• 0228 / 95 50 160
Marken der Personalwissen Familie

Dual Ladder System: Parallelhierarchie und Expertenlaufbahn im Blick

© Trueffelpix/Fotolia
Dual Ladder System

Haben Mitarbeiter den Wunsch, sich weiterzuentwickeln, obliegt es der Personalabteilung, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten. Nicht selten stehen HR-Verantwortliche und Beschäftigte dann vor der Frage: Sollen Betroffene die Führungslaufbahn oder eine Expertenlaufbahn einschlagen? In einem Dual Ladder System – einer sogenannten Parallelhierarchie – sind Führungslaufbahnen und Expertenlaufbahnen nebeneinander angesiedelt. Welche Vorteile das für Unternehmen bringt und was Sie über das Dual Ladder System noch wissen sollten, lesen Sie in diesem Artikel.

    Was hat es mit einem Dual Ladder System auf sich?

    Dual Ladder ist ein Begriff aus der Personalentwicklung, der im anglophonen Sprachraum seinen Ursprung hat. Dem Fachterminus kann man sich durchaus bildlich annähern: Unwillkürlich erweckt der Begriff Konnotationen mit dem Bild einer Leiter, deren parallel verlaufende Holme durch Sprossen miteinander verbunden sind.

    Der Aspekt der Parallele lässt sich auch auf die Ebene der Personalentwicklung übertragen. In einer sogenannten Parallelhierarchie stehen unterschiedliche Laufbahnmodelle nebeneinander. So gibt es auf der einen Seite die Führungslaufbahn, auf der anderen Seite hingegen die Spezialisten-, ebenfalls Expertenlaufbahn genannt.

    Auch das Bild der Sprossen ist auf die beiden parallel bestehenden Laufbahnmöglichkeiten übertragbar. Ab einem gewissen Grad des Aufstiegs ist es im Dual Ladder System zumeist möglich, zwischen der Experten- und der Führungslaufbahn zu wechseln. Das liegt in erster Linie daran, dass Unternehmen stärker auf Projektarbeit setzen. Projektbezogene Tätigkeiten erfordern nicht nur fachspezifisches Know-how, sondern eben auch Generalisten- und Führungsqualitäten.

    Dual Ladder System: Was zeichnet eine Expertenlaufbahn aus?

    Wie bereits erwähnt, ist eine Säule des Dual Ladder Systems die Expertenlaufbahn. In der deutschsprachigen Fachliteratur nennt man die Expertenlaufbahn häufig auch Spezialistenlaufbahn. Oftmals wird sie mit dem Überbegriff der „Fachlaufbahn“ in Verbindung gebracht. Fachlaufbahnen lassen sich jedoch nochmals untergliedern in:

    1. Projektlaufbahn
    2. Gremienlaufbahn
    3. Expertenlaufbahn

    Drittgenannte bietet Spezialisten mit tiefgehender fachlicher Expertise die Möglichkeit, eine weiterführende Karriere einzuschlagen. Charakteristisch für eine Fachkarriere ist der hierarchische Aufstieg, der sukzessive erfolgt. Mit dem Aufstieg geht nicht nur mehr Handlungsspielraum, sondern auch mehr fachliche Verantwortung sowie ein weiter gefasstes Aufgabenfeld einher.

    Interessant: Im Unterschied zu einer Führungskarriere – wie sie im folgenden Absatz beschrieben wird – zeichnen sich Fachkarrieren durch den inhaltlichen Fokus aus. Eine fachliche Karriere verfolgt das Ziel, vorhandenes Know-how und Kompetenzen beständig zu erweitern. Führungsaufgaben stehen hingegen kaum im Zentrum des Interesses.

     

    Wodurch wird eine Führungslaufbahn charakterisiert?

    Eine Führungslaufbahn ist die „klassische“ Laufbahn in Unternehmen: Ein gut ausgebildeter Mitarbeiter erweist sich als geeignete Führungskraft. Nach und nach werden ihm weitreichendere Kompetenzen und Personalverantwortung übertragen. In Abhängigkeit zum Unternehmen lässt sich bezüglich des Arbeitsalltags eine gewisse Tendenz erkennen: Die Tätigkeiten gehen weg vom klassischen operativen Geschäft hin zu Management-Aufgaben.

    Der Aufstieg im Rahmen einer Führungskarriere erfolgt in der Regel vertikal nach oben. Im Gegensatz dazu steht hingegen der bereits eingetretene organisatorische Wandel: Der Trend geht hin zu flachen Hierarchien. Das heißt im Umkehrschluss, dass Karrieremöglichkeiten in der klassischen Führungslaufbahn zurückgehen werden. Ein guter Grund, langfristig auf Expertenkarrieren zu setzen?

    Dual Ladder System: Fluch oder Segen?

    In der Literatur wird das Dual Ladder System oftmals als eine Art der Formalisierung der Beförderungsmöglichkeiten verstanden. Zentral sind dabei die zwei unterschiedlichen Stränge: Die Führungslaufbahn und die Expertenlaufbahn.

    Sind beide koexistent, geht das für Unternehmen mit Vorteilen einher: Fachkräfte haben die Option, sich entsprechend weiterzuentwickeln. Das kommt einerseits der Karriereorientierung der Mitarbeiter nach. Andererseits profitieren auch Unternehmen davon: Der Betrieb kann Expertennachwuchs generieren und sich den Know-how-Gewinn zunutze machen. Ein echter Wettbewerbsvorteil.

    Zugleich haftet einer Fachkarriere aber auch ein gewisser negativer Ruf an: Vielmals ist von der „Falle Expertenkarriere“ die Rede, vor der sich hoch spezialisierte Beschäftigte fürchten. Zur (Gehalts-)falle wird eine Fachkarriere nur dann, wenn die Vergütung nicht ähnliche Gehaltssteigerungen verzeichnet wie eine Führungskarriere. Steht die Entlohnung der Mitarbeiter in einem engen Zusammenhang mit der Personalverantwortung, wirft eine Führungslaufbahn unter dem Strich mehr ab – das sorgt für Unmut.

    Bietet die Expertenlaufbahn jedoch eine adäquate Entwicklungsmöglichkeit für Spezialisten und vergleichbares Entgelt, ist sie eine echte Chance für spezialisierte Mitarbeiter. Die Arbeitgeberattraktivität eines Unternehmens steigt, wodurch sich insbesondere zu Zeiten des Fachkräftemangels auch das Dual Ladder System bezahlt macht.

    Autorin: Johanna Wirsing

    Siegel

    Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
    0228 / 95 50 160