Ausbildungskrisen erfolgreich meistern: So geht’s

Ausbildungskrisen erfolgreich meistern: So geht’s

Mit dem Ende der Schulzeit beginnt für die meisten Jugendlichen ein neuer, unbekannter Lebensabschnitt.

Viele entscheiden sich für eine Ausbildung in einem Betrieb und freuen sich auf neue Aufgaben und Menschen. Dennoch besteht die Gefahr, dass der Start ins Berufsleben nicht so verläuft, wie gewünscht: Wenn sich der Auszubildende plötzlich zurückzieht, kann das ein erstes Anzeichen für eine sich nähernde Ausbildungskrise sein. Gründe gibt es dafür zahlreiche – ob Probleme mit Vorgesetzten oder Mitarbeitern, falsche Vorstellungen vom gewählten Beruf oder ganz persönliche Ängste und Sorgen. Ausbildungskrisen entwickeln sich meist Stück für Stück. Wie Sie das als Ausbilder frühzeitig erkennen und Ihrem Azubi helfen können, die Krise zu bewältigen, lesen Sie in diesem Bericht.

    Wie kann man einen holprigen Berufsstart entkrisen?

    Im Berufsleben kommen Krisen häufiger vor, als viele denken. Doch nicht erst nach vielen Jahren Berufserfahrung, sondern bereits zu Beginn einer Ausbildung oder Lehre können starke Belastungen oder falsche Vorstellungen zu Problemen und Ängsten beim Auszubildenden führen. Starke Veränderungen durch den Übergang von Schule zu Berufsleben stellen für junge Leute oftmals eine Herausforderung dar.

    In dieser Zeit ist für die Auszubildenden vieles im Umbruch: Der bisherige Freundeskreis kann sich verändern, die Loslösung von den Eltern kann mehr oder weniger belastend für Kinder und Eltern sein, die erste eigene Wohnung und das Führen des eigenen Haushalts haben Potenzial, zu überfordern. Wenn dann noch Probleme im Betrieb auftreten, der Auszubildende mit der Arbeit unzufrieden ist oder Schwierigkeiten mit Chef oder Kollegen hinzukommen, kann das schnell gravierende Folgen haben.

    Damit die Schwierigkeiten des Auszubildenden nicht überhand nehmen und fatale Konsequenzen für Azubi und Betrieb nach sich ziehen, ist es wichtig, die ersten Anzeichen der Veränderung frühzeitig zu erkennen. Hier ist vor allem der Ausbildungsbetrieb gefragt. Er kann Probleme und Zweifel des Azubis gezielt erkennen und als Stütze fungieren. Und das wirkt sich letztlich nicht nur positiv auf den Werdegang des Auszubildenden aus, sondern auch auf den eigenen Betrieb.

    Was sind die häufigsten Anzeichen von Ausbildungskrisen?

    Wie bereits erwähnt, entstehen Ausbildungskrisen in der Regel nicht von heute auf morgen, sondern ist ein länger dauernder Prozess, bei dem sich beim Auszubildenden durchaus Veränderungen bemerkbar machen können.

    Wichtig: Die Aufgabe des Ausbildungsbetriebes ist es hier, diese Veränderungen gezielt wahrzunehmen und bereits im Vorfeld Indizien für eine bevorstehende Krise auszumachen.

    Vroan merkt man, dass sich der Azubi verändert?

    Wie erkennen Sie als Ausbilder aber, dass Ihr Auszubildender auf eine Krise zusteuert? Es gibt einige Fragen, auf die Sie während der Ausbildung besonderen Fokus legen sollten:

    • Zeigt der Azubi plötzlich eine verminderte Leistungsbereitschaft im Vergleich zu früher? Nicht jeder unmotivierte Tag muss gleich eine Krise bedeuten, zieht sich die Situation aber über einen längeren Zeitraum hin, sollten Sie hellhörig werden.
    • Zieht sich der Azubi im sozialen Miteinander des Betriebes oder auch außerhalb des Betriebes zurück? Achten Sie auf das kollegiale Miteinander, auch innerbetriebliches Mobbing kann verheerende Folgen haben.
    • Ist der Auszubildende mit seinen Gedanken oft abwesend und konzentriert sich nicht mehr auf die Arbeit? Das ist ein Zeichen, dass ihn andere Dinge beschäftigen – oft stecken Probleme oder Ängste dahinter.
    • Ist Ihnen durch Dritte, wie beispielsweise Arbeitskollegen oder Freunde des Azubis, zu Ohren gekommen, dass dieser keine Lust mehr auf die Ausbildung hat oder sogar Kritik geäußert hat? Nicht immer muss sich dahinter etwas Wahres verstecken, aber die Möglichkeit besteht, dass das Gerücht der Realität entspricht. Forschen Sie nach.
    • Ist der Azubi häufiger krank als früher? Besonders kurzzeitige Erkrankungen häufen sich in Krisenzeiten oftmals stark. Auch hier sollten Sie hellhörig werden.
    • Wie sieht es mit den schulischen Leistungen des Auszubildenden aus? Halten Sie engen Kontakt zur Berufsschule Ihres Azubis, so sind Sie frühzeitig über Leistungsabfälle oder andere Probleme informiert.
    • Hat sich der Azubi früher auch über seine Ausbildungspflichten hinaus engagiert und tut dies heute nicht mehr? Auch das kann ein Hinweis darauf sein, dass etwas nicht stimmt.

    Grundlegend kann jede Veränderung, die seitens des Auszubildenden auftritt, ein Hinweis auf ein tieferliegendes Problem – entweder privater oder beruflicher Natur – sein.

    Wichtiger Hinweis: Als Ausbildungsbetrieb sollten Sie nicht nur Wert auf die Erfüllung der Arbeitspflichten legen, sondern die Auszubildenden auch im sozialen und kollegialen Miteinander beobachten, um Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen.

    Natürlich muss aber nicht jede Veränderung gleich eine Krise bedeuten – doch die Möglichkeit besteht. Schnelles Handeln kann oftmals Schlimmeres vermeiden.

    Der Stressfaktor: Gründe für Ausbildungskrisen

    Veränderungen können vor allem Eines bedeuten: Stress. Der Azubi muss sich auf ein neues soziales Umfeld einstellen, auf neue Verpflichtungen eingehen, neue Dinge lernen – das alles kann das bisherige Leben von Grund auf, auf den Kopf stellen. Stress wirkt sich in manchen Situationen positiv aus, kann oftmals aber auch negative Folgen nach sich ziehen. Wie also mit Stress umgehen und wie kann der Ausbildungsbetrieb helfen?

    Dem DGB Ausbildungsreport von 2020 zufolge sind die zentralsten Belastungsfaktoren für neue Auszubildende die folgenden:

    • Lange Fahrtzeiten (vom Wohnort zum Betrieb)
    • Leistungsdruck im Betrieb
    • Zeitdruck bei der Arbeit
    • Schlechte Pausensituationen (durch Unterbrechungen/Verkürzungen)
    • Schwierige Arbeitszeiten (Schichtdienst)
    • Ständige Erreichbarkeit
    • Probleme mit Vorgesetzten oder Kollegen

    Zum einen belastet die Azubis also vor allem der Umgang mit neuen Anforderungen und Leistungen, die im Rahmen der beruflichen Tätigkeit zu erbringen sind. Zum anderen ist ein offenbar fehlender sozialer und privater Ausgleich, der Potenzial für Konflikte birgt. Auch Schwierigkeiten mit anderen Menschen innerhalb des Betriebes können belastend wirken.

    Wenn Sie als Ausbilder erkennen, dass ihr Azubi Anzeichen von Stress zeigt, ist Handeln gefragt. Was Sie an Maßnahmen ergreifen können, um den Auszubildenden zu unterstützen, lesen Sie im folgenden Abschnitt.

    Wie kann man Ausbildungskrisen entgegenwirken?

    Besonders wenn es um die Stressbewältigung geht, gibt es einige Möglichkeiten, dagegen anzugehen. Diese müssen allerdings vom Azubi selbst ausgeführt werden – mit Unterstützung des Betriebes gelingt das aber einfacher. Motivieren Sie Ihren Azubi zu:

    • Achtsamkeitsübungen (Urteilsfreie Wahrnehmung der Stresssituation durch den Azubi, eigene Beobachtung der Situation)
    • Distanz (zum Arbeitsumfeld – regelmäßiger Dialog, Reflexion des eigenen Verhaltens, objektiver Umgang mit der Stresssituation)
    • Orientierung (Ordnung am Arbeitsplatz, Prioritäten setzen, entsprechende Ansprechpartner bereitstellen, strukturiertes Vorausplanen)

    Wichtig ist, die Veränderungen Ihres Azubis rechtzeitig zu erkennen und wahrzunehmen. Ist dieser erste Schritt getan, müssen weitere Schritte eingeleitet werden:

    • Suchen Sie das Gespräch mit dem Auszubildenden. Seien Sie ein neutraler Ansprechpartner oder stellen Sie Ihrem Azubi einen solchen. Suchen Sie die Nähe zum Auszubildenden und versuchen Sie, über Probleme zu sprechen. So können Sie den Gründen der Veränderung auf die Spur kommen.
    • Gehen Sie auf den Azubi ein. Nehmen Sie seine Wünsche ernst, wenn er diese äußert. Gehen Sie auch auf sachlich geäußerte Kritik ein, denn diese ist keine Grenzüberschreitung, sondern ein Vertrauensbeweis. Prüfen Sie am besten gemeinsam, ob eine Realisierung der Wünsche und Veränderung möglich ist.
    • Zeigen Sie Perspektiven auf. Fühlt sich der Azubi mit den derzeitigen Arbeitsbedingungen unwohl, zeigen Sie ihm, welche Stationen er noch durchlaufen wird. Oftmals herrscht besonders zu Ausbildungsbeginn Frust, weil die Motivation dann besonders hoch ist, viele Tätigkeiten aber noch nicht ausgeübt werden können. Motivieren Sie Ihren Azubi zum Durchhalten!

    Setzen Sie ein Krisengespräch an 

    Läuft in der Ausbildung etwas verkehrt, ist es Zeit für ein kritisches Gespräch – ein sogenanntes Krisengespräch – mit dem Auszubildenden. Setzen Sie dieses hervorragende Mittel, eine Besserung herbeizuführen, gezielt und gut vorbereitet ein. So stellen Sie die Weichen, um die Ausbildung zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.  

    Ihr Auszubildender kommt morgens schon mal zu spät; Gleiches hören Sie auch aus der Berufsschule. Oder er macht nicht immer das, was Sie als Ausbilder und andere Vorgesetzte gerne hätten. Möglicherweise vernachlässigt er auch seine Pflichten als Auszubildender, indem er mit den Ausbildungsmitteln nicht sorgsam umgeht oder das Führen des schriftlichen Ausbildungsnachweises vernachlässigt. 

    Als Ausbilder stehen Sie dabei vor einer Herausforderung, die Sie professionell annehmen werden und die Sie vor ein durchaus lösbares Problem stellt. Bitten Sie den Azubi mit der erforderlichen Ruhe, aber nachdrücklich zu einem Gespräch unter 4 oder 6 Augen. 

    Wählen Sie die ganz kleine Runde, wenn Sie Wert darauflegen, dass Sie unter sich sind und Vertrauliches besprechen können. Erweitern Sie die Runde dann, wenn es um ein kritisches Thema geht und Sie möglicherweise einen Zeugen brauchen. In einem ersten Kritikgespräch können Sie in der Regel darauf verzichten. Sie können aber dem Azubi anbieten, auch jemanden mitzubringen, z. B. ein Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung.  

    Beherzigen Sie bei der Gesprächsführung diese 10 Tipps: 

    Tipp 1: Führen Sie freundlich und vertraut in das Gespräch ein 

    Voraussetzung hierfür ist eine Gesprächsatmosphäre, die Störungen durch Telefon und Besucher vermeidet und in der Sie sich ganz auf den Auszubildenden konzentrieren können. Beginnen Sie das Gespräch bewusst mit einem positiven Aspekt, wenn es angemessen ist, sogar mit einem Lob. So gewinnen Sie das Vertrauen des Auszubildenden und zeigen ihm, dass Sie grundsätzlich an ihn glauben. 

    Tipp 2: Benennen Sie Ihr Anliegen deutlich und unmissverständlich 

    Leiten Sie zügig zum eigentlichen Anlass des Gesprächs über. Bleiben Sie dabei weiterhin freundlich, ohne jedoch etwas zu beschönigen. 

    Beispiel: „Zum Anlass unseres Gespräches: Sie sind in den letzten Wochen mehrfach zu spät im Betrieb erschienen. Das gilt sowohl für die Ankunft morgens als auch für das Erscheinen nach der Berufsschule.“ 

    Gehen Sie noch einen Schritt weiter und zeigen Sie, dass Sie ganz genau informiert sind. Benennen Sie also die Tage des Fehlverhaltens möglichst exakt. Das nimmt dem Auszubildenden die Illusion, er könne – wie er das vielleicht von früher aus der Schule gewöhnt ist – leise, still und heimlich die Regeln brechen. 

    Tipp 3: Erläutern Sie noch einmal ausführlich und detailliert die Regeln 

    Es könnte sein, dass Ihr Auszubildender tatsächlich die Regeln nicht kennt, an die er sich zu halten hat. Gerade wenn es darum geht, nach der Berufsschule pünktlich zu erscheinen, gibt es immer wieder Missverständnisse. Aber auch die Frage, wer dem Auszubildenden Anweisungen geben kann und wer nicht, ist für Azubis vielfach nicht geklärt. Haken Sie hier konkret nach und stellen Sie Fragen. 

    Beispiel: „Wissen Sie denn, wann Sie nach der Berufsschule wieder im Betrieb sein müssen? Möglicherweise haben Sie hier eine falsche Information.“ 

    So zeigen Sie dem Auszubildenden zweierlei: Sie gehen davon aus, dass er guten Willens ist, und Sie werden ihm eine weitere Chance geben. 

    Tipp 4: Hören Sie dem Auszubildenden ganz genau zu 

    Nicht jedes Fehlverhalten wird sich mit einem Missverständnis erklären lassen. Natürlich weiß der Auszubildende oft ganz genau, was er falsch gemacht hat. Er ändert sein Verhalten aber dennoch nicht – unter Umständen auch, um die Grenzen auszutesten. In einem Gespräch mit Ihnen wird er nun mit diesem Fehlverhalten konfrontiert. 

    Dabei sollte er auch die Chance erhalten, sich dazu zu äußern. Denn auch Sie als Ausbilder könnten einseitige Informationen erhalten haben. Die Meinung des Auszubildenden, beispielsweise in Bezug auf einen Konflikt mit Kollegen, rundet nun Ihr Bild der Situation ab. Sie können auf diese Weise aber auch wertvolle Informationen über die Ursache für das Fehlverhalten des Auszubildenden erhalten. Möglicherweise ist ihm eine Arbeit sehr unangenehm oder er kommt mit einem bestimmten Kollegen nicht aus. In beiden Fällen könnten sie helfend eingreifen, die Arbeit beispielsweise trainieren lassen oder durch „Umsetzen“ in Einklang mit dem Ausbildungsplan ein neues Arbeitsumfeld schaffen. 

    Tipp 5: Machen Sie Ihren Standpunkt unmissverständlich deutlich 

    In der Regel wird auch nach den Ausführungen des Auszubildenden klar sein, dass der Azubi bestimmte Regeln nicht beachtet hat. Es ist nun Ihre Aufgabe als Ausbilder, ihm klarzumachen, dass es so nicht geht. Geben Sie ihm jetzt noch einmal die Regeln, an die er sich zu halten hat, mit auf den Weg. Es ist ausgesprochen wichtig, dass es ab sofort keinen Spielraum mehr für Missverständnisse gibt. Wenn der Azubi also später diesen Raum verlässt, muss ihm klar sein, welche Verhaltensweisen Sie von ihm erwarten. 

    Beispiel: „Ich erwarte künftig von Ihnen, jeden Tag – sowohl in der Schule als auch im Betrieb – pünktlich zu erscheinen. Mir ist völlig klar, dass es im Ausnahmefall zu Verspätungen kommen kann. Wenn beispielsweise der Bus nicht kommt oder die Straßen verstopft sind, ist ein pünktliches Erscheinen nicht immer gewährleistet. Bedenken Sie aber auch: Ihr Spielraum ist mittlerweile sehr gering geworden.“ 

    Tipp 6: Erarbeiten Sie gemeinsam eine Lösung 

    Zwingen Sie Ihrem Azubi nicht gegen seinen Willen bestimmte Verhaltensweisen auf. Erarbeiten Sie vielmehr gemeinsam mit ihm eine Strategie, wie künftig Fehler vermieden werden können. Lassen Sie Ihren Auszubildenden hierzu ruhig Vorschläge unterbreiten und nehmen Sie diese ernst. In der Regel sind solche Vorschläge durchaus vernünftig und zielen in die richtige Richtung. 

    Der Vorteil dabei ist: Stammen die Vorschläge zu Teilen von ihm selbst, wird er sie beherzigen und sich auch danach richten. Für die Lösungsstrategie ist es zudem wichtig, dass sie einen Zeitplan beinhaltet, der vom Auszubildenden und von Ihnen eingehalten wird. Es muss also deutlich werden, bis wann das Problem gelöst ist bzw. dass ab sofort eine Verhaltensänderung beim Azubi eintritt. 

    Tipp 7: Erläutern Sie die Konsequenzen eines möglichen Scheiterns 

    Auch wenn das Gespräch ruhig und freundlich verläuft, so sollte doch klarwerden, wie ernst Sie dessen Inhalt nehmen. Diese Ernsthaftigkeit muss sich auf den Auszubildenden übertragen. Daher deuten Sie zumindest an, dass weiteres Fehlverhalten Konsequenzen haben kann. Letztendlich gefährdet der Azubi nämlich seine eigene Ausbildung, wenn er sein Verhalten nicht bessert. 

    Beispiel: „Ich bin mir sicher, dass Sie das Problem lösen können. Wäre das allerdings nicht der Fall, hätte das weitreichende Konsequenzen. Leider ist schon manch ein Ausbildungsverhältnis an solchen oder ähnlichen Fragen gescheitert oder musste unnötigerweise mit einer Abmahnung belastet werden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das in Ihrem Fall verhindern können.“ 

    Tipp 8: Vereinbaren Sie einen weiteren verbindlichen Gesprächstermin 

    Sie können die Verbindlichkeit Ihres aktuellen Gesprächs erhöhen, indem Sie einen weiteren Termin zu demselben Thema mit dem Azubi vereinbaren. Der Auszubildende hat so die Möglichkeit, Ihnen konkret zu zeigen, dass es auch anders geht. Außerdem weiß er, dass Sie weiterhin ein Auge auf ihn und seine Verhaltensweisen haben. Er fühlt sich also ab nun ein Stück weit kontrolliert und das ist auch gut so. 

    Tipp: Sie sollten den vereinbarten Termin später auf jeden Fall auch wahrnehmen, um nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren – auch dann, wenn der Auszubildende ab sofort ein perfektes Verhalten an den Tag legt. Nutzen Sie die Chance des weiteren Termins, ihn dann gebührend zu loben. 

    Tipp 9: Formulieren Sie so, dass Sie sich nicht selbst überfordern 

    Alles, was Sie dem Azubi im Kritikgespräch mitteilen, sollte nicht nur der Azubi, sondern auch Sie selbst ernst nehmen. Daher rate ich dringend dazu, nicht zu überspitzt zu formulieren. 

    Beispiel: „Bei der nächsten Verspätung erhalten Sie eine Abmahnung.“ Diese Äußerung würde Sie selbst massiv unter Druck setzen. Denn möglicherweise gibt es für die nächste Verspätung einen besseren Grund als in den bisherigen Fällen. Beispielsweise könnte der Azubi auf dem Weg in den Betrieb jemandem geholfen haben. Es wäre dann nicht ratsam, die Abmahnung tatsächlich zu realisieren. Da Sie diese aber so unzweifelhaft angekündigt haben, haben Sie Ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt. Formulieren Sie daher zwar bestimmt, aber etwas weicher: „Wenn Sie Ihr Fehlverhalten nicht abstellen, müssen Sie mit einer Abmahnung rechnen.“ Mit dieser Formulierung erhalten Sie sich die Optionen, arbeitsrechtliche Maßnahmen zu ergreifen oder auch auf solche zu verzichten. 

    Tipp 10: Schließen Sie das Gespräch positiv und perspektivreich ab 

    Auch wenn das Kritikgespräch für den Auszubildenden alles andere als erfreulich war, sollten Sie versuchen, einen positiven Abschluss zu finden. Vermitteln Sie daher den Eindruck, dass Sie an den Auszubildenden glauben. Sie trauen ihm zu, sich künftig an die betrieblichen Regeln zu halten und im Ausbildungsbetrieb eine positive Rolle zu spielen. Denn schließlich haben Sie ein gemeinsames Ziel: Sie beide wollen, dass die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen wird. So geben Sie dem Auszubildenden nicht nur Selbstvertrauen, sondern machen darüber hinaus deutlich, dass Sie ein Stück weit mit ihm in demselben Boot sitzen. Ob das Boot auf Kurs bleibt, das bestimmt der Azubi selbst. 

    In allen Fällen gilt: Stress, Probleme und Frust in der Ausbildung sind normal und sollten zunächst auch als so behandelt werden. Vermitteln Sie Ihrem Azubi das Gefühl, dass er in Ausbildungskrisen nicht alleine ist und dass bereits andere in derselben Situation waren. So fühlt sich der junge Mitarbeiter ernst genommen und kann lernen, mit den Herausforderungen umzugehen.

    Autor: Johanna Wiersing

    Welche Gründe sind die Ursache für eine Ausbildungskrise?   

    Eine Ausbildungskrise kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Dazu gehört auch Stress. Dieser kann durch Leistungsdruck durch den Betrieb, lange Fahrzeiten, ständige Erreichbarkeit und Schwierigkeiten mit Vorgesetzten begünstigt werden.  

    Welche ersten Anzeichen sollten Sie bei einer Ausbildungskrise erkennen?   

    Die ersten Anzeichen könnten verminderte Leistungsbereitschaft sein. Der Azubi könnte zudem durch Verspätungen und Fehlzeiten im Betrieb und Berufsschule auffallen. Auffällig könnten auch plötzlich schlechte schulische Leistungen sein. Wenn Ihnen etwas auffällt, sollten Sie ein Krisengespräch mit Ihrem Azubi suchen.  

    Wie kann man Ausbildungskrisen entgegenwirken?   

    Der Betrieb kann den Azubi mit verschieden Möglichkeiten unterstützen.  
    Mithilfe von Achtsamkeitsübungen in Stresssituationen, mehr Distanz zum Arbeitsumfeld und einer Neuorientierung und Strukturierung am Arbeitsplatz können positive Auswirkungen auf den Azubi bewirken.  

     
    Wie kann man einen holprigen Berufsstart entkrisen? 

    Damit die Schwierigkeiten des Auszubildenden nicht überhand nehmen und fatale Konsequenzen für Azubi und Betrieb nach sich ziehen, ist es wichtig, die ersten Anzeichen der Veränderung frühzeitig zu erkennen. Hier ist vor allem der Ausbildungsbetrieb gefragt. Er kann Probleme und Zweifel des Azubis gezielt erkennen und als Stütze fungieren. Und das wirkt sich letztlich nicht nur positiv auf den Werdegang des Auszubildenden aus, sondern auch auf den eigenen Betrieb.