Führung und Motivation

Auf diese 4 Aspekte kommt es in einem Kritikgespräch an

Ihnen liegt etwas auf der Seele. Sie wollen mit Ihrem Auszubildenden darüber sprechen. Es steht ein sogenanntes Kritikgespräch an. Sie müssen darin auch ein paar negative Dinge zur Sprache bringen. Wenn Sie diesen für viele Ausbilder etwas unangenehmen Termin empathisch und wirkungsvoll angehen, wird weder Porzellan zerschlagen noch die künftige Motivation gehemmt.

Martin Glania

26.01.2026 · 3 Min Lesezeit

Gespräche mit Auszubildenden führen Sie hoffentlich fast täglich. Es sind die begleitenden Unterhaltungen während der Ausbildungsarbeit, es sind die zufälligen Begegnungen auf dem Firmengelände, es sind die Routinegespräche, die von Zeit zu Zeit anstehen, und es sind die Gespräche, die einen besonderen Anlass haben. Um die geht es im Folgenden.

Beispiel:

Ein Auszubildender ist für 2 Monate in einer Abteilung beschäftigt, in der er sich offenbar nicht unterordnen will. Er widerspricht häufig und auch unbegründet, führt Arbeiten schlampig aus und hat auch schon mal die eine oder andere Arbeit verweigert oder zumindest herausgezögert. Sie als Ausbildungsverantwortlicher erreicht die Beschwerde eines Kollegen, der in dieser Abteilung als Ausbilder fungiert.

Aspekt 1: Sie bereiten das Gespräch vor

Lassen Sie sich von Ihrem Kollegen genau erzählen, was vorgefallen ist. Sammeln Sie hierzu mehrere Beispiele und machen Sie sich so ein Bild, damit Sie die Angelegenheit bewerten können. Legen Sie anschließend das Gesprächsziel fest.

Bezogen auf das Beispiel:

Sie wollen erreichen, dass sich der Auszubildende künftig so verhält, wie Sie das in anderen Abteilungen von ihm gewohnt waren. Er kann als kritischer Auszubildender fungieren, sollte aber zu Recht erteilte Aufträge mit angemessener Sorgfalt erfüllen.

Nehmen Sie sich beispielsweise seinen Ausbildungsvertrag vor und schauen Sie genau, was der Azubi unterschrieben hat. Da ist entweder wörtlich oder indirekt (mit Verweis auf das Berufsbildungsgesetz) von seiner Sorgfaltspflicht die Rede. Und von seiner Verpflichtung, Aufträge, die ihm berechtigt erteilt wurden, auszuführen. Argumentieren mit dem Ausbildungsvertrag, dem er mit seiner Unterschrift zugestimmt hat, hilft meistens.

Aspekt 2: Sie reden (später) Tacheles

Fallen Sie nicht gleich mit Ihrem Anliegen ins Haus, sondern leiten Sie das Gespräch erst mal mit ein paar netten Worten ein. Beziehen Sie sich beispielsweise auf den bisherigen Ausbildungsverlauf und gehen Sie so geschickt zu Ihrem Anliegen über.

Bezogen auf das Beispiel:

Sie betonen, wie zufrieden Sie mit dem Auszubildenden in den zurückliegenden Monaten waren – gerade auch im Hinblick auf die Erfüllung seiner Azubipflichten. Anschließend leiten Sie in etwa wie folgt über: „Gerade deshalb sind wir jetzt etwas verblüfft darüber, dass Sie an Ihre bisherige Zeit als Auszubildender nicht anknüpfen.“

Schildern Sie ohne Umschweife und Beschönigungen, was Sie gehört haben, damit es keine Missverständnisse geben kann.

Aspekt 3: Sie hören zu und führen weiter

Sie geben dem Azubi natürlich die Gelegenheit, auf Ihre Ausführungen zu reagieren. Möglicherweise erfahren Sie so das ein oder andere, das sein Verhalten zumindest erklärt. Gleichwohl müssen Sie verweigernde Verhaltensweisen auch in Zukunft nicht dulden.

Bezogen auf das Beispiel:

Sie äußern gegebenenfalls Verständnis für den Auszubildenden. Sie bringen aber auch zum Ausdruck, trotzdem zu erwarten, dass er künftig seiner Sorgfalts- und Gehorsamspflicht im Rahmen der Ausbildung nachkommt.

Aspekt 4: Sie stiften Vertrauen und Selbstvertrauen

Wenn Sie es bei Ihren Erwartungen, die in den Ohren des Auszubildenden nichts anderes sind als Forderungen, belassen, könnte sich das auf das Vertrauensverhältnis auswirken. Ein Gespräch sollte daher nicht fordernd beendet werden.

Bezogen auf das Beispiel:

Sie geben dem Gespräch einen positiven Abschluss, indem Sie etwa sagen: „Sie haben monatelang gezeigt, was Sie können und wie gut Sie sich bei uns integriert haben. Das trauen wir Ihnen auch in Ihrer jetzigen Ausbildungsabteilung zu. Uns ist klar, dass nicht jede Arbeit und alle Kollegen von Azubis gleichermaßen geschätzt werden. Im besten Fall hat das aber keinen Einfluss auf die Leistung. Außerdem wissen Sie ja: In 3 Wochen steht erneut ein Abteilungswechsel an.“

Auf diese Art und Weise können Sie ein Gespräch mit 2 positiven Gedanken schließen. Zum einen bringen Sie Ihr Vertrauen zum Ausdruck, dass der Azubi das schafft. Dieses Vertrauen stärkt das Selbstvertrauen des Azubis. Und zum anderen zeigen Sie ihm eine gute Perspektive für die Zukunft auf.

Fazit

Kritikgespräche sind nie leicht zu führen. Da die Effekte aber so wirkungsvoll und positiv sein können, gehen Sie die Sache positiv an.

Nachdem Sie erfahren haben, wie Sie ein Kritikgespräch strukturiert, empathisch und zugleich klar führen, stellt sich in der Praxis häufig eine weitergehende Frage: Was passiert eigentlich, wenn sich trotz Gesprächen, Hinweisen und Unterstützung keine nachhaltige Verbesserung zeigt?

Gerade bei anhaltend schwacher Arbeitsqualität wächst bei manchen Ausbildern der Gedanke an arbeitsrechtliche Konsequenzen. Doch wie weit dürfen – und sollten – Sie gehen? Im folgenden Beitrag erfahren Sie, welche Rolle Qualitätsmängel in der Ausbildung rechtlich spielen, warum eine Kündigung hier nur in absoluten Ausnahmefällen in Betracht kommt und welche Lehren aktuelle Gerichtsentscheidungen bereithalten.

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Martin Glania war viele Jahre in der Aus- und Weiterbildung tätig. Als Leiter eines kaufmännischen Trainingszentrums hat er zahlreiche Azubis zur Abschlussprüfung geführt. Erfolgreich bereitete er zudem viele Ausbilder auf […]