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Generationenkonflikte am Arbeitsplatz überwinden: Wie Jung und Alt produktiv zusammenarbeiten

© Erwin Wodicka/Fotolia
Generationen

Immer kürzere Studienzeiten und das steigende Renteneintrittsalter sorgen dafür, dass mittlerweile bis zu fünf Generationen in einem Unternehmen zusammenarbeiten. Die verschiedenen Ansichten und Einstellungen der Generationen bergen nicht nur Chancen, sondern auch ein hohes Konfliktpotenzial. Wir geben Tipps, mit denen heterogene Belegschaften dennoch produktiv sind und sogar voneinander profitieren.

Die Generationsübersicht ist der Schlüssel der Erkenntnis

Die Begrifflichkeiten Babyboomer, Generation X-Y-Z sind natürlich vielen geläufig. Gleiches gilt für die zahlreichen Zusatznamen wie Generation Golf, Generation Why oder Generation YouTube. Doch wer ist was und vor allem, welche Bedeutung haben sie?

Es gehört zum Alltag in Unternehmen, dass unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen und zusammenarbeiten müssen. So verschieden Charaktere auch sind – zumindest innerhalb einer Generation ist man meist auf einer Wellenlänge, weil die Erfahrungen, Interessen und Lebensphasen sich gleichen oder zumindest ähneln.

Wenn die Generation der Babyboomer (geboren 1946 bis 1964) jedoch auf die Generation Y (ca. 1980 bis 1994) oder gar die Generation Z (ab 1995) trifft, kann es trotz aller beruflichen Professionalität durchaus zu Konflikten am Arbeitsplatz kommen. Die ersten Generationen der Digital Natives haben häufig eine andere Arbeitsauffassung, eine andere Arbeitsweise, einen anderen Kommunikationsstil, ein anderes Wertesystem und eine andere Vorstellung von Führung und Mitgestaltung in Unternehmen.

Bevor die einzelnen Generationen genauer vorgestellt werden, muss Ihnen klar sein, dass eine absolute Generalisierung natürlich nicht möglich ist. Schließlich ist jeder Mensch ein Individuum mit eigenen Werten und Zielen. Zudem sind auch die Jahreszahlen, die eine Generation beschreiben, nur ein grober Mittelwert. Jemand, der am Ende der Generation Babyboomer geboren ist, kann dennoch bereits deutlich mehr durch die Y Generation geprägt sein.

Bei der Generationsübersicht handelt es sich also eher um Hauptmerkmale der jeweiligen Generation. Diese zu kennen, ist aber dennoch eine elementare Grundvoraussetzung, um Ihr Multi-Generations-Team erfolgreich führen zu können.

 

Die Babyboomer (geboren 1946-1964)

Sie sind die erste Nachkriegsgeneration nach dem zweiten Weltkrieg. In der Folge erlebten sie das Wirtschaftswunder und es handelt sich hier um die mit Abstand geburtenstärksten Jahrgänge. Eingestuft wird diese Generation als erfolgreich und liberal.

Für die Babyboomer steht die Arbeit stets an erster Stelle, erst dann kommt das Privatleben. Dadurch prägte sich auch der Begriff „Workaholic“.

Zu ihren Werten zählen vor allem Gesundheit, Idealismus und auch Kreativität. Sie sind team- und sehr karriereorientiert. So erklärt sich auch der schnelle Aufstieg in Führungspositionen.

Im Berufsleben legen die Babyboomer besonders großen Wert auf einen strukturierten Arbeitsstil und auf den regelmäßigen Austausch mit dem Team. Zum bevorzugt verwendeten Kommunikationsmittel zählt nach wie vor das Telefon. Sie legen großen Wert auf die Wertschätzung für ihre Erfahrung. Diese Generation benötigt zwingend das Gefühl, gebraucht zu werden.

Die Generation X und die Hauptmerkmale (1965-1979)

Die Generation X, auch Generation Golf genannt, ist stark geprägt durch die Wirtschaftskrise und die plötzlich erhöhte Scheidungsrate.

Das berufliche Vorankommen ist das wichtigste Ziel bei der Jobsuche. Zur Generation X zählen ambitionierte, individualistische und ehrgeizige Menschen. Diese Generation ist zum einen sehr gut ausgebildet und arbeitet hauptsächlich, um sich ein materiell abgesichertes Leben leisten zu können. Allerdings arbeitet diese Generation, um zu leben, und lebt nicht, um zu arbeiten, wie es bei den Babyboomern der Fall ist.

Daher zählen hier zu den wichtigsten Werten die Unabhängigkeit und der Individualismus. Sie sind bei allem, was sie tun, auf der Suche nach dem Sinn. Zudem zeichnet die Mitglieder der Generation X aus, dass sie pragmatisch und selbstständig sind und eine hohe Lebensqualität anstreben. Allerdings ist ihnen Zeit wichtiger als Geld.

Im Berufsleben zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie sehr ergebnisorientiert und technisch versiert sind. Macht und Verantwortung teilen sie gern und zu ihren bevorzugten Kommunikationsmitteln zählen das Handy und die E-Mail.

Besonders wichtig sind ein hoher Freiheitsgrad in der Arbeitsgestaltung sowie vor allem die „Work-Life-Balance“.

Die Generation Y und die Hauptmerkmale (1980-1994)

Diese Generation wir auch „Millennials“ genannt und erlebt sowohl den Internetboom als auch die Globalisierung in vollen Zügen mit. Hier hat sich das Bildungsniveau noch einmal stark erhöht.

Diese Generation stellt ganz besondere Ansprüche an die Unternehmen. Sie erwartet, dass die Arbeit vor allem Sinn macht und zugleich Abwechslung bietet. Ihre Mitglieder gehören zu den Teamplayern, die sich nicht nur offline, sondern auch in der virtuellen Welt durch eine exzellente Vernetzung auszeichnen.

Da diese Generation von den technologischen Medien sozialisiert wurde, zählt sie zu den ersten „Digital Natives“. Unübertroffen ist diese Generation in der Projektarbeit und der Verschmelzung von Privat- und Arbeitsleben.

Dennoch legt sie großen Wert auf Freiraum und Privates. Es herrscht die Meinung, dass man Privates auch am Arbeitsplatz erledigen kann. Im Gegenzug kann man aber auch die Arbeit mit nach Hause nehmen.

Für sie ist es existenziell, dass die Arbeit Spaß macht. Allerdings sind ihnen Führungspositionen nicht so wichtig, sie präferieren eher die Fachlaufbahnen und projektbezogenes Arbeiten. Ihr hauptsächliches Kommunikationsmedium ist das Web 2.0 und das Vernetzsein. Sie arbeiten am liebsten mit Menschen zusammen, die auf der gleichen Wellenlänge liegen.

Die Generation Z (ab 1995)

Diese Generation wird auch „Generation YouTube“ genannt. Sie hat die Digitalisierung komplett in ihr Leben und den Alltag eingebaut. Diese Generation tritt erst in Kürze in den Arbeitsmarkt ein. Aber es gibt Prognosen, nach denen schon jetzt deutlich wird, dass sie stark zwischen Arbeit und Privatleben differenzieren.

Die Mitglieder dieser Generation wollen feste Abgrenzungen und klare Strukturen. Nur zu arbeiten kommt für sie nicht mehr in Frage, denn sie definieren sich eher über die Freizeit und ihre sozialen Kontakte. Am liebsten arbeiten sie mit Gleichgesinnten über dieselben Medien.

Zusammenarbeit von mehreren Generationen gehört zum Alltag

Während die einen eine klare Trennung von Beruflichem und Privatem favorisieren, gehen die beiden Lebensbereiche bei jüngeren Generationen fließend ineinander über. Jüngeren Jahrgängen sind die Ergebnisse wichtiger als die Anwesenheit am Arbeitsplatz. Sie wünschen sich flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit vom Homeoffice aus arbeiten zu können. Manchmal sind es aber auch nur Kleinigkeiten. Wenn die Jüngeren zum Beispiel lieber chatten als – wie die Älteren – zum Telefonhörer zu greifen.

Da Abteilungen oder Büros mit mehreren Generationen in deutschen Betrieben zum Normalfall gehören, sind Konflikte kaum vermeidbar. Mit Ausnahme von klassischen Start-ups, arbeiten hierzulande Menschen verschiedener Altersstufen zusammen. Und das ist trotz erhöhtem Konfliktpotenzial auch gut so. Schließlich können Jung und Alt voneinander lernen. Diverse Studien haben sogar ergeben, das personelle Diversität Unternehmen produktiver macht.

Mehrheit der Arbeitnehmer bereits mit Konflikten konfrontiert

Studien haben aber auch das erhöhte Konfliktpotenzial belegt. So hat eine Untersuchung im Auftrag von Automatic Data Processing (ADP), einem Anbieter von Lösungen im Bereich von Human Capital Management, ergeben, dass 67 Prozent der Arbeitnehmer bereits Generationenkonflikte am Arbeitsplatz erlebt haben (Studie „The Workforce View in Europe“ von 2015). Noch größer ist das Problem übrigens in anderen europäischen Ländern, wo der demografische Wandel noch deutlicher zu spüren ist: in Italien (77 Prozent), Spanien und Polen (jeweils 73 Prozent) beispielsweise.

Dadurch, dass die älteren Semester immer länger im Job bleiben, sorgen sich die Jüngeren um ihre Karrierechancen. 18 Prozent der Mitarbeiter haben das Gefühl, dass es für neue Talente weniger Raum gibt, die Karriereleiter empor zu steigen. Auch das kann ein Auslöser für Missstimmung und Streit sein. Andererseits sind 39 Prozent besorgt darüber, dass durch das Ausscheiden älterer Mitarbeiter Erfahrungen und Wissen verloren gehen.

Klischees und Vorurteile vergiften das Klima

Zu alledem kommen auch noch die Klischees und Vorurteile, die die unterschiedlichen Generationen mit sich bringen. Die Älteren gelten als unflexibel, festgefahren und wenig kompromissbereit. Dafür sind sie fleißig und zuverlässig, während den Jungen teilweise sogar Faulheit vorgeworfen wird, weil sie mehr Wert auf die Work-Life-Balance legen. Neue Generationen arbeiten um zu Leben und nicht um Mitarbeiter des Monats zu werden oder Reichtümer anzuhäufen. Die Jüngeren gelten zudem häufig als rebellisch und unbelehrbar, die Älteren als besserwisserisch und langweilig.

Das Schubladendenken muss aufhören

Schubladendenken ist ein großes Problem. Trotzdem gibt es Unterschiede, die nicht verleugnet werden dürfen. Dass Ältere erfahrener sind und das Unternehmen besser kennen, liegt auf der Hand. Sie leiden häufig aber auch unter Betriebsblindheit, die mithilfe des frischen Blicks junger Mitarbeiter durchbrochen werden kann. Überhaupt ergänzen sich die Generationen häufig viel besser, als dass sie sich behindern.

Die Jungen können von der Erfahrung und dem Wissensstand der Alten profitieren. Dafür müssen die älteren Generationen aber auch bereit sein, ihr Wissen weiterzugeben. Andererseits können die Älteren von den Jüngeren zum Beispiel neue Technologien lernen.

Führungskräfte als Bindeglied zwischen den Generationen

Es ist die Aufgabe der Führungskräfte dafür zu sorgen, den Wissenstransfer zwischen den Generationen und ein praktisches Miteinander zu fördern. Dafür ist es nötig, individuell auf sie einzugehen. Jede Generation bringt seine Spezifika mit, die sich nicht einfach ändern lassen. Aber die Führungskraft hat die Möglichkeit das Verhalten der einzelnen zum Positiven zu beeinflussen. Sie muss die Rahmenbedingungen schaffen, damit jeder Mitarbeiter seine Stärken einbringen kann und letztlich jeder vom anderen profitiert.

Damit das klappt, müssen sich alle Beteiligten für eine generationsübergreifende Interaktion öffnen. Sie müssen sich auf Augenhöhe begegnen und jeweils offen für Neues sein. Das kann sogar so weit führen, das Hierarchiestufen eben nicht mehr wie bisher nach dem Senioritätsprinzip funktionieren, indem die Alten stets die Jungen führen. Führung ist schließlich keine Frage des Alters, sondern der Qualifikation und vor allem der Kompetenz.

„Das haben wir immer schon so gemacht“ ist auf jeden Fall ein Ausspruch, der in allen Belangen der Vergangenheit angehört. Eine Stärke der neuen Generationen ist es, alles zu hinterfragen. Genau aus diesem kritischen Geist entstehen Verbesserungen und Innovationen, die die Wettbewerbsfähigkeit in einer globalen Wirtschaftswelt sicherstellen. Jüngere Generationen zu übergehen ist schon deshalb keine gute Idee, weil sie sich früher oder später vom Unternehmen lösen werden. In Zeiten von Fachkräftemangel kann sich das kein Betrieb leisten.

6 Tipps für die produktive Zusammenarbeit verschiedener Generationen

Allen Problemen zum Trotz ist es natürlich möglich, dass Jung und Alt produktiv und völlig friedlich zusammenzuarbeiten. Das ist sogar der Normalfall. Damit das klappt, sollten alle Beteiligten ein paar grundlegende Regeln beachten:

1. Auf Augenhöhe begegnen und agieren

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist gegenseitiger Respekt. Ganz gleich, wie groß der Alters- oder Hierarchieunterschied ist. Überhebliches Handeln oder herablassende Kommunikation befeuern Generationenkonflikte und sind ein Zeichen von mangelnder Professionalität. Niemand ist besser oder schlechter, nur weil er einer anderen Generation angehört.

2. Keine Angst voreinander haben

Wenn man sich auf Augenhöhe begegnet, muss man auch keine Angst voreinander haben. Weder sollten sich ältere Mitarbeiter davor fürchten, dass die jüngeren alles verändern wollen, noch sollten die jüngeren Mitarbeiter Angst davor haben, von den älteren nicht ernst genommen zu werden. Die Kollegen sollten nicht als Bedrohung, sondern als Weggefährten und Wegbereiter betrachtet werden.

3. Miteinander reden

Kommunikation ist das A und O. Ihr Mangel ist gleichzeitig einer der häufigsten Gründe für Generationenkonflikte. Nur wenn die Generationen miteinander reden, können sie sich kennenlernen, austauschen und verstehen. Durch Kommunikation werden Vorurteile abgebaut und Missverständnisse aus der Welt geschafft. Man lernt sich zu schätzen und greift öfter auf den Rat des anderen zurück. Schließlich weiß man ja jetzt, wo seine Stärken liegen und welche Erfahrungen er gemacht hat.

4. Ansichten nachvollziehen und akzeptieren

Um trotz verschiedener Ansprüche, Vorstellungen und Wünsche gut miteinander auszukommen, ist es wichtig die abweichenden Ansichten des anderen zu akzeptieren, statt ihn missionieren zu wollen. Das gelingt umso besser, wenn man versucht die Einstellung des Gegenübers nachzuvollziehen. Niemand wird dazu gezwungen, die fremde Meinung gut zu finden oder sie sich gar zu eigen zu machen. Aber ein bisschen Verständnis für den Kollegen hilft dabei, sich gegenseitig zu akzeptieren.

5. Kompromissbereitschaft

Wenn verschiedene Ansichten aufeinandertreffen, ist es unumgänglich, dass man sich annähert und Kompromisse eingeht. Beharrt jeder auf seiner Position, ist Streit vorprogrammiert. Oft sind Kompromisse sogar die bessere Wahl.

6. Wissenstransfer fördern

Am produktivsten sind mehrere Generationen in einem Betrieb, wenn sie voneinander lernen. Aufgabe des Vorgesetzten ist es, den Wissenstransfer zu fördern. Dafür können beispielsweise interdisziplinäre Teams eingerichtet werden, in die jeder seine Stärken einbringt. Auch Jobtandems und Mentoring haben sich etabliert. Manchmal hilft es aber auch schon, wenn Mitarbeiter verschiedener Generationen sich ein Büro teilen.

Fazit: Risiken in Chancen umwandeln

Verschiedene Generationen haben unterschiedliche Ansichten und Einstellungen. Das erhöht das Konfliktpotenzial, bedeutet aber nicht, dass Jung und Alt nicht produktiv zusammenarbeiten können. Ganz im Gegenteil: Kluge Arbeitgeber mischen ihre Teams, damit die Jüngeren von den Älteren lernen und umgekehrt. So entsteht eine von Vielfalt geprägte, leistungsstarke Belegschaft, die alles hat, was erfolgreiche Unternehmen benötigen: Erfahrung, Wissen, Kompetenz, Innovationsgeist, Trendbewusstsein und vieles mehr.

Autor: Matthias Koprek

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