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Gesunde Schreibtischarbeit: Gesunder Rücken im Büro

© Andrey_Popov – Shutterstock
gesunder Rücken

Die Zahlen sprechen für sich: Rückenbeschwerden sind in Deutschland eine der wichtigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Um die Gesundheit der Mitarbeiter aufrechtzuhalten, stehen Unternehmen in der Pflicht, die Arbeitsumgebung möglichst gesundheitsfördernd und ergonomisch zu gestalten. In diesem Artikel lesen Sie, wie es Betrieben gelingt, gesunde Schreibtischarbeit zu fördern – Stichwort: Gesunder Rücken im Büro.

Rückenschmerzen am Arbeitsplatz: Die Zahlen im Fokus

Auch abseits der eigenen Kopfstatistik gibt es Zahlen, die die überproportionale Häufigkeit von Rückenbeschwerden belegen. Laut einer Erhebung von Statista zählen Rückenbeschwerden zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit (AU) in Deutschland.

Etwa ein Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage geht auf Rückenschmerzen bzw. weitreichendere Beschwerden, die mit der Wirbelsäule in Verbindung stehen, zurück. Das sind weitere Fakten im Abriss:

  • Jeder dritte Erwachsene leidet öfter oder häufig an Rückenbeschwerden
  • Rückenschmerzen betreffen deutlich häufiger Männer als Frauen
  • Im Durchschnitt dauert eine AU aufgrund von Rückenbeschwerden 13,5 Tage

Auch der Gesundheitsreport der BKK geht auf die Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Skelett- und Muskelerkrankungen – wozu auch Rückenbeschwerden zählen – ein. Besonders häufig leiden Beschäftigte im Post- oder Abfallbeseitigungsdienst an Rückenbeschwerden, was wohl auf eine Überbelastung bzw. eine einseitige Belastung bei der harten, körperlichen Arbeit zurückzuführen ist.

Doch auch all diejenigen, die eine sitzende Tätigkeit verrichten, sind dem Risiko ausgesetzt, an Rückenleiden zu erkranken. An dieser Stelle sind vor allem die Unternehmen gefragt, eine rückenfreundliche und gesundheitsfördernde Umgebung für die Büroarbeit zu schaffen.

Gesunde Schreibtischarbeit: Ist das möglich?

Eine einseitige Belastung – wozu auch langes Sitzen gehört – ist für den menschlichen Körper Gift. Dabei birgt langes Sitzen gleich zwei Risiken:

1. Einseitige Belastung und anatomische Herausforderung

Wer lange und dabei auch noch falsch sitzt, belastet den Körper einseitig. Das kann sich kurz-, aber vor allem auch langfristig auf die Rückengesundheit auswirken. Beim Sitzen kann die Muskulatur verkürzen. Zudem drohen Verspannungen, wenn die Neigungswinkel der Bildschirme oder die Sitzposition falsch eingestellt sind. Ein gesunder Rücken leidet unter falschem Sitzen.

2. Bewegungsmangel

Schreibtischarbeit bringt noch einen anderen Aspekt mit sich. Wer viel sitzt, bewegt sich nicht. Dieser Bewegungsmangel schadet dem Rücken, wirkt sich aber auch negativ auf das Herz-Kreislauf-System aus. Damit gehen also nicht nur Rückenbeschwerden einher, sondern auch andere gesundheitliche Risiken.

Ist gesunde Schreibtischarbeit dennoch möglich? Ja. Allerdings nur, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. So kann ein rückenfreundlich eingerichteter ergonomischer Arbeitsplatz einen großen Beitrag zu einem gesunden Rücken im Büro beitragen. Nichtsdestotrotz liegt es an den Mitarbeitern selbst, mehr Bewegung in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Gesunder Rücken: Rückenfreundliche Arbeitsumgebung schaffen

Wie sieht nun eine rückenfreundliche Arbeitsumgebung aus? Zunächst ist es wichtig, dass jeder Beschäftigte seinen Arbeitsplatz individuell gestalten kann. Da auch die anatomischen Voraussetzungen bei jedem Menschen anders sind, sollte auch die Arbeitsumgebung möglichst viele Individualisierungsoptionen bieten. Das fängt beim Bürostuhl an, geht über den Bildschirm und hört beim Schreibtisch auf.

Bürostuhl: Dynamisch sitzen

Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter die Möglichkeit bekommen, dynamisch zu sitzen. Das bedeutet, dass die Beschäftigten die Sitzposition häufig wechseln können. Mit einem schlichten Holzstuhl gelingt dies nicht. Moderne, ergonomische Bürodrehstühle verfügen über zahlreiche individualisierbare Einstellungen, so beispielsweise:

  • Höhenverstellung
  • Verstellbare Armlehnen
  • Flexible Rückenlehne
  • Synchronmechanik

Beschäftigte können sich so zurücklehnen, sich hin- und herdrehen und die Sitzhöhe variieren, sodass mehr Dynamik ins Sitzen kommt. Neuere, moderne Stühle lassen sich auch umdrehen, sodass die Rückenlehne den Bauch stützt und sich der Drehstuhl in eine Art bequemen Hocker verwandelt.

Generell ist es auch ratsam, Bürostühle auszuwählen, die ein Prüfsiegel aufweisen, so beispielsweise „Ergonomie geprüft“ vom TÜV Rheinland oder das Gütesiegel der AGR („Aktion gesunder Rücken“).

Wer die Möglichkeit hat, kann vor der Neuanschaffung der Sitzmöbel auch Probestühle ordern. So bekommen die Mitarbeiter die Gelegenheit, die Stühle eingehend zu testen. Im besten Falle stehen mehrere Modelle zur Auswahl, die jeder ausprobieren und sich so für den bequemsten entscheiden kann.

Schreibtisch: Die Höhe macht’s

Ob die Schreibtischarbeit gesund ausgeführt wird, hängt nicht nur von der Sitzposition, sondern auch vom Schreibtisch ab. Ist auch dieser höhenverstellbar, sind alle Weichen dafür gestellt, dass die Sitzposition optimal auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter ausgerichtet werden kann.

Ein Stehschreibtisch führt den Gedanken der Dynamik am Arbeitsplatz fort. Haben Ihre Mitarbeiter das Bedürfnis, sich zu bewegen bzw. die Arbeitsposition zu wechseln, bietet es sich auch an, im Stehen zu arbeiten. Elektrisch verstellbare Schreibtische, die in der Höhe variabel sind, lassen sich bequem nach oben fahren. Dieses einfache Handling trägt erfahrungsgemäß dazu bei, dass die Stehfunktion häufiger verwendet wird.

Mitarbeiter aufklären: Die richtige Haltung am Schreibtisch

Egal, ob stehend oder sitzend – auf die richtige Haltung kommt es an. Die folgende Grafik verdeutlicht, welche Winkel und Sitzpositionen von Relevanz sind.

Gesunder Rücken durch optimale Sitzposition
Das sind die Parameter für einen gesunden Rücken am Schreibtisch © Personalwissen Redaktion

 

Schulen Sie Ihre Mitarbeiter, wie sie die richtige Position am Schreibtisch einnehmen können und achten Sie dabei auf die folgenden Punkte:

  • Stuhl korrekt einstellen: Knie sind mindestens 90° abgewinkelt, der Winkel von Unter- und Oberarmen beträgt ebenfalls 90°
  • Füße stehen flach auf dem Boden oder auf einer Fußstütze auf
  • Rücken ist gerade, die Sitzposition ist aufrecht
  • Wirbelsäule wird hingegen in ihrer natürlichen Krümmung unterstützt
  • Der Kopf ist leicht nach unten in Richtung Bildschirm geneigt

Die Position der Arme und der Blickwinkel in Richtung Monitor lässt sich auch auf die Arbeit im Stehen übertragen. Die Unterarme liegen rechtwinklig auf dem Tisch auf, der Blick ist leicht nach unten gerichtet.

Mehr Bewegung im Büro: 3 Tipps und Tricks für Personalverantwortliche und Arbeitgeber

Ein gesunder Rücken steht in einem engen Zusammenhang mit mehr Bewegung im Büro. Selbstredend kommt es auch auf die Mitarbeiter an. Nur wenn der Alltag – auch fernab der Arbeit – bewegungsreich gestaltet wird, lassen sich Rückenbeschwerden vorbeugen.

Doch auch Personalverantwortliche und Arbeitgeber können einen Beitrag zu mehr Bewegung während der Arbeitszeit leisten. Hier geht es primär darum, auch das firmeninterne Leitbild zu prägen. Bewegung am Arbeitsplatz sollte – solange sie im Rahmen beleibt – gefördert werden. So ist Dynamik doch die beste Prävention gegen Rückenbeschwerden.

1. Umherspazieren: Besprechungen im Stehen und Gehen

Auch wenn es zunächst ungewohnt anmuten mag: Es ergibt Sinn, Meetings dynamischer zu gestalten. So lässt sich die Projektbesprechung beispielsweise im Stehen an der Kaffeetheke in der Küche abhalten. Zeigen Sie sich ebenfalls offen, für flexible Zweierbesprechungen – beispielsweise bei einem Spaziergang.

Selbstverständlich sind Besprechungen oder Meetings in der Bewegung nicht in jedem Fall möglich. Steht eine Präsentation an, ist ein Treffen im Konferenzraum Pflicht. Lässt sich der Austausch jedoch anders gestalten, sollten Vorgesetzte und Personalverantwortliche mit einem guten Beispiel vorangehen.

2. Pausen sind zum Pausemachen da

Halten Sie Ihre Mitarbeiter an, ihre Pausen auch wirklich zu nehmen. Wer am Schreibtisch sitzt, weiterarbeitet und nebenher speist, tut nichts für einen gesunden Rücken. In einem solchen Fall leidet nicht nur die Rückengesundheit Ihrer Beschäftigten, sondern auch die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.

Sprechen Sie Mitarbeiter, die Ihre Pause am Platz verbringen, gezielt an. Kommunizieren Sie abteilungs- oder firmenübergreifend, dass es gewünscht ist, in den Pausen nicht am Arbeitsplatz zu bleiben.

3. Bewegungsangebote schaffen

Je nach Größe des Unternehmens können Personalverantwortliche in Kooperation mit der Geschäftsleitung auch Bewegungsangebote schaffen. Wie diese konkret aussehen, hängt von den zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Ressourcen ab.

Während einige Konzerne ganze Fitnessstudios einrichten, werden sich KMU dabei eher schwertun. Rückenkurse für die Beschäftigten oder andere spezielle Bewegungsangebote in der Mittagspause sind jedoch ein finanzierbarer Schritt, den sich auch kleinere und mittlere Unternehmen leisten können.

Gesunder Rücken am Arbeitsplatz: Das können Arbeitgeber tun

Gesunde Schreibtischarbeit und ein gesunder Rücken im Büro sind möglich, wenn die Arbeitsumgebung stimmt. Hier liegt es an den Unternehmen selbst, die Arbeitsplätze rückenfreundlich und ergonomisch zu gestalten. Wer hier spart, tut das am falschen Ende.

Denn: Wie die zitierten Statistiken zeigen, gehen rund 25 % der Fehlzeiten bei der Arbeit auf Rückenbeschwerden zurück. Eine Zahl, die sich mit der richtigen Arbeitsumgebung und Bewegungsalternativen deutlich reduzieren lässt, wovon Unternehmen langfristig profitieren können.

Autor: Redaktion Personalwissen

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