Ausbildungsabbruch: So wirken Sie dem Abbruch entgegen

Ausbildungsabbruch: So wirken Sie dem Abbruch entgegen

Immer weniger junge Menschen wählen nach der Schule eine Ausbildung, aber immer mehr von ihnen brechen diese Ausbildung im Laufe der Zeit wieder ab.

Die Gründe dafür sind vielfältig, nicht immer liegt es an der Bezahlung oder den Arbeitsbedingungen. Was es bedeutet, wenn Auszubildende Ihre Ausbildung vorzeitig beenden, müssen derzeit mehr und mehr Betriebe erfahren. Wie Sie als Arbeitgeber den Ausbildungsabbruch vermeiden können und wie Sie diesem bereits im Vorfeld entgegenwirken können, erfahren Sie in diesem Artikel.

    Der Ausbildungsabbruch in Zahlen: So steht es um die Ausbildung

    Die Zahlen steigen rasant: Im Jahr 2017 brachen rund 146.000 Lehrlinge ihre Ausbildung ab. Das sind 25,7 % und damit ein aktueller Höchststand. Zur Prüfung treten also nur drei von vier Azubis überhaupt an, der Rest scheidet schon vorzeitig aus dem Ausbildungsverhältnis aus. Warum? Es gibt verschiedene Gründe für den Ausbildungsabbruch, die in der Regel individuell sind. Die Zahlen erlauben einen genaueren Einblick in die Situation.

    Bestimmte Berufsgruppen tauchen demnach besonders häufig in der Abbrecherquote auf, dazu zählen Köche, Restaurantfachkräfte und Friseure. Die meisten Abbrecher sind jedoch im Bereich der Sicherheitsfachkräfte zu verzeichnen, hier steigt die Zahl auf über 50 %. In der Verwaltung hingegen liegt die Quote mit 4,1 % am niedrigsten. Diese Zahlen lassen deutlich erkennen, dass die Anforderungen im Beruf ein Grund sein können, warum Azubis ihre Lehre frühzeitig abbrechen.

    Doch auch die Vergütung spielt eine Rolle, die nicht unerheblich zu sein scheint. Auch das wird anhand der Zahlen deutlich. Die Berufe mit den niedrigsten Löhnen verzeichnen gleichzeitig die höchsten Abbrecherquoten. Für viele Auszubildende ist eine geringe Bezahlung also ausschlaggebend für den Abbruch einer Ausbildung. Daneben gibt es allerdings zahlreiche weitere Gründe, die zum vorzeitigen Ende der Ausbildung führen können. Und oftmals können die Ausbildungsbetriebe dem schon im Voraus entgegenwirken.

    Schließlich wird Ihnen der Auszubildende – spätestens in einigen Jahren – als Fachkraft fehlen. Dazu kommt der Imageverlust, der mit jedem Ausbildungsabbruch verbunden ist und der sich in den sozialen Medien oft ohne großen Aufwand vervielfacht. Deshalb sollten Sie nach jedem Abbruch selbst reflektieren: Haben Sie Fehler gemacht? Während der Ausbildung? Oder bereits bei der Azubi-Auswahl? Solche Fragen sind unangenehm, aber unabdingbar. Denn nur so kommen Sie der Ursache des Abbruchs auf den Grund und können wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen.

    Geld, Betriebsklima, Arbeitsinhalte: Gründe für den Abbruch

    In Umfragen ist Geld tatsächlich ein Argument, das relativ selten als Grund für den Abbruch der Ausbildung genannt wird. Allerdings bedeutet das nicht, dass die Bezahlung für die Azubis keine große Rolle spielt. Wären bestimmte Berufe besser vergütet, dann würden grundsätzlich mehr Auszubildende diesen Beruf ergreifen. Schlechte Arbeitsbedingungen werden in schlecht bezahlten Berufen intensiver wahrgenommen. Auch sollten Arbeitgeber und Gesetzgeber die Bezahlung nicht vernachlässigen.

    Der Berufsbildungsbericht 2019 legt die fünf häufigsten Gründe für den Abbruch einer Ausbildung dar: Festzustellen ist, dass die Begründungen für den Ausbildungsabbruch oft ganz unterschiedlicher Natur sind.

    1. Private Gründe: Darunter kann eine Vielzahl von Problemen fallen, die der Auszubildende zum Zeitpunkt des Abbruchs durchläuft: So können gesundheitliche Schwierigkeiten, eine Schwangerschaft, psychische Probleme, familiäre Schwierigkeiten oder Beziehungsprobleme dazu gezählt werden.
    2. Andere Vorstellungen von der Ausbildung: Wenn die täglichen Aufgaben des Berufes nicht oder nur teilweise mit den persönlichen Vorstellungen des Jobs übereinstimmen, besteht die Gefahr der schrittweise Entfernung des Azubis vom gewählten Beruf. Auch, dass die Informationen in Stellenanzeigen häufig nur teilweise mit den tatsächlichen Aufgaben übereinstimmen, bewerten Azubis negativ.
    3. Probleme mit Vorgesetzten: Sind die Vorgesetzten zu streng oder erwarten zu viel, führt das häufig zu Frust und dem Verlust der Motivation. Hier ist der Arbeitgeber gefragt, ein vertrauensvoller Ansprechpartner für den Azubi zu sein.
    4. Probleme mit Kollegen: Auch Kollegen können die Freude an der Arbeit mindern. Ist das Verhältnis zwischen den Kollegen schlecht und läuft die Kommunikation miserabel, sollte der Arbeitgeber eingreifen.
    5. Schlechte Schulleistungen: Die Leistungen in der Berufsschule können ebenfalls dafür sorgen, dass der Auszubildende sich seines Könnens nicht richtig bewusst wird und die Ausbildung abbricht. Eine gute Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Berufsschule ist also unabdingbar.

    Weitere, mögliche Gründe für einen Abbruch der Ausbildung

    Der Praxisschock wirkt

    Die Umstellung vom Schüler zum Arbeitnehmer ist für den Auszubildenden zu groß. Deshalb zieht er – mal früher, mal später – seine Konsequenzen. Der für Sie wichtige Punkt: Je länger die Zeitspanne zwischen Ausbildungsbeginn und Praxisschock-bedingtem Ausbildungsabbruch dauert, desto größer wäre Ihre Chance gewesen, das Ausbildungsverhältnis zu retten.

    Eine wirkliche Integration des Azubis scheitert

    Nicht jeder Auszubildende steht gerne und gezielt im Mittelpunkt, erzählt Geschichten schon zum Frühstück und unterhält seine Abteilung während der Arbeitszeit und der Mittagspause. Manch einer braucht viele Tage oder Wochen, um sich wohlzufühlen. Ein solcher Azubi hat das Bedürfnis, seine Kollegen zunächst einmal kennenzulernen, bevor er ihnen etwas anvertraut. Das führt zum Beginn von Ausbildungsabschnitten, also kurz nach dem Wechsel in eine neue Abteilung, oft dazu, dass die Integration hakt. Ein Auszubildender kann so innerhalb einer Arbeitsgruppe vollständig isoliert werden. Dies macht einen Ausbildungsabbruch wahrscheinlicher.

    Der Auszubildende ist unterfordert

    Ein mindestens genauso großes Problem wie die Überforderung ist die Unterforderung. Sie führt zu Langeweile, Gleichgültigkeit, Demotivation und gesteigerter Unzufriedenheit. Wenn Sie entsprechende Symptome erkennen oder wenn der Auszubildende seine Unterforderung sogar explizit ausdrückt, sind Sie als Ausbilder besonders gefordert.

    Ausbildungsabbruch: So können Personaler im Voraus entgegenwirken

    Ausbildungsabbrüche sind nicht auf die Probezeit beschränkt. Umso größer ist die Herausforderung für den Arbeitgeber, den Abbrüchen entgegenzuwirken. Die beständige Arbeit am Betriebsklima und die zuverlässige und offene Kommunikation mit den Auszubildenden hat dabei oberste Priorität. Denn auch, wenn anfangs alles reibungslos verläuft, können zu jedem Zeitpunkt der Ausbildung Probleme auftauchen, die den Auszubildenden dazu veranlassen könnten, die Ausbildung vorzeitig zu beenden.

    Wenn Sie als Arbeitgeber die Abbrecherquote in Ihrem Betrieb senken wollen, sollten Sie einige Dinge beachten und in den Unternehmensalltag integrieren:

    • Kommunizieren Sie offen und deutlich mit dem Azubi. Seien Sie eine Vertrauensperson, der der Auszubildende Probleme mit Kollegen, Vorgesetzten oder Unsicherheiten mitteilen kann und arbeiten Sie gemeinsam an Lösungen.
    • Beziehen Sie den Auszubildenden in Entscheidungen mit ein. Das stärkt Vertrauen und schafft ein gutes Klima zwischen Vorgesetzten und Azubi.
    • Beobachten Sie das Verhältnis zwischen den Kollegen. Eine gute Kommunikation vermeidet Konflikte und fördert das Gemeinschaftsgefühl. Sollte es zu Mobbing kommen, greifen Sie umgehend ein und machen Sie deutlich, dass dies in Ihrem Betrieb nicht geduldet wird. Ziehen Sie eventuell Personen zur Verantwortung.
    • Wenn Defizite bestehen, die den Ausbildungsfortschritt hemmen, ist schnellstens zu reagieren. Sogenannte ausbildungsbegleitende Hilfen, die die Arbeitsagentur finanziert, leisten Abhilfe. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der Azubi seine Defizite selbst erkennt und freiwillig an entsprechenden Maßnahmen teilnimmt.
    Offene Gespräche mit dem Auszubildenden können einem Ausbildungsabbruch entgegenwirken. © goodluz – Adobe Stock
    • Fördern und fordern Sie den Azubi. Lassen Sie ihn nicht nur Routinetätigkeiten übernehmen, sondern geben Sie ihm Aufgaben entsprechend seiner Fähigkeiten.
    • In der Praxis kann es durchaus vorkommen, dass ein Fachausbilder vom Personal- oder Ausbildungsverantwortlichen diese Verantwortung vergisst. Wenn Sie also Defizite erkennen, nehmen Sie Ihre Ausbilder, mit denen Sie regelmäßig Gespräche führen sollten, in die Pflicht.
    • Formulieren Sie Stellenausschreibungen klar und deutlich. Machen Sie deutlich, welche Aufgaben den Azubi erwarten, beschönigen Sie nichts und seien Sie ehrlich.
    • Halten Sie Kontakt zur Berufsschule. So sind Sie über die Leistungen des Azubis informiert und können bei Bedarf schon frühzeitig Probleme ansprechen und nach Lösungen suchen.

    Bevorstehender Ausbildungsabbruch: Wie Sie als Chef reagieren sollten

    Kündigt ein Auszubildender den Abbruch der Ausbildung an oder wird dies anhand anderer Signale deutlich, liegt es an Ihnen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um dieses Szenario abzuwenden. Suchen Sie das Gespräch mit dem Auszubildenden und beziehen Sie eventuell auch Berufsschullehrer mit ein. Nehmen Sie den Azubi ernst und versuchen Sie auch, sich in dessen Sichtweise und Probleme hineinz versetzen.

    Liegen die Probleme zwischen Ihnen und dem Auszubildenden, können Sie die zuständige Kammer mit einbeziehen. Dort gibt es in der Regel eine spezielle Schlichtungsstelle, die auf solche Fälle spezialisiert ist. Für Probleme in der Berufsschule sind vor Ort Beratungslehrer und Sozialpädagogen die richtigen Ansprechpartner.

    Letztlich kann auch die Arbeitsagentur hinzugezogen werden, denn hier bekommt der Azubi Zugang zu diversen Beratungsangeboten und anderen Hilfsleistungen. Auch bei finanziellen Problemen oder Prüfungsangst können Azubis entsprechende Hilfe suchen und in Anspruch nehmen. Der wirkliche Abbruch sollte lediglich die letzte verbleibende Möglichkeit darstellen und sowohl vom Azubi als auch vom Arbeitgeber bzw. Ausbilder gut überlegt und diskutiert worden sein.

    FAQ: Die häufigsten Fragen zum Thema Ausbildungsabbruch

    Welche Gründe kann ein Abbruch der Ausbildung haben?

    Ein Ausbildungsabbruch kann auch verschiedenste Gründe zurückzuführen sein: Der Azubi fühlt sich unterfordert oder hat sich die Ausbildung an sich anders vorgestellt, private oder gesundheitliche Probleme, Konflikte mit den Kollegen oder Vorgesetzten, schlechte Schulleistungen oder auch eine schlechte oder fehlende Integration des Auszubildenden.

    Wie kann man als Vorgesetzter einen Abbruch der Ausbildung verhindern?

    Zunächst sollten Sie in einem offenen Gespräch die Gründe für einen möglichen Ausbildungsabbruch hinterfragen. Können Sie als Vorgesetzter etwas dafür tun, dass die Ausbildung nicht abgebrochen wird? Hier kann beispielsweise eine Lösung sein, den Auszubildenden mehr zu fördern, damit er sich nicht unterfordert fühlt.

    Wie geht es nach einem Ausbildungsabbruch weiter?

    In über 80 Prozent aller Ausbildungsabbrüche beginnen die Auszubildenden direkt im Anschluss eine neue Ausbildung. Etwa 19 Prozent wechseln nach dem Abbruch nicht den Beruf, sondern lediglich den Ausbildungsbetrieb.

    Wie gebe ich einen Ausbildungsabbruch im Lebenslauf an?

    Einen Ausbildungsabbruch sollte man bei einer Bewerbung auf keinen Fall verheimlichen! Geben Sie im Lebenslauf den Zeitraum an, in der Sie die Ausbildung gemacht haben. Zusätzlich können Sie im Anschreiben kurz ansprechen, aus welchen Gründen Sie sich für einen Abbruch der Ausbildung entschieden haben. Beachten Sie dabei: Das Schlechtmachen des Betriebes oder der Vorgesetzten sollten Sie unter allen Umständen vermeiden!

    Kann man eine Ausbildung jederzeit abbrechen?

    Innerhalb der Probezeit kann der Ausbildungsvertrag ohne Angabe von Gründen jederzeit, auch fristlos, gekündigt werden. Nach der Probezeit besteht eine Kündigungsfrist von vier Wochen.

    Autor: Redaktion Personalwissen