Jobenrichment: Eine Methode für die Personalentwicklung 4.0

Jobenrichment: Eine Methode für die Personalentwicklung 4.0

Nichts ist schlimmer als Langeweile im Job. Selbst anspruchsvollere Aufgaben können sich zur Routine entwickeln, wenn sie tagtäglich ausgeführt werden. Das Jobenrichment (auch: Job Enrichment) bringt viele neue Möglichkeiten in der qualitativen Aufgabenerweiterung, die den Arbeitsalltag interessant und spannend gestalten.

Getreu dem bekannten Spiel „Bäumchen wechsle Dich“ werden durch das Jobenrichment neue Module im Arbeitsbereich eines Mitarbeiters integriert. Zudem wird ein weitaus höheres, als dem Job entsprechendes Verantwortungsfeld übertragen. Dieser Trend setzt sich seit einiger Zeit in größeren und mittelständischen Unternehmen durch. Dies zeigt schon jetzt, dass sich Jobenrichment im Bereich der Mitarbeiterbindung bewährt.

    Jobenrichment: Das steckt dahinter

    Neben der reinen Umstrukturierung von Tätigkeitsbereichen gibt es mit dem sogenannten Jobenrichment eine weitere Methode, Mitarbeiter in Bezug auf die Arbeitsgestaltung und Arbeitsmotivation zu fördern.

    Unter Jobenrichment (zu Deutsch: Arbeitsbereicherung) im Personalwesen bzw. der Personalentwicklung versteht man die kompetente Zuweisung von zusätzlichen Arbeitsaufgaben auf einem höheren Anforderungsniveau. Im Gegensatz zu einer Umstrukturierung, bei der in der Regel der gesamte Tätigkeitsbereich verändert wird, überträgt man dem Beschäftigten beim Jobenrichment zusätzliche Tätigkeiten im Unternehmen. Diese ergänzenden Arbeitsaufgaben sollten zur fachlichen und persönlichen Qualifikation des Mitarbeiters passen.

    Abgestimmt auf einzelne Tätigkeiten kann es sich hierbei um:

    • mehr Verantwortung im Unternehmen,
    • die Übernahme von Schnittstellenverantwortlichkeiten,
    • eine höhere Kompetenz bei Planungstätigkeiten,
    • die Übernahme von Aufgaben in der Qualitätskontrolle,
    • oder tätigkeitsspezifische Aufgaben

    handeln. Durch dieses Vorgehen wird die Tätigkeit des Mitarbeiters, anders ausgedrückt, auf ein höheres Anforderungsniveau gehoben. Jobenrichment oder Arbeitsbereicherung kann die logische Folge einer erfolgreichen Weiterbildung oder Qualifizierungsmaßnahme eines Mitarbeiters sein. Nach dem Erwerb der zusätzlichen Kenntnisse und Fähigkeiten ist es dem Beschäftigten möglich, alle Arbeitsabläufe im Betrieb auf einem höheren Niveau auszuführen. Dies impliziert für ihn, mehr Verantwortung zu übernehmen und die Arbeitseffektivität zu steigern.

    Mehr Verantwortung, Verantwortung in der Schnittstelle, mehr Kompetenzen, Übernahme der Qualitätskontrollen
    Zahlreiche Tätigkeiten eigenen sich als Qualifikation © MQ-Illustrations – Adobe Stock

    Achtung: Führen Sie den Mitarbeiter langsam an eine neue Aufgabe heran. Ist für einen bestimmten Bereich eine Weiterbildung nötig, bieten Sie diese mit der Aussicht auf die Aufgabenerweiterung im Jobenrichment an.

    Personalentwicklung und Jobenrichment

    Job-Enrichment kann proaktiv im Rahmen der Personalentwicklung oder als Teil von Restrukturierungsmaßnahmen im Unternehmen umgesetzt werden. Führungskräfte und Personaler handeln zielführend, wenn sie sorgfältig abwägen, ob und für welche Mitarbeiter Jobenrichment in Frage kommt.

    Personalentwicklung verfolgt fokussiert den Zweck, jeden Mitarbeiter individuell zu fördern und seine Stärken und Qualifikationen weiterzuentwickeln. Erfolgreiche Unternehmen verbinden aus diesem Grund Jobenrichment zielgerichtet mit einer erfolgreichen Schulungsmaßnahme. Dies hat zur Folge, dass die Arbeitsmotivation des Mitarbeiters wahrnehmbar während der Fortbildung steigt. Mehr Verantwortung im Betrieb zu übernehmen oder andere Tätigkeiten auszuführen steigert nachhaltig die Identifikation. Jobenrichment ist ergänzend in vielen Fällen mit einer Gehaltserhöhung oder weiteren innerbetrieblichen Vergünstigungen verbunden, was zusätzlich förderlich wirkt. Unternehmen handeln effektiv, wenn sie Jobenrichment professionell mit Maßnahmen zur Personalentwicklung verknüpfen.

    Beispiel für Jobenrichment

    Es gibt verschiedene Modelle für funktionierendes und professionelles Jobenrichment.

    Ein nachvollziehbares Beispiel betrifft einen Mitarbeiter im Fertigungsbereich eines Unternehmens. Seine bisherige Aufgabe bestand darin, Einzelteile per Hand zu einem Produkt aufzuarbeiten. Der Beschäftigte gilt im Unternehmen als zielstrebig, belastbar und lernbereit. Im Rahmen einer nachhaltigen, innerbetrieblichen Strategie zur Personalentwicklung wurde ihm der Besuch eines Fortbildungskurses angeboten. Ziel dieser Maßnahme war es, die Bedienung einer komplizierten Fertigungsmaschine im Unternehmen zu erlernen.

    Nach bestandener Prüfung wird dem Mitarbeiter die zusätzliche Aufgabe übertragen, die Maschine zu bedienen und zu warten. Somit besteht sein Aufgabenbereich ab sofort aus den Bereichen Maschinenbedienung und Fertigung. Der Betrieb profitiert unmittelbar und langfristig durch die Weiterbildungsmaßnahme. Somit muss kei externer Bewerber eingestellt werden, der sich um den technischen Support kümmert. Zusätzlich steigt gleichzeitig die Effizienz und die Arbeitsmotivation des geförderten Mitarbeiters.

    Am Beispiel wird deutlich, dass Jobenrichment generell den Zweck verfolgt, den betreffenden Mitarbeitern einen höherwertigen, verantwortungsvolleren Arbeitsplatz zu übergeben. Dabei ist es denkbar, nahezu jeden Posten durch Jobenrichment aufzuwerten und zu professionalisieren.

    Jobenrichment, Jobrotation und Jobenlargement: Welche Unterschiede gibt es?

    Neben Jobenrichment als Maßnahme für eine erfolgreiche Personalentwicklung gibt es noch zwei weitere Methoden: Jobenlargement und Jobrotation. Diese sollten nicht verwechselt werden, daher stellt die folgende Tabelle die wichtigsten Unterschiede der drei Bereiche dar: 

    JobenrichmentJobenlargementJobrotation
    Erweiterung der Aufgabenbereiche eines Mitarbeiters um höherwertige TätigkeitenMitarbeiter erhält additionale Aufgabenbereiche in der gleichen QualifikationsstufeJeder Mitarbeiter übernimmt jeden Zuständigkeitsbereich für einen gewissen Zeitraum
    Qualitative AufgabenerweiterungQuantitative Vergrößerung der AufgabenbereicheOptimal für Teams

    Professionelles Jobenrichment im Personalwesen: So kann man es implementieren

    Arbeitsbereicherung oder Jobenrichment sind eng mit Maßnahmen zur Personalentwicklung verknüpft. Aus diesem Grund beginnt Jobenrichment mit einer genauen Beobachtung der Fähigkeiten, Qualifikationen und der Arbeitseinstellung des Mitarbeiters. Hierbei sind die Führungskräfte eines Unternehmens in erster Linie gefordert. Sie kennen ihre Mitarbeiter und können eindeutige Aussagen zur intrinsischen Arbeitsmotivation und zur Qualität der Arbeitsleistung abgeben.

    Gleichzeitig haben Führungskräfte die Möglichkeit, die besten Mitarbeiter ihrer Abteilung individuell zu fördern und durch Jobenrichment die Arbeitsmotivation im Team zu vergrößern.

    Gründe für Arbeitgeberwechsel, schlechte Bezahlung, keine Anerkennung oder Wertschätzung, Keine Aussicht auf Aufstiegsmöglichkeiten, fehlende Work-Life-Balance, Unterforderung
    Diese Gründe stehen für einen Wechsel des Arbeitgebers © Personalwissen.de

    Wer klein anfängt, erzielt mit neuen Methoden in der Personalentwicklung große Ergebnisse. Es ist wenig erfolgsversprechend, wenn man die Implementierung über Nacht umsetzt und Mitarbeiter vor eine Verantwortung stellt, die ihnen praktisch über den Kopf wächst.

    1. Zielgerichtete Jahresgespräche einführen

    Neben der fortlaufenden Beobachtung der Arbeitsleistung können Führungskräfte die Jahresgespräch oder Feedbackgespräche nutzen, um potenzielle zusätzliche Aufgaben nutzenorientiert mit dem Mitarbeiter zu diskutieren. Das Gespräch sollte eine auf den Beschäftigten ausgerichtete Kommunikation beinhalten. Aufrichtiges Lob kann bereits das Andenken weiterer Rollen oder Funktionsbereiche einen Motivationsschub beim Angestellten auslösen. Erfahren Führungskräfte im Jahresgespräch, dass der Mitarbeiter sich derzeit weiterführenden Aufgaben noch nicht gewachsen sieht, ist Jobenlargement eine alternative Chance zur Unternehmensbindung.

    Ein erfolgreiches Jobenrichment kann dann effizient umgesetzt werden, wenn eine moderne 360 Grad Feedbackkultur im Unternehmen vorhanden ist. Agieren Führungskräfte offen und zeichnen sich durch einen modernen Führungsstil aus, werden Mitarbeiter in Jahresgesprächen ihre eigenen Entwicklungsmöglichkeiten proaktiv ansprechen und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung nutzen.

    2. Was Führungskräfte generell beachten sollten

    Führungskräfte sollten bei der Implementierung von Maßnahmen im Bereich Jobenrichment faktenorientiert und professionell vorgehen. Es ist ihnen nicht möglich, jeden Wunsch eines Mitarbeiters auf eine qualitativ höherwertige Position umzusetzen. Neben den fachlichen Voraussetzungen müssen vor allem die innerbetrieblichen Rahmenbedingungen Jobenrichment zulassen. Besteht derzeit nicht die Möglichkeit, weitergehende Aufgaben zu verteilen, sollte dies dem Mitarbeiter offen und ehrlich kommuniziert werden. Gleichzeitig kann durch den Aufbau eines Talentpools und durch stringente Förderung und Weiterbildungsmaßnahmen ein zukunftsorientiertes Signal gesendet werden. Dies mag der Grundstein sein, Jobenrichment zu einem späteren Zeitpunkt umzusetzen.

    3. Keine voreiligen Entscheidungen treffen

    Beschäftigen sich Führungskräfte nicht umfassend und intensiv mit der individuellen Qualifikation des Mitarbeiters, kann eine voreilige Entscheidung für Jobenrichment ebenfalls zu Problemen führen. Orientieren sich die neuen Tätigkeiten nicht an seinen nachweisbaren Kompetenzen, sondern sind eine reine Gefälligkeitsleistung, kann dies Beschäftigte schnell überfordern. Das Ergebnis solch oberflächlicher Entscheidungen sind Demotivation und Effizienzeinbußen. Die Qualifikation und eine umfangreiche Weiterbildung sollten jederzeit die Grundlage für Jobenrichment bilden.

    Moderne Führungskräfte können dies nutzen, um die eigene Arbeitsbelastung zu minimieren. Durch das geschickte Delegieren von Aufgabenbereichen an qualifizierte Mitarbeiter gewinnen Führungskräfte mehr Zeit für ihre Leitungsaufgaben. Unternehmen mit flachen Hierarchien und einer innovativen Führungskultur profitieren somit in doppelter Hinsicht von Jobenrichment.

    Tipp: Welche Methode sich für Ihr Unternehmen eignet, finden Sie in einer Betrachtung der Aufgabenverteilung und der aktuellen Verantwortung Ihrer Mitarbeiter heraus. Hat ein Arbeitnehmer kein Interesse, dürfen Sie ihn keinesfalls zwingen und damit für psychischen Stress und enormer Belastung sorgen.

    4. Nachwuchsförderung und Gehaltsanpassungen

    Neben dem Delegieren bestimmter Aufgaben führen diese durch gezieltes Jobenrichment (JE) des Weiteren neue Mitarbeiter an Führungspositionen heran. Wird eine Vakanz spontan durch Eigenkündigung oder eine Erweiterung der Geschäftstätigkeit frei, können umgehend Führungskräfte aus dem eigenen Betrieb rekrutiert werden. Zusätzlich wird die Nachwuchsförderung durch gezieltes Jobenrichment gefördert. Dies ist vor allem aus dem Grund der Fall, da Mitarbeiter durch JE wirkungsvoll auf bisher verborgene Talente und Potenziale getestet werden können.

    Für Beschäftigte werden mögliche Gehaltssteigerungen im Zusammenhang mit Jobenrichment ein wichtiges Faktum sein. Führungskräfte tun gut daran, in diesem diffizilen Bereich professionell zu kommunizieren. Nicht automatisch hat die Übernahme einer höherwertigen Aufgabe eine Erhöhung des Entgelts zur Folge. Ein neuer Tätigkeitsbereich kann zu einer hohen Demotivation führen, wenn Mitarbeiter keinen echten Benefit für sich und ihre Leistung erkennen.

    Gehaltsanpassung, Jobenrichment, Mentoring
    Mehr Gehalt ist für viele Arbeitnehmer ein Zeichen der Wertschätzung © Krakenimages.com – Adobe Stock

    Statt einem persönlichen Aufstieg spüren Mitarbeiter in diesem Fall einen gesteigerten Druck durch die Erweiterung des Tätigkeitsbereiches ohne Ausgleich. Eine Kompensation für Jobenrichment muss nicht ausschließlich im finanziellen Bereich liegen. Denkbar sind mit der Entscheidung verbundene Karrieremöglichkeiten oder andere Vergünstigungen im Unternehmen.

    5. Mentorenprogramm zur Unterstützung

    Ist die endgültige Entscheidung für Jobenrichment gefallen, geht es an die praktische Umsetzung. Die Motivation und Leistungsbereitschaft des Angestellten werden anfängliche Fehler oder Schwierigkeiten beim Ausführen der neuen Aufgaben kompensieren. Erfolgreiche Unternehmen gehen beim Jobenrichment noch einen entscheidenden Schritt weiter, um ihre Mitarbeiter wirkungsvoll zu unterstützen und bieten Mentoring an.

    Durch ein durchdachtes Mentoring stellen sie sicher, dass Beschäftigte in neuen Aufgabenbereichen zu jeder Zeit einen erfahrenen, qualifizierten und fachlich versierten Mentor an ihrer Seite haben. Dieser kann komplizierte Problemstellungen oder fachliche Fragen im Ernstfall jederzeit beantworten. Ein Unternehmen, das Jobenrichment auf diese Weise unterstützt, vergrößert die Arbeitsmotivation aller Beteiligten und erhöht fortlaufend das Employer Branding.

    Welche Vor- und Nachteile bietet Jobenrichment für das Unternehmen und den Mitarbeiter?

    Die Vor- und Nachteile eines professionellen Jobenrichments liegen sowohl für Arbeitnehmer wie für das Unternehmen klar auf der Hand:

    Arbeitnehmer

    PositivNegativ
    Steigerung der Arbeitsmotivation und LernbereitschaftNeue Aufgaben können überfordern
    Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten 
    Stärkung der Unternehmensbindung 
    Besseres Verständnis über Betriebsabläufe 
    Arbeitsalltag wird abwechslungsreicher 

    Unternehmen

    PositivNegativ
    Höhere Effizienz und ProduktivitätLängerfristige Einarbeitung in neuen Aufgabenbereich durch fehlendes Know-how des Mitarbeiters
    Aufbau eines Talentpools für Führungskräfte oder zur NachwuchsförderungNicht jeder Mitarbeiter möchte eine Veränderung im Arbeitsalltag
    Mögliche Kostenersparnisse 
    Erhöhung des Employer Branding 

    Nutzen Sie Jobenrichment in Ihrem Unternehmen

    Jobenrichment im Personalwesen bzw. der Personalentwicklung ist eine beliebte und zielführende Methode zur nachhaltigen Arbeitsmotivation engagierter Mitarbeiter. Sie hat das Ziel, qualifizierten Mitarbeitern zusätzliche Aufgabenbereiche auf einem höheren Arbeitsniveau zu übertragen.

    Jobenrichment geht in vielen Fällen mit zielgerichteten Qualifizierungsmaßnahmen einher und soll Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen binden. Personaler und Führungskräfte haben mit dieser Maßnahme eine weitere Stellschraube zur Optimierung moderner Personalentwicklungsprogramme. Diese können sie positiv nutzen, um die Arbeitsmotivation und die Arbeitsgestaltung im Betrieb zu professionalisieren.

    Zudem können die vorhandenen Qualifikationen und Talente der Beschäftigten optimal genutzt werden. Dies führt im letzten Schritt zu mehr Erfolg, Effizienz, einem gesteigerten Employer Branding sowie einer zukunftsorientierten Unternehmensausrichtung.

    Autor: Redaktion Personalwissen