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Zu viele Fehlzeiten in der Ausbildung: Das müssen Sie wissen

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Fehlzeiten in der Ausbildung

Wer plötzlich krank wird, hat oftmals keine andere Möglichkeit, als zu Hause im Bett zu bleiben. Bis zu einem gewissen Maße ist das völlig normal und nicht weiter diskussionswürdig. Wenn jedoch die Fehltage eines Auszubildenden größere Maße annehmen, ist klares Handeln gefragt. In diesem Artikel lesen Sie, was Sie über Fehlzeiten in der Ausbildung wissen müssen: Wie viele Krankentage sind erlaubt? Was müssen Azubi und Betrieb beachten und was tun, wenn es zu viele Fehltage gibt?

Krankmeldung in der Ausbildung: So viel ist normal

Niemand ist davor gefeit: Krankheiten kommen und gehen. Oftmals so plötzlich, dass man noch am Tag zuvor nichts davon bemerkte. Manchmal kommt auch ein Unfall dazwischen und setzt den Auszubildenden tage- oder gar wochenlang außer Gefecht. Gerade in stark körperlich beanspruchenden Berufen besteht auch die Möglichkeit, dass Mitarbeiter plötzlich total ausfallen. Doch wie viel Krankheit ist eigentlich erlaubt?

Grundsätzlich ist diese Frage nicht gesetzlich geregelt. Das heißt, prinzipiell kann jeder Betrieb selbst festlegen, wie viel Fehlzeiten in Ordnung gehen und ab wann es kritisch wird. Als Faustregel wird allerdings oftmals die 10-Prozent Marke hergenommen: Der Azubi sollte also nicht mehr als 10 Prozent seiner Ausbildungszeit krankheitsbedingt fehlen – der Urlaub ist in diesen Wert nicht einberechnet, sondern kommt noch zusätzlich dazu. Gerechnet an einer dreijährigen Ausbildung würde der Grenzwert also um die 66 Tage betragen.

Mit der Erneuerung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) im Jahr 2005 hat sich jedoch eine Sache grundlegend geändert: Es ist nun nicht mehr von Bedeutung, was der Grund des Fernbleibens von der Ausbildung ist. Es geht lediglich um einen konkreten Grenzwert, der eingehalten werden muss, damit die Mindestausbildungszeit erfüllt werden kann. Umgekehrt gilt dies dann allerdings genauso: Fehlt der Azubi öfter, als der Ausbildungsvertrag es zulässt, kann das beispielsweise dazu führen, dass die Abschlussprüfung nicht angetreten werden darf. Solche Fälle prüft die zuständige Handelskammer anhand einer Einzelfallentscheidung.

Rechte und Pflichten: Die gesetzlichen Regelungen für Azubi und Ausbilder

Oftmals besteht vor allem aufseiten der Personalabteilung und Ausbildungsleiter Unsicherheit, wenn es darum geht, wie mit Fehlzeiten von Azubis umgegangen wird. Diese Übersicht zeigt, welche Rechte und Pflichten Azubis und Ausbilder jeweils haben:

Das gilt für Auszubildende und Berufsschüler:

  • Am ersten Fehltag muss eine Entschuldigung im Sekretariat oder beim Klassenlehrer/Ausbilder eingehen. Diese kann rein mündlicher (z.B. telefonischer) Natur sein. Zudem muss auch dem Ausbildungsbetrieb die Arbeitsunfähigkeit angezeigt werden.
  • Am zweiten Fehltag muss eine schriftliche Entschuldigung erfolgen. Selbige muss sowohl vom Azubi (bzw. dessen Eltern) als auch vom Ausbildungsbetrieb unterschrieben werden.

Das ist für den Ausbilder bzw. Ausbildungsbetrieb relevant:

  • Werden Klassenarbeiten versäumt, wenn keine Entschuldigung vorliegt, wird diese Arbeit mit der Note „ungenügend“ bewertet.
  • Fehlt Ihr Azubi längere Zeit unentschuldigt, können weitere Konsequenzen folgen. Diese können von einer Verwarnung bis hin zum befristeten Schulausschluss reichen.
  • Bei Fehlzeiten über dem festgelegten Zeitraum kann der Azubi von der Abschlussprüfung ausgeschlossen werden.
  • Auch eine Freistellung von der Ausbildung ist möglich. Diese kann zum Beispiel bei einer außergewöhnlichen Notlage im Betrieb vorgenommen werden. Dafür muss aber ein schriftlicher Antrag bei der Schulleitung eingereicht und von dieser genehmigt werden.

Für den Auszubildenden steht also tatsächlich einiges auf dem Spiel. Vonseiten der Ausbildungsbetriebe können Schritte eingeleitet werden, die den weiteren Verlauf der Ausbildung erheblich verändern können. Im schlimmsten Falle könnte ein Unternehmen den Azubi sogar kündigen – jedoch geht das nur unter bestimmten Umständen.

Prüfungszulassung und Kündigung: Das steht für den Azubi auf dem Spiel

Direkt vorweg: Die betriebliche Kündigung eines Auszubildenden aufgrund erhöhter Fehlzeiten ist so gut wie ausgeschlossen. Solange sich der Azubi noch in der Probezeit befindet, sind diese Hürden niedriger angesetzt, doch danach haben Sie als Ausbilder schlechte Chancen, eine Kündigung auszusprechen.

Anders sieht es bei der Prüfungszulassung aus: Wie bereits angesprochen, kann die Zulassung zur Abschlussprüfung für den Auszubildenden in Gefahr geraten, wenn die Fehlzeiten einen bestimmten Grenzwert überschreiten. Als Ausbilder haben Sie demnach die Möglichkeit, die Nachwuchskraft von der Prüfung auszuschließen.

Gut zu wissen: Der Ausbilder muss im Zulassungsantrag für die Abschlussprüfung schriftlich bestätigen, dass der Azubi nicht länger als den entsprechend festgelegten Zeitraum gefehlt hat. Sind die Fehlzeiten höher, muss die jeweilige Handelskammer davon benachrichtigt werden. Achten Sie also immer auf eine genaue Dokumentation der Fehlzeiten Ihrer Auszubildenden.

Wenn nichts mehr hilft: 6 Tipps für ein klärendes Gespräch mit dem Azubi

Wenn alle Stricke reißen und Ihr Azubi schon seit längerer Zeit nicht mehr im Ausbildungsbetrieb oder in der Schule aufgetaucht ist, hilft eigentlich nur noch eins: Ein klärendes Gespräch unter vier Augen, bei dem der Grund für die Fehlzeiten ermittelt wird. Damit Ihr Azubi mit neuer Motivation an die Arbeit geht, sollten Sie einige Tipps beherzigen:

  1. Zeitnah handeln: Sie sollten ein Gespräch mit dem Azubi über dessen Fehlzeiten nicht länger als nötig hinauszögern. Am besten ist es, wenn Sie ihn direkt am ersten oder zweiten Tag der Rückkehr zu einem Gespräch bitten.
  2. Nicht zu kurzfristig: Andersherum kann es auch schwierig werden, den Azubi zu kurzfristig zu einem Vieraugengespräch einzuladen. Wenn Sie ihn ohne Vorwarnung in Ihr Büro zitieren, kann das auf der Gegenseite eine Verunsicherung bis Angstreaktion auslösen. Versuchen Sie, das zu vermeiden
  3. Positiv sprechen: Überhäufen Sie den Azubi nicht mit Vorwürfen und Negativkommentaren über sein Fernbleiben, sondern formulieren Sie Ihr Anliegen möglichst positiv. Das schöpft Vertrauen und bricht das Eis.
  4. Lassen Sie den Azubi sprechen: Fragen Sie konkret nach dem Grund seiner Fehlzeiten. Gibt es Ärger mit Kollegen? Gefällt die Ausbildung nicht? Gibt es Dinge, die veränderbar sind und so das Problem lösen könnten? Besonders hier gilt wie bereits erwähnt: Bleiben Sie positiv!
  5. Binden Sie den Azubi mit ein: Möchten Sie, dass Ihr Auszubildender wieder gerne mit von der Partie ist, geben Sie Ihm die Möglichkeit, über seine Wünsche und Änderungsvorschläge zu sprechen. Was ist für ihn wichtig, sind seine Wünsche realisierbar, sind sie begründet? Seien Sie offen für Ihr Gegenüber und nehmen Sie es ernst.
  6. Fassen Sie positiv zusammen: Wenn Änderungen, Aufgaben, Wünsche aber auch Verpflichtungen des Azubis festgelegt wurden, rekonstruieren Sie selbige in einer positiven Art noch einmal kurz. Das schafft Verbindlichkeit und einen positiven Abschluss.

Fazit

Letztlich sollte es Ihnen als Ausbilder nicht darum gehen, dem Auszubildenden Steine in den Weg zu legen, sondern ihn bei seiner Zukunftsgestaltung zu unterstützen. Schenken Sie ihm Vertrauen und kümmern Sie sich persönlich, dann wird auch die Motivation aufrechterhalten.

Autor: Redaktion Personalwissen

Siegel

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