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Beurteilungsgespräch: Auszubildende angemessen beurteilen

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Die Ausbildung in einem Betrieb bringt nicht nur für den Azubi immer wieder neue Situationen mit sich, aus denen er im besten Fall lernen kann. Auch für den Ausbilder selbst ist der Erkenntnisgewinn über den Azubi ein nicht zu vernachlässigender Punkt für den positiven Verlauf der gesamten Ausbildung. Doch wie schätzt man den Auszubildenden richtig ein? Aufschluss über den Ausbildungsstand und den persönlichen Fortschritt des Azubis gibt ein sogenanntes Beurteilungsgespräch.

In diesem Artikel lesen Sie das Wichtigste rund um die Beurteilung der Auszubildenden, wie Beurteilungsgespräche am besten geführt werden und was Sie dabei beachten sollten.

Das Beurteilungsgespräch: Was ist das eigentlich?

Die Ausbildung ist sowohl für den Azubi als auch für dessen Ausbildungsbetrieb eine äußerst wichtige und spannende Zeit. Nicht nur dem Auszubildenden stellt sich noch während der Berufsausbildung oft die Frage, ob er alle an ihn gestellten Anforderungen erfüllt und den Ausbildungsberuf bestmöglich ausführt.

Auch der Ausbilder sollte die Eignung des Azubis fortlaufend im Blick behalten und ebenfalls seine Leistung überprüfen. Um dahin gehend eine Orientierung für beide Seiten zu schaffen, eignet sich das Beurteilungsgespräch, sofern es richtig durchgeführt und ernst genommen wird.

Durch das professionelle Feedback des Ausbildungsbetriebes wird dem Azubi die Möglichkeit gegeben, mit seinen Stärken und Schwächen zu arbeiten und Fehler als Lernquelle anzusehen. Besonders für Azubis, deren Performance sich noch entwickeln muss, ist die Beurteilung durch den Betrieb eine enorme Hilfe. Grundsätzlich werden also drei Ziele mit dem Beurteilungsgespräch verfolgt:

  1. Rückmeldung über Ausbildungsstand und Verhalten
  2. Motivation
  3. Absprache eventueller Fördermaßnahmen

Damit die Beurteilung eines Auszubildenden auch den gewünschten Erfolg erzielt, ist es entscheidend, dass der Azubi nicht nur als passiver Zuhörer agiert, sondern aktiv in den Dialog mit einbezogen wird. Nur so lohnt sich das Gespräch über die Ausbildung und den Leistungsstand für beide Seiten.

Beurteilungsgespräch: Was wird überhaupt beurteilt?

Doch was genau soll denn nun eigentlich im Rahmen des Gesprächs bzw. der Beurteilung angesprochen werden? Diese Frage ist relativ leicht zu beantworten, denn letztlich geht es um die fachlichen und persönlichen Leistungen und Fähigkeiten des Auszubildenden. Die Beurteilung umfasst dabei zwei große Blöcke, nämlich:

  1. Leistungsbeurteilung (Lernfähigkeit und Auffassungsgabe, Motivation und Ausdauer, Arbeitsqualität und Lerntempo)
  2. Verhaltensbeurteilung (Zuverlässigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit und Zusammenarbeit)

Es geht bei der Beurteilung des Auszubildenden also nicht alleine um die fachlichen Kompetenzen, sondern vor allem um die Bewertung der Art des Arbeitens und der persönlichen Entwicklung im Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitern oder Mitauszubildenden. Auch Leistungen, die in der Berufsschule erbracht werden, sollten in die Beurteilung mit einfließen.

Wichtig ist, dass Sie auch die Qualität der Ausbildung in den Fokus nehmen: Wird das, was beurteilt wird, auch in der Ausbildung und im Betrieb vermittelt? Bei der Kritikfähigkeit sollte der Ausbilder als gutes Beispiel vorangehen.

Ablauf des Beurteilungsgespräches: So wird es professionell

Wichtig bei jedem Gespräch zwischen Auszubildendem und Ausbilder ist ein respektvoller Umgang. Was helfen kann, ist die Erinnerung an die eigene Ausbildung, denn auch der strengste Ausbilder hat eine solche in der Regel selbst durchlaufen. Schaffen Sie also eine freundliche und ungezwungene Atmosphäre, die aber trotzdem formalen Charakter haben sollte.

Stellen Sie zunächst klar, was der Anlass des Gespräches ist. Binden Sie den Azubi in das Gespräch ein, anstatt ihn mit Ausführungen zu überhäufen. Lassen Sie zunächst den Auszubildenden zu Wort kommen und hören Sie seiner Wahrnehmung aktiv und genau zu.

Dafür ist es hilfreich, den Azubi rechtzeitig vor dem Gespräch über dessen Termin zu informieren und ihn zu bitten, sich vorzubereiten. Hilfreich ist es auch, die Körpersprache des Gegenübers zu beobachten. Wirkt er unsicher oder verkrampft? Lockern Sie die Situation auf. Schließlich geht es um das Wohlbefinden des Auszubildenden im Betrieb.

Erst nach dem Auszubildenden sollten Sie selbst Ihre eigenen Wahrnehmungen als Ausbilder schildern. So vermeiden Sie, dass der Azubi Ihre Sichtweise aus falschem Respekt oder Unterwürfigkeit übernimmt und das Gespräch ins Nichts führt. Legen Sie Ihre Wahrnehmung offen und deutlich dar und loben Sie den Azubi, wenn er seine Arbeit gut macht. Positives Feedback motiviert! Auch Kritik sollte geäußert werden, doch sollten hierbei Formulierungen gewählt werden, die eher motivieren als einschüchtern.

Zum Schluss sollten die wichtigsten Erkenntnisse von Ihrer Seite nochmals kurz zusammengefasst werden. Vereinbaren Sie gemeinsam Aufgaben, Ziele und Lösungsvorschläge für etwaige Probleme. Im Beurteilungsbogen sollten die Ergebnisse schließlich schriftlich festgehalten werden.

Azubi Beurteilung: Beispiele für die häufigsten Fehler im Beurteilungsgespräch

Natürlich können im Rahmen des Beurteilungsgespräches auch Fehler passieren. Damit die Konversation zu einem möglichst positiven Ergebnis kommt, sollten Sie als Ausbilder auf einige Dinge achten. Oftmals sind es noch nicht einmal die Inhalte des Gespräches, sondern die äußeren Rahmenbedingungen, die die Kommunikation erschweren und stören.

Was Sie tun sollten:

  • Schaffen Sie ein ausreichend großes Zeitfenster für das Gespräch.
  • Suchen Sie einen passenden Raum, in dem eine ungestörte Konversation möglich ist.
  • Sorgen Sie für angemessene Einrichtung und vermeiden Sie unangenehme Sitzpositionen.
  • Verhindern Sie Unterbrechungen im Gesprächsablauf durch Dritte.
  • Bereiten Sie sich auf das Gespräch vor, suchen Sie Unterlagen und Zahlen rechtzeitig zusammen.

Was Sie vermeiden sollten:

  • Lassen Sie den Azubi nicht warten.
  • Blättern Sie nicht unnötig in Unterlagen oder schauen gestresst auf die Uhr. Nehmen Sie sich Zeit.
  • Halten Sie Blickkontakt! Vermeiden Sie ablehnende Körperhaltung oder Gesichtsausdrücke.
  • Vermeiden Sie Interpretationen. Nehmen Sie möglichst objektiv wahr, was der Azubi sagt.
  • Spielen Sie Ihre Machtposition nicht aus.
  • Vermeiden Sie Monologe! Binden Sie den Azubi aktiv in das Gespräch ein und lassen Sie ihn ausreden.
  • Vermeiden Sie unklare Formulierungen, Verallgemeinerungen, vage Behauptungen oder Floskeln. Seien Sie konkret und deutlich.

Die Nachbereitung: Was tun, wenn die Beurteilung nicht wie erwartet ausfällt?

Das Beurteilungsgespräch soll in erster Linie eines: beurteilen. Natürlich liegt die Gefahr darin, dass die Beurteilung des Auszubildenden nicht so positiv ausfällt, wie man es als Ausbilder vielleicht erwarten würde. Wichtig ist, dass man daraus keine voreiligen oder gar falschen Schlüsse zieht.

Der Azubi ist in der Regel in Ihrem Betrieb, um zu lernen. Geben Sie ihm die Chance, seine fachlichen und persönlichen Fähigkeiten auszubauen und unterstützen Sie ihn dabei. Als sinnvoll erweist es sich auch, das Gespräch zur Beurteilung nicht das einzige Feedback-Gespräch bleiben zu lassen. Der regelmäßige Austausch, zum Beispiel im Rahmen eines wöchentlichen Treffens, kann den roten Faden vorgeben – sodass es gar nicht erst zu einer nicht zufriedenstellenden Leistungsbeurteilung kommt.

Autor: Redaktion Personalwissen

Siegel

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