Duzen oder Siezen im Unternehmen: Vor- und Nachteile der Duz-Kultur

Duzen oder Siezen im Unternehmen: Vor- und Nachteile der Duz-Kultur

Immer mehr Arbeitgeber und Konzerne wie zum Beispiel Otto, Ikea und Google entscheiden sich dazu, eine sogenannte Duz-Kultur in ihrem Unternehmen einzuführen.

    Hierbei handelt es sich um eine Unternehmenskultur, bei der sich alle Mitarbeiter nicht mehr Siezen, sondern sich direkt mit dem Vornamen ansprechen. Das lässige und persönliche DU in der Arbeitswelt soll nicht nur Hierarchien abschaffen, Synergien freisetzen und alle Mitarbeiter zu mehr Leistung motivieren. Vielmehr soll der persönliche Umgang miteinander sogar dazu führen, dass die unternehmerischen Ziele schneller erreicht werden können.

    Doch die trendige Duz-Kultur hat nicht nur Vorteile, sondern birgt auch gewisse Risiken, die jeder Arbeitgeber wissen sollte. Im Folgenden verraten wir Ihnen die Vor- und Nachteile der Duz-Kultur und zeigen Ihnen, wie Sie den Kulturwandel in Ihrem Unternehmen erfolgreich vollziehen.

    Business-Knigge-Regeln zum Duzen und Siezen am Arbeitsplatz

    Bevor wir Ihnen die neue trendige Duz-Kultur vorstellen, verraten wir Ihnen im ersten Schritt die generellen Regelungen der Business-Etikette zum Siezen und Duzen in der Arbeitswelt, die sich in den letzten Jahren fest im Berufsleben etabliert haben. Diese helfen Ihnen dabei, richtig zu Siezen und zu Duzen und dienen Ihnen zugleich als Richtschnur für die Entscheidung, wann Sie einen freundlichen Umgang per DU anbieten oder akzeptieren sollten.

    Wer darf wem das DU als Anrede anbieten?

    Nach den Knigge-Regeln ist nicht jeder Mitarbeiter gleichermaßen dazu berechtigt, auf seine Kollegen zuzugehen und die Ansprache mit DU anzubieten. Stattdessen schreiben die Business-Regeln zum Duzen und Siezen eine bestimmte Rangfolge vor, die sich durch die folgenden Kriterien ergibt:

    • Der Rang im Konzern: In den Knigge-Regeln ist festgeschrieben, dass der Ranghöhere in den Firmen immer demjenigen mit niedrigerer Position das DU, also die Ansprache mit dem Vornamen, anbietet. Übersetzt bedeutet dies, dass man immer darauf warten muss, ob der Vorgesetzte oder eine Führungskraft einem die Anrede per DU anbietet, bevor man diesen duzt. Das gilt auch dann, wenn der Vorgesetzte schon einige Kollegen mit DU begrüßt und einzelne Angestellten weiterhin gesiezt werden Es ist die Entscheidung des Vorgesetzten, wann er seine Mitarbeiter duzt und von wem eine Führungskraft gesiezt werden möchte. Es kann aus der Sicht des Vorgesetzten gute Gründe dafür geben, noch beim förmlichen Siezen zu bleiben.
    • Das Geschlecht: Grundsätzlich gilt, dass eine Dame einem Herrn die Ansprache per DU zuerst anbietet und der Mann sich aus Höflichkeit und Respekt zurückhält. Im heutigen Berufsalltag ist das Geschlecht jedoch weniger entscheidend, wenn es um einen Wechsel vom förmlichen SIE ins lässige DU geht. Nichtsdestotrotz sollte man hier nicht voreilig die Ansprache per DU anbieten, denn viele Frauen bevorzugen es, im Berufsleben gesiezt zu werden.
    • Das Alter: Generell siezt ein jüngerer Mitarbeiter einen älteren Mitarbeiter solange, bis dieser ihm das DU als Anrede erlaubt – eine Regel, die auf den Respekt vor Älteren zurückgeführt wird. Doch obwohl auch diese Tradition nicht mehr in allen Unternehmen fest etabliert ist, sollten Sie nicht vorpreschen und allen Altersgruppen im Unternehmen das DU anbieten. Denn viele ältere Semester kennen und schätzen die Knigge-Verhaltensregeln zum Siezen noch sehr und möchten selbst entscheiden, wann Sie mit dem Vornamen angesprochen werden wollen und auch wem sie das DU anbieten.
    • Das Dienstalter: Innerhalb eines gleichrangigen Team spielt das Dienstalter eine wichtige Rolle. Das heißt, wer bereits länger im Unternehmen tätig ist, hat die Befugnis, den Neulingen die Ansprache per DU anzubieten.

    Darf man das DU ablehnen?

    Wer ein Angebot zum Duzen erhält, muss dieses nicht zwingend annehmen. Möchte man zum Beispiel kein DU im Büro und möchte beim Siezen bleiben, so darf man das Angebot ablehnen. Dies sollte jedoch möglichst höflich und freundlich erfolgen. Ansonsten kann eine Ablehnung zu Kränkungen und Verwirrungen führen.

    Doch wie lehnen Sie das DU erfolgreich ab? Bedanken Sie sich im ersten Schritt für dieses Angebot und erklären Sie anschließend respektvoll, warum Sie jedoch das DU ablehnen und das förmliche SIE bevorzugen. Betonen Sie, dass Ihre Entscheidung auf keiner persönlichen Wertung basiert, sondern auf rein formelle Gründe zurückgeht.

    Gerade das DU von seinem Chef oder dem Geschäftsführer abzulehnen kann sehr heikel sein. Denn trotz einer guten und nachvollziehbaren Erklärung, kann das Ablehnung des DUs dazu führen, dass man die Gunst des Chefs verliert. Trotzdem sollten Sie jederzeit authentisch bleiben und sich nicht verbiegen. Wenn Sie ein förmliches SIE mehr schätzen als ein DU und die professionelle Distanz im Job wahren möchten, dann erklären Sie dies so offen und klar – aber freundlich, sodass man Ihre Entscheidung akzeptiert.

    Vom Duzen zurück zum Siezen – geht das?

    Grundsätzlich gibt es keinen Weg vom Duzen zurück zum Siezen. Denn ein DU kann nicht zurückgenommen werden. Es gilt somit für das gesamte Leben, egal in welche Position jemand aufsteigt oder ob es Streitigkeiten und Missverständnisse gab.

    Aus diesem Grund ist es im Job immer wichtig, nicht zu voreilig ein DU anzubieten und auch immer an die professionelle und förmliche Distanz zu Kollegen, Führungskräften oder den direkten Vorgesetzten zu denken.

    Ausnahme beim Duzen: Das DU auf Unternehmensfeiern

    Auf Firmenfeiern bieten sich Kollegen unterschiedlichster Hierarchien oft schnell das DU an. Meist geschieht dies aus einer Laune heraus oder weil die gute Stimmung und der lockere Abend zu einem lässigen Umgang miteinander verleitet.  Seien Sie hier kritisch, ob das DU auch später und in der gemeinsamen Arbeit im Unternehmen noch gilt. Manchmal wird das DU ohne Nachdenken angeboten und gilt nur für diesen Abend. Wenn Ihr Chef Ihnen das DU anbietet, achten Sie sehr genau darauf, wie er auf Sie wirkt und seien Sie vorsichtig. Denn wenn Sie ihn am nächsten Tag auch noch ganz locker duzen kann das gehörig in die Hose gehen. Warten Sie also erst einmal ab, ob ein DU auch nach einer Feier gilt oder ob es nur für diesen Abend gedacht war. Besonders wenn Ihnen der Chef das DU angeboten hat.

    Merken Sie nach der Feier in der Begrüßung, dass die Nähe zum Gegenüber fehlt und dieser wieder gewohnt distanziert auftritt, dann siezen Sie Ihren Chef einfach wieder förmlich. Der Ranghöhere kann dann immer noch daran erinnern, dass Sie bereits beim DU waren und Ihnen dies noch einmal im Rahmen des normalen Arbeitsalltags anbieten. Dieses DU ist dann verbindlich und gilt auf Lebenszeit.

    Duz-Kultur als neuer Trend: Duzen am Arbeitsplatz?

    Die großen, internationalen Firmen Ikea, Google und auch Lidl und Otto haben es in den letzten Jahren vorgelebt: die Duz-Kultur. Viele Firmen sind dem Beispiel gefolgt und haben die Duz-Kultur zur festen Umgangsform im Unternehmen gemacht und zeigen dies auch öffentlich in ihrer Unternehmenskultur, ihren Werten und auch in den Stellenanzeigen des Unternehmens. Die Ergebnisse einer Befragung der Jobbörse Stepstone sowie der Personal- und Managementberatung Kienbaum zeigten, dass bereits jede dritte befragte Fachkraft alle Kollegen und Vorgesetzen am Arbeitsplatz duzt. Jeden Mitarbeiter im Büro förmlich zu siezen ist also längst nicht mehr die Normalität.

    Immer mehr Firmen schwenken also komplett auf den Vornamen und somit einem lockeren Umgang im Berufsleben um. Dafür haben sie allerdings gute Gründe: Denn durch die Globalisierung wird ein Konzern immer internationaler und Englisch wird immer wichtiger als Unternehmenssprache. Viele Worte und Begriffe sind mit englischen Begriffen unterlegt und auch Kollegen aus englischsprachigen Bereichen arbeiten in deutschen Konzernen in hochrangigen Positionen. Da es im englischen Sprachgebrauch kein SIE gibt, ist es für einen amerikanischen Manager nicht vorstellbar, seine Mitarbeiter zu siezen. So ändert sich auch durch die Globalisierung die Unternehmenskultur und das Duzen hält immer mehr Einzug.

    Doch auch in jungen Firmen und Startups ist das DU als Anrede zwischen den Kollegen und der Chefetage üblich. Die Firmenkultur unterliegt einem stetigen Wandel und kommt nun mit neuer Frische. Das Duzen soll das Wir-Gefühl sowie den gemeinschaftlichen Umgang miteinander stärken, die Strukturen und Hierarchien des Unternehmens abflachen und jedem Mitarbeiter zeigen, dass er Verantwortung trägt und ein wichtiger Bestandteil der Firma ist.

    Der Trend weg vom Siezen und hin zum Duzen lässt sich nicht mehr aufhalten und wird sich in den nächsten Jahren weiter verbreiten. Als Unternehmer müssen Sie dennoch nicht jeden Trend mitmachen und können für sich entscheiden, ob die Duz-Kultur zu Ihrer Unternehmenskultur und -werten passt und ob Sie selbst diese Abflachung der Hierarchie befürworten.

    Die Chancen der Duz-Kultur: Diese Vorteile birgt die Ansprache per DU

    Die Vorteile des Duzens im Job sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Unternehmen liegen auf der Hand.

    Die Einführung einer Duz-Kultur im Unternehmen kann die Motivation und Leistungsfähigkeit aller Mitarbeiter steigern. Urheber: djile | Adobe Stock

    Duz-Kultur fördert Arbeitsklima und das Image des Unternehmens

    In Konzernen in denen geduzt wird, werden Barrieren beseitigt und Synergien zwischen allen Angestellten geschaffen. Die Duz-Kultur fungiert als Eisbrecher und führt dazu, dass die einzelnen Mitarbeiter anders miteinander umgehen als beim steifen Sie. Denn durch die lockere Sprache im Betrieb zeigen sich die Mitarbeiter mehr Vertrauen und kommunizieren auf Augenhöhe, wodurch jeder Einzelne ein Gefühl von Wertschätzung und Anerkennung seitens der Kollegen und der Geschäftsleitung erfährt. So werden selbst bei Großunternehmen die Hierarchieebenen eingerissen sowie das Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl und die Teamfähigkeit der Kollegen untereinander gestärkt. Doch auch neue Kollegen und Bewerber fühlen sich in dieser offenen, frischen und modernen Kultur, in der jeder geduzt wird, wohler und angenommener.

    Laut einer Studie vom dem Wirtschaftspsychologen Uwe Kanning und der HR-Beraterin Sarah Winkelmann erscheint eine Firma, bei der die Bewerber bereits im Vorstellungsgespräch geduzt werden, mitarbeiterorientiert und innovativer. Die Befragten der Studie von Kanning und Winkelmann waren davon überzeugt, dass das Unternehmen mit der Duz-Kultur seinen Bewerbern ein gutes Arbeitsklima mit freundlichen Kollegen sowie vielfältige Tätigkeitsbereiche bieten kann.

    Eine Duz-Kultur steigert somit nicht nur das interne Arbeitsklima, sondern kann auch die gesamte Firmenkultur stärken, wodurch ebenfalls das Image des Unternehmens und der Geschäftsleitung gefördert wird.

    Mehr Motivation und Umsatz durch die Ansprache per DU

    Ein persönlicher Umgangston, den die Duz-Kultur mit sich bringt, sorgt zudem für mehr Motivation und Identifikation der Mitarbeiter. Und wer motiviert ist und sich mit dem Unternehmen und seinen Menschen identifiziert, bringt in der Regel mehr Leistung. Zudem ist er pünktlicher, weniger krank und belastbarer!

    Das partnerschaftliche und lässige „Start-Up“ Klima bringt in den meisten Fällen einen höheren „Output“ und hilft, Unternehmensziele besser und schneller zu erreichen. Letztendlich kann solch eine Unternehmenskultur auch zu steigenden Umsätzen, wie Beispiele aus der Wirtschaft zeigen, führen.

    Natürlich reicht nur das persönliche Duzen allein dazu nicht aus. Auch alle anderen Parameter für einen erfolgreichen Konzern müssen erfüllt sein. Ansonsten kann auch eine lässige Duz-Kultur nicht helfen, die Zufriedenheit und Motivation zu fördern. Besteht zum Beispiel ein eklatantes Missverhältnis der Work-Life-Balance oder in der allgemeinen Bezahlung der Mitarbeiter, kann auch eine Duz-Kultur dieses „Gap“ nicht ausgleichen.

    Die Nachteile und Risiken der Duz-Kultur

    Neben den Befürwortern einer Duz-Kultur gibt es jedoch auch viele Kritiker, die das Duzen im Berufsleben skeptisch betrachten. Denn letztlich birgt die persönliche Duz-Kultur nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile und Risiken im Berufsleben, mit denen Sich ein Arbeitgeber stets vor der Einführung einer Duz-Kultur auseinandersetzen sollten.

    Negative Folgen der Hierarchieabflachung

    Auch in einer Duz-Kultur hat der Vorgesetzte eine Weisungskompetenz gegenüber den Arbeitnehmern, die Respekt und Achtung seitens der Mitarbeiter erfordert. Das lässige DU schafft jedoch eine größere Nähe und mindert die Distanz zwischen den Hierarchieebenen. Diese vermeintliche Vertrautheit kann jedoch dazu führen, dass der Chef weniger als Chef, sondern als Gleichgestellter betrachtet wird. Im Zuge dessen kann es zu mangelndem Respekt, einer gezielten Ausnutzung sowie einer verringerten Arbeitsproduktivität kommen.

    Duz-Kultur führt bei Mitarbeitergesprächen zu Schwierigkeiten

    Dasselbe Problem tritt bei Verhandlungen einer Gehaltserhöhung oder einer Kündigung auf. Bei derartigen Gesprächen erweist sich die Duz-Kultur als äußerst problematische Entscheidung. Denn Fakt ist: Haben Sie das DU erst einmal angeboten, wird der Mitarbeiter nicht bei Gesprächen für eine Gehaltserhöhung zum SIE übergehen. Doch auch Sie können den bis dato geduzten Mitarbeiter nicht auf einmal mit SIE ansprechen. So ergibt sich eine Gesprächsbasis, die sowohl für den Arbeitgeber als auch für den um eine Gehaltserhöhung Ersuchenden unangenehm ist.  Auch bei einer Kündigung kann die lässige Duz-Kultur einen ganz anderen Beigeschmack haben als ein Gespräch, das mit der Distanz des „Sie“ geführt wird. Schwierigkeiten sind bei einer Duz-Kultur also vorprogrammiert, da sich eine finanzielle Verhandlung zur Gehaltserhöhung oder das Gespräch über das Ausscheiden aus der Firma nicht auf persönlicher Ebene mit DU führen lässt.

    Doch auch der Arbeitspsychologe Tim Hagemann steht einer persönlichen Duz-Kultur kritisch gegenüber. Hagemann ist davon überzeugt, dass die lässige Umgangsform zu Schwierigkeiten innerhalb des Betriebes sowie bei unangenehmen Entscheidungen vom Chef führen kann. Der Arbeitspsychologe Hagemann betont dabei, dass sowohl die persönliche Kommunikation per DU als auch die Unternehmenskultur miteinander im Einklang stehen müssen, damit eine Duz-Kultur nicht negative Folgen mit sich bringt.

    Duz-Kultur liefert Brennstoff für Konflikte

    Doch auch in der Streitkultur einer Firma kann es durch zu viel Nähe zu einem Problem kommen. Denn durch die Vertrautheit untereinander kann es den Mitarbeitern zunehmend schwerfallen, bei Konflikten einen professionellen Umgang beizubehalten. Durch das persönliche DU können Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten viel schneller eskalieren und Worte sowie Kritik werden sehr viel persönlicher empfunden.

    Der persönliche Umgang miteinander kann bei Konflikten schneller zu einer Eskalation führen. Urheber: Andrey Popoy | Adobe Stock
    Die Nachteile einer Duz-Kultur im Berufsleben sollte man nicht unterschätzen und genauestens abwägen, ehe Sie zur persönlichen Duz-Kultur übergehen und eine Einbahnstraße in der Hierarchie in Ihrem Unternehmen beschreiten.

    Zu welchen Unternehmen passt eine Duz-Kultur?

    Die Einführung einer freundlichen Duz-Kultur in Ihrem Unternehmen ist lediglich sinnvoll, wenn diese persönliche und lässige Umgangsform auch zu Ihrer Unternehmenskultur und -kommunikation passt. Denn die Duz-Kultur ist modern, offen sowie innovativ und passt daher primär in Unternehmen mit eben dieser Ausrichtung.

    Diese Unternehmen profitieren von einer Duz-Kultur

    Vor allem Startups und innovative Unternehmen, die sich durch eine offene Firmenkultur und eine transparente Kommunikation auszeichnen, profitieren von der flachen Hierarchie, die mit einer Duz-Kultur einhergeht. Hier kann der Wandel in eine Duz-Kultur zu einer deutlichen Verbesserung des Arbeitsklimas sowie der Leistungssteigerung der Mitarbeiter führen.

    Doch nicht nur junge Startup, sondern auch Großunternehmen können von einer Duz-Kultur profitieren. Bewiesen hat es der Chef Otto-Hans Schrader von dem Konzern Otto Group. Nachdem der Otto-Chef seinen mehr als 50.000 Mitarbeitern das persönliche DU angeboten hat, sind nicht nur die Mitarbeiter begeistert, sondern auch viele weitere Unternehmen der Otto Group. So führten kurzerhand auch Bonprix, Heine, Baur und weitere Konzerne die von Otto-Hans Schrader vorgelebte Duz-Kultur ein.

    Zu diesen Unternehmen passt keine Duz-Kultur

    Laut den Ergebnissen der Umfrage von Stepstone und Kienbaum gibt es jedoch auch spezielle Branchen und Bereiche, bei denen mehr Fachkräfte zum DU tendieren als bei anderen Branchen. Dazu gehören zum Beispiel Fachkräfte aus der IT- und PR-Branche. Hier gaben rund 70 Prozent der Befragten an, einen persönlichen Umgangston per DU in Ihrem Unternehmen zu verfolgen. Konzerne und Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind, eignen sich daher sehr gut für eine Duz-Kultur.

    Bei einer seriösen, traditionellen Versicherungsagentur oder im Finanzgeschäft hingegen kann der Wandel zu einer Duz-Kultur mit Schwierigkeiten verbunden sein. Denn die Umfrage-Ergebnisse von Kienbaum und Stepstone zeigt, dass nicht einmal ein Drittel der Befragten aus dem öffentlichen Dienst (15 Prozent) oder aus der Bankbranche (20 Prozent) sich gegenseitig duzen. In diesem Fall könnte ein zu großer Kulturwandel innerhalb des Unternehmens auf Unverständnis stoßen und aufgrund der fehlenden Identifikation mit dem Arbeitgeber sogar zu einer gesteigerten Fluktuation führen. Hier muss im Einzelfall entschieden werden, ob eine Duz-Kultur wirklich zu den gewünschten Effekten führt oder doch negative Auswirkungen nach sich ziehen könnte.

    Möchten Sie sich als junges, dynamisches Unternehmen auf dem Markt etablieren und das staubige Image der Distanz zwischen Hierarchien ablegen? Dann ist die Duz-Kultur eine gute Möglichkeit für Ihr Unternehmen.

    Tipps für eine erfolgreiche Duz-Kultur im Unternehmen

    Wie Sie bereits wissen kann eine Duz-Kultur verschiedene Vor- und Nachteile mit sich bringen. Damit die Einführung einer Duz-Kultur in Ihrer Firma erfolgreich ist, geben wir Ihnen im Folgenden drei Tipps an die Hand:

    Tipp 1: Die Duz-Kultur ist nicht nur eine Management-Entscheidung

    Damit Ihre Duz-Kultur Erfolg hat und zu den oben aufgeführten Vorteilen führt, sollten Sie eine offene Kommunikation anstreben und Ihre Mitarbeiter mit in die Entscheidung einbeziehen. Denn manche Arbeitskräfte fühlen sich in einem Arbeitsumfeld wohler, bei dem das Siezen eine gewisse professionelle Distanz schafft. Damit sich Ihre Mitarbeiter trotz der Umstellung auf eine Duz-Kultur weiterhin mit Ihrem Unternehmen identifizieren, sollten Sie eine Umfrage in der Firma starten und die Mehrheitsmeinung als Entscheidungsgrundlage nehmen.

    Tipp 2: Eine Duz-Kultur kennt keine Beschränkungen

    Wenn Sie sich für eine Duz-Kultur in Ihrem Unternehmen entscheiden, sollten Sie jede Hierarchieebene miteinbeziehen. So werden zum Beispiel Arbeitgeber, bei denen der Chef gesiezt werden soll und die Duz-Kultur nur in der Belegschaft gilt, von den meisten Arbeitnehmern als Respektlos beurteilt. Eine unvollständige Duz-Kultur im Arbeitsalltag wirkt sich also immer nachteilig auf Ihre Beliebtheit als Arbeitgeber aus. Doch eine vollständige Duz-Kultur bedeutet auch, dass Sie Ihre Unternehmenskultur auch nach außen tragen und selbst bei Stellenanzeigen und im Vorstellungsgespräch mit Bewerbern die Ansprache per DU anstreben.

    Tipp 3: Gehen Sie als Vorbild voran!

    Vielen Arbeitnehmern wird es insbesondere bei Vorgesetzten und Höherrangigeren schwerfallen, sofort auf das lockere DU zu wechseln. Damit sich Ihre neue Duz-Kultur möglichst schnell im gesamten Unternehmen verbreitet und sich diese Veränderung auch durchsetzt, sollten Vorgesetzte sowie der Geschäftsführer mit gutem Beispiel vorangehen und ganz nach den Business-Knigge-Regeln allen Arbeitnehmern im Büro das DU anbieten.

    Gibt es einen Rückweg aus der Duz-Kultur?

    Diese Frage lässt sich nur mit einem ganz klaren Nein beantworten. Ist die Duz-Kultur erst einmal in Ihrem Unternehmen eingezogen, bleibt der Weg zurück versperrt. Wenn Sie freundschaftlichen Ton in Ihrer Unternehmenskultur eingeführt haben, können Sie nicht wieder zum SIE übergehen. In diesem Fall würden Ihre Mitarbeiter glauben, dass sie einen Fehler gemacht und an Vertrauen verloren haben. Die Duz-Kultur auf der Arbeit ist eine tiefgreifende Entscheidung ohne Umkehr oder Abzweig.

    Fazit: Die Duz-Kultur als Erfolgstreiber eines Unternehmens

    Von Lidl über Google bis hin zu Otto: Der Trend zum Duzen im Büro verbreitet sich in der Arbeitswelt rasant – und das zu Recht. Von einer gesteigerten Mitarbeiterzufriedenheit und –motivation über ein gestärktes Arbeitsklima und Unternehmensimage bis hin zum Umsatzwachstum: Eine Duz-Kultur birgt zahlreiche Vorteile für ein Unternehmen.

    Doch eine Duz-Kultur auf der Arbeit kann auch negative Folgen nach sich ziehen – zum Beispiel, wenn der Kulturwandel in Ihrem Unternehmen auf Unverständnis stößt. Aus diesem Grund sollten Sie im Vorfeld sowohl die Vor- als auch Nachteile einer Duz-Kultur abwägen und herausfinden, ob die Duz-Kultur wirklich zu der Kultur, den Werten und der Philosophie Ihres Unternehmens passt.

    Die Entscheidung, eine Duz-Kultur in Ihrer Firma einzuführen, sollten Sie dabei keineswegs leichtfertig treffen. Denn eine Duz-Kultur ist nichts, was Sie vorübergehend einführen können. Sind Sie diesen Schritt erst einmal gegangen, gibt es keinen Weg zurück.

    FAQ: Die Antworten auf die häufigsten Fragen rund um die Duz-Kultur

    Was ist eine Duz-Kultur?

    Eine Duz-Kultur beschreibt eine Unternehmenskultur, bei der sich alle Beschäftigten unabhängig der unternehmensinternen Position per DU ansprechen, um die Hierarchien innerhalb der Firma abzubauen und Synergien freizusetzen.

    Was sind die Vorteile vom Duzen im Unternehmen?

    Ein lockerer und persönlicher Umgangston in Form vom Duzen beseitigt die Barrieren in einem Unternehmen und lässt Hierarchieebenen verflachen. So entsteht eine Unternehmenskultur, die sich durch eine offene Kommunikation, Wertschätzung und gegenseitige Anerkennung auszeichnet und das Gemeinschaftsgefühl, das Arbeitsklima sowie das Image optimiert. Die Mitarbeiter sind durch die Duz-Kultur motivierter und somit auch leistungsfähiger. Studien zeigen, dass Unternehmen, bei der sich alle Beschäftigten duzen, sogar schneller und effizienter die Unternehmensziele erreichen können.

    Was sind die Nachteile vom Duzen im Unternehmen?

    Eine Duz-Kultur führt zu einer stärkeren Vertrautheit zwischen Führungskräften und Arbeitnehmern, die in manchen Arbeitssituationen nicht von Vorteil ist. So kann die Ansprache per DU zum Beispiel bei Gehaltsverhandlungen oder Kündigungen zu Schwierigkeiten führen. Doch auch die Streitkultur eines Unternehmens profitiert nicht in jedem Fall von dem persönlichen und lässigen Umgangston. Denn durch das Duzen können Konflikte schneller eskalieren. Aufgrund dieser Risiken sollte ein Geschäftsführer die Vor- und Nachteile einer Duz-Kultur genauestens abwägen.