfinden
    • Ein unausgelasteter acht Stunden Arbeitstag wird leicht zum Problem.
    • „Gelangweilte“ Mitarbeiter orientieren sich just an der Zeit.
    • Die Ergebnisorientierung geht verloren. Dies zeigt sich in minderer Qualität der Arbeit.

    Die positiven Aspekte von multifunktionellen Methoden zeichnen sich in Nachvollziehbarkeit und Transparenz für Arbeitnehmer, für die Personalabteilung sowie für Arbeitgeber gleichermaßen stark ab. Auch gewährt die Arbeitszeiterfassung einen klaren Überblick über Überstunden, Fehltage oder Urlaubstage. Das System der Arbeitszeiterfassung muss sich den spezifischen Wünschen eines Unternehmens sowohl zeitnah als auch flexibel anpassen. Das System darf jederzeit um weitere Funktionen erweitert werden.

    Hinweis: Wie gemacht für Kleinbetriebe (25 bis 40 Mitarbeiter) ist die so genannte „Small Business“– Version des Systems der Zeiterfassung. Die mobile Zeiterfassung via Smartphone spricht eher Unternehmen mit Außendiensttätigkeit an.

    Zeiterfassungssysteme: Welche Methode ist in meinen Betrieb sinnvoll?

    Bei der Auswahl der Methode der Arbeitszeiterfassung müssen Sie als Arbeitgeber unterschiedliche Faktoren berücksichtigen, denn nicht jede Methode ist für jeden Betrieb gleich sinnvoll. Es ist also nicht pauschal zu beantworten, welches System das beste ist.

    Vielmehr richtet sich die Entscheidung nach mehreren Überlegungen:

    1. Welche Art Betrieb liegt vor? Für Büro- oder Beamtentätigkeiten wird meistens mit pauschalen Arbeitszeiten gerechnet, weshalb eine genaue Dokumentation der Arbeitszeit in der Regel nicht nötig ist.
    2. Wie ist der Betrieb organisiert? Wie viele Mitarbeiter gibt es, wie stehen sie im Verhältnis zueinander? Für Kleinbetriebe lassen sich normalerweise lockerere Dokumentationsmethoden wählen, als sie für Betriebe mit mehreren tausend Beschäftigten nötig wären.
    3. Wie sieht das Arbeitszeitmodell aus? Bei Schichtdienst, Kundenservice, Auftragsarbeiten, Arbeit auf Abruf oder Job-Sharing müssen die Arbeitszeiten genau definiert und uneinheitliche Kernzeiten berücksichtigt werden.
    4. Welche eigenen Präferenzen haben Sie? Nicht zuletzt ist es auch eine Frage des persönlichen Geschmacks, für welche Art der Arbeitszeiterfassung Sie sich entscheiden. Natürlich sollten Sie aber auch die genannten Punkte nicht vernachlässigen, denn wenn der eigene Geschmack nicht zum Betrieb passt, ist es wenig zielführend.

    In jedem Falle ist es wichtig, dass die Erfassung der Arbeitszeit transparent geschieht. Das bedeutet: Als Arbeitgeber sollten Sie darauf verzichten, Ihre Mitarbeiter heimlich auszuspionieren oder unter Druck zu setzen. Möglicherweise können Sie Ihre Beschäftigten sogar in die Auswahl der Zeiterfassungsmethode integrieren und so das Betriebsklima fördern.

    Übliche Angaben auf dem Stundenzettel

    Der gute alte Stundenzettel gehört bei der Arbeitszeiterfassung in vielen Betrieben nach wie vor zum Alltag, auch wenn er immer häufiger digital geführt wird. Mit Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes hat er sogar noch mehr an Bedeutung gewonnen. Wir sagen Ihnen, in welchen Branchen die Dokumentation der Arbeitszeit Pflicht ist und welche Angaben auf den Stundenzettel gehören.

    Nach wie vor setzen viele Unternehmen auf den altbewährten Stundenzettel, wenn es um die Arbeitszeiterfassung geht. Er kann nicht nur der Lohnabrechnung dienen, sondern auch als Kalkulationsgrundlage und als Nachweis gegenüber Kunden und Behörden fungieren. Seit dem Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes (MiLoG) sind Arbeitgeber einiger Branchen sogar gesetzlich verpflichtet, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter aufzuzeichnen und diese Aufzeichnungen 2 Jahre aufzubewahren, § 17 MiLoG.

    Der Stundenzettel, der der taggenauen Aufzeichnung der Arbeitszeit dient, ist relativ übersichtlich. Das Mindestlohngesetz schreibt nur Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit vor. Wobei die Dauer immer ohne die Pausen angegeben wird.

    In der Regel enthalten Stundenzettel folgende Angaben, um zugeordnet und ausgewertet werden zu können:

    • Name,
    • Personalnummer,
    • Adresse (vor allem bei Außendienstmitarbeitern),
    • Geburtsdatum,
    • Auftrag-/Projektnummer (bei auswärtiger Tätigkeit),
    • Projektzeitraum,
    • Tagesdatum,
    • Beginn der Arbeitszeit,
    • Ende der Arbeitszeit,
    • Pausenzeit,
    • Dauer der Arbeitszeit,
    • Tätigkeitsbeschreibung (z. B. bei Handwerkern),
    • kumulierte Arbeitszeit für den Aufzeichnungszeitraum.

    Benötigen Sie den Stundenzettel für die interne Weiterverarbeitung, kann es sinnvoll sein, direkt aufzudrucken, bis wann der Arbeitnehmer den Stundenzettel abgeben muss. Die Schilderung von Konsequenzen bei Fristverletzung wirkt häufig Wunder.

    Stundenzettel auf Papier und in digitaler Form

    Im Internet finden Sie diverse Vorlagen für Stundenzettel. Das Muster des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ist sehr minimalistisch und enthält neben dem Namen nur die gesetzlichen Mindestanforderungen. Excel-Vorlagen haben den Vorteil, dass sich die Arbeitszeit schnell ausrechnen lässt und auch Statistiken relativ einfach möglich sind und in Form von Diagrammen dargestellt werden können.

    Tipp: Neben dem Stundenzettel auf Papier gibt es natürlich auch zahlreiche digitale Lösungen, die vor allem die Auswertung erleichtern. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat sogar eine eigene, kostenlose App namens „einfach erfasst“ entwickeln lassen. Weiterer Vorteil: Stundenzettel gehen im Außeneinsatz oft verloren, werden zum Teil bis zur Unleserlichkeit verschmutzt oder beschädigt. Mit einer digitalen Lösung gehören diese Probleme der Vergangenheit an. Wenn sich der Stundenzettel dann auch noch digital an die Personalabteilung übermitteln lässt, sind oftmals zudem die Terminprobleme gelöst. Über eine App haben übrigens sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber jederzeit Zugriff auf die aktuelle Arbeitszeitdokumentation.

    Kein Zwang zu falschen Angaben

    Im Rahmen Ihres Direktionsrechts dürfen Sie die Erfassung der Arbeitszeit mit dem Stundenzettel zwar anordnen, Sie können Ihre Arbeitnehmer allerdings nicht dazu zwingen, beispielsweise durch fiktive Arbeitszeiten, unwahre Angaben zu machen. Stundenzettel, auf denen niemals Abweichungen von der Regelarbeitszeit auftauchen, werden von Behörden und Gerichten regelmäßig als unglaubwürdig angesehen.

    Müssen Stundenzettel geführt werden, wird dadurch natürlich auch Mehrarbeit dokumentiert. Es ist das Recht des Arbeitnehmers auf die Bezahlung der Überstunden oder einen entsprechenden Freizeitausgleich zu pochen. Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein hat sogar entschieden, dass Sie als Arbeitgeber unter Umständen verpflichtet sind, Ihrem Arbeitnehmer die Aufzeichnungen über die Arbeitszeit herauszugeben, damit dieser den Anspruch auf Überstundenvergütung vor Gericht durchsetzen kann.

    Datenschutz bei der Arbeitszeiterfassung

    Mit dem technischen Fortschritt rückt auch das Thema Datenschutz immer weiter in den Fokus. Dies betrifft auch die Arbeitszeiterfassung, z.B. durch Stundenzettel. Zwar schreibt das Arbeitszeitgesetz die genaue Dokumentation von Arbeitszeiten vor, es gibt aber nicht an, in welcher Form. Das kann dazu führen, dass auch Daten abseits der Arbeitszeiterfassung generiert werden. Daher greift neben dem Arbeitsrecht auch das Bundesdatenschutzgesetzt bzw. seit 2018 die EU-Datenschutz-Grundverordnung. Denn Daten, die bei einer digitalen Arbeitszeiterfassung erfasst werden, gelten als personenbezogen. Somit muss der Missbrauch sowie die Weitergabe dieser Daten vom Arbeitgeber verhindert werden. Außerdem dürfen diese Daten auch nicht für andere Zwecke missbraucht werden.

    Vertrauensarbeitszeit: Das alte Modell der Arbeitsorganisation

    Was die Erledigung der Arbeit betrifft, genossen Arbeitnehmer bisher im Betrieb und im Homeoffice mehr Freiräume. Im Vordergrund standen die Erfüllung der Aufgaben. Dank flexibler Arbeitszeitmodelle war die zeitliche Anwesenheit des Arbeitnehmers war unwesentlich.

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    Modell der Arbeitszeiterfassung: Vertrauensarbeitszeit © opolja – Adobe Stock

    So darf man die Vertrauensgleit– oder Vertrauensarbeitszeit als Form der Arbeitsorganisation und weniger als Form der Arbeitszeit begreifen.

    Vertrauensarbeitszeit bedeutet: Der Arbeitnehmer darf die Arbeitszeit in verantwortungsvoller Eigenregie gestalten und erfassen. Zuständig für diesen Bereich ist der Arbeitgeber. Er hält die Hand über sein Team. Folgerichtig muss er Rede und Antwort stehen, wenn ein vereinbarter Arbeitszeitplan misslingt.

    Warum Vertrauensarbeitszeit und welches Konzept verfolgt diese?

    Mit Einführung der Vertrauensarbeitszeit wurde eine Senkung der Personalkosten angestrebt. Zugleich warf man ein waches Auge auf wichtige Leistungsressourcen wie beispielsweise Eigenverantwortung, Qualifikation sowie unternehmerisches Denken. Sinn und Zweck dieser Gangweise war das zeitnahe Anstreben der Steigerung des Ertrags.

    Das klingt zunächst gut und richtig. Doch wo Sonne ist, ist auch Schatten:

    Der Abbau von Plusstunden wurde in neue Bahnen gelenkt. Überstunden konnten bei der Vertrauensarbeitszeit selten angesammelt werden. Kam es dazu, wurde das Mehr kurzfristig abgebaut. Die eingesparte Zeit gehörte dem Unternehmen. Soviel war klar! Wo wenig Arbeit war, wurden Federchen in die Luft geblasen. Lag hingegen viel Arbeit an, wurde die Mehrarbeit lediglich mit einer schmalen Vergütung oder einem minimalen Zeitausgleich belohnt. So jedenfalls sah es die Vertrauensarbeitszeit vor.

    Es scheint, als ob das Modell „Vertrauensarbeitszeit“ fern jeden Zeitgefühls schwebt. Insgesamt wiegt der Zeitpunkt bzw. der Zeitraum der Erfüllung der Arbeitsaufgabe mehr, als die Zeit, die es insgesamt dazu brauchte. Wichtig ist am Schluss, dass das Ergebnis stimmt und die Deadline eingehalten wird. Beginn und Zwischenschritte sind weniger von Interesse. Der große Glaube an die Zuverlässigkeit der Mitarbeiter, das schier grenzenlose Vertrauen in die Führungsfähigkeiten der Chefetage sind für die Aufrechterhaltung der Vertrauensarbeitszeit von großer Bedeutung. Sozialkompetenz und die Fähigkeit zum Selbstmanagement der Beschäftigten werden ebenso vorausgesetzt.

    Vertrauensarbeitszeit finden wir vermehrt im wachsenden Dienstleistungssektor wie beispielsweise in der Softwareentwicklung, in der Telekommunikation sowie im Multimedia- Bereich. Sie umfasst eine strikte Zielvereinbarung. In ihr werden besprochene Ziele festgelegt. Dazu gehört ein Zeitfenster. Dieses leistet genaue Vorgaben für die Umsetzung des Projekts.

    Vor- und Nachteile Vertrauensarbeitszeit

    Vorteile:

    • Eigenverantwortliche Zeitgestaltung und Flexibilität,
    • Work-Life-Balance,
    • Zeiterfassung und übermäßige Kontrolle entfällt,
    • im Mittelpunkt steht die Arbeitsqualität, nicht die Zeit.

    Nachteile:

    • Die Gefahr der Selbstausbeutung nimmt zu.
    • Die ständige Erreichbarkeit provoziert Wochenendarbeit.
    • Arbeitnehmer, die früher Feierabend machen, büßen eine festgelegte Kernzeit ein.
    • Die Zeit für wichtige Termine und Meetings fehlt.
    • Wird die Vertrauensarbeitszeit ausgenutzt, kommt es zu Konflikten innerhalb des Betriebes.

    Arbeitszeiterfassung: Neue Gesetzgebung durch den EuGH

    Es ist soweit. Die Zeichen der Zeit läuten das Ende der Vertrauensarbeitszeit ein. In einem Urteil fordert das EuGH, der Europäischen Gerichtshof, die strikte Erfassung der Arbeitszeit auf allen Ebenen. Was bedeutet das für die moderne Berufswelt?

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    Das neue Gesetz durch den EuGH © Zerbor – Adobe Stock

    Welche Regel hat der EuGH getroffen?

    Arbeitgeber aller EU-Staaten verpflichten sich, ein zugängliches, verlässliches und objektives System zur Erfassung der Arbeitszeit bereitzustellen. Anlass dazu gab eine Klage in Spanien. Dort blieben etwa 53,7 Prozent aller getätigten Überstunden unnotiert. Wie das neue System zur Erfassung der Arbeitszeit künftig aussehen soll, steht noch in den Sternen. Jedoch werden sich die EU-Staaten demnächst für eine bestimmte Vorgehensweise entscheiden müssen. Spielräume und Optionen auf Ausnahmen bei der Umsetzung des neuen Verfahrens soll es wohl geben. Dies bezieht sich zum Beispiel auf Arbeitsfelder, die sich nur schwer bestimmen lassen.

    Urteil: der Arbeitnehmer im Mittelpunkt des Verfahrens?

    Der EuGH macht sich Sorgen um das Wohlergehen der Arbeitnehmer. Die Gesundheit der Arbeitnehmer dürfe keinesfalls durch Überlastung und Überstunden gefährdet werden. Ruhezeiten seien unbedingt einzuhalten. Jeder Arbeitnehmer habe schließlich ein Grundrecht auf eine Einschränkung der Höchstarbeitszeit.

    Rechtfertigt dies die Einführung des Systems der Arbeitszeiterfassung? Wohl auch! Der EuGH verweist in seinem Urteil auf die Mehrarbeit, die sich nur mit dem neuen System richtig erfassen ließe.

    Wer ist davon betroffen?

    Die Gewerkschaft lässt durchblicken, dass etwa jeder fünfte Arbeitnehmer mit dem neuen System Freundschaft schließen muss. Arbeitskräfte mit festem Dienstplan, wie beispielsweise Verkäuferinnen, behalten den Überblick über ihr tägliches Tun besser, als zum Beispiel Mitarbeiter im Außendienst oder Menschen, die im Homeoffice arbeiten. Ähnlich ergeht es Ärzten in Kliniken. Überstunden gehören hier schon fast zum guten Ton.

    FAQ: Frequently Asked Questions zum Thema Arbeitszeiterfassung und Stundenzettel

    Für wen gilt die gesetzliche Dokumentationspflicht?

    Sie gilt für geringfügig Beschäftigte (Ausnahme: Minijobber im privaten Bereich) sowie für die im Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz genannten Wirtschaftsbereiche, in denen eine besondere Missbrauchsgefahr besteht. Das ist z.B. das Baugewerbe, Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe oder Gebäudereinigungsgewerbe.

    Was ist das Arbeitszeitgesetz?

    Es regelt, wie lange Arbeitnehmer arbeiten dürfen, welche Ruhepausen einzuhalten sind und was bei Verstößen geschieht. Dieses Gesetz soll vor allem dazu dienen, Beschäftigte zu schützen und deren Gesundheit nicht zu gefährden.

    Gibt es Ausnahmen vom Arbeitszeitgesetz?

    Grundsätzlich gilt das Arbeitszeitgesetz füralle Beschäftigten – also auch Auszubildende. Allerdings gibt es auch hier zahlreiche Ausnahmen. So zählen beispielsweise Beamte, Richter und Soldaten nach dem Gesetz nicht als Arbeitnehmer.

    Welche Formen der Arbeitszeiterfassung gibt es?

    Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben die Form betreffend. Möglich sind analoge Varianten wie der Stundenzettel oder die Stechuhr, aber auch digitale wie eine App oder Chipkarten.

    Welche Angaben muss ein Stundenzettel enthalen?

    Es müssen mindestens die Angaben von Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit darauf enthalten sein. Wobei die Dauer immer ohne die Pause angegeben wird.

    Autor: Redaktion Personalwissen