Mir hat kürzlich mal ein Bewerber berichtet, dass er mit dem Satz „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ in einem Vorstellungsgespräch konfrontiert wurde. Läuft es Ihnen dabei auch kalt den Rücken herunter? Man mag hinter dem Inhalt des Satzes stehen und seine Richtigkeit anerkennen. Gleichwohl wird sich ein Adressat eingeengt fühlen, wenn er so etwas hört. Auch denkt er ganz gewiss nicht an moderne Arbeitsmethoden, Abstimmung im Team und zeitgemäße Pädagogik. Natürlich war dieser Ausbildungsbetrieb raus. Und das ist nur ein Beispiel dafür, wie man Bewerber abschrecken kann.
No-Go falsche Ansprache: Entscheiden Sie sich für das Du (oder für das Sie)
In dem oben genannten Beispiel hat derjenige, der das Einstellungsinterview führte, gleich mehrere Fehler gemacht. Er hat einen Uraltspruch hervorgekramt und er hat dem Bewerber den Eindruck vermittelt, dass Azubis im Unternehmen nicht auf Augenhöhe agieren können. Außerdem hat er mit dem Begriff „Lehrjahre“ ganz tief in die Mottenkiste des Ausbildungssprechs gegriffen.
Abgesehen davon, dass der Ausdruck „Ausbildung“ (statt Lehre) mehr Anklang findet und Sie niemals auf Uraltweisheiten ein Einstellungsgespräch aufbauen sollten, können Sie bei der Ansprache weitere Fehler machen. So hat beispielsweise die Erfahrung gezeigt, dass sich viele junge Menschen einfach wohler fühlen, wenn sie mit dem Vornamen angesprochen werden. Zudem bevorzugen viele die Du-Ansprache gegenüber der Sie-Ansprache.
No-Go Anbiedern: Treten Sie nicht unecht auf
Grundsätzlich bedeutet eine angemessene Ansprache aber nicht, dass Sie an dieser Stelle zu weit gehen. Personen um die 20 Jahre oder jünger empfinden es als unangenehm, wenn „ältere“ Menschen sie sprachlich nachahmen. Das gilt insbesondere für Anglizismen wie Fail, Nice, Gringe, Lit oder Lost, die in den letzten Jahren in Mode gekommen sind.
Ganz anders kann das bei Ihrem 25-jährigen Ausbilder-Kollegen aussehen, der sich die Ausdrucksweise der jungen Leute in der eigenen Jugend angeeignet hat. Er wird nicht unauthentisch rüberkommen, wenn er die Sprache der Jugend spricht. Wie das bei Ihnen ist, hängt von Ihrem Alter und Ihrer Persönlichkeit ab. Sie sind unsicher? Dann fragen Sie Ihre Auszubildenden.
Verwenden Sie eigene Texte und Bilder
Sie sind ein individuelles Unternehmen mit Möglichkeiten, die andere konkurrierende Betriebe in der Ausbildung nicht bieten können. Genau das sollten Sie in Ihren Materialien zur Geltung bringen – ganz gleich, wo Sie diese veröffentlichen.
Was deswegen gar nicht geht: werbliche Texte, die Sie aus dem Internet kopieren, oder Bilder aus Bilddatenbanken, die nicht Ihr Unternehmen zeigen, sondern gestellte Situationen.
Unterschätzen Sie Ihre Konkurrenz nicht
Der Kampf um Auszubildende wird in Zukunft noch härter werden. Angesichts des zu erwartenden weiter steigenden Fachkräftemangels werden Kreativität und Ellbogentaktik Ihrer ausbildenden Konkurrenz zunehmen. Gehen Sie also nicht zu selbstsicher und schon gar nicht überheblich in das Auswahlverfahren.
Ein Satz wie „Nur wir können Ihnen das bieten“ macht keinen guten Eindruck. Wenn Sie hingegen ein paar Bonusargumente aufzählen (rund um Arbeitszeit, Flexibilität, Eigenverantwortung, besondere Azubi-Events), wird ein Bewerber schon selbst vergleichen. Besser ist nämlich der Satz: „Wenn auch Sie in diesen Genuss kommen werden, freuen wir uns natürlich.“

