Bossing – so erkennen Sie Mobbing durch den Chef

Bossing – so erkennen Sie Mobbing durch den Chef

Bossing ist eine Wortkreation aus Mobbing und Boss, die man im Fall von Mobbing vom Chef verwendet. Schlimm genug, wenn der Horror von gleichrangigen Kollegen ausgeht, ist der Vorgesetzte beteiligt oder gar federführend, wird die Situation am Arbeitsplatz besonders tragisch. Hier erfahren Sie, wie Sie Bossing erkennen und dagegen vorgehen können.

Bossing ist eine Wortkreation aus Mobbing und Boss, die man im Fall von Mobbing vom Chef verwendet. Schlimm genug, wenn der Horror von gleichrangigen Kollegen ausgeht, ist der Vorgesetzte beteiligt oder gar federführend, wird die Situation am Arbeitsplatz besonders tragisch. Hier erfahren Sie, wie Sie Bossing erkennen und dagegen vorgehen können.

Welche Situationen gibt es?

Bossing ist eine Form des Mobbings, welche ausschließlich zwischen dem Vorgesetzten und seinem Mitarbeiter – das kann ebenfalls eine Führungskraft sein – stattfindet. Das Bossing-Opfer ist seinem Mobber hierarchisch untergeordnet, weshalb es ihm schwer fällt, sich gegen das Mobbing zu wehren.

Mitarbeiter und Führungskräfte sehen sich in unterschiedlichen Szenarien mit Bossing am Arbeitsplatz konfrontiert.

  1. Nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Führungskräfte erfahren Mobbing durch ihre Vorgesetzten.
  2. Vorgesetzte, sogar die oberste Chefetage, weisen Mobbing eines Mitarbeiters an, an dem sich alle Führungskräfte beteiligen sollen.
  3. Leitende Mitarbeiter im Verantwortungsbereich der Führungskraft mobben oder sind Mobbingopfer.
  4. Führungskräfte werden zu Mobbern.

Bossing-Opfer kann jeder werden

Es gibt weder für Mobbing noch für Bossing eine Definition, die einheitlich gebraucht wird und allgemein anerkannt ist.

In einer Studie definierte die Bundesanstalt:

„Unter Mobbing ist zu verstehen, dass jemand am Arbeitsplatz häufig über einen längeren Zeitraum schikaniert, drangsaliert oder benachteiligt und ausgegrenzt wird“.

Von gelegentlichen Konflikten hebt sich Bossing durch Merkmale wie systematisch, wiederholt und hierarchisch ab.

Hieran lässt sich Bossing erkennen:

  • Betroffene werden ausgegrenzt, zum Beispiel nicht mehr zu Besprechungen eingeladen.
  • Wichtige Informationen werden vorenthalten.
  • Der Chef macht den Mitarbeiter vor versammelter Mannschaft nieder, wird sogar beleidigend.
  • Der Vorgesetzte lässt sich nicht mehr auf ein echtes Gespräch ein, macht abwertende Bemerkungen über sein Opfer, würgt Widerspruch autoritär ab.
  • Gemobbten werden Fehler angelastet, die sie nicht zu verantworten haben; und müssen Aufgaben erledigen, die sinnlos sind oder weit unter ihrer Qualifikation liegen.
  • Projekte werden grundlos entzogen.
  • Der Urlaub wird plötzlich aus betrieblichen Gründen abgelehnt, die Mitarbeiterbeurteilung fällt auf einmal schlecht aus.
  • Das Arbeitspensum wird ständig erhöht.

Häufige Gründe für Bossing

Zu den häufigen Motiven der Mobber zählen:

  • Neid und Missgunst,
  • Eifersucht,
  • Antipathie,
  • Unsicherheit, Mangel an Selbstbewusstsein,
  • Angst,
  • Konkurrenten ausschalten,
  • von eigenen Fehlern ablenken.

Bei Mobbern aus der Chefetage kommt ein weiterer Grund infrage: Personalabbau – ein oder mehrere Mitarbeiter sollen den Betrieb verlassen, eine reguläre Kündigung ist jedoch nicht möglich.

Also muss die Person vergrault werden, notfalls mit unlauteren Mitteln. Dann beginnt das sogenannte Bossing am Arbeitsplatz.

Folgen für Bossing-Opfer

Bossing kann wie Mobbing schwerwiegende psychische sowie physische Folgen für die Opfer haben. Hierzu gehören:

  • Niedergeschlagenheit,
  • Antriebslosigkeit,
  • Minderwertigkeitsgefühle,
  • Denk- und Konzentrationsschwäche,
  • Erhöhte Reizbarkeit, Aggressionen,
  • Stress,
  • Schlaflosigkeit,
  • Vertrauensverlust,
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch,
  • Körperliche Schmerzen (z.B. Magenschmerzen, Kopfschmerzen)

Bossing kann zu schweren Depressionen führen. Diese und andere hier erwähnte Folgen können natürlich nicht nur negative Auswirkungen auf das Privatleben des Opfers haben, sondern auch auf die Arbeitssicherheit im Arbeitsalltag. Betroffene Mitarbeiter sind nicht mehr in der Lage, angemessen ihrer Arbeit nachzugehen – manchmal auch durch Alkohol- oder Drogenmissbrauch am Arbeitsplatz. Des Weiteren nimmt die Gefahr von Arbeitsunfällen und sogar Wegunfällen zu. Als letzte Konsequenz folgt oftmals die Arbeitsunfähigkeit.

Tipps gegen Bossing: Was Opfer tun können

Wehren Sie sich gegen Bossing! Diese folgenden Tipps können Ihnen helfen, die Herausforderung des Umgangs mit einem schlechten Chef und alle möglichen Auswirkungen der Schikanen zu meistern.

Gespräch mit dem Boss

  1. Bei den ersten Anzeichen kann ein deutliches Gespräch mit dem mobbenden Vorgesetzten helfen. Treten Sie dabei nicht als leidendes Opfer auf, bewahren Sie Ruhe, klagen Sie nicht an und werfen sich nichts vor. Fordern Sie selbstbewusst eine Klärung der Situation. Chef oder nicht – setzen Sie dem Mobber Grenzen.
  2. Vielleicht hat ja ein konkurrierender Kollege gegen Sie intrigiert, dass ließe sich jetzt einrenken. Glaubt der Boss, Sie wären auf seinen Posten scharf? Auch das können Sie klären.
  3. Die obersten Chefs wollen Sie tatsächlich loswerden und haben keinen Kündigungsgrund? Soll auf diese Art systematisch Personal abgebaut werden? Dann könnten Sie ein faires Angebot verlangen und gehen. Oder Sie kämpfen gegen die Machthaber und das Bossing, bis Sie krank werden und gehen. Genauso enden viele Mobbingfälle.

Hilfe vom Chef des Chefs

Grundsätzlich muss der Vorgesetzte Ihres Chefs gegen das Mobbing einschreiten. Was aber, wenn die Bossing Methoden von ganz oben angeordnet wurden? Dann verschlimmert sich der Zustand eventuell noch, besser wird es sicher nicht. Bei einem Betriebsklima, das Mobbing und Bossing fördert, ist Hilfe aus dem Management eher unwahrscheinlich. Jeder könnte der nächste Gemobbte sein.

Sie kennen ja das Sprichwort:

„Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“.
„Recht haben, bedeutet nicht Recht bekommen“

passt auch.

Keine Frage, natürlich gibt es auch Führungskräfte, die Mobbing in ihrem Verantwortungsbereich unterbinden.

Beistand vom Betriebsrat oder der Gewerkschaft

Ein Betriebsrat oder eine Gewerkschaftsvertretung kann Ihnen beistehen, sich für Ihre Rechte einsetzen, den Arbeitgeber an seine Fürsorgepflicht erinnern. Allerdings sind deren Möglichkeiten begrenzt.

Egal, was Sie unternehmen, Sie brauchen starke Nerven und sollten das Bossing durch Beispiele belegen können. Idealerweise führen Sie ein Bossing-Tagebuch, indem Sie alle Vorfälle dokumentieren.

  • Ort, Datum, Zeit,
  • Anwesende Zeugen,
  • Screenshots, Kopien, Fotos,
  • Wortlaut von Beleidigungen, Verdächtigungen, Gerüchten usw..

Diese Belege können nicht nur innerbetrieblich gegen den Mobber verwendet werden. Sie können auch nützlich sein, falls die Angelegenheit vor dem Arbeitsgericht landet. Lassen Sie sich dazu aber ausführlich von einem auf Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt beraten.

Ist Bossing strafbar?

Mobbing am Arbeitsplatz bzw. Bossing ist in Deutschland an sich kein strafbares Delikt. Doch einzelne Mobbing-Handlungen wie z.B. Körperverletzung, Verleumdung oder Diskriminierung können einen Strafbestand erfüllen und in Kombination (Dauertatbestand) ebenfalls rechtliche Konsequenzen für den Mobber nach sich ziehen. Eine Verurteilung der Täter bleibt dennoch oftmals aus, da der Nachweis des Mobbings nach wie vor schwierig ist.

Zwar gibt es in Deutschland kein spezielles Mobbing-Schutzgesetz, aber gesetzliche Bestimmungen wie das Arbeitsschutzgesetz bieten einige Schutz- und Handlungsmöglichkeiten im Falle von Mobbing oder Bossing.

Erkennen Sie Bossing und Mobbing in Ihrem Verantwortungsbereich?

Beispiel: Bis vor kurzem war dieser junge Meyer noch ein vielversprechender Nachwuchsmanager. Jetzt wirkt er unsicher und bedrückt, steht meist abseits und ist außerdem oft krank. Insgesamt ist die Stimmung in der Abteilung schlecht. Ist es nur eine Phase oder schon Mobbing oder gar Bossing, ein Test bringt Klarheit darüber.

Der Diplompsychologe Leymann hat 45 typische Mobbinghandlungen erkannt und in fünf Kategorien unterteilt.

Angriffe auf:

  1. die Möglichkeit sich mitzuteilen
  2. soziale Beziehungen
  3. das soziale Ansehen
  4. die Berufs- und Lebenssituation
  5. die Gesundheit

Selbst wenn nur einige Punkte zutreffen, besteht Handlungsbedarf.

Gesundes Betriebsklima gegen Bossing

Die wahrscheinlich beste Methode gegen Mobbing und Bossing am Arbeitsplatz sind ein guter Führungsstil und ein gesundes Betriebsklima.

Dazu tragen viele Komponenten bei. Beispielsweise:

  • Transparenz und offensive Informationspolitik,
  • klare Strukturen,
  • Einbeziehung der Mitarbeiter in Planung- und Entscheidungsprozesse,
  • Schulungen zur Mitarbeiterführung und Kommunikation,
  • immer ein offenes Ohr für Sorgen und Probleme der Mitarbeiter haben.

Bossing widerspricht der Fürsorgepflicht gegenüber Untergebenen. Darüber hinaus schadet es dem Image des Unternehmens, vor allem wenn es kein Einzelfall ist. Möglich sind auch finanzielle Schäden.

FAQ: Frequently Asked Questions zum Thema Bossing

Was ist Bossing?

Bossing ist eine Form von Mobbing und geschieht ausschließlich zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem, wobei der hierarchisch untergeordnete Mitarbeiter das Opfer darstellt.

Welche Anzeichen gibt es für Bossing?

Typische Anzeichen für Bossing sind u.a. Angriffe auf die Berufs- und Lebenssituation, das soziale Ansehen oder soziale Beziehungen. Dies kann durch Ausgrenzung oder Vorenthaltung von Informationen geschehen, aber auch durch abwertende Bemerkungen vor anderen Mitarbeitern und grundlose schlechte Beurteilungen.

Was können die Folgen für Bossing-Opfer sein?

Bossing kann schwerwiegende psychische und physische Folgen für die Bossing-Opfer haben, welche zu Depressionen und körperlichen Schmerzen, aber auch zu Kündigungen und Arbeitsunfähigkeit führen können.

Was kann ich gegen Bossing unternehmen?

Suchen Sie zunächst das Gespräch mit ihrem Vorgesetzten. Wenn dies nicht hilft, wenden Sie sich entweder an dessen Vorgesetzten oder, falls vorhanden, den Betriebsrat. Rechtliche Schritte sind ebenfalls möglich, aber nicht sehr oft erfolgsversprechend.

Was sind die Gründe für Bossing?

Zu den Gründen können schlechte Führungsqualitäten, ein vermindertes Selbstbewusst der Führungsperson, aber auch Personalabbau, der mit unlauteren Mitteln vorangetrieben werden soll, zählen.

Autor: Redaktion Personalwissen