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Neuer Trend: Reverse Mentoring am Arbeitsplatz – Alt lernt von Jung

© K.- P. Adler/Fotolia
Reverse Mentoring

In der Vergangenheit lernte Jung von Alt. Heute bildet Reverse Mentoring, eine Abwandlung des klassischen Mentoring, eine weit verbreitete und wichtige Strategie für Unternehmen. In diesem Artikel erfahren Sie, warum dieses Konzept in immer mehr marktführenden Konzernen umgesetzt wird. Auch mittelständische Unternehmen und Familienunternehmen greifen die Möglichkeiten im Reverse Mentoring auf. Welche Vorteile entstehen für das Unternehmen und welche Risiken gilt es zu beachten?

Vorab lässt sich sagen: Reverse Mentoring ist keine verdrehte Welt, auch wenn das Konzept auf den ersten Blick durch seine unkonventionelle Strategie auffällt. Gerade im digitalen Sektor lässt sich nur schwer bestreiten, dass die Fachexpertise meist bei jüngeren Mitarbeitern liegt.

    Reverse Mentoring – die Umkehrung der Tradition

    Alt lernt von Jung. Kernkompetenz ist keine Kerngröße, die primär mit „Altersweisheit“ im Zusammenhang steht. Reverse Mentoring hat eine klare Zielorientierung und baut auf dem Erfahrungswert auf, dass fachliche Kompetenz keine Begleiterscheinung des Alters ist. Am Beispiel der digitalen Medien lässt sich die Wichtigkeit einer Neuorientierung am besten erkennen. Hier sind jüngere Mitarbeiter kernkompetent und damit in einem Status, ältere Kollegen zielführend zu schulen. In der Firmenpraxis hat sich diese Methode längst etabliert. Sowohl Mentoren wie Mentees profitieren überwiegend von einer positiven Lernerfahrung, auch wenn dem Projekt zu Beginn meist skeptisch gegenübergetreten wird.

    Bedarfsanalyse als Grundlage der Planung

    Das beste Mentoring ergibt nur dann Sinn, wenn es auf dem tatsächlichen Wissensstand und dem übergeordneten Blick auf das erforderliche Wissen aufbaut. Gezielte Weiterbildungen nach dem Reverse-Konzept werden entwickelt, indem eine ausführliche Bedarfsanalyse erstellt wird. Für die Bedarfsermittlung bieten sich unterschiedliche Methoden an. Es ist nicht davon auszugehen, dass ein älterer Kollege selbstständig über Defizite, beispielsweise durch die voranschreitende Digitalisierung, spricht. Durch gezielte Umfragen und Einzeltests mit neutraler Auswertung zeigt sich, wie hoch der Mentoring-Bedarf ist und in welchen Bereichen der jeweilige Mitarbeiter geschult werden sollte.

    Wichtiger Hinweis! Die Tests sollten nicht vor der Chefetage enden. Selbst versierte, langjährige Manager müssen nicht primär über die Digitalkompetenz eines jungen Mitarbeiters verfügen

     

    Innovationskultur in Unternehmen verändert sich

    In der Führungskräfteentwicklung wird Reverse Mentoring schon länger eingesetzt. Konzerne wie die Lufthansa, die Telekom oder IBM haben mit dieser Methode bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Unternehmens- und Innovationskultur in Unternehmen hat sich verändert. Während man früher explizit von der Führungskompetenz des Alters als Signum für die Berufserfahrung sprach, lässt sich diese Theorie heute nicht aufrechterhalten. Es ist ein Fakt, dass digitale Technologien und Strukturen von allen jungen „digital Natives„, aber nur von den wenigsten älteren Kollegen wirklich durchdrungen werden. Im Reverse Mentoring gelten daher Statusunterschiede. Der Manager kann vom Azubi, die Projektführungskraft vom Quereinsteiger lernen.

    Mentoring ist keine Generationsfrage – der Experte vermittelt Wissen

    Reverse Mentoring stellt nicht nur den Status im Unternehmen außer Gewichtung. Es ist ebenfalls unwichtig, wie groß der Altersunterschied zwischen dem Mentor und dem Mentee ist. Nicht außergewöhnlich sind Konstellationen, in denen der Mentor gerade das 20. Lebensjahr vollendet, der Mentee aber schon 40 Jahre Managementerfahrung hat. In der Praxis beweist sich, wie viele Vorteile sich durch generationen- und positionsübergreifendes Coaching ergeben und welchen Nutzen Reverse Mentoring für das Unternehmen hat. Der heutige Wettbewerb erfordert neue Konzepte, von denen die Umkehrung der Wissensvermittlung in einzelnen Bereichen eine erfolgsoptimierte Strategie ist.

    Tipp: Niemand braucht sich schämen, wenn er der voranschreitenden Digitalisierung und Technologieinnovation nicht mit den erforderlichen Schritten folgen kann. Dementsprechend sollte bei allen Mitarbeitern ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Maßnahme geschaffen werden. Nur so kann Reverse Mentoring effizient genutzt werden.

     

    Professionelle Implementierung des Konzepts

    Nach Beendigung der Bedarfsanalyse und Konzeptionierung steht die Implementierung des Konzepts im Business an. Bewährt hat sich die Lernstruktur in kleinen, bestenfalls als Paar zusammengestellten Teams. Durch ein Mentoring „unter vier Augen“ entsteht eine gute Lernpartnerschaft, die auf Vertrauen aufbaut. Sind die Teams zu groß oder wird das Konzept öffentlich im Unternehmen angewandt, kann es zu – für alle Beteiligten – unangenehmen Situationen kommen. Gerade ältere, langjährig tätige oder in gehobenen Positionen beschäftigte Mitarbeiter sind vom Reverse Mentoring nur überzeugt, wenn es ohne eine „Bloßstellung“ der „Wissenslücken“ erfolgt.

    Wichtiger Hinweis! Mentor und Mentee sollten trotz Kernfokus auf das Coaching-Ziel auch nach Sympathie in Teams eingeteilt werden.

     

    Vorteile von Reverse Mentoring

    Die Zielsetzung, ältere Mitarbeiter durch Weiterbildung im digitalen Bereich zu firmieren bringt verschiedene Vorteile mit, von denen ein Unternehmen und auch die Mitarbeiter selbst profitieren. Ganz nebenbei ergeben sich durch Reverse Mentoring freundschaftliche Kollegenverhältnisse, mehr generationsübergreifendes Verständnis und eine deutliche Verbesserung des Teamworks. Die Umkehrung der Positionen ist wie ein Rollenspiel, das den Mentee und den Mentor in die jeweils angestammte Position des Gegenübers versetzt. Wer in einem Reverse Mentoring Konzept involviert war, berichtet im Anschluss von völlig neuen Lernerfahrungen. Für die Unternehmenskultur ergeben sich ebenfalls Vorteile. Der unternehmensinterne, offene Umgang mit Kompetenzstandards und Erfahrungshintergründen, wirkt sich langfristig teamfördernd und erfolgsoptimierend auf die Firmenperformance aus. Jeder profitiert: der Mentor von einer Stärkung des Selbstbewusstseins und der Mentee durch eine kompetente Vermittlung von Fachwissen.

    Welche Risiken gibt es?

    Eigentlich gibt es wenig Risiken, wenn man die Hemmschwelle zur Konzepteinführung und Kompetenzermittlung erst einmal überwunden hat. In seltenen Fällen kommt es vor, dass das Reverse Mentoring nicht den gewünschten Lernerfolg erzielt. Definiert man die Erwartungen jedoch vorab, lässt sich das Risiko der Enttäuschung auf beiden Seiten minimieren. Die Harmonie im Lern-Tandem legt einen wichtigen Grundstein, da bei gegenseitiger Sympathie und Verständnis viel eher über Barrieren gesprungen wird.

    Es empfiehlt sich, in der Halbzeit des Mentorings eine Feedback-Runde anzustreben. Hier stehen die Erfahrungen des Mentors und Mentees, sowie das Erfolgserlebnis beim Lernen im Fokus. Bei Zufriedenheit beider Seiten wird das Reverse Mentoring in gleicher Konstellation fortgesetzt.

    Achtung! Ein nicht zu unterschätzendes Risiko ist Halbwissen in puncto Datenschutz. Daher sollte dieser Aspekt im Reverse Mentoring als erster Punkt auf dem Lehrplan stehen. Somit wird das Arbeiten mit vertrauensvollen Daten sichergestellt und die offengelegten Kompetenzen der Lernpartner werden geschützt.

     

    Fazit: Reverse Mentoring ist eine Chance für jedes Unternehmen. Viele große Konzerne leben diese neue Unternehmenskultur vor. Wenn Alt von Jung lernt, ergeben sich neue Chancen für beide Seiten – und letztendlich auch für das Unternehmen. Anders als bei externen Weiterbildungen und Seminaren in größeren Gruppen, kann die Konstellation anhand der Kompetenz und dem Wissensbedarf erfolgen. Sämtliche Informationen bleiben im Unternehmen. Dadurch ist die Hemmschwelle beispielsweise im Management geringer, digitale Defizite einzugestehen und einen jüngeren Mentor zu akzeptieren. Reverse Mentoring ist eine neue und innovative Methode, Erfahrungen und Expertise weiterzugeben und dabei vom Konzept „Jung lernt, Alt vermittelt“ abzuweichen. Besonders in den Bereichen innovative Technologien und IT hat sich der Generationswechsel im Mentoring besonders bewährt.

    Autor: Redaktion Personalwissen

    Siegel

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