Arbeitszeitkonto – diese Vorteile haben Zeitkonten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Arbeitszeitkonto – diese Vorteile haben Zeitkonten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Ein Arbeitszeitkonto hat sowohl für Arbeitgeber wie auch für Arbeitnehmer viele Vorteile. Arbeitgeber schätzen vor allem die flexiblen Einsatzmöglichkeiten für Ihre Mitarbeiter.

Ein Arbeitszeitkonto bietet sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer viele Vorteile. Arbeitgeber schätzen vor allem die flexiblen Einsatzmöglichkeiten für ihre Mitarbeiter.

Für Arbeitnehmer ist ein Arbeitszeitkonto attraktiv, da es dem Betriebsangehörigen erlaubt, Arbeitszeiten so einzuteilen, das private oder familiäre Termine während der Kernarbeitszeit möglich sind.

    Arbeitszeitkonto: Definition und Ausprägungen

    Eine allgemeingültige oder rechtlich bindende Definition eines Arbeitszeitkontos gibt es nicht. Umgangssprachlich wird der Begriff Arbeitszeitkonto in der Regel mit einem Gleitzeitkonto oder Zeitkonto gleichgesetzt. Arbeitszeitkonten könnten ebenfalls als Langzeitkonten geführt werden, auf dem die Stunden der Mehrarbeit langfristig angespart werden.

    Auf einem Arbeitszeitkonto speichert man elektronisch alle geleisteten Arbeitszeiten eines Mitarbeiters. Die Summe der erarbeiteten Arbeitsstunden wird von den Sollstunden gemäß Arbeitsvertrag subtrahiert. Als Ergebnis stehen entweder Überstunden oder Minusstunden. Die Regelung des Arbeitszeitgesetzeszu Höchstarbeitszeiten und ebenso die Vorgaben des Mindestlohngesetzes müssen bei Arbeitszeitkonten grundsätzlich beachtet werden. Verspätungen oder Unpünktlichkeit fallen bei einem Arbeitszeitkonto und ebenso bei Gleitzeit nicht ins Gewicht.

    Wichtig: Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) regelt im § 3, dass die tägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten darf. Die Arbeitszeit darf in Ausnahmefällen auf zehn Stunden pro Tag verlängert werden, wenn sich die Arbeitszeit im Mittel von sechs Monaten auf acht Stunden verringert.

    Jahresarbeitszeitkonten oder Lebensarbeitszeitkonten

    In der betrieblichen Praxis werden Arbeitszeitkonten für einen bestimmten Zeitraum geführt. Häufig handelt es sich um Jahresarbeitszeitkonten. Im Laufe eines Jahres kann ein Mitarbeiter abhängig von der Auftragslage Plusstunden ansparen und flexibel für Freizeit einsetzen. Zeitguthaben müssen bei Jahresarbeitszeitkonten generell im Kalenderjahr für Freizeit entnommen oder ausgezahlt werden. Eine Überführung in ein anderes Kalenderjahr ist nicht möglich.

    Bei einem Langzeit- oder Lebensarbeitszeitkonto ist dies anders. Bei dieser Art des Arbeitszeitkontos spart ein Mitarbeiter über Jahre oder Jahrzehnte Plusstunden an, um diese für einen bestimmten Zweck einzusetzen. Der Abbau von Plusstunden ist zum Beispiel für ein Sabbatical, für Familienzeit oder für einen vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand möglich.

    Langzeitarbeitskonto und Sabbatical – warum Arbeitnehmer eine Auszeit nehmen

    Ein Sabbatical oder Sabbatjahr beschreibt ein flexibles Arbeitszeitmodell, bei dem langfristig Arbeitszeiten angespart werden, um diese an einem Stück für einen längeren Sonderurlaub einzusetzen. Der Begriff wurde ursprünglich von US-Professoren geprägt, um Forschungs- oder Freisemester an Universitäten als „GAP-Year“ zu benennen. Ein Sabbatical wird im Angestelltenverhältnis beispielsweise für eine längere Urlaubs- oder Weiterbildungsreise oder die Unterstützung sozialer Projekte benutzt.

    Der Gedanke eines Sabbaticals oder Sabbatjahres entspringt der Thora. Jedes siebte Jahr im Judentum galt als Sabbatjahr, in dem Sklaven freigelassen wurden und die Äcker und Weinberge brachlagen. Die Idee hinter dem Sabbatjahr war das Innehalten und Nachdenken sowie der Neubeginn. Ähnlich wie vor Tausenden von Jahren ein ganzes Jahr als Auszeit vom Alltag vorgeschrieben war, beschreibt der Begriff Sabbatical heute ebenfalls eine Unterbrechung der gewohnten Tätigkeit. Diese beträgt in der Regel drei bis zwölf Monate und kann für unterschiedliche Belange eingesetzt werden. Typisch für Sabbaticals sind beispielsweise:

    • Eine besondere Zeit für die Familie, zum Beispiel im Rahmen einer Weltreise.
    • Eine persönliche Fort- und Weiterbildung.
    • Die Chance, abseits von Job und Arbeitsleben über mehrere Monate neue Kraft zu tanken.
    • Ein Hobby ausleben, für das ansonsten wenig Zeit übrig bleibt.

    Beispiel für ein Langzeitarbeitskonto

    Ein Mitarbeiter vereinbart mit seinem Unternehmen bei Unterzeichnung des Arbeitsvertrags ein Lebensarbeitszeitkonto zu führen. Er dehnt seine wöchentliche Arbeitszeit standardmäßig von 37 Stunden auf 40 Stunden pro Woche aus. Damit arbeitet er pro Woche drei Stunden mehr als vertraglich festgelegt.

    Pro Monat erarbeitet sich der Mitarbeiter 12 Plusstunden, die auf ein Jahr hochgerechnet 144 Überstunden ergeben. Pro Jahr arbeitet der Angestellte fast 1 Monat zusätzlich. Diese Zeit spart er auf seinem Arbeitszeitkonto an. Füllt er auf diese Weise sein Lebensarbeitszeitkonto über 20 Jahre, baut er Plusstunden für über 77 Arbeitswochen oder umgerechnet für mehr als 18 Monate auf. Entscheidet er sich für ein Sabbatical oder den vorzeitigen Ruhestand, ruft er einen Teil oder die kompletten Plusstunden in Ansprache vom Arbeitskonto ab. In der Zeit des Sabbaticals erhält er seinen vertraglich vereinbarten Lohn, bis die Plusstunden abgebaut sind.

    3 Stunden Mehrarbeit pro Arbeitswoche ergeben:

    12 PlusstundenPro Monat
    144 Plusstunden (ca. 1 Monat)Pro Kalenderjahr
    2.880 Plusstunden (ca. 18 Monate)In 20 Jahren

    Arbeitszeitkonten können vom Arbeitgeber nicht ohne eine schriftliche Vereinbarung eingeführt werden. Die gängigste Verabredung für ein Arbeitszeitkonto erfolgt im Arbeitsvertrag. Hier wird im ersten Schritt schriftlich festgelegt, dass der Arbeitgeber berechtigt ist, Arbeitszeitkonten im Unternehmen zu führen. Bei Firmen mit einer Arbeitnehmervertretung muss zusätzlich der Betriebs- oder Personalrat zustimmen.

    Im Arbeitsvertrag werden unter anderem die regelmäßigen Arbeitszeiten sowie die Spannbreite, in der der Arbeitgeber die Arbeitszeit verteilen darf, festgelegt. Die Ankündigungsfrist für eine Erhöhung der Arbeitszeit sollte ebenso in einer Klausel geregelt sein. Damit im Arbeitszeitkonto nicht übermäßig viele Plusstunden oder Minusstunden angespart werden, sollten Höchstgrenzen für Zeitguthaben oder Minusstunden verankert sein.

    Darüber hinaus ist es vorteilhaft, in der Vereinbarung im Arbeitsvertrag ebenfalls den maximal zulässigen Ausgleichszeitraum aufzuführen. Viele Vereinbarungen beschreiben des Weiteren, dass das Guthaben aus Arbeitszeitkonten spätestens am letzten Tag der Beschäftigung abzurechnen und auszuzahlen ist.

    Arbeitszeitkonten können in Betriebsvereinbarungen und Tarifverträgen geregelt sein

    Bei Unternehmen, die in einer Betriebsvereinbarung mit der Arbeitnehmervertretung die Rahmenbedingungen für Arbeitszeitkonten definiert haben, reicht ein Verweis auf die Betriebsvereinbarung, um in den Genuss eines Langzeitkontos oder Jahresarbeitszeitkontos zu kommen. Unterliegen Unternehmen einem Tarifvertrag, können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die tarifvertraglichen Bestimmungen zur flexiblen Arbeitszeit verweisen. Ein unternehmensspezifisches Modell für Arbeitszeitkonten ist in diesem Fall obsolet.

    Überstunden- und Minusstunden verwalten – so nutzen Unternehmen ein Ampelkonto

    Es gibt unterschiedliche Modelle für Langzeitkonten oder Jahresarbeitszeitkonto, sodass das Ansparen von Arbeitszeiten und der Freizeitausgleich spezifischen Vereinbarungen unterliegen. Während auf einigen Langzeitkonten Plusstunden ohne Limit angespart werden dürfen, sehen andere Arbeitszeitkonten einen Abbau von Plusstunden ab einer gewissen Schwelle vor.

    Ein Arbeitszeitkonto kann mit einem Spar- oder Girokonto verglichen werden. Arbeitgeber sind gemäß Arbeitsvertrag verpflichtet, die Gehaltszahlungen als Vorschuss zu zahlen. Im Gegenzug ist der Arbeitnehmer verpflichtet, seine Arbeitsleistung als Nachleistung ins Unternehmen einzubringen. Arbeitgeber zahlen in diesem Fall ein Gehalt als verstetigte Vergütung.

    Dies bedeutet in der Praxis, dass der Betriebsangehörige in jedem Monat die gleiche Gehaltszahlung erhält, unabhängig davon, ob er entsprechend für sein Gehalt gearbeitet hat oder nicht. Auf dem Arbeitszeitkonto werden die Plus- oder Minusstunden ausgewiesen.

    Für die professionelle Steuerung von Arbeitszeitkonten eignen sich vor allem die sogenannten Ampelkonten. Sie verfügen neben der typischen Speicherung von Plus- oder Minusstunden über eine Visualisierungsfunktion. Ähnlich wie eine Ampel zeigen sie in einer grünen, gelben oder roten Phase den aktuellen Status des Arbeitszeitkontos an.

    Die Bedeutung der verschiedenen Phasen im Ampelkonto

    Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben bei Arbeitszeitkonten ähnliche Ziele. Ampelkonten sollen Mitarbeiter durch die Flexibilität in den Arbeitszeiten motivieren und gleichzeitig sicherstellen, dass die vertraglich zugesicherte Arbeitszeit abgeleistet wird. Beim Ampelkonto werden die unterschiedlichen Interessen der Vertragsparteien durch das Ampelsystem garantiert:

    1. Ampelkonto auf Grün

    Steht das Ampelkonto auf Grün, kann der Mitarbeiter in den gesteckten Grenzen weitestgehend selbstständig über seine Arbeitszeit bestimmen. Ein grünes Ampelkonto könnte beispielsweise eine Plus- und Minusstundengrenze von 15 Arbeitsstunden beinhalten. In dieser Range ist der Mitarbeiter frei, seine Arbeitszeit flexibel einzusetzen, wobei festgelegt werden sollte, wie lange ein Arbeitszeitkonto im Minusbereich stehen darf.

    Befindet sich ein Mitarbeiter generell an der Schwelle von 15 Minusstunden, ist dies ein Indiz für einen sogenannten Grenzgänger. Die fortlaufenden Minusstunden sollten von einer Führungskraft thematisiert werden. Grundsätzlich kann ein grünes Arbeitszeitkonto, bei dem ein Angestellter im Rahmen der definierten Grenzen seine Arbeitszeit flexibel einsetzt, einen motivatorischen Effekt beinhalten. Mitarbeiter fühlen sich mit diesem flexiblen Arbeitszeitmodell frei und wertgeschätzt. Sie sind eher bereit, Überstunden zu leisten, da sie wissen, dass Flexibilität in Bezug auf die Arbeitszeiten im Betrieb in beide Richtungen gilt.

    2. Gelbes Ampelkonto – außergewöhnlicher Bedarf nach Absprache

    Während Mitarbeiter bei einem grünen Ampelkonto frei über die Arbeitszeit verfügen können, bedarf es bei einem gelben Ampelkonto der Kommunikation mit dem Vorgesetzten. Die gelbe Phase im Ampelkonto ist für beide Vertragsparteien wesentlich. Aus Arbeitgebersicht kann der Mitarbeiter bei wichtigen Projekten oder Auftragsspitzen in den gelben Ampelbereich verlegt werden, um geleistete Mehrarbeit zu speichern. Im gelben Ampelbereich können nach Absprache die Höchstgrenzen für Plusstunden verschoben werden.

    Entscheidend ist, dass ein Abbau der Überstunden im Rahmen des vorab definierten Ausgleichzeitraums realistisch ist. Das Prinzip gelb gilt desgleichen für Minusstunden. In Absprache mit dem Vorgesetzten können notwendige Minusstunden aufgrund wichtiger privater Verpflichtungen ebenfalls undogmatisch genehmigt werden.

    3. Ampelkonto auf Rot – jetzt muss gehandelt werden

    Das Ampelkonto schlägt auf Rot um, sobald die für die gelbe Phase geltenden Zeitlimits überschritten werden. Arbeitnehmer können bei einem roten Ampelkonto keine weiteren Zeitguthaben aufbauen. Ebenso sind sie nicht berechtigt, ihr Arbeitszeitkonto weiter ins Minus laufen zu lassen.

    Betriebliche Notwendigkeiten und Auftragsspitzen bei einer guten Auftragslage können dazu führen, dass ein Arbeitszeitkonto innerhalb von wenigen Wochen auf rot umschlägt. In diesem Fall gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Arbeitszeitkonto erneut auf Gelb zu stellen. Möglich wären beispielsweise:

    1. Konkrete Abbau- oder Aufbauschritte mit detaillierter Planung.
    2. Abbau von Arbeitszeitguthaben durch Auszahlung.
    3. Übertragung in ein Langzeitkonto.

    Zusammenfassend hat die Visualisierung von Arbeitszeitkonten durch ein Ampelsystem viele Vorteile. Zum einen hilft sie Führungskräften und Personalern, den Überblick zu behalten, wenn viele Mitarbeiter und ihre Arbeitszeitkonten überwacht werden müssen. Darüber hinaus ist Mitarbeitern und Entscheidungsträgern trotz flexibler Arbeitszeiten auf einen Blick klar, wann über Arbeitszeiten sowie Plus- und Minusstunden kommuniziert werden muss und wann Beschäftigte selbstständig über ihr Arbeitszeitkonto verfügen dürfen.

    Führen eines Arbeitszeitkontos: so geht’s

    Arbeitszeitkonten führt die Personalabteilung eines Unternehmens digital. Dies hat den Vorteil, dass Mitarbeiter durch einen Online-Zugang einen Überblick über den Verlauf Ihres persönlichen Arbeitszeitkontos haben. Vor allem bei Ampelkonten ist dies zielführend, da auf einen Blick der Status des Arbeitszeitkontos ablesbar ist. Egal ob moderne, vernetzte HR-Software oder Excel-Tabellen eingesetzt werden: Zur Arbeitszeiterfassung müssen Arbeitgeber im ersten Schritt die folgenden individuellen Parameter des Mitarbeiters für das Arbeitszeitkonto eingeben:

    • Regelarbeitszeit pro Woche oder pro Monat.
    • Urlaubsanspruch.
    • Maximale Plus- und Minusstunden.
    • Zeitraum des Stundenausgleichs.

    Auszahlen von Plusstunden

    Ein Arbeitszeitkonto dient der Flexibilisierung der Arbeitszeit. Dies bedeutet, dass in den meisten Fällen die angesammelten Plusstunden durch einen späteren Freizeitausgleich ausgeglichen werden. Erreicht man die vertraglich festgelegte Höchstzahl von Plusstunden und ist ein Ausgleich durch Freizeit aus betriebsbedingten Gründen nicht möglich, ist das Auszahlen von Plusstunden an den Arbeitnehmer ebenso eine Option.

    Die Auszahlung kann aus Vereinfachungsgründen als einmalig gezahltes Arbeitsentgelt behandelt werden, sodass eine Rückrechnung auf die einzelnen Monate vermieden wird. Voraussetzung hierfür ist, dass die Auszahlung der Plusstunden im gleichen Kalenderjahr oder spätestens bis zum März des Folgejahres erfolgt. Die ausgezahlten Beträge unterliegen der Lohnsteuer- und Sozialversicherungspflicht.

    Minusstunden mitarbeiterzentriert verwalten

    Minusstunden entstehen, wenn Mitarbeiter nicht die komplette, vertraglich geschuldete Arbeitszeit im Unternehmen arbeiten. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Konjunkturelle oder saisonale Schwankungen bei der Auftragslage stellen neben persönlichen oder familiären Anlässen die Hauptgründe für Minusstunden bei Mitarbeitern dar. Diese werden durch Mehrarbeit zu einem späteren Zeitpunkt, zum Beispiel bei einem Großauftrag ausgeglichen.

    Aus Unternehmenssicht handelt es sich bei Minusstunden um einen Gehaltsvorschuss. Vertraglich zugesicherte Urlaubstage oder Zeiten von Arbeitsunfähigkeit dürfen ebenso wenig mit Minusstunden verrechnet werden wie gesetzliche Feiertage. Sind beim Ausscheiden eines Mitarbeiters aus dem Unternehmen noch Minusstunden auf dem Arbeitszeitkonto vorhanden, muss geprüft werden, welche Vertragspartei die Minusstunden zu verantworten hat. Konnte ein Mitarbeiter frei über das Arbeitszeitkonto verfügen und flexibel über die Arbeitszeit entscheiden, ist er in der Nachweispflicht bezüglich der fehlenden Arbeitsstunden.

    Haben sich die Minusstunden im Gegensatz aufgrund einer negativen Auftragslage aufgebaut und konnte der Beschäftigte nicht selbstständig über seine Arbeitszeit entscheiden, ist davon auszugehen, dass Arbeitgeber die Minusstunden nicht mit der letzten Lohn- und Gehaltsabrechnung verrechnen können.

    Arbeitszeitkonto und Mini-Job

    Für geringfügig Beschäftigte Mitarbeiter gibt es ebenfalls die Möglichkeit, Arbeitszeitkonten zu führen. Dies ist für Arbeitgeber vor allem vor dem Hintergrund interessant, das Mini-Jobs durch ihre Flexibilität an Attraktivität gewinnen.

    Arbeiten Minijobber mit einem Arbeitszeitkonto, darf deren Verdienst nicht mehr als 450 Euro pro Monat betragen. Ausschließlich in diesem Fall ist das Arbeitsverhältnis für den Arbeitnehmer sozialversicherungsfrei und für den Arbeitgeber steuerbegünstigt. In der Jahressicht darf das Arbeitsentgelt aus diesem Grund einen Wert von 5.400 Euro nicht überschreiten (450 Euro * 12).

    Mindestlohn zwingend erforderlich

    Um ein Arbeitszeitkonto für einen geringfügig Beschäftigten zu realisieren, müssen Arbeitgeber zwingend den Arbeitslohn pro Stunde festlegen. Hierbei muss der Lohn am gesetzlichen Mindestlohn orientieren, der zum 1. Juli 2021 auf 9,60 Euro pro Stunde erhöht wurde. In einigen Branchen gelten abweichende Mindestlöhne. Wurde der Stundenlohn festgelegt, kann die Sollstundenzahl pro Monat errechnet werden.

    Das Mindestlohngesetz (MiLoG) begrenzt in § 2 Arbeitszeitkonten für Mini-Jobber. Der Gesetzgeber legt fest, dass die auf dem Arbeitszeitkonto gespeicherten Arbeitsstunden monatlich nicht mehr als 50 Prozent der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit übersteigen dürfen. Diese Begrenzung gilt, wenn ein Mitarbeiter den Mindestlohn erhält. Bei einem höheren Verdienst darf er mehr Plusstunden aufbauen.

    Beispiel für ein Arbeitszeitkonto für Minijobber

    Ein Betrieb beschäftigt einen Mitarbeiter als Mini-Jobber und legt einen Arbeitslohn knapp über dem Mindestlohn fest. Der Mitarbeiter wird für 10 Euro pro Stunde eingestellt und soll pro Monat flexibel 40 Stunden arbeiten. Der Monatslohn liegt pro Monat bei 400 Euro.

    Der flexible Mitarbeiter kann seine Arbeit nach Absprache gestalten und Plusstunden oder Minusstunden auf dem Arbeitszeitkonto aufbauen. Da sein Stundenlohn über dem Mindestlohn liegt, gilt für ihn die Stundengrenze des Mindestlohngesetzes nicht. Er darf aus diesem Grund mehr als 50 Prozent der vereinbarten Arbeitszeit pro Monat auf dem Arbeitszeitkonto als Plusstunden aufbauen. Bei Bezug des Mindestlohns wäre das Arbeitszeitkonto bei 20 Plusstunden (50 Prozent von 40 Arbeitsstunden pro Monat) gedeckelt. Der Monatslohn des Mitarbeiters bleibt monatlich bei 400 Euro.

    Auswirkungen auf die Sozialversicherung

    Bei der Abführung von Beiträgen zur Sozialversicherung gilt generell das Entstehungsprinzip. Dieses besagt, dass Sozialversicherungsbeiträge grundsätzlich auf Basis des aktuellen Arbeitsentgelts berechnet werden. Bei einem Arbeitszeitkonto für Mini-Jobber wechselt das Prinzip in das Zuflussprinzip. Die gesetzliche Vorgabe ist im § 38 Abs. 2 EstG zu finden. Für die Abrechnung der Sozialversicherungsbeiträge für Minijobs bedeutet dies, dass die Beiträge unabhängig von der Arbeitszeit eines Monats berechnet werden. Grundlage ist das mit dem Minijobber vereinbarte monatliche Entgelt. Eine höhere oder geringere Arbeitsleistung in einem Monat ist aus diesem Grund aus Sicht der Sozialversicherung irrelevant.

    Ein Guthaben im Arbeitszeitkonto des Minijobbers kann flexibel abgebaut werden. Hierfür kann der Minijobber bis zu drei Monate hintereinander freigestellt werden. Die monatliche Zahlung des Arbeitsentgelts und ebenso die pauschalen Beiträge an die Sozialversicherung laufen in dieser Zeit weiter.

    Vor- und Nachteile eines Arbeitszeitkontos

    Arbeitnehmer schätzen an Arbeitszeitkonten vor allem die gewonnene Flexibilität. Sie können entlang eines definierten Arbeitszeitkorridors frei entscheiden, wie lange sie arbeiten und ob sie Plus- oder Minusstunden aufbauen. Diese Flexibilität motiviert und ist der Unterbau für die von vielen geforderte Work-Life-Balance, bei der Familie und Beruf professionell miteinander vereinbart werden können.

    Arbeitskonten bergen nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile – und zwar sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber. | © personalwissen.de

    Aus Arbeitgebersicht ist die Flexibilität in Bezug auf die Einsatzzeiten der Mitarbeiter ebenfalls ein wesentlicher Vorteil. Darüber hinaus vermindern Arbeitszeitkonten Risiken in Bezug auf die im § 615 BGB beschriebene Vergütung bei Annahmeverzug. Rechtlich gesehen dürfte ein Arbeitszeitkonto nicht durch die schlechte Auftragslage des Betriebs ins Minus fallen und später durch Plusstunden bei guter konjunktureller Lage ausgeglichen werden. Die gewünschte Flexibilität ist ausschließlich möglich, wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitern eine verstetigte Vergütung zahlen. Wer monatlich dasselbe Gehalt unabhängig von der geleisteten Arbeitszeit erhält, ist von dieser Vorgabe ausgenommen. Das Arbeitszeitkonto muss erst zu einem im Arbeitsvertrag definierten Zeitpunkt oder bei Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis ausgeglichen sein.

    Arbeitszeitkonten, Aufzeichnungspflichten und Wertguthabenvereinbarung

    Arbeitgeber sind gemäß § 16 Arbeitszeitgesetz zusätzlich verpflichtet, schriftliche Arbeitszeitnachweise zu führen. Standardmäßig geführte Arbeitszeitkonten erfüllen die gesetzlichen Aufzeichnungspflichten, sodass keine weitere Protokollierung erfolgen muss. Aus betrieblicher Sicht wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem Kurzzeitkonto und einem Langzeitkonto, bei dem Plusstunden langfristig für ein Sabbatical gespeichert werden. Langzeitkonten müssen auf Grundlage von § 7b SGB IV gegen eine Insolvenz mit einer sogenannten Wertguthabenvereinbarung geschützt werden, was zusätzliche Kosten verursacht.

    Fazit zum Arbeitszeitkonto

    Arbeitszeitkonten sind für Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine probate und effiziente Möglichkeit, moderne Arbeitszeitmodelle im Unternehmen zu etablieren. Flexible Lösungen in Bezug auf die Arbeitszeit sind wichtig, um bei konjunkturellen Schwankungen adäquat beim Personaleinsatz reagieren zu können. Beim Aufbau und der Führung von Arbeitszeitkonten ist es entscheidend, die gesetzlichen Vorgaben zu beachten. Diese beziehen sich vor allem darauf, das konkrete Vereinbarungen im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag getroffen werden müssen. Ausschließlich in diesem Fall sind Arbeitszeitkonten und flexible Arbeitszeitmodelle gesetzeskonform.

    Die gesammelten Plusstunden können nach innerbetrieblicher Absprache durch Freizeitausgleich abgegolten oder ausbezahlt werden. Bei Minusstunden gilt aus Sicht des Arbeitgebers ein besonderes Augenmerk auf die Gründe der weniger geleisteten Arbeit. Hat der Arbeitgeber die Minusstunden aufgrund einer schlechten Auftragslage zu verantworten, können diese nicht mit noch offenen Gehaltszahlungen verrechnet werden. Minusstunden sind grundsätzlich als Vorschuss auf kommende Gehaltszahlungen anzusehen.

    Arbeitszeitkonten sind in Betrieben aller Größenordnungen alternativlos, da die moderne Arbeitswelt vor allem auf Flexibilität beruht. Arbeitszeitkonten mit arbeitnehmerfreundlichen Regelungen zu flexiblen Arbeitszeitmodellen motivieren Angestellte und sichern abhängig von der Auftragslage die Beschäftigung der Mitarbeiter.

    FAQ: Antworten auf die häufigsten Fragen zum Arbeitszeitkonto

    Was ist ein Arbeitszeitkonto und warum ist es zielführend?

    Eine allgemeingültige Definition von einem Arbeitszeitkonto gibt es nicht. Jedoch kann ein Arbeitszeitkonto mit Auf einem Arbeitszeitkonto können Überstunden oder Minusstunden, die im Rahmen von flexiblen Arbeitszeitmodellen anfallen, flexibel angespart werden. Das Monatsgehalt bleibt bei einem Arbeitszeitkonto monatlich gleich. Die Flexibilität beim Arbeitseinsatz sorgt für Motivation bei Beschäftigten und ist vor allem bei konjunkturellen Schwankungen für Betriebe wichtig, um wirtschaftlich stabil agieren zu können.

    Wieso eignet sich ein Ampelkonto für die professionelle Arbeitszeiterfassung?

    Ein Ampelkonto verfügt zusätzlich zu den üblichen Mehrwerten von Arbeitszeitkonten über eine eingängige Visualisierung. Ähnlich wie bei einer Ampel im Straßenverkehr zeigt es an, welchen Status das Arbeitszeitkonto hat. Während bei einer Grünphase Arbeitnehmer selbstständig in Bezug auf die Arbeitszeit agieren können, muss bei Gelb oder Rot der Vorgesetzte ins Boot geholt werden. Ein Ampelkonto entlastet Führungskräfte und macht es einfacher, den Status des Arbeitszeitkontos nachzuvollziehen.

    Autor: Torsten Niermann