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Welcher Konflikt zuerst? Wie Sie mit der Eisenhower-Methode richtig priorisieren

In Ihrem Führungsalltag begegnen Ihnen immer wieder Konflikte: in Ihrem Team, mit Kolleginnen und Kollegen oder mit Kundinnen und Kunden. Um nicht im Strudel der Konfliktlösung zu versinken, ist es wichtig, dass Sie sich die Rangordnung der Konflikte, die auftreten, bewusst machen und den wichtigsten und dringendsten Konflikt zuerst angehen. Wie bei der Prioritätensetzung von Aufgaben können Sie dabei auf eine bewährte Methode zurückgreifen: die Eisenhower-Methode. Mit der folgenden Schritt-für-Schritt-Anleitung lernen Sie, wie Sie eine Rangliste verschiedener Konflikte erstellen und diese nach und nach angehen können.

Anne Sengpiel

16.01.2025 · 4 Min Lesezeit

Tauchen in Ihrem Führungsalltag mehrere Konflikte gleichzeitig auf, besteht leicht die Gefahr, sich einfach auf den erstbesten Konflikt zu stürzen. Vielleicht denken Sie: „Das ist eine Kleinigkeit. Diesen Konflikt habe ich schnell gelöst. Danach kann ich mich dann den anderen Baustellen zuwenden.“ Doch diese Einstellung kann gefährlich sein. Denn oft erkennen Sie bei Konflikten nur die Spitze des Eisbergs: Was als vermeintlich kleiner Konflikt daherkommt, kann unter Wasser weitaus größere Dimensionen verbergen. Daher ist es wichtig, sich vor der Lösung unterschiedlicher Konflikte zunächst einen Überblick zu verschaffen.

Deshalb sollten Sie sich einen Überblick über alle Konflikte verschaffen, bevor Sie sich mit der Lösung eines von mehreren Konflikten befassen.

Schritt 1: Listen Sie alle Konflikte auf und beschreiben Sie sie

Nehmen Sie ein leeres Blatt Papier und listen Sie alle Konflikte nacheinander auf. Es kann sich dabei um …

  • Spannungen im Team,
  • Kundenbeschwerden oder
  • Meinungsverschiedenheiten mit Kolleginnen und Kollegen handeln.

Achten Sie darauf, die Konflikte klar und konkret zu formulieren, z. B.:

  • Konflikt 1: Ein Teammitglied fühlt sich durch die neue Aufgabenverteilung benachteiligt.
  • Konflikt 2: Ein Top-Kunde droht, die Zusammenarbeit unverzüglich zu beenden, weil eine Lieferung verspätet und zudem fehlerhaft war.
  • Konflikt 3: Kollegin C kritisiert offen Ihre Entscheidungen im Meeting.
  • Konflikt 4: Ein Team soll die nächste Teambuilding-Maßnahme vorschlagen und die Teammitglieder sind sich darüber in die Haare geraten. Es scheint, als könnten die Beteiligten selbst keine Lösung finden. Das Teamevent soll allerdings erst im nächsten Halbjahr stattfinden.
  • Konflikt 5: Ihr Team ist in ein neues Büro umgezogen, und jetzt streiten sich die Teammitglieder über die Position der Schreibtische. Das ist ärgerlich, aber bedeutungslos.

Dieser Schritt hilft Ihnen, eine vollständige Übersicht zu erhalten und nichts Wichtiges zu übersehen.

Nachdem Sie sich die Unterschiedlichkeit der Konflikte vor Augen geführt haben, beginnen Sie, die Konflikte zu priorisieren.

Schritt 2: Analysieren Sie die Konflikte nach Wichtigkeit und Dringlichkeit

Wenden Sie für die Einordnung der Konflikte die Eisenhower-Methode an, die Sie vielleicht schon aus der Priorisierung von Aufgaben her kennen. Sie lässt sich sehr gut für die Kategorisierung von Konflikten anwenden.

Info:

Die Idee, die später zur Entwicklung der Eisenhower-Matrix führte, wurde dank des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower berühmt. In einer Rede zitierte der 34. amerikanische Präsident im Jahr 1954 einen Universitätspräsidenten mit den Worten: „Ich habe zwei Arten von Problemen, die dringenden und die wichtigen. Die dringenden sind nicht wichtig, und die wichtigen sind nie dringend.“

Nutzen Sie folgende Matrix:

Um jeden Konflikt zu beurteilen, sollten Sie ihn nach zwei Kriterien bewerten:

  • Ist der Konflikt dringend und
  • ist er wichtig?

Entsprechend ergeben sich auf den Achsen „dringend“ und „wichtig“ vier Quadranten:

  • In den blauen Quadranten „Feuer löschen“ gehören alle Konflikte, die sowohl wichtig als auch dringend sind. Sie sollten als Erstes erledigt werden. Meist handelt es sich um Krisen oder weitreichende Probleme.
  • In den gelben Quadranten „Planung & Prävention“ gehören Konflikte, die zwar wichtig, aber nicht dringlich sind. Hier gibt es (noch) keinen Termindruck. Aber die Aufgaben sollten rechtzeitig terminiert werden.
  • Zum grünen Quadranten zählen Konflikte, die nicht wichtig, aber durchaus dringlich sein können. Hier sollten Sie versuchen, sie zu reduzieren oder zu delegieren.
  • In den roten Quadranten gehören Scharmützel, die allen Beteiligten nur die Zeit stehlen. Sie sind weder wichtig noch dringend und gehören in den Papierkorb. Sie sollten nicht bearbeitet werden.

Schritt 3: Ordnen Sie Ihre Konflikte in die Matrix ein

 

Wichtig und dringend: Feuer löschen

Konflikt 2: Die Beschwerde des Top-Kunden ist sowohl wichtig als auch dringend. Kündigt der Kunde die Zusammenarbeit, entsteht Ihrem Unternehmen ein finanzieller Schaden.

Konflikt 3: Im Fall der Kritik der Kollegin sollten Sie schnell handeln. Sprechen Sie unter vier Augen. Hier reicht ein kurzes Gespräch von zehn Minuten.

Wichtig, aber nicht dringend: Planung & Prävention

Konflikt 1: Die Frage der Aufgabenverteilung im Team ist wichtig. Aber in der aktuellen Situation nicht von höchster Dringlichkeit.

Nicht wichtig und planbar: Delegieren

Konflikt 4: Bei der Planung der Teambuilding-Maßnahme besteht noch kein konkreter Handlungsbedarf.

Nicht wichtig und nicht dringend: Keine Zeit verschwenden

Konflikt 5: Positionierung der Schreibtische im neuen Büro.

Schritt 4: Lösen Sie kritische Konflikte sofort

Bei Konflikten im blauen Quadranten besteht dringender Handlungsbedarf, da der Kunde unmittelbar mit Konsequenzen droht. Gehen Sie strukturiert vor:

Beispiel: Der Top-Kunde droht mit Kündigung


Analysieren Sie die Ursachen und treten Sie aktiv mit dem Kunden in Kontakt, um Lösungen anzubieten (z. B. Kompensation, optimierte Lieferzeiten). Legen Sie eine klare Kommunikationsstrategie fest, um das Vertrauen wiederherzustellen.

Schritt 5: Planen Sie wichtige Dinge langfristig

Konflikte aus dem gelben Quadranten, die wichtig, aber nicht dringend sind, erfordern eine durchdachte Planung.

Beispiel: Ein Teammitglied fühlt sich benachteiligt


Führen Sie Gespräche, um die Beweggründe nachzuvollziehen. Entwickeln Sie gemeinsam eine faire Aufgabenverteilung. Planen Sie regelmäßige Teamgespräche, um ähnliche Probleme frühzeitig zu erkennen.

Schritt 6. Delegieren Sie nichts Dringendes

Dringende, aber nicht wichtige Konflikte aus dem grünen Quadranten sollten Sie delegieren.

Beispiel: Die Planung des Team-Events


Delegieren Sie die Lösung zurück ins Team. Sprechen Sie mit dem Team und terminieren Sie ein späteres Gespräch und machen Sie deutlich, dass Sie Ergebnisse und Lösungen erwarten. Setzen Sie eine neue Deadline.

FAZIT

Mit der Eisenhower-Methode können Sie Konflikte priorisieren und nachhaltig lösen. So können Sie Ihre Ressourcen sinnvoll einsetzen.

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Anne Sengpiel ist Autorin für Führungswissen und Kommunikationsexpertin. Sie verleiht Menschen Ausdruck: Unternehmenslenkern ebenso wie unbekannten Persönlichkeiten.