Führung

Neue Studie bestätigt: Im Homeoffice sind die Mitarbeitenden produktiver, doch es gibt einen Kipppunkt

Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Team im Homeoffice konzentrierter und produktiver arbeitet und dass es trotzdem sinnvoll ist, die Teammitglieder in gewissem Umfang ins Büro zu beordern? Dieses Gefühl bestätigt eine Anfang Februar 2026 veröffentlichte, groß angelegte Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und der Techniker Krankenkasse (TK). Das Besondere dabei: Hier ist der Kipppunkt erkennbar, ab dem mehr Homeoffice der Produktivität schadet.

Hildegard Gemünden

28.04.2026 · 3 Min Lesezeit

Die Produktivität von rund 11.000 Mitarbeitenden wurde gemessen …

Die TK wollte die Auswirkungen des Homeoffices auf die Produktivität ihrer Mitarbeitenden untersuchen. Die Studie betrachtete deshalb über einen Zeitraum von zwei Jahren alle Teams mit Sachbearbeitertätigkeit und Kundenkontakt – insgesamt rund 11.000 Menschen. Die Produktivität wurde anhand der Anzahl der bearbeiteten Kundenanliegen und -telefonate gemessen.

Ergebnis: Im Schnitt war die Produktivität im Homeoffice rund 20 Prozent höher als im Büro. Die TK-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bearbeiteten also zu Hause im Schnitt etwa 20 Prozent mehr Kundenanliegen und -telefonate als in der gleichen Zeit im Büro.

… und die zwischen Dienststellen mit unterschiedlichem Homeoffice-Anteil verglichen

Der Produktivitätsvergleich zwischen unterschiedlichen Dienststellen im Zeitverlauf zeigte: Der Kipppunkt für die optimale Balance zwischen Homeoffice und Präsenz liegt bei etwa 60 Prozent Homeoffice-Zeit. Verbringen die Mitarbeitenden einen größeren Anteil im Homeoffice, sinkt ihre Produktivität wieder.

Die Begründung: Eine gewisse Zeit im Büro ist erforderlich für den – insbesondere spontanen – fachlichen und sozialen Austausch. Kommt diese Zeit zu kurz, fehlen oft Informationen, die für die produktive Arbeit im Homeoffice benötigt werden.

Meine Empfehlung!

Versuchen Sie, durch Produktivitätsvergleiche herauszufinden, wo der Kipppunkt in Ihrem Unternehmen liegt

Denn die optimale Präsenzzeit variiert je nach Unternehmen und Tätigkeitsbereichen. Dabei muss der Kipppunkt nicht der optimalen Verteilung von Präsenz und Homeoffice für jeden einzelnen Mitarbeitenden entsprechen. Aber er ist eine Kompromisslösung, die Sie unternehmensweit oder für Teile Ihres Unternehmens festlegen können.

Die vollständige Studie …

… finden Sie unter tipp.personalwissen.de/pnl261010. Hier erfahren Sie auch, welche Rolle das Homeoffice für die Mitarbeiterzufriedenheit spielt.

Ihre Homeoffice-Quote ist zu hoch? 5 Tipps, damit Ihre Mitarbeitenden mehr Bürotage akzeptieren

Rechtlich können Sie ohne Weiteres die Zahl der Bürotage erhöhen, solange Sie die Arbeit im Homeoffice nicht fest zugesagt haben. Denn die Festlegung des Arbeitsorts unterliegt dem Direktionsrecht der Führungskräfte. Allerdings ist mit Widerstand oder Verärgerung bei den Mitarbeitenden zu rechnen. Damit diese nicht zu Produktivitätsverlusten führen, gehen Sie so vor:

1. Schaffen Sie Homeoffice nicht komplett ab
Die meisten Büromitarbeiterinnen und -mitarbeiter erwarten heute, dass sie zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten können. Dies sollten Sie in gewissem Umfang ermöglichen, um vorhandene Mitarbeitende nicht zu vertreiben und potenzielle Bewerber nicht abzuschrecken.

2. Setzen Sie auf Information und Beteiligung
Informieren Sie Ihr Team also frühzeitig, dass und warum mehr Präsenzzeit im Büro erforderlich ist. Erwecken Sie aber nicht den Eindruck, dass Sie Ihre Mitarbeitenden stärker kontrollieren wollen. Denn Misstrauen wirkt demotivierend. Berücksichtigen Sie nach Möglichkeit auch die Ideen Ihrer Teammitglieder, wie sie die Präsenzzeit praktikabel und sinnvoll gestalten können.

3. Ermöglichen Sie flexible Lösungen je Team
Schreiben Sie nur die Eckdaten der verstärkten Büropräsenz vor. Die genaue Ausgestaltung überlassen Sie am besten den jeweiligen Teams. Diese können sich etwa nach Bedarf auf einen früheren oder späteren Arbeitsbeginn einigen, um den Pendlerstau zu vermeiden oder Kinder zur Kita zu bringen. Außerdem sollten Ihre Mitarbeitenden nach Absprache mit Ihnen zusätzliche Homeoffice-Tage bekommen können, z. B. wenn ein Kind krank ist.

4. Schaffen Sie Raum für Ruhe im Büro
Der leichtere und vermehrte Austausch im Büro kann Teammitglieder stören, die gerade konzentriert arbeiten wollen. Deshalb: Ziehen Sie Teams, die viel miteinander sprechen müssen, räumlich zusammen. Richten Sie Bereiche oder Flure ein, in denen nicht oder nur leise gesprochen werden darf.

5. Prüfen Sie die Wirkung
Ermitteln Sie also, welche Auswirkungen die verstärkte Präsenz auf Kennzahlen wie Produktivität, Fehlzeiten und Fluktuation hat. Steuern Sie ggf. nach.

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Hildegard Gemünden ist seit mehr als 20 Jahren als Chefredakteurin, Autorin und Beraterin tätig. Sie ist spezialisiert auf Arbeits-, Lohnsteuer- und Sozialversicherungsrecht sowie eine moderne Mitarbeiterführung