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Arbeitgeberbewertungsportale: Bewertung über kununu und Co.

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Arbeitgeberbewertungsportale, Portale zur b´Bewertung

Arbeitgeberbewertungsportale erfreuen sich zunehmend größerer Beliebtheit – bieten sie doch die Möglichkeit, Mitarbeiter aus dem Nähkästchen plaudern zu hören. Genauso wie in anderen Lebensbereichen – beispielsweise bei der Hotel- und Restaurantsuche – eröffnen Bewertungsportale für Arbeitgeber neue Recherchemöglichkeiten. In diesem Artikel lesen Sie die wichtigsten Facts rund um Arbeitgeberbewertungsportale: Was zeichnet sie aus? Wie können Arbeitgeber von Bewertungen profitieren? Und was tun, wenn Bewertungen zu weit gehen?

    Arbeitgeberbewertung: Entscheidungshilfe aus dem Internet

    Die Zahlen sprechen für sich: Immer mehr Internetnutzer informieren sich via Arbeitgeberbewertungsportale über die Arbeit in einem Unternehmen – mit steigender Tendenz. Laut einer Befragung von Statista haben im Jahr 2015 bereits 29 % der Befragten entsprechende Portale zur Informationsgewinnung genutzt. Im Jahr 2018 waren es sogar 36 % der Befragten, die auf die Frage „Haben Sie sich im Internet schon einmal über Bewertungen von Firmen als Arbeitgeber informiert (z. B. bei kununu.com, meinchef.de etc.)?“ mit „Ja“ geantwortet haben.

    Es ist also nicht zu leugnen, dass die Arbeitgeberbewertung im Internet eine tragende Rolle für Arbeitnehmer spielt. Gerade, wenn ein Jobwechsel ansteht, stehen Bewertungsportale bei Kandidaten hoch im Kurs. Der Grund: In Bewertungsportalen finden sich nicht nur die einseitigen Employer-Branding-Botschaften aus Unternehmensperspektive. Auch (ehemalige) Mitarbeiter kommen zu Wort.

    Bewertungen vs. Employer Branding: Eine Frage der Glaubwürdigkeit

    Das geht mit einem wesentlichen Vorteil für Bewerber oder potenzielle neue Mitarbeiter einher: Sie empfinden Bewertungen aus Arbeitnehmersicht authentischer als einseitige Personalmarketing-Botschaften von Firmen. Die Credibility – also die Glaubwürdigkeit – von Bewertungen wird von Arbeitnehmern als höher eingestuft als die Selbstdarstellung eines Unternehmens.

    Und das nicht ohne Grund: Während Unternehmen Gleitzeit mit halbstündiger Varianz gerne einmal als „flexible Arbeitszeitmodelle“ darstellen, sprechen Arbeitnehmer Klartext. Was früher die Mund-zu-Mund-Propaganda war, verschiebt sich heute zunehmend ins Netz. Infos aus dem Nähkästchen finden Einzug ins Internet und werden so einer größeren Zielgruppe zugänglich. Eigentlich keine schlechte Sache – doch dürfen Arbeitgeberbewertungsportale nicht gänzlich unkritisch gesehen werden.

    Wer schreibt eigentlich Arbeitgeberbewertungen?

    Arbeitgeberbewertungsportale im Netz sind praktischerweise für jeden offen. Folglich haben auch die unterschiedlichsten Personen die Möglichkeit, Firmen online (anonym) zu bewerten:

    • Mitarbeiter: Beschäftigte, die in einem Betrieb arbeiten, haben umfassenden Einblick. Sie können Infos rund um die Vergütung, das Betriebsklima, das Verhältnis von Vorgesetzten und Team etc. teilen.
    • Bewerber: Kandidaten, die am Bewerbungsprozess teilgenommen haben, können vor allem die sogenannte Candidate Experience bewerten. Wie wurde mit den Bewerbern umgegangen und war der Prozess transparent?
    • Unternehmen: Selbstverständlich sind auch Arbeitgeberbewertungsportale nicht vor Fake-Rezensionen gefeit – diese werden zuweilen auch von Betrieben selbst verfasst.
    • Wettbewerber: Das funktioniert auch in die andere Richtung. Wer die Konkurrenz schlecht dastehen lassen möchte, formuliert negative Bewertungen.
    Kurzum: Nicht jede Bewertung muss zwangsläufig der Wahrheit entsprechen. Ein weiteres Phänomen, das wahrscheinlich jedem bekannt ist: Oftmals werden nur besonders positive oder besonders negative Erlebnisse mental abgespeichert und später immer wieder geschildert.

     

    Die Folge ist auch in Bewertungsportalen jeglicher Art zu erkennen. Zu finden sind oftmals äußerst divergierende Bewertungen mit großen Ausschlägen in die positive und negative Richtung. Wer Bewertungsportale für Arbeitgeber dann zurate zieht, steht nicht selten vor einem Rätsel – was stimmt denn nun eigentlich? Nicht zu vergessen ist auch, dass Erfahrungen mit einem Unternehmen auch immer von der individuellen Situation geprägt sind.

    Unternehmen bewerten: Welche Arbeitgeberbewertungsportale gibt es?

    „Get and share workplace insights that matter“ ist das Motto von kununu, einer der bekanntesten Arbeitgeberbewertungsplattformen. Doch neben dem im Jahr 2007 gegründeten Portal gibt es auch weitere, eher unbekanntere Möglichkeiten, über die Bewerber und Mitarbeiter Ihr Unternehmen bewerten können. Die wichtigsten Bewertungsportale für Arbeitgeber auf einen Blick:

    • kununu: Arbeitgeber können Ihr Unternehmen anhand eines 5-Punkte-Systems bewerten. Während 1 Stern besonders negativ ist, gelten 5 Sterne als Note 1*. Zur Bewertung stehen insgesamt 13 Kriterien, die unter den beiden Hauptkategorien „Wohlfühlfaktor“ (z. B. Work-Life-Balance) und „Karrierefaktor“ (z. B. Vergütung) zusammengefasst werden.
    • Jobvoting: Anders als bei kununu stehen bei Jobvoting nur sieben Kriterien zur Wahl bzw. zur Bewertung. Auf Basis der Arbeitgeberbewertungen kürt das Portal übrigens den „Arbeitgeber des Jahres“.
    • glassdoor: Das Arbeitgeberbewertungssystem wird parallel zur Stellenbörse angeboten. Mitarbeiter können das Unternehmen per se oder das Vorstellungsgespräch bewerten. Interessant: Die Webseite errechnet automatisch eine Weiterempfehlungsquote, die auf einem Zeitstrahl verfolgt werden kann. Dort lassen sich dann Trends und Tendenzen erkennen.
    • MeinChef: Hervorzuheben ist bei MeinChef vor allem die feingliedrige Unterteilung der Kategorien. So sind die Bewertungen des Chefs noch in einzelne Bereiche unterteilt, z. B. „lobt und kritisiert konstruktiv und zeitnah“ sowie „beteiligt Mitarbeiter an Entscheidungsprozessen“.
    • Companize: Über das Portal können Arbeitnehmer nicht nur vakante Stellen ausfindig machen, sondern auch einen Gehaltsvergleich anstellen und Arbeitgeberbewertungen abgeben und ansehen. Auf einer Skala von -5 (mangelhaft) bis +5 (sehr gut) können acht Kriterien bewertet werden. Beispielsweise Arbeitsstelle und Tätigkeit sowie Arbeitszeit und Urlaub.

    Bewertungen der Mitarbeiter lesen: Learnings für Unternehmen

    Wer mit seinem Unternehmen auf einem der zahlreichen Arbeitgeberbewertungsportale vertreten ist, sollte diese in jedem Fall beständig im Blick behalten. Ähnlich wie bei Social Media hat das Ganze das Potenzial, aus den Fugen zu geraten. Abrechnungen unzufriedener Mitarbeiter über Bewertungsportale sind keine Seltenheit.

    Tipp: Reagieren Sie sowohl auf gute als auch auf schlechte Bewertungen, falls das jeweilige Portal es zulässt. Negative Rezensionen unkommentiert stehen zu lassen, hinterlässt keinen guten Eindruck.

     

    Doch auch Arbeitgeberbewertungen, die sich im Mittelmaß bewegen, lohnen einen genaueren Blick. Anonyme Bewertungen sind – soweit sie ehrlich und authentisch sind – ein guter Indikator für die Stimmung und die Mitarbeiterzufriedenheit in Ihrem Unternehmen. Schauen Sie sich auch die einzelnen Kategorien an. Gibt es Möglichkeiten, um Individualfeedback abzugeben, sollten Sie auch das eingehend studieren. So lassen sich wichtige Rückschlüsse auf das Betriebsklima in einzelnen Abteilungen sowie auf bestimmte Vorgesetzte oder Teams ziehen. Natürlich ist auch positives Feedback eine gute Rückmeldung – Sie wissen, was Ihre Beschäftigten an Ihrem Unternehmen als Arbeitgeber schätzen.

    Employer Branding: Wie mit Arbeitgeberbewertungen umgehen?

    Wie bereits angedeutet, gibt es auch Bewertungen, die keinesfalls einem konstruktiven Feedback entsprechen, sondern sich bereits im diffamierenden Bereich bewegen. Viele der Jobportale haben bereits manuelle Prüfungen eingerichtet – Beleidigungen und unangemessene Äußerungen werden gar nicht erst veröffentlicht. Eine freie Meinungsäußerung ist grundsätzlich erlaubt, vorgehen können Sie beispielsweise mit einem Löschantrag gegen:

    • Beleidigungen
    • Rufmord und Verunglimpfung
    • Veröffentlichung von Betriebsgeheimnissen

    Erhalten Sie eine besonders gravierende oder negative Bewertung, sollten Sie dem Ganzen auf den Grund gehen. Prüfen Sie zunächst, ob die Vorwürfe bzw. Bewertungen der Wahrheit entsprechen. Wenn es zu Recht Grund zur Beschwerde gibt, sollten Sie so schnell wie möglich, intern agieren.

    Lassen Sie die negative Rezension nicht unkommentiert. Gehen sie auf sachliche Kritik ein und antworten Sie mit einer ebenso sachlichen Stellungnahme. Sie zeigen so, dass Sie das Feedback von Bewerbern und Mitarbeitern ernst nehmen und Kritik würdigen.

    Autorin: Johanna Wirsing

    Siegel

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