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Bossing – so erkennen Sie Mobbing durch den Chef

© Gernot Krautberger/Fotolia
Bossing

Bossing ist eine Wortkreation aus Mobbing und Boss, die man im Fall von Mobbing vom Chef verwendet. Schlimm genug, wenn der Horror von gleichrangigen Kollegen ausgeht, ist der Vorgesetzte beteiligt oder gar federführend, wird die Situation besonders tragisch.

    Welche Situationen gibt es?

    Führungskräfte sehen sich in unterschiedlichen Szenarien mit Bossing am Arbeitsplatz konfrontiert

    1. Führungskräfte erfahren Mobbing durch ihre Vorgesetzten
    2. Vorgesetzte, sogar die oberste Chefetage, weisen Mobbing eines Mitarbeiters an, bei der sich alle Führungskräfte beteiligen sollen
    3. Leitende Mitarbeiter im Verantwortungsbereich der Führungskraft mobben oder sind Mobbingopfer
    4. Führungskräfte werden zu Mobbern.
    Hinweis: Mobbing ist ein hässliches, relativ weit verbreitetes Phänomen in zwischenmenschlichen Beziehungen. In der Berufswelt kommt es in allen Hierarchiestufen vor und kann im Prinzip jeden treffen.

    Häufige Gründe für Bossing

    Zu den häufigen Motiven der Mobber zählen:

    • Neid und Missgunst,
    • Eifersucht,
    • Antipathie,
    • Unsicherheit,
    • Angst,
    • Konkurrenten ausschalten,
    • von eigenen Fehlern ablenken.

    Bei Mobbern aus der Chefetage kommt ein weiterer Grund infrage: Personalabbau – ein oder mehrere Mitarbeiter sollen den Betrieb verlassen, eine reguläre Kündigung ist jedoch nicht möglich.

    Also muss die Person vergrault werden, notfalls mit unlauteren Mitteln. Dann beginnt das sogenannte Bossing.

    Achtung: Oft fängt es schleichend an, mit kleinen, seltsamen Vorkommnissen. Anfangs glaubt oder hofft das auserkorene Opfer auf ein Missverständnis. Doch aus heimlichen Intrigen wird offene Schikane, Gerüchte verbreiten sich, Beleidigungen und böswillige Unterstellungen sind an der Tagesordnung.

    Bossing-Opfer kann jeder werden

    Es gibt weder für Mobbing noch für Bossing eine Definition, die einheitlich gebraucht wird und allgemein anerkannt ist.

    In einer Studie definierte die Bundesanstalt:

    „Unter Mobbing ist zu verstehen, dass jemand am Arbeitsplatz häufig über einen längeren Zeitraum schikaniert drangsaliert oder benachteiligt und ausgegrenzt wird“. Von gelegentlichen Konflikten hebt sich Bossing durch Merkmale wie systematisch, wiederholt und hierarchisch ab.

    Unter anderem lässt sich Bossing daran erkennen:

    • Betroffene werden ausgegrenzt, zum Beispiel nicht mehr zu Besprechungen eingeladen.
    • Wichtige Informationen werden vorenthalten.
    • Chef macht den Mitarbeiter vor versammelter Mannschaft nieder, wird sogar beleidigend.
    • Der Vorgesetzte lässt sich nicht mehr auf ein echtes Gespräch ein, macht abwertende Bemerkungen über sein Opfer, würgt Widerspruch autoritär ab.
    • Gemobbten werden Fehler angelastet, die sie nicht zu verantworten haben; und müssen Aufgaben erledigen, die sinnlos sind oder weit unter ihrer Qualifikation liegen.
    • Projekte werden grundlos entzogen.
    Achtung: Sofern der Chef kein vergesslicher Choleriker und notorischer Nörgler ist, und alle Mitarbeiter so behandelt (was auch nicht in Ordnung wäre), müssen Sie von Mobbing ausgehen.

     

    Tipp: Bei Beratungsstellen und in der Fachliteratur finden sich zahlreiche Ratschläge zum Verhalten bei Bossing: Zum Beispiel ein Bossing-Tagebuch führen, an den Betriebsrat oder übergeordnete Vorgesetzte wenden und das Gespräch mit dem mobbenden Chef.

    Bossing–Tipps, was Opfer tun können

    Gespräch mit dem Boss

    1. Bei den ersten Anzeichen kann ein deutliches Gespräch mit dem mobbenden Vorgesetzten helfen. Treten Sie dabei nicht als leidendes Opfer auf, bewahren Sie Ruhe, klagen Sie nicht an und werfen Sich nichts vor. Fordern Sie selbstbewusst eine Klärung der Situation. Chef oder nicht – setzen Sie dem Mobber Grenzen.
    2. Vielleicht hat ja ein konkurrierender Kollege gegen Sie intrigiert, dass ließe sich jetzt einrenken. Glaubt der Boss, Sie wären auf seinen Posten scharf? Auch das können Sie klären.
    3. Die obersten Chefs wollen Sie tatsächlich loswerden und haben keinen Kündigungsgrund? Soll auf diese Art systematisch Personal abgebaut werden? Dann könnten Sie ein faires Angebot verlangen und gehen. Oder Sie kämpfen gegen die Machthaber und das Bossing bis Sie krank werden und gehen. Genauso enden viele Mobbingfälle.

    Hilfe vom Chef des Chefs

    Grundsätzlich muss der Vorgesetzte Ihres Chefs gegen das Mobbing einschreiten. Was aber, wenn die Bossing Methoden von ganz oben angeordnet wurden? Dann verschlimmert sich der Zustand eventuell noch, besser wird es sicher nicht. Bei einem Betriebsklima, das Mobbing und Bossing macht, ist Hilfe aus dem Management eher unwahrscheinlich. Jeder könnte der nächste Gemobbte sein.

    Sie kennen ja das Sprichwort:

    „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“.

    „Recht haben, bedeutet nicht Recht bekommen“ passt auch.

    Keine Frage, natürlich gibt es auch Führungskräfte, die Mobbing in ihrem Verantwortungsbereich unterbinden.

    Beistand vom Betriebsrat          

    Ein Betriebsrat kann Ihnen beistehen, sich für Ihre Rechte einsetzen, den Arbeitgeber an seine Führsorgepflicht erinnern. Allerdings sind dessen Möglichkeiten begrenzt.

    Egal, was Sie unternehmen, Sie brauchen starke Nerven und sollten das Bossing durch Beispiele belegen können. Idealerweise führen Sie ein Bossing-Tagebuch, indem Sie alle Vorfälle dokumentieren.

    • Ort, Datum, Zeit
    • Anwesende Zeugen,
    • Screenshots, Kopien, Fotos,
    • Wortlaut von Beleidigungen, Verdächtigungen, Gerüchten usw.

    Diese Belege können nicht nur innerbetrieblich gegen den Mobber verwendet werden. Sie können auch nützlich sein, falls die Angelegenheit vor dem Arbeitsgericht landet. Lassen Sie sich dazu aber ausführlich rechtlich beraten.

    Übrigens: Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung sind jeweils ein Straftatbestand.

    Erkennen Sie Bossing und Mobbing in Ihrem Verantwortungsbereich?

    Beispiel: Bis vor kurzem war dieser junge Meyer noch ein vielversprechender Nachwuchsmanager. Jetzt wirkt er unsicher und bedrückt, steht meist abseits und ist außerdem oft krank. Insgesamt ist die Stimmung in der Abteilung schlecht. Ist es nur eine Phase oder schon Mobbing oder gar Bossing, ein Test bringt Klarheit darüber.

    Der Diplompsychologe Leymann hat 45 typische Mobbinghandlungen erkannt und in 5 Kategorien unterteilt.

    Angriffe auf:

    1. die Möglichkeit sich mitzuteilen
    2. soziale Beziehungen
    3. das soziale Ansehen
    4. die Berufs- und Lebenssituation
    5. die Gesundheit

    Selbst wenn nur einige Punkte zutreffen, besteht Handlungsbedarf.

    Achtung: Unterbinden Sie mit allen zur Verfügung stehenden Mittel weitere Bossinghandlungen und nehmen Sie den Druck von dem Gemobbten. Wo nötig, verhängen Sie Disziplinarmaßnahmen und informieren die Chefetage. Darüber hinaus sind Ihre Fähigkeiten als Gesprächspartner, Moderator und Schlichter gefragt. Falls die Situation zu verfahren ist, kommen auch Versetzungen infrage.

     

    Die wahrscheinlich beste Methode gegen Mobbing und Bossing am Arbeitsplatz sind ein guter Führungsstil und ein gesundes Betriebsklima.

    Dazu tragen viele Komponenten bei. Beispielsweise:

    • Transparenz und offensive Informationspolitik
    • klare Strukturen
    • Einbeziehung der Mitarbeiter in Planung- und Entscheidungsprozesse
    • Schulungen zur Mitarbeiterführung und Kommunikation
    • Immer ein offenes Ohr für Sorgen und Probleme der Mitarbeiter haben

    Bossing wiederspricht der Führsorgepflicht gegenüber Untergebenen. Darüber hinaus schadet es dem Image des Unternehmens, vor allem wenn es kein Einzelfall ist. Möglich sind auch finanzielle Schäden.

    Außerdem: Man trifft sich immer zweimal im Leben. Vielleicht macht der hinausgemobbte Kollege bei einem Wettbewerber Karriere oder wird Entscheider bei einem wichtigen Kunden.

    Siegel

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