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Wie ein Praktikumszeugnis wohlwollend und rechtskonform konzipiert wird

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Praktikumszeugnis, Zeugnis nach dem Praktikum

Praktika erfreuen sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt großer Beliebtheit. Sie stellen in vielen Fällen die Eintrittskarte für eine langfristige berufliche Laufbahn in einem Unternehmen dar. Für andere Praktikanten impliziert ein Praktikumsplatz die einmalige Möglichkeit, einen Arbeitsbereich oder eine fachspezifische Tätigkeit intensiver kennenzulernen.

    Gemäß einer Untersuchung des Statistikportals Statista.de waren in Deutschland im Jahre 2011 mehr als 68.000 Personen als sozialversicherungspflichtige Praktikanten in deutschen Unternehmen tätig. Hinzu kommen die vielen Schüler und Studenten, die unentgeltlich oder gegen eine Aufwandsentschädigung ein Praktikum absolvieren. Sie alle profitieren von Informationen, berufsbezogenen Fakten und der Chance, durch ein Praktikum ihren fachlichen Horizont zu erweitern. Neben der Erweiterung des eigenen Know-hows interessieren sich Praktikanten ebenfalls für ein aussagefähiges Praktikumszeugnis. In diesem Zusammenhang ergeben sich wesentliche Fragen, die objektiv geklärt werden müssen:

    • Haben Praktikanten einen Rechtsanspruch auf ein Praktikumszeugnis?
    • Welche unterschiedlichen Formen von Praktikumszeugnissen sind bekannt?
    • Wie ist ein Praktikumszeugnis in der Regel aufgebaut?
    • Welchen Mehrwert bietet ein Praktikumszeugnis für die weitere berufliche Laufbahn?

    Praktikanten haben einen Rechtsanspruch auf ein Praktikumszeugnis

    Ein Praktikum im Betrieb ist sowohl für den Praktikanten wie das Unternehmen nutzbringend. Während der Praktikant von den Eindrücken und der Wissensvermittlung profitiert, kann er Aufgaben im Unternehmen übernehmen. Vor allem bei längeren Praktika können Praktikanten sinnvoll eingesetzt werden. Sie können innerbetriebliche Aufgaben übernehmen, für die sonst neue Mitarbeiter rekrutiert werden müssten.

    Generell haben Praktikanten einen Rechtsanspruch auf Ausstellung eines Praktikumszeugnisses. Dieser ergibt sich aus § 109 der Gewerbeordnung (GewO). In diesem für die Erstellung des Arbeitszeugnisses wesentlichen Paragrafen wird konkretisiert, dass Arbeitnehmer bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis haben. Der § 5 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) erklärt darüber hinaus im Detail, wer aus gesetzlicher Sicht als Arbeitnehmer gilt. Selbst wenn Praktikanten nicht direkt erwähnt werden, sind sie aus juristischer Sicht anspruchsberechtigt und können ein Praktikumszeugnis verlangen.

    Wahlmöglichkeit zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Praktikumszeugnis

    Aus § 109 der GewO ergibt sich ebenfalls, dass Praktikanten eine eindeutige Wahlmöglichkeit in Bezug auf den Umfang der Beurteilung haben. Sie können entscheiden, ob ihnen ein einfaches Praktikumszeugnis ausreicht. Dieses enthält äquivalent zu einer Bescheinigung

    1. Angaben zur individuellen Beschäftigungsdauer sowie
    2. Die personenbezogenen Daten des Praktikanten.

    Präferieren Praktikanten eine aussagefähige Bewertung ihrer Leistungen und ihres Sozialverhaltens, haben Sie einen Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis. Dieses enthält explizite Informationen und Angaben über ihre Tätigkeit während des Praktikums.

    Tipp: Wünschen Praktikanten ein qualifiziertes Praktikumszeugnis, sollten sie dies frühzeitig während des Praktikums signalisieren. Erfahren Arbeitgeber zu spät oder nach Beendigung des Praktikums von der Anforderung, fällt die objektive Ausfertigung schwerer, da Eindrücke schnell verblassen.

    Wie ein qualifiziertes Praktikumszeugnis in der Regel aufgebaut ist

    Ein qualifiziertes Praktikumszeugnis ähnelt im Aufbau einem qualifizierten Arbeitszeugnis. Abweichend vom Arbeitszeugnis im Angestelltenverhältnis ist es kürzer (bis zu 1 DIN A4-Seite und enthält weniger wertende Informationen. Dies ist nachvollziehbar, da die Praktikumszeit im Betrieb wenige Wochen oder Monate beträgt. Die Bewertung muss in diesem Fall oberflächlicher sein als bei jahrelanger Unternehmenszugehörigkeit.  

    Aufbau Praktikumszeugnis, Inhalt Praktikumszeugnis, Computerbildschirm mit Papier
    Welchen Aufbau hat ein Praktikusmzeugnis © sunnychicka – Shutterstock

    Für das qualifizierte Praktikumszeugnis gelten die äquivalenten formellen Vorgaben der Gewerbeordnung:

    1. Es muss wohlwollen, klar und verständlich geschrieben sein.
    2. Es darf keine mehrdeutigen Formulierungen enthalten, die missverständlich gewertet werden könnten.
    3. Es muss zwingend in Papierform mit rechtsgültigen Unterschriften ausgestellt werden.

    Der folgende Aufbau eines qualifizierten Praktikumszeugnisses mit Note hat sich allgemein durchgesetzt:

    Struktur im Praktikumszeugnis Beispielzeugnis (Note gut)
    Überschrift Praktikumszeugnis
    Personenbezogene Daten des Praktikanten inkludiert in einen Einleitungssatz Herr Matthias Mustermann, geboren am 13.03.1999 in Musterstadt, war vom 01.01.2020 bis 30.03.2020 als Praktikant in unserer Abteilung Vertrieb Innendienst beschäftigt.
    Aufgabenbeschreibung (Auflistung der Aufgaben des Praktikanten mit Bullet-Points)
            Fachwissen, Belastbarkeit und Leistungsbereitschaft Herr Mustermann verfügt über ein solides Fachwissen, das er zur Lösung seiner Aufgaben im Praktikum stets sicher und wirksam einsetzte. Innerhalb kürzester Zeit arbeite er sich erfolgreich in seinen Arbeitsbereich ein und überzeugte uns durch Selbstständigkeit und ein hohes Maß an Interesse und Eigeninitiative.  
    Beeindruckt waren wir von den ausgeprägten kommunikativen Fähigkeiten von Herrn Mustermann, der Kunden und Kollegen stets freundlich und verständnisvoll behandelte und Ziele nachdrücklich verfolgte.
        Arbeitsergebnisse Herr Mustermann überzeugte durch eine sehr gute Arbeitsqualität. Aufgrund seiner Auffassungsgabe gelang es ihm, sich schnell in neue Aufgabenbereiche einzuarbeiten und diese eigenständig auszufüllen. Bei Herrn Mustermann konnten wir während des gesamten Praktikums eine hohe persönliche Motivation beobachten.
    Gesamtbeurteilung der Leistung Zusammenfassend können wir feststellen, dass Herr Mustermann die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit ausführte.
    Sozialverhalten Aufgrund seines hilfsbereiten und freundlichen Wesens erfreute Herr Mustermann sich bei Vorgesetzten, Kollegen und Kunden hoher Wertschätzung. Sein Verhalten war einwandfrei. Auf eine weitere Zusammenarbeit in den Semesterferien freuen wir uns bereits heute.
    Abschlussformel Für die vertrauensvolle und zielführende Zusammenarbeit bedanken wir uns und wünschen Herrn Mustermann für die Zukunft weiterhin viel Erfolg und alles Gute.
    Rechtsverbindliche Unterschriften  

    Arbeitgeber sind in der Gestaltung eines Praktikumszeugnisses und im Wording grundsätzlich frei. Aus Sicht von Personalverantwortlichen ist es zielführend, sich bei der Konzeption eines Praktikumszeugnisses am Aufbau von Arbeitszeugnissen zu orientieren. In diesem Fall ist eine professionelle Struktur des Praktikumszeugnisses garantiert. Neben einer positiven Bewertung für den Praktikanten ist ein in Bezug auf den Inhalt und die Gestaltung kompetent erstelltes Praktikumszeugnis ebenfalls ein Aushängeschild für den ausstellenden Betrieb.

    Wurden im Praktikum eklatante Probleme oder Fehlverhalten sichtbar, ist es sinnvoll, diese offen und lösungsorientiert mit dem Praktikanten zu besprechen. Im Arbeitszeugnis kann durch fehlende Superlative oder das Aussparen von Formulierungen die Bewertung wahrheitsgetreu angepasst werden. Ein gleichzeitig wohlwollendes Zeugnis ist gleichwohl nicht nur aus gesetzlicher Sicht wichtig. Ein konstruktives Feedback und eine angemessene Bewertung können den Praktikanten bewegen, sich in Bezug auf das Verhalten oder den Einsatz im nächsten Praktikum zu verbessern.

    Der Mehrwert von qualifizierten Praktikumszeugnissen für die weitere berufliche Laufbahn ist eindeutig. Praktikanten profitieren im Bewerbungsprozess von den nachweislich erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten.

    Zusammenfassung und Fazit

    Praktikanten haben einen Rechtsanspruch auf Ausstellung eines Praktikumszeugnisses. Dieser ergibt sich wie für alle anderen Angestellten aus § 109 der Gewerbeordnung. Ein Praktikumszeugnis muss wohlwollend, wahrheitsgemäß sowie klar und verständlich konzipiert werden. Es sollte eine DIN A4-Seite nicht überschreiten und die Tätigkeit und Qualifikation des Praktikanten umfassend beschreiben. In diesem Fall wird es Praktikantinnen und Praktikanten für ihre weitere berufliche Laufbahn nützlich sein.

    Autor: Redaktion Personalwissen

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