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Burnout: Ihre Pflichten als Arbeitgeber

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Burnout, Stress im Job

Die häufige Thematisierung in den Medien und die Verbreitung des Befunds „ausgebrannt“, haben Burnout in den letzten Jahren zur „Modediagnose“ gemacht. Dennoch müssen die Diagnose Burnout und ebenfalls die Prävention ernstgenommen werden: Die Symptome und Einschränkungen, unter denen Betroffene leiden, reduzieren ihre Lebensqualität drastisch und prägen ihr Privat- und Arbeitsleben nachhaltig. Was ein Burnout überhaupt ist, welche Bedeutung es für Arbeitgeber in Hinblick auf den Umgang mit Betroffen hat und welche Präventionsmöglichkeiten es gibt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist ein Burnout und wie kann man es erkennen?

Symptome eines Burnouts sind vielfältig und lassen sich häufig nicht klar von anderen Krankheitsbildern abgrenzen. So ist das „Ausgebranntsein“ in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) als Zusatzdiagnose definiert und lässt sich damit nicht als eigenständige Diagnose vergeben.

Als Folge von hoher Belastung, Überforderung oder als Reaktion auf Stress kann es zu verschiedenen Symptomen kommen, die die Lebensführung erschweren. Anzeichen für ein Burnout können, gerade zu Beginn des Krankheitsverlaufs, unauffällig sein und sich anschließend verstärken bzw. verändern. Als Kernmerkmale gelten jedoch:

  • Emotionale Erschöpfung und Müdigkeit
  • Verlust des Persönlichkeitsgefühls (Depersonalisation)
  • Frustration/Enttäuschung bezüglich persönlicher Leistungen
  • Sozialer Rückzug
Interessant: Gerade Symptome wie Antriebslosigkeit oder ein Verlust der Leistungsfähigkeit, aber auch physische Beschwerden wie etwa Schlafstörungen oder ein Schwächegefühl treten auch im Zusammenhang mit dem Störungsbild einer Depression auf. Aus diesem Grund ist es häufig schwer, hier eine klare Grenze zu ziehen.

Wie ein Burnout entstehen kann: Arbeitgeber in der Pflicht

Die Entstehung eines Burnouts ist meist das Resultat eines Zusammenspiels mehrerer Faktoren. Diese können sowohl personenbezogen sein sowie auch extern verursacht werden. So begünstigen bestimmte individuelle Persönlichkeitseigenschaften ein Burnout. So etwa der Wunsch, Aufgaben immer gewissenhaft und ordentlich erfüllen zu wollen, aber auch äußere Umstände.

Druck und Unsicherheit versetzen Personen in eine andauernde Stresssituation und können die Entwicklung eines Burnouts beeinflussen. Im Arbeitskontext können unter anderem folgende Aspekte das Risiko für die Entstehung eines Burnouts erhöhen:

  • Ständiger Zeitdruck
  • Unklare Zielvorgaben
  • Leistungsdruck
  • Angst vor einer Kündigung
  • Mangelnde Wertschätzung durch den Arbeitgeber
  • Monotonie der Tätigkeit
Hinweis: Die Aufzählung zeigt: Gerade bei der Gestaltung des Arbeitsumfelds sind Unternehmen in der Pflicht. Klare Strukturen und ein wertschätzendes Miteinander stellen eine solide Basis dar, um Ihre Mitarbeiter vor unnötigem psychischem Druck zu bewahren.

Burnout-Prävention: Was Sie als Arbeitgeber tun können

Da ein Burnout durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann, müssen Präventionsmaßnahmen ebenfalls an mehreren Stellen ansetzen. Ist ein Mitarbeiter „ausgebrannt“, sind die Verfahren zur Genesung und zur Wiedereingliederung deutlich aufwendiger, als die Umsetzung einiger präventiver Schritte und Maßnahmen. Während einerseits bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen des Arbeitsnehmers ein Burnout begünstigen können, ist andererseits der Arbeitgeber in der Pflicht, für seine Angestellten (Vor-)Sorge zu tragen.

Wichtiger Hinweis: Für den Arbeitgeber besteht unter anderem die Pflicht, seinen Arbeitnehmern je nach Art der Tätigkeit Räumlichkeiten und Schutzausstattung zu Verfügung zu stellen, damit die Gesundheit der Angestellten nicht gefährdet wird (§ 3 ArbSchG).

Burnout verhindern: So können Unternehmen Burnout Prävention betreiben

Aus dieser Fürsorgepflicht und den weitern Aufgaben eines Arbeitgebers ergeben sich präventive Handlungsmöglichkeiten, die ein Burnout bei Angestellten verhindern können.

Burnout verhindern: Richtig kommunizieren

Die Kommunikation mit den Mitarbeitern stellt einen wesentlichen Faktor dar. Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem Team und verdeutlichen Sie, dass Burnout von Ihnen nicht tabuisiert wird. Die Möglichkeit, Sorgen und Probleme ansprechen zu können, vermittelt den Arbeitnehmern die Fähigkeit zur Einflussnahme.

Im Gespräch können Beschäftigte nicht nur ihre Wahrnehmung der Arbeitssituation rückmelden, auch Sie als Arbeitgeber können ihnen Feedback geben. Durch das Ansprechen von Problemen und den Ausdruck von Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern wird eine positive Atmosphäre geschaffen. Austausch und Kommunikation sind die Grundlage für ein stressfreies Arbeitsklima.

Arbeitsumfeld analysieren und modifizieren

Wie sieht das Arbeitsumfeld der Mitarbeiter aus? Analysieren Sie die Bedingungen, unter denen Ihre Angestellten arbeiten ebenso wie die Bedürfnisse, die Ihre Arbeitnehmer mitbringen. Dabei sollten Sie zum Beispiel die Zusammensetzung einzelner Arbeitsgruppen untersuchen oder auch den Umfang und Aufwand der Aufgaben, die Ihre Mitarbeiter erfüllen müssen.

Zudem spielen die individuellen Interessen der Angestellten sowie ihr privater Hintergrund eine wichtige Rolle. Oft müssen sich Arbeitnehmer neben ihrem Beruf auch um ihre Familie und die Versorgung ihrer Kinder kümmern und sind dadurch zeitlich stark gebunden. Würde es einigen Mitarbeitern unter Umständen helfen, wenn sie einen Teil der Arbeit zu Hause im Homeoffice erledigen könnten? Ein höheres Maß an Flexibilität kann das Stressniveau und damit auch das Risiko für ein Burnout erheblich senken.

Mitarbeiter für Burnout sensibilisieren

„Hilfe zur Selbsthilfe“. Steigern Sie die Kompetenzen Ihrer Mitarbeiter, sich selbst zu beobachten und Probleme zu erkennen. So können sie sich ihren Belastungen frühzeitig bewusstwerden und rechtzeitig handeln. Dabei bieten Angebote, die der Arbeitgeber vorstellt und fördert, einen niedrigschwelligen Zugang zu Präventionsmaßnahmen für Mitarbeiter.

Seminare zur Stressbewältigung oder zu Themen wie berufliche Erreichbarkeit oder Pausen-Management können Arbeitnehmern verdeutlichen, wie sie bestimmte Vorgänge an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen und ihren Arbeitsalltag stressfreier gestalten können. Neben der Kompetenzsteigerung können Sie ihren Angestellten außerdem vermitteln, dass Sie Wert auf ihre Gesundheit legen.

Tipp: Zertifizierte Präventionsmaßnahmen können Sie als Maßnahme zur betrieblichen Gesundheitsförderung nach § 3 Nr. 34 EstG steuerlich geltend machen.

 

Durch das Einplanen von medizinischen Vorsorgeuntersuchungen und Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen, vermitteln Sie nicht nur Ihre Wertschätzung. Sie ermöglichen Ihren Mitarbeitern so auch einen verantwortungsbewussten Umgang mit ihrem psychischen und körperlichen Zustand.

Angemessener Umgang mit Burnout-Betroffenen

Fallen Arbeitnehmer durch Symptome auf, die auf ein Burnout hinweisen oder wird ein Fall direkt bekannt, ist es vor allem wichtig, Akzeptanz zu zeigen. Da sich das „Ausgebranntsein“ eines Mitarbeiters nicht durch sichtbare Anzeichen erkennen lässt, können Ängste vor Verständnislosigkeit entstehen. Burnout offiziell als ein Leiden anzuerkennen, erleichtert es dem Betroffenen, es selbst zu akzeptieren und zu handeln.

Die gesetzliche Regelung sieht eine Gehaltszahlung trotz Abwesenheit bis zu sechs Wochen vor. Obwohl ein Burnout oft über einen längeren Zeitraum andauert, lässt es sich selten als Langzeiterkrankung als Grund für eine Kündigung benennen.

Vielmehr erkennt man durch die Begutachtung der Arbeitsbedingungen, unter denen ein Mitarbeiter seine Aufgaben erfüllt, an welcher Stelle Verbesserungen vorgenommen werden sollten. Berichten Angestellte von ihrem aktuellen Zustand und ihrer Situation, lässt sich gezielt gegen Belastungsquellen vorgehen. Auf diese Weise kann die Zukunft des Mitarbeiters im Unternehmen so geplant werden, dass sie der Genesung förderlich ist und weiteren Belastungen vorbeugt. Faktoren wie die Arbeitszeiten, das Arbeitspensum sowie die Beschaffenheit des Arbeitsplatzes selbst können dabei eine ausschlaggebende Rolle spielen.

Autor: Redaktion Personalwissen

Siegel

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