Kommunikation

Erfolgreiche Krankenrückkehrgespräche – so geht’s!

In Krankenrückkehrgesprächen geht es in erster Linie darum, dass Sie mit dem oder der Betroffenen Kontakt aufnehmen, sich mit ihm oder ihr nach seiner/ihrer Rückkehr aus der Krankheit zusammensetzen und über die Fehlzeiten sprechen.

Michael T. Sobik

06.11.2025 · 3 Min Lesezeit

Führen Sie immer individuelle Gespräche

Im Rückkehrgespräch nach einer Erkrankung werden die aktuelle gesundheitliche Situation Ihrer oder Ihres Mitarbeitenden, eventuelle arbeitsbedingte Ursachen der Fehlzeiten und die Zusammenhänge mit früheren Erkrankungen erörtert und erfragt. Eine Protokollierung ist dabei obligatorisch und manchmal erfolgt die Gesprächsführung nach bestimmten vorgegebenen Standards.

Meine Empfehlung!

Verschaffen Sie sich vor dem Gespräch einen Überblick über die Fehlzeiten des oder der Mitarbeitenden und über die Entwicklung der Anwesenheit in den letzten Monaten. Noch etwas: Formalisierte Krankenrückkehrgespräche, also solche nach bestimmten Standards, die Sie nach einem vorab festgelegten Schema führen, sind immer mitbestimmungspflichtig. Wollen Sie vermeiden, dass Sie hier mit Ihrem Betriebsrat eine Vereinbarung treffen müssen, führen Sie immer individuelle Gespräche ohne feste Vorgaben oder Standards.

An diese Regeln sollten Sie sich bei Krankenrückkehrgesprächen halten

Die folgenden Regeln sollten Sie bei diesen speziellen Gesprächen unbedingt beachten:

1. Kein Ausspionieren Ihrer Mitarbeitenden

Ziel dieser Gespräche darf auf gar keinen Fall sein, Mitarbeitende auszuspionieren – lassen Sie das Gespräch nicht zu einer peinlichen Befragung werden!

2. Beachten Sie das Persönlichkeitsrecht

Auch im Krankenrückkehrgespräch haben Sie das Persönlichkeitsrecht Ihrer Mitarbeitenden zu achten. Zeigen Sie deshalb unbedingt Fingerspitzengefühl.

3. Die Diagnose bleibt Tabuzone

Die Diagnose, die zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat, bleibt grundsätzlich tabu. Mitarbeitende müssen sich hierzu nicht äußern. Eine Ausnahme besteht nur, wenn Sie ein berechtigtes betriebliches Interesse an dieser Frage haben, etwa wegen Ansteckungsgefahr. Oder in dem Fall, dass der begründete Verdacht besteht, dass der oder die Mitarbeitende die Erkrankung nur vorgetäuscht hat.

So läuft ein Krankenrückkehrgespräch ab

Um den Ablauf eines Krankenrückkehrgesprächs zu strukturieren, hilft Ihnen der folgende beispielhafte Gesprächsleitfaden:

1. Begrüßen Sie den Mitarbeiter und zeigen Sie Ihre Freude über dessen Rückkehr an den Arbeitsplatz.

„Hallo Herr F.! Ich freue mich, Sie zu sehen. Wie geht es Ihnen?“

2. Erklären Sie dem Mitarbeiter kurz den Grund des Gesprächs und deuten Sie Ihre Fürsorge an.

„Als Vorgesetzter mache ich mir Gedanken über die Gesundheit der Mitarbeiter und habe hier ja eine besondere Fürsorgepflicht. Ich möchte mich deshalb kurz mit Ihnen unterhalten.“

3. Weisen Sie jetzt unbedingt auf die Vertraulichkeit des Gesprächs hin. Dieser Punkt ist besonders zu Beginn der Unterhaltung wichtig.

„Sie dürfen absolut sicher sein, dass dieses Gespräch unter uns bleibt. Es besteht für beide Seiten absolute Vertraulichkeit und Sie wissen ja, dass Sie mir keine näheren Einzelheiten über Ihre Erkrankung oder gar die Krankheitsursachen erzählen müssen.“

4. Steigen Sie jetzt in das eigentliche Gespräch ein, am besten mit der Frage nach dem aktuellen Gesundheitszustand des Mitarbeiters.

„Sie sind jetzt seit zwei Tagen wieder an Ihrem Arbeitsplatz. Wie geht es Ihnen? Wie ist Ihr aktueller Gesundheitszustand? Sind Sie wieder vollständig fit oder gibt es gesundheitliche Einschränkungen, die ich bei Ihrem Einsatz berücksichtigen muss? Können Sie Ihre frühere Arbeit uneingeschränkt erbringen?“

Und weiter:

„Wie Sie sicher wissen, wollen wir gesunde Arbeitsplätze anbieten. Gab es Ursachen hier an Ihrem Arbeitsplatz, die für Ihre Erkrankung verantwortlich oder mitverantwortlich waren? Müssen wir etwas an Ihrem Arbeitsplatz verändern? Möchten Sie vielleicht lieber an einem anderen Arbeitsplatz arbeiten?“

Informieren Sie Ihren Mitarbeiter in dieser Phase des Gesprächs über wichtige Ereignisse während seiner Abwesenheit. Falls Ihr Mitarbeiter externe Hilfe benötigt, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, dies anzusprechen. Beenden Sie das Gespräch vertrauensvoll und positiv.

„Ich bedanke mich für dieses Gespräch. Vor allem für das Vertrauen, das Sie mir geschenkt haben. Haben Sie keine Scheu, mich anzusprechen, falls Ihnen noch etwas einfallen sollte und wir eventuell doch etwas an Ihren Arbeitsbedingungen ändern sollen.“

Bleiben Sie stets höflich und respektvoll. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Sie Druck machen wollen!

Ein gelungenes Krankenrückkehrgespräch ist oft mehr als nur ein Pflichttermin – es kann der erste Schritt sein, Vertrauen wieder aufzubauen und echte Fürsorge zu zeigen. Doch wer Mitarbeitende gesund halten will, muss weiterdenken: Wie sehr prägt eigentlich Ihr eigenes Verhalten die psychische Stabilität im Team? Welche Haltung vermitteln Sie als Führungskraft – bewusst oder unbewusst – jeden Tag?

Erfahren Sie im nächsten Beitrag, welchen Einfluss Sie persönlich auf die psychische Gesundheit Ihrer Mitarbeiter haben und wie Sie durch Vertrauen, Klarheit und Wertschätzung langfristig für ein gesundes Miteinander sorgen können.

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Micheal T. Sobik ist Rechtsanwalt mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Arbeits- und Betriebsverfassungsrecht. Als Unternehmensjurist befasst er sich täglich mit allen personal- und arbeitsrechtlichen Fragen. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung als […]