• 0228 / 95 50 160
Marken der Personalwissen Familie

Zwischenzeugnis – Wann haben Ihre Mitarbeiter Anspruch darauf?

© bpstocks/Fotolia
Zwischenzeugnis

Der Rechtsanspruch auf ein Arbeitszeugnis bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist unstrittig. Bei einem während des Beschäftigungsverhältnisses durch den Mitarbeiter verlangtem Zwischenzeugnis sieht das schon ganz anders aus. Weil ein gewissenhaft erstelltes Arbeitszeugnis stets einen hohen Aufwand erfordert, ist es nicht verwunderlich, dass manche Arbeitgeber sich vor der Ausstellung scheuen. Wir erklären Ihnen, wann Ihre Mitarbeiter Anspruch auf ein Zwischenzeugnis haben.

Das Zwischenzeugnis ist ein Arbeitszeugnis, das im Gegensatz zum Endzeugnis während eines laufenden Beschäftigungsverhältnisses oder kurz vor Beendigung eines Beschäftigungsverhältnisses ausgestellt wird, um sich damit um einen neuen Arbeitsplatz bewerben zu können. Wie das Endzeugnis auch, kann das Zwischenzeugnis in einfacher oder in qualifizierter Form ausgestellt werden.

Einfaches oder qualifiziertes Zwischenzeugnis

Das einfache Zwischenzeugnis enthält in der Regel nur

  • die persönlichen Daten des Arbeitgebers,
  • die Art der ausgeübten Tätigkeit (Bezeichnung der Position im Unternehmen) sowie
  • das Eintrittsdatum in den Betrieb.

Da im einfachen Zeugnis keine Leistungsbeurteilung stattfindet, wird dies meist dann angefertigt, wenn der Mitarbeiter erst verhältnismäßig kurze Zeit im Unternehmen ist oder das Zeugnis lediglich als Nachweis der Beschäftigung dient, beispielsweise um eine Fortbildung absolvieren zu können oder es einer Behörde vorzulegen.

Das qualifizierte Zwischenzeugnis hingegen enthält eine tätigkeitsbezogene Leistungsbeurteilung des Arbeitnehmers durch den Arbeitgeber. Neben Aspekten wie Effektivität und Produktivität werden im qualifizierten Zeugnis beispielsweise auch Freundlichkeit, Loyalität, Motivation und Zuverlässigkeit, also Aspekte des Sozialverhaltens, beurteilt. Die Erstellung eines qualifizierten Zwischenzeugnisses kommt folglich erst ab einer Beschäftigungsdauer von mehreren Monaten in Frage.

Unterschiede zum Endzeugnis

Im Gegensatz zum Endzeugnis wird das Zwischenzeugnis in der Gegenwartsform statt in der Vergangenheitsform geschrieben, weil das Arbeitsverhältnis ja noch nicht beendet wurde.

Wichtiger Hinweis: Der Arbeitnehmer kann das Zwischenzeugnis in der Regel jederzeit während des Beschäftigungsverhältnisses verlangen. Nur dann nicht, wenn dieses erst sehr kurze Zeit besteht. Als Verhältnismäßigkeitsgrenze wird hier in der Regel die Probezeit herangezogen.

 

Aber müssen Sie als Arbeitgeber dem Wunsch auf ein Zwischenzeugnis überhaupt nachkommen?

Kein gesetzlicher Anspruch auf ein Zwischenzeugnis

Seit 2003 regelt § 109 der Gewerbeordnung (GewO), dass Arbeitnehmer „bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis“ haben. Der § 630 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) sichert selbiges freien Mitarbeitern, Handelsvertretern und Geschäftsführern zu.

Die Erteilung eines Zwischenzeugnisses hingegen ist nicht gesetzlich geregelt, da es sich dabei um eine Nebenpflicht des Arbeitgebers handelt, die sich aus dem Arbeitsverhältnis ergibt. In tarifvertraglichen Vereinbarungen hingegen ist meist festgelegt, wann Arbeitnehmern ein Zwischenzeugnis zusteht.

Anspruch auf Zwischenzeugnis bei berechtigtem Interesse

Auch wenn der Anspruch auf ein Zwischenzeugnis nicht in einem Gesetz niedergeschrieben ist, so können Arbeitnehmer selbigen geltend machen, wenn ein triftiger Grund oder ein berechtigtes Interesse dafür vorliegt. Gründe, die den Anspruch auf ein Zwischenzeugnis rechtfertigen, können sein:

  • Versetzung des Arbeitnehmers auf eine andere Position
  • Wechsel des Mitarbeiters in eine andere Abteilung, eine andere Filiale oder einen anderen Unternehmensstandort
  • Beförderung des Arbeitnehmers
  • Wechsel des Vorgesetzten
  • Mehrjährig bestehendes Arbeitsverhältnis ohne turnusmäßige Beurteilung
  • Längerfristige Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses (Elternzeit, Sabbatical, Wehrdienst, etc.)
  • Übergang des Betriebs oder Teile des Betriebs auf einen neuen Inhaber
  • Insolvenz des Betriebs
  • Schließung des Betriebs
  • Weiterbildungsmaßnahme, die ein Zeugnis erfordert
  • Ende des befristeten Arbeitsverhältnisses steht kurz bevor
  • Bevorstehende Entlassung bzw. Abschluss eines Aufhebungsvertrags

Dadurch, dass es für das Zwischenzeugnis keinerlei gesetzliche Vorgaben gibt, liegen die berechtigten Gründe für seine Ausstellung quasi im Auge des Betrachters. Grundlos kann man ein Zwischenzeugnis zwar nicht verlangen, dafür ist die Rechtsprechung aber sehr arbeitnehmerfreundlich und billigt fast jeden begründbaren Zeugniswunsch.

Warum der Wunsch nach einem Zwischenzeugnis nach Möglichkeit immer zu erfüllen ist

Insbesondere die neuere Rechtsprechung erkennt bereits die Vorbereitung eines beruflichen Wechsels als berechtigtes Interesse des Arbeitnehmers an. Da Ihr Mitarbeiter nicht nachweise muss, dass er sich tatsächlich um eine neue Arbeitsstelle bewirbt, kann er dadurch de facto stets und ohne Weiteres ein Zwischenzeugnis von Ihnen verlangen.

Auch wenn das für Sie Arbeit bedeutet, steht ein Rechtsstreit in keinem Verhältnis zur Zeugniserstellung. Sofern in irgendeiner Weise begründet, sollten Sie dem Wunsch auf ein Zwischenzeugnis deshalb jederzeit nachkommen. Immerhin erfahren Sie so, dass Ihr Mitarbeiter scheinbar eine berufliche Alternative sucht und können ggf. Maßnahmen ergreifen, um ihn zu halten oder frühzeitig nach Ersatz Ausschau zu halten.

Wichtiger Hinweis: Eine Zeugnisverweigerung hingegen kann ein eigentlich gutes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nachhaltig schädigen. Das ist insbesondere dann tragisch, wenn es eben nicht Absicht des Mitarbeiters ist, das Unternehmen zu wechseln.

Zwischenzeugnis behält dauerhaft seine Gültigkeit

Ein einmal erteiltes Zwischenzeugnis wird durch die Übergabe Eigentum des Arbeitnehmers. Auch bei Erhalt des späteren Endzeugnisses muss es nicht zurückgegeben werden. Auch wenn sich die Leistung und das Verhalten des Mitarbeiters nach Ausstellung des Zwischenzeugnisses verschlechtern, behält es für seinen Zeitraum Gültigkeit.

Achtung: Nur in wenigen Ausnahmefällen kann ein Zwischenzeugnis durch den Arbeitgeber widerrufen werden. Zum Beispiel dann, wenn sich erst im Nachhinein herausstellt, dass sich ein Mitarbeiter, dem im Zeugnis Vertrauenswürdigkeit attestiert wurde, der Unterschlagung schuldig gemacht hat.

Auch Zwischenzeugnisse müssen wohlwollend sein

Grundsätzlich gilt auch für qualifizierte Zwischenzeugnisse, dass diese wohlwollend formuliert sein müssen um die Bemühungen des Arbeitnehmers hinsichtlich eines neuen Arbeitsplatzes nicht zu erschweren. Dieses Wohlwollen liegt naturgemäß auch in Ihrem Interesse, um die durchaus häufig vorkommenden Rechtsstreitigkeiten infolge eines wenig schmeichelhaften Zeugnisses zu vermeiden. Schließlich bringen diese Ihnen keinen wirtschaftlichen Vorteil.

Nichtsdestotrotz hat die Wahrheitspflicht eindeutig Vorrang vor der Wohlwollenspflicht. Selbst wenn Sie den Mitarbeiter schätzen, sollten Sie sich nicht zu Lügen verleiten lassen. Das führt sogar so weit, dass grobes, berufliches Fehlverhalten im qualifizierten Zwischenzeugnis nicht einfach verschwiegen werden darf. Stellen Sie einem Mitarbeiter ein unwahres, deutlich geschöntes Arbeitszeugnis aus, können Sie sich gegenüber einem Folgearbeitgeber sogar schadensersatzpflichtig machen.

Endzeugnis darf nur selten vom Zwischenzeugnis abweichen

Da das Zwischenzeugnis eine Bindungswirkung hat, können Sie als Arbeitgeber bei der Ausstellung des Endzeugnisses nur dann negativ davon abweichen, wenn Sie Ihrerseits einen triftigen Grund haben um die Leistung oder das Verhalten des Arbeitnehmers schlechter zu beurteilen. Dies gilt vor allem dann, wenn das Endzeugnis nur kurz nach dem Zwischenzeugnis ausgestellt wird.

Möchten Sie ein qualifiziertes Endzeugnis ausstellen, dass in Summe schlechter ausfällt als das Zwischenzeugnis, sind Sie als Arbeitgeber in der Beweispflicht. Nur wenn Sie nachweisen können, dass seit Erteilung des Zwischenzeugnisses wesentliche Defizite aufgetreten sind, darf die abschließende Beurteilung negativer ausfallen. Unrichtige oder unvollständige Arbeitszeugnisse unterliegen einem gerichtlich durchsetzbaren Berichtigungsanspruch.

Wichtiger Hinweis: Bedenken Sie bereits bei der Formulierung des Zwischenzeugnisses, dass Ihr Mitarbeiter mit einem sehr guten bis guten Zwischenzeugnis in gewissem Maße davor geschützt ist, aus personen- oder verhaltensbedingten Gründen gekündigt zu werden.

Fazit: Für ein Zeugnis zwischendurch findet sich immer ein Grund

Die deutsche Rechtsprechung erkennt in der Regel jede Begründung eines Arbeitnehmers für den Wunsch nach einem (qualifizierten) Zwischenzeugnis an. Vor allem die Begründung, sich beruflich verändern zu wollen, sichert dem Arbeitnehmer prinzipiell immer einen Anspruch auf Ausstellung eines Zwischenzeugnisses.

In Art und Umfang unterscheidet es sich nur marginal vom Endzeugnis. Auch wenn das Zwischenzeugnis deshalb genauso viel Arbeit macht wie jedes anderen Arbeitszeugnis auch, sollten Sie bei der Erstellung die rechtlichen Grundsätze beachten, um sich vor teuren juristischen Auseinandersetzungen zu schützen.

Autor: Redaktion Personalwissen

Siegel

Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
0228 / 95 50 160