Emotionen

Beurteilungs-, Verteilungs- oder persönlicher Konflikt? Die richtige Einordnung ist der erste Schritt zur Lösung

Konflikte und Spannungen gibt es überall, wo Menschen miteinander arbeiten. Auch Ihr Team wird davon nicht verschont bleiben. Ein Konflikt wird jedoch problematisch, wenn er längere Zeit schwelt. Er kann dann das Betriebsklima vergiften und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden und Ihrer Abteilung nachhaltig und spürbar beeinträchtigen. Durch ein gezieltes Konfliktmanagement wirken Sie dem entgegen.

Hildegard Gemünden

07.07.2026 · 2 Min Lesezeit

Das Ziel: Eine Lösung, die alle Beteiligten mittragen können

Dieses Ziel erreichen Sie in der Regel nur, wenn Sie die Beteiligten dazu bringen, ihre eingefahrenen Denkmuster zu verlassen und neue Sichtweisen zuzulassen. Die zentralen Fragen lauten dabei: „Muss es so sein?“, „Warum hat der Betroffene ein Problem damit?“ und „Worauf will sie eigentlich hinaus?“. Die genaue Herangehensweise unterscheidet sich dann je nach Art des Konflikts.

Beurteilungskonflikte beruhen oft auf unterschiedlichen oder fehlenden Informationen

Bei einem Beurteilungskonflikt geht es beispielsweise darum, welches Ziel verfolgt werden soll oder welches der richtige Weg ist. Um den Konflikt aufzulösen, gehen Sie etwa so vor:

Schritt 1: Fragen Sie: Ist es tatsächlich so, dass eine Rivalität um unterschiedliche Ziele besteht, oder lassen sie sich verbinden?

Schritt 2: Wenn sie sich nicht verbinden lassen: Welches Ziel ist das wichtigere?

Schritt 3: Wenn auch das nicht klar ist: Wie kann ich Klarheit gewinnen (etwa durch zusätzliche Informationen, Testphase)?

Häufig führt ein unterschiedlicher Informationsstand zu einer unterschiedlichen Beurteilung. Hier können umfassende Informationen und ein Erfahrungsaustausch zwischen den Parteien helfen.

Lösen Sie Verteilungskonflikte organisatorisch

Stellen Sie sich vor, dass mehrere Abteilungen sich regelmäßig um die Nutzung des einzigen Konferenzraums streiten. Der Streit lässt sich lösen durch

  • einen zusätzlichen Konferenzraum,
  • einen festen Nutzungsplan oder
  • die Benennung einer Stelle, die für die Belegung des Raums nach bestimmten Kriterien zuständig ist.

Bei persönlichen Konflikten fehlt es meist an Akzeptanz und gegenseitigem Verständnis

Wenn Sie einen schwerwiegenden persönlichen Konflikt zwischen Mitarbeitenden wahrnehmen, können Sie den Beteiligten anbieten, ein Gespräch zwischen ihnen zu moderieren, damit die Zusammenarbeit wieder besser gelingt. Wenn die Beteiligten jemand anders für die Moderation bevorzugen, sollten Sie auch das akzeptieren. Wichtig ist, dass Sie wirklich nur moderieren und sich nicht auf eine Seite schlagen. Denn letztlich können allein die Beteiligten selbst den Konflikt lösen.

7 Schritte eines erfolgreichen Konfliktgesprächs

1. Erläutern Sie das Gesprächsziel: Erklären Sie etwa, dass Konflikte normal sind und dass sie oft kreatives Potenzial entwickeln – allerdings nur, wenn alle Beteiligten einander respektvoll zuhören und versuchen, die Position des jeweils anderen nachzuvollziehen. Auf dieser Grundlage lässt sich vielleicht eine gemeinsame Lösung finden, mit der alle besser leben und arbeiten können.

2. Einigen Sie sich auf Gesprächsregeln: Dazu gehören neben der Vertraulichkeit, dass

  • jeder ausreden darf,
  • es ein Geben und Nehmen sein sollte und
  • niemand einer Lösung zustimmen soll, bei der er sich als Verlierer fühlt.

3. Lassen Sie Ihre Mitarbeitenden Wünsche aufschreiben: Jeder Beteiligte sollte notieren, was er sich warum vom anderen wünscht, damit er selbst wieder besser arbeiten kann.

4. Stellen Sie sicher, dass die Wünsche verstanden werden: Bitten Sie die Gesprächspartner, die Wünsche des jeweils anderen mit eigenen Worten zu formulieren. Fragen Sie anschließend den Verfasser des Wunsches, ob das so gemeint war. Bei Unklarheiten bitten Sie um Beispiele zur Erläuterung.

5. Lassen Sie Ihr Team Lösungen erarbeiten, etwa in einem Brainstorming. Sammeln Sie zunächst alle Lösungsvorschläge und lassen Sie diese anschließend bewerten. Danach sollten die Beteiligten sich gegenseitig Angebote machen: „Wenn Sie …, dann werde ich …“

6. Protokollieren Sie die Lösungen: Ein schriftliches Protokoll schafft Verbindlichkeit und nimmt Unsicherheit.

7. Vereinbaren Sie zum Gesprächsabschluss einen Folgetermin: Nehmen Sie noch einmal kurz Bezug auf die Verletzungen, die es vermutlich gegeben hat, und dass Sie hoffen, diese künftig zu vermeiden. Vereinbaren Sie einen Folgetermin, um zu prüfen, ob

  • die Absprachen eingehalten werden,
  • die Zusammenarbeit nun reibungslos funktioniert oder
  • weitere Überlegungen und Anstrengungen erforderlich sind.

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Hildegard Gemünden ist seit mehr als 20 Jahren als Chefredakteurin, Autorin und Beraterin tätig. Sie ist spezialisiert auf Arbeits-, Lohnsteuer- und Sozialversicherungsrecht sowie eine moderne Mitarbeiterführung