Ermahnen in der Ausbildung

Abmahnung light: Wie Sie eine Ermahnung mündlich oder schriftlich aussprechen

Wenn Ihnen das Fehlverhalten eines Auszubildenden auffällt, sind Sie schlecht beraten, wenn Sie überhaupt nichts tun. Allerdings ist es oft auch nicht angemessen, sofort härtere Sanktionen in Betracht zu ziehen. Eine Ermahnung gibt Ihnen die Möglichkeit, streng, aber außerhalb von klassischen arbeitsrechtlichen Sanktionen zu reagieren. In diesem Beitrag erhalten Sie dazu Tipps.
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Martin Glania

28.07.2025 · 2 Min Lesezeit

Am Verhalten des Auszubildenden gefällt Ihnen etwas nicht und Sie wollen mit dem Azubi mal ein paar Takte darüber reden. Für eine Abmahnung ist es Ihnen noch zu früh. Das würde die Ausbildung unnötigerweise belasten.

Möglichkeit 1: Sie ermahnen ihn in einem ernsten Vieraugengespräch

Sie teilen dem Auszubildenden mit, was konkret er nicht zu Ihrer Zufriedenheit erledigt hat oder wo Sie mit ihm ein Problem sehen. Wichtige Voraussetzung für ein solches Gespräch ist Ihre Überzeugung oder Hoffnung, dass sich das Problem auf dem kleinen Dienstweg lösen lässt. Orientieren Sie sich an folgenden Punkten. Wenn Sie alle abhaken können, haben Sie alles richtig gemacht.

Möglichkeit 2: Sie ermahnen ihn schriftlich

Eine mündliche Ermahnung wird ein Auszubildender möglicherweise als zu locker empfinden. Schließlich gibt es über das Gespräch keinen Nachweis. Diesen Tatbestand ändern Sie, indem Sie ihn schriftlich ermahnen. Wichtig ist, dass es sich dabei nicht um eine Abmahnung im arbeitsrechtlichen Sinne handelt. Schreiben Sie demnach nicht Abmahnung, sondern Schriftliche Ermahnung über den Text. Orientieren Sie sich an folgendem Beispiel:

Musterformulierung: Schriftliche Ermahnung

Schriftliche Ermahnung

Sehr geehrter Herr …,

am vergangenen Dienstag, den 18.06.2025, ist es bereits zum 3. Mal vorgekommen, dass Sie die Qualitätskontrolle von abgeladener Ware nicht, wie besprochen, rechtzeitig durchgeführt und die Einlagerung veranlasst haben. Damit waren empfindliche Elektronikteile der Witterung ausgesetzt. Ähnliches ist bereits am 13.05. und am 22.05. vorgekommen.

Entsprechende Kontrolltätigkeiten gehören zum Berufsbild des … und der Kollege … ist, wie Sie wissen, berechtigt, Ihnen diese Arbeit aufzuerlegen. Durch die Vernachlässigung haben Sie gegen § … Ihres Ausbildungsvertrags verstoßen. Wir erwarten, dass Sie in Zukunft den Ihnen auferlegten Aufträgen nachkommen.

Wir verzichten zunächst darauf, Sie abzumahnen. Wir hoffen und setzen darauf, dass diese schriftliche Ermahnung ausreicht, Sie zu den notwendigen Korrekturen in Ihrem Arbeitsverhalten zu bewegen, insbesondere was die Reaktion auf Weisungen und die Sorgfalt bei der Arbeit angeht.

Das Schreiben übergeben Sie dem Azubi, lassen sich eine Empfangsbestätigung aushändigen und heften eine Kopie in der Personalakte ab.

Fazit

Die Wirkung einer Ermahnung – ob schriftlich oder mündlich – wird häufig unterschätzt. Ermahnen Sie, wenn hinweisende Gespräche im Guten nicht fruchten, eine Abmahnung nach Ihrer Einschätzung aber eine überzogene Reaktion wäre. Es ist in den meisten Fällen unnötig, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.

Eine Ermahnung ist nur ein Moment – echte Führung zeigt sich im täglichen Umgang mit Ihren Auszubildenden. Wenn Sie mehr erreichen wollen, als nur Verhalten zu korrigieren, kommt es darauf an, als Persönlichkeit zu wirken und Vertrauen aufzubauen. Lesen Sie hier, wie Sie Schritt für Schritt vom geschätzten Ausbilder zur echten Führungspersönlichkeit werden:

Arbeitshilfen

  • Mündliche Ermahnung eines Auszubildenden

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Martin Glania war viele Jahre in der Aus- und Weiterbildung tätig. Als Leiter eines kaufmännischen Trainingszentrums hat er zahlreiche Azubis zur Abschlussprüfung geführt. Erfolgreich bereitete er zudem viele Ausbilder auf […]