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Arbeitszeiten in der Ausbildung: Das müssen Personaler wissen

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Arbeitszeiten Azubi

Unternehmen müssen sich laut deutschem Recht an bestimmte Arbeitszeitregelungen halten: So dürfen die Beschäftigten beispielsweise höchstens zehn Stunden pro Tag arbeiten und zwischen den Arbeitstagen müssen mindestens zehn Ruhestunden liegen – so weit, so gut. Doch was, wenn der Arbeitnehmer noch in der Ausbildung steckt? Vor allem, wenn der Azubi noch minderjährig ist, gelten oftmals andere Regelungen. Diese Arbeitszeiten sind in diesem Blogbeitrag zusammengefasst.

Arbeitszeitregelungen bei Auszubildenden: Das muss beachtet werden

Arbeitnehmer, die noch in der Ausbildung sind, werden nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz besonders geschützt. Denn: Es gelten für sie vor allem in puncto Arbeitszeit restriktivere Regelungen, die Unternehmen beachten müssen. Vor allem HR-Mitarbeiter, die sich um die Beschäftigten in der Ausbildung kümmern, sollten sich mit diesem Gesetz gut auskennen. Gibt es nämlich Unstimmigkeiten, kann das rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Welche Regelungen Sie beachten sollten, erfahren Sie hier:

  • Arbeitszeiten: Auszubildende dürfen nicht länger als acht Stunden am Tag arbeiten. Bei minderjährigen Azubis gilt eine wöchentliche Höchstarbeitsdauer von 40 Stunden pro Woche, bei volljährigen Azubis gelten 48 Stunden. Außerdem dürfen Azubis an höchstens fünf Tagen pro Woche arbeiten.
  • Uhrzeiten: Die Arbeitszeiten müssen im Zeitraum zwischen 6 und 20 Uhr sein.
  • Ruhezeiten: Minderjährige Azubis müssen insgesamt zwölf Stunden Freizeit zwischen den Arbeitstagen haben.
  • Pausen: Hier greifen zwei unterschiedliche Regeln jeweils für Minder- und Volljährige: Müssen minderjährige Azubis nach viereinhalb bis sechs Stunden eine halbe Stunde Pause machen und nach mehr als sechs Stunden Arbeitszeit eine komplette Stunde, ist dies bei volljährigen Azubis nicht der Fall. Sie müssen nach spätestens sechs Stunden eine halbe Stunde pausieren und nach neun Stunden eine dreiviertel Stunde.
  • Wochenende: Am Wochenende gelten unterschiedliche Regelungen für minder- und volljährige Azubis. Während unter 18-Jährige weder am Samstag noch am Sonntag arbeiten dürfen, ist der Samstag für über 18-Jährige ein ganz normaler Arbeitstag – sofern dies im Vertrag so festgelegt wurde. Aber auch volljährige Azubis dürfen am Sonntag nicht arbeiten.
  • Berufsschulzeiten: Die Zeit, die ein Auszubildender in der Berufsschule verbringt, ist als Arbeitszeit anzurechnen. Dabei entsprechen fünf Schulstunden acht Stunden normale Arbeitszeit. Wird die Berufsausbildung im Blockunterricht absolviert, wird eine Woche Blockunterricht in eine 40-Stunden-Woche umgerechnet.

Welche Sonderregelungen gelten bei Urlaub, Schichtarbeit und Überstunden?

Natürlich gibt es auch Zeiten während der Ausbildung, die nicht alltäglich sind: So zum Beispiel Urlaub, Schichtarbeit und Überstunden. Auch hier gibt es im Umgang mit Auszubildenden besondere Regeln, die ein HR-Mitarbeiter bei der Personalplanung beachten sollte. Welche das sind, erfahren Sie hier:

  • Urlaub: In puncto Urlaubsanspruch gelten vor allem für Jugendliche besondere Regeln. Diese sind pro Lebensjahr gestaffelt: Jugendliche unter 16 Jahren haben einen Urlaubsanspruch von mindestens 30 Tagen, unter 17-jährige müssen mindestens 27 Urlaubstage nehmen und bei unter 18-jährigen sind dies mindestens 24 Urlaubstage pro Jahr. Erwachsene Azubis haben einen Mindestanspruch von 24 Tagen Urlaub pro Jahr.
  • Schichtarbeit: Azubis dürfen in der Schichtarbeit eingesetzt werden. Aber Vorsicht: Unter 18-Jährigen ist es nicht gestattet, Nachtarbeit zu übernehmen. Spätestens ab 23 Uhr müssen die minderjährigen Azubis ihren Heimweg antreten. Für volljährige Azubis gilt dieses Verbot nicht: Sie dürfen ganz normal in Mehrschichten und auch in der Nachtschicht arbeiten.
  • Überstunden: Mehrarbeit ist in der Ausbildung normalerweise nicht vorgesehen. Dennoch gibt es oftmals Branchen – wie zum Beispiel die Gastronomie – in denen Überstunden zum alltäglichen Geschäft gehören. Fallen daher bei einem Azubi Überstunden an, müssen diese dann entweder ausbezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen werden.

Arbeitszeiten in der Ausbildung und rechtliche Ausnahmen – welche gibt es?

Ausnahmen bestätigen die Regel: Dieses Sprichwort passt auch in den Kontext der Arbeitszeiten von Azubis. Es gelten nämlich bei besonderen Umständen besondere Regelungen. Je nachdem, wo die Ausbildung absolviert wird, ist es manchmal notwendig, dass ein Azubi auch am Samstag, Sonntag oder am Abend arbeitet: So zum Beispiel in der Gastronomie oder im Einzelhandel. Trifft diese Branche auf Ihr Unternehmen zu, helfen Ihnen diese Informationen sicher weiter:

  • Arbeitszeit: Es ist erlaubt, die Höchstdauer von acht Stunden pro Tag nach oben zu setzen, um dadurch einen Brückentag zwischen Feiertag und Wochenende auszugleichen. Außerdem gilt dies auch, wenn die Arbeitszeit an anderen Werktagen verkürzt werden soll.
  • Uhrzeiten: Wenn es sich um eine Ausbildung in der Landwirtschaft, Bäckereien und Konditoreien oder im Gast- und Schaustellergewerbe handelt, dürfen Azubis auch zwischen 20 und 6 Uhr arbeiten. Hierbei gelten jedoch sehr spezielle Vorschriften, die vor allem bei minderjährigen Azubis greifen. Ab 16 Jahren ist es beispielsweise für Azubis erlaubt, auch bis 22 Uhr zu arbeiten, jedoch nicht länger.
  • Wochenende: Jugendliche unter 18 Jahren dürfen auch an Samstagen und Sonntagen arbeiten, wenn im selben Monat mindestens zwei Samstage und Sonntage arbeitsfrei bleiben. Dennoch bleibt die Fünftagewoche bestehen. Das bedeutet, dass der Samstag oder Sonntag, an dem gearbeitet wird, durch einen anderen Tag in der Woche ausgeglichen werden muss.

Außerdem gibt es Ausnahmen, wenn dies im Tarifvertrag so vorgesehen ist. Beispielsweise ist es erlaubt, die Höchstarbeitsdauer auf neun Stunden zu erhöhen, wenn die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von zwei Arbeitsmonaten die 40-Stunden-Marke nicht überschreitet. Außerdem dürfen auch saisonbedingte Änderungen vorgenommen werden, wie das beispielsweise oftmals im Gastgewerbe der Fall ist.

Anstellung von Azubis: Diese Tipps helfen Ihnen weiter

Bei der Anstellung von jungen Auszubildenden gibt es für Mitarbeiter der Personalabteilung so einiges zu beachten. Dies hat dieser Blogbeitrag bewiesen. Die rechtlichen Vorschriften, wie lange und wie oft ein Azubi arbeiten darf, sind nämlich vom Kontext abhängig.

Damit Sie auch auf alle Eventualitäten eingestellt sind, wenn es um die Anstellung eines Auszubildenden geht, sind hier wichtige Tipps zusammengestellt:

  • Tipp 1: Klären Sie den Azubi und seine Vorgesetzten über die Vorschriften auf. Es ist nicht förderlich, wenn der Azubi nicht über seine Rechte und Pflichten Bescheid weiß. Denn: Arbeitet er länger, als er darf, oder hält er seine vorgeschriebenen Pausen nicht ein, ist das vor allem für das Unternehmen problematisch. Es drohen Geldstrafen, wenn das Jugendarbeitsschutzgesetz nicht eingehalten wird.
  • Tipp 2: Erinnern Sie den Azubi an die vorgeschriebenen Regelungen. Falls es doch einmal Probleme mit Überstunden, Urlaub oder Schichtarbeit geben sollte, sind Sie der erste Ansprechpartner für den Auszubildenden. Beraten Sie ihn bei möglichen Fragen und erinnern Sie ihn an seine Rechte und Pflichten.

Vor allem bei minderjährigen Auszubildenden gibt es viele Vorschriften, an die sich der Azubi und das Unternehmen halten müssen. Diese auch wirklich zu beachten, lohnt sich aber für beide Seiten: Denn wenn der Azubi sich nicht überarbeitet fühlt, profitiert das Unternehmen von einem motivierten Azubi.

Autor: Redaktion Personalwissen

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