Jeder Ausbilder, jeder Ausbildungsbeauftragte und jeder Ausbildungsverantwortliche kann an seinen Führungsqualitäten arbeiten. Und das sollte er auch tun. Ziel sollte es sein, andere Führungspersönlichkeiten nicht nur zu bewundern, sondern auf einen ähnlichen Erfolg hinzuarbeiten. Das gilt insbesondere für Sie als Verantwortliche in der beruflichen Ausbildung.
6 Stufen, die Sie weiterbringen
Sie sind Pädagoge, Führungskraft und fachlicher Ausbilder in einer Person. Ihnen wird die Entwicklung hin zu einer charismatischen Führungspersönlichkeit mit exzellentem Ruf besonders nutzen. Zwischen Ihnen und dem Erfolg liegen allerdings 6 Stufen.
Stufe 1: Sie nutzen Ihre Autorität als Ausbilder
Auf dieser niedrigsten Stufe nutzen Sie Formalien und Befugnisse, die Sie sich erarbeitet haben oder die Ihnen verliehen wurden. Beispielsweise haben Sie die Ausbildereignungsprüfung bestanden und dürfen jetzt mit Zustimmung der Kammer als Ausbilder tätig sein. Darüber hinaus hat sich Ihr Arbeitgeber entschieden, diese Kompetenzen zu nutzen und Sie als Ausbilder oder Ausbildungsbeauftragten einzusetzen.
Ihre Ausbilder-Autorität, die Sie von der Kammer und von Ihrem Arbeitgeber verliehen bekommen haben, um junge Menschen zu führen, ist zweifellos vorhanden. Das sagt jedoch noch nichts über Ihre Führungsqualitäten aus. Die meisten Auszubildenden werden Ihren Anweisungen zwar Folge leisten, weil sie das müssen, aber häufig machen sie nur das, was von ihnen verlangt wird – mehr nicht.
Stufe 2: Sie führen mit der Akzeptanz und Zustimmung Ihrer Azubis
Sie brauchen die Akzeptanz und die innere Zustimmung Ihrer Azubis. Eine bestandene Ausbilderprüfung ist gut und schön, aber was zählt, ist, sich als Ausbilder in der Praxis zu bewähren. Ihre Azubis müssen sich aus eigenem Antrieb dafür entscheiden, Ihnen zu folgen – weil sie Ihrer Kompetenz vertrauen. Sie müssen also ihre Erlaubnis erlangen, sie zu führen. Das bringt gegenseitiges Vertrauen mit sich. Dieses werden Sie brauchen, wenn Sie in kritischen Situationen Entscheidungen treffen müssen, von denen betroffene Azubis nicht vollständig überzeugt sind.
Stufe 3: Sie haben Erfolg – und zwar gemeinsam
Sie stehen Ihren Auszubildenden zur Seite. Gemeinsam haben Sie Ziele, die Sie mit vereinten Kräften gemeinsam erreichen wollen. Natürlich ist es insbesondere der Auszubildende, der gute Noten in der Berufsschule erbringt, der im Ausbildungsbetrieb anerkannt und beliebt ist und der auch bei den regelmäßigen Beurteilungen gute Ergebnisse erzielt, auf den Sie besonders setzen. Das ist vollkommen verständlich und nachvollziehbar. Aber gerade wenn die Beurteilungen oder die Schulnoten nicht immer gut ausfallen, ist das Ihre Chance als Ausbilder, die nächste Führungsstufe zu erreichen: Sie können durch Maßnahmen darauf hinwirken, dass sich Leistungen verbessern. Sie wissen auch, wie das funktioniert. Betrifft das die Berufsschule, können Sie mit den entsprechenden Lehrern Kontakt aufnehmen und die Angelegenheit gemeinsam analysieren. Sie können darüber hinaus auch mit den Mitarbeitern der einzelnen Ausbildungsabteilungen sprechen, um zu erfahren, welches Potenzial sie in dem Auszubildenden sehen.
Aus Ihrem zusätzlichen Erkenntnisgewinn ziehen Sie Folgerungen: Der Azubi braucht einen verlässlichen Ansprechpartner, er braucht zusätzlichen Unterricht oder er braucht bestimmte Impulse von einem Lehrer in der Berufsschule. Und natürlich muss er selbst mitspielen, leistungsbereit sein und den Ehrgeiz haben, seine Ergebnisse zu verbessern.
Stufe 4: Sie fördern Ihre Auszubildenden individuell
Viele Auszubildende wollen etwas erreichen. Möglicherweise bekommen sie mit, dass das in Ihrem Unternehmen möglich ist. Sie bekommen aber auch mit, dass es Azubis auf dem Weg nach oben besonders schwer haben. Eine Ausbildung ist in den Augen vieler Verantwortlicher einem Studium oder einer jahrelangen Berufserfahrung nicht gleichgestellt. Gerade für Auszubildende mit Abitur ist das ein Dilemma: Soll ich nach der Ausbildung noch einmal studieren oder mich intensiv weiterbilden? Oder belasse ich es bei meiner möglicherweise gut oder sehr gut bestandenen Abschlussprüfung?
Aus diesem Dilemma sollten Sie Ihren Azubis heraushelfen. Sie zeigen jedem einzelnen Auszubildenden, der etwas erreichen will, wie das bewerkstelligt werden kann: Welche Optionen stehen ihm nach der Ausbildung offen? Welche Arten der Fortbildung werden vom Ausbildungsbetrieb während und nach der Ausbildung gefördert? Sind neben fachlichen Qualifikationen zeitnah auch Führungskompetenzen vermittelbar?
Stufe 5: Sie bleiben auch in kritischen Situationen Mensch
Persönlichkeit zeigen Sie als Ausbilder, Vorgesetzter, Pädagoge und Berater vor allem dann, wenn Sie immer Mensch bleiben. Sie sind für Ihre Azubis der erste Ansprechpartner, wenn es Probleme in der Ausbildung gibt, wenn im Unternehmen etwas schiefläuft oder wenn es beim Azubi privat drunter und drüber geht. Ganz gleich, was er Ihnen anvertraut, es wird immer Einfluss auf die Ausbildung haben und Sie als Ausbilder herausfordern.
Im Fall von Problemen, welcher Art auch immer, ist es wichtig, nicht auf unternehmerische, produktive oder betriebswirtschaftliche Faktoren zu setzen, wenn Sie reagieren. Sie sollten das Problem, das der Azubi Ihnen schildert, aus dem Blickwinkel eines Menschen sehen. Auch in einer Konfliktsituation, in der Menschlichkeit und kurzfristiger betrieblicher Erfolg in Konkurrenz zueinander stehen, sollten Sie immer menschlich reagieren.
Stufe 6: Sie überzeugen durch Ihre Persönlichkeit
Stufe 6 erreichen Sie automatisch, wenn Sie Stufe 4 und 5 erfolgreich hinter sich gebracht haben: Sie haben sich zu einer Führungspersönlichkeit entwickelt, die gleichzeitig menschlich, karriereorientiert und vor allem fachlich kompetent in Ausbildungsfragen agiert. Sie genießen einen exzellenten Ruf, vor allem bei Ihren Auszubildenden. Selbst wenn sich Ihre Wege irgendwann trennen, werden sich Ihre Azubis noch lange an Sie erinnern und anderen von Ihnen erzählen.