Tauchen in Ihrem Führungsalltag mehrere Konflikte gleichzeitig auf, besteht leicht die Gefahr, sich einfach auf den erstbesten Konflikt zu stürzen. Vielleicht denken Sie: „Das ist eine Kleinigkeit. Diesen Konflikt habe ich schnell gelöst. Danach kann ich mich dann den anderen Baustellen zuwenden.“ Doch diese Einstellung kann gefährlich sein. Denn oft erkennen Sie bei Konflikten nur die Spitze des Eisbergs: Was als vermeintlich kleiner Konflikt daherkommt, kann unter Wasser weitaus größere Dimensionen verbergen. Daher ist es wichtig, sich vor der Lösung unterschiedlicher Konflikte zunächst einen Überblick zu verschaffen.
Deshalb sollten Sie sich einen Überblick über alle Konflikte verschaffen, bevor Sie sich mit der Lösung eines von mehreren Konflikten befassen.
Schritt 1: Listen Sie alle Konflikte auf und beschreiben Sie sie
Nehmen Sie ein leeres Blatt Papier und listen Sie alle Konflikte nacheinander auf. Es kann sich dabei um …
- Spannungen im Team,
- Kundenbeschwerden oder
- Meinungsverschiedenheiten mit Kolleginnen und Kollegen handeln.
Achten Sie darauf, die Konflikte klar und konkret zu formulieren, z. B.:
- Konflikt 1: Ein Teammitglied fühlt sich durch die neue Aufgabenverteilung benachteiligt.
- Konflikt 2: Ein Top-Kunde droht, die Zusammenarbeit unverzüglich zu beenden, weil eine Lieferung verspätet und zudem fehlerhaft war.
- Konflikt 3: Kollegin C kritisiert offen Ihre Entscheidungen im Meeting.
- Konflikt 4: Ein Team soll die nächste Teambuilding-Maßnahme vorschlagen und die Teammitglieder sind sich darüber in die Haare geraten. Es scheint, als könnten die Beteiligten selbst keine Lösung finden. Das Teamevent soll allerdings erst im nächsten Halbjahr stattfinden.
- Konflikt 5: Ihr Team ist in ein neues Büro umgezogen, und jetzt streiten sich die Teammitglieder über die Position der Schreibtische. Das ist ärgerlich, aber bedeutungslos.
Dieser Schritt hilft Ihnen, eine vollständige Übersicht zu erhalten und nichts Wichtiges zu übersehen.
Nachdem Sie sich die Unterschiedlichkeit der Konflikte vor Augen geführt haben, beginnen Sie, die Konflikte zu priorisieren.
Schritt 2: Analysieren Sie die Konflikte nach Wichtigkeit und Dringlichkeit
Wenden Sie für die Einordnung der Konflikte die Eisenhower-Methode an, die Sie vielleicht schon aus der Priorisierung von Aufgaben her kennen. Sie lässt sich sehr gut für die Kategorisierung von Konflikten anwenden.
Nutzen Sie folgende Matrix:

Um jeden Konflikt zu beurteilen, sollten Sie ihn nach zwei Kriterien bewerten:
- Ist der Konflikt dringend und
- ist er wichtig?
Entsprechend ergeben sich auf den Achsen „dringend“ und „wichtig“ vier Quadranten:
- In den blauen Quadranten „Feuer löschen“ gehören alle Konflikte, die sowohl wichtig als auch dringend sind. Sie sollten als Erstes erledigt werden. Meist handelt es sich um Krisen oder weitreichende Probleme.
- In den gelben Quadranten „Planung & Prävention“ gehören Konflikte, die zwar wichtig, aber nicht dringlich sind. Hier gibt es (noch) keinen Termindruck. Aber die Aufgaben sollten rechtzeitig terminiert werden.
- Zum grünen Quadranten zählen Konflikte, die nicht wichtig, aber durchaus dringlich sein können. Hier sollten Sie versuchen, sie zu reduzieren oder zu delegieren.
- In den roten Quadranten gehören Scharmützel, die allen Beteiligten nur die Zeit stehlen. Sie sind weder wichtig noch dringend und gehören in den Papierkorb. Sie sollten nicht bearbeitet werden.
Schritt 3: Ordnen Sie Ihre Konflikte in die Matrix ein
Schritt 4: Lösen Sie kritische Konflikte sofort
Bei Konflikten im blauen Quadranten besteht dringender Handlungsbedarf, da der Kunde unmittelbar mit Konsequenzen droht. Gehen Sie strukturiert vor:
Schritt 5: Planen Sie wichtige Dinge langfristig
Konflikte aus dem gelben Quadranten, die wichtig, aber nicht dringend sind, erfordern eine durchdachte Planung.
Schritt 6. Delegieren Sie nichts Dringendes
Dringende, aber nicht wichtige Konflikte aus dem grünen Quadranten sollten Sie delegieren.