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Diese Voraussetzungen müssen Ausbilder erfüllen, wenn Sie ausbilden wollen

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Ausbilder, Voraussetzungen für Ausbilder

Obwohl die Anzahl der Ausbildungsplätze mittlerweile die Anzahl der Ausbildungssuchenden übersteigt und es wahrlich nicht einfach ist geeignete Kandidaten zu finden, kann es durchaus Sinn machen auch in diesen Zeiten auszubilden. Auf diese Weise können Sie sich Ihre eigenen Fachkräfte ganz nach Ihren Bedürfnissen entwickeln und tun etwas für das Image Ihres Unternehmens. Wir sagen Ihnen, welche Voraussetzungen Sie als Ausbilder erfüllen müssen, um ausbilden zu dürfen.

Berufsausbildung und die jeweiligen Kammern

Für die duale Berufsausbildung, für die man Deutschland weltweit schätzt, sind die Kammern zuständig. Für kaufmännische Berufe die Industrie- und Handelskammern (IHKs), für handwerkliche Berufe die Handwerkskammern (HWKs) und für medizinische Ausbildungsberufe die Ärztekammern (ÄKs). Sie gebe auch vor, welche Voraussetzungen ein Betrieb erfüllen muss, um ausbilden zu dürfen.

1. Eignung des Betriebs

Möchten Sie in Ihrem Betrieb ausbilden, muss natürlich zunächst einmal ein Arbeitsplatz für jeden einzelnen Auszubildenden vorhanden sein. Je nach Beruf können das sogar mehrere Arbeitsplätze sein. Ein Industriekaufmann beispielsweise durchläuft während seiner Ausbildung im Prinzip alle kaufmännischen Abteilungen des Unternehmens. Bei einem Tischlerlehrling fällt der Platzbedarf schon geringer aus.

Neben dem Arbeitsplatz müssen auch die notwendigen Einrichtungen vorhanden sein. Dazu zählen zum Beispiel Geräte, Maschinen und Arbeitsmittel. Für einen Betrieb, der erstmals ausbildet, können je nach Berufsbild somit durchaus Investitionen in Höhe von mehreren tausend Euro fällig werden. Oftmals reichen die vorhandenen Einrichtungen allerdings aus beziehungsweise lassen sich schnell und kostengünstig ergänzen.

Maschinelle, organisatorische und fachliche Voraussetzungen

Auch organisatorisch muss der potentielle Ausbildungsbetrieb so aufgestellt sein, das ein gewisses Qualitätsniveau sichergestellt ist und die tägliche Arbeit unter der Ausbildung nicht leidet. Schließlich sind Auszubildende deshalb im Betrieb um etwas zu lernen. Man muss sich zwangsläufig Zeit für sie nehmen.

Tipp: Je intensiver Sie Ihre Auszubildenden einarbeiten und schulen, desto eher sind diese in der Lage selbstständig Tätigkeiten zu übernehmen. Dadurch erfährt der Betrieb einerseits Entlastung und der Auszubildende profitiert von wertvollen Praxiserfahrungen.

 

Immerhin kommen auf einen Ausbildungsbetrieb auch einige bürokratische Aufgaben zu. In größeren Unternehmen mit eigener Personalabteilung ist das meist kein Problem. Aber gerade Handwerksbetriebe mit wenigen Mitarbeitern unterschätzen den Aufwand, der hinter der Ausbildung steckt, hin und wieder.

Zu den fachlichen Voraussetzungen zählt vor allem, dass der Betrieb in der Lage sein muss, die für den Ausbildungsberuf notwendigen Fertigkeiten und Fähigkeiten, Kenntnisse und Kompetenzen zu vermitteln. Was genau gelehrt werden muss, steht in den Ausbildungsverordnungen der Kammern, die es für jeden Ausbildungsberuf gibt.

2. Eignung des Ausbilders

Jeder Ausbildungsbetrieb benötigt mindestens einen persönlich und fachlich geeigneten Ausbilder. Die fachliche Eignung ist nach Ansicht vieler Kammern dann gegeben, wenn der Ausbilder selbst die Berufsausbildung im betroffenen Ausbildungsberuf erfolgreich abgeschlossen hat (vgl. § 30 BBiG). Zusätzlich sollte er den Beruf einige Zeit praktisch ausgeübt haben.

Achtung: Abweichend von den „Wünschen“ vieler Kammern, sieht die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) keine gesetzliche Voraussetzung für die Teilnahme an der Ausbildereignungsprüfung (siehe unten) vor. Somit wird weder eine abgeschlossene Berufsausbildung noch ein abgeschlossenes Studium verlangt. Jeder, der die Ausbildereignungsprüfung besteht, erwirkt damit auch die Ausbildungsbefähigung. Fern muss dafür kein Mindestalter erreicht sein.

 

Mittlerweile sind die fachlich-formalen Anforderungen an den Ausbilder nicht mehr so streng. So gibt es beispielsweise vielfach Ausnahmeregelungen für Hochschul- und Fachschulabsolventen, die die duale Ausbildung zwar nicht selbst durchlaufen haben, aber eine einschlägige Tätigkeit nachweisen können.

Im bestimmten Handwerkszweigen ist auch nicht mehr zwangsläufig ein Meistertitel notwendig, um als Ausbilder tätig zu sein. Stattdessen kann man bei langjähriger beruflicher Tätigkeit auch eine fachliche Zuerkennung erteilen.

Pädagogische Eignung wird durch Prüfung sichergestellt

Unabhängig vom Fachwissen und der Erfahrung muss der Ausbilder aber auch über berufs- und arbeitspädagogische Kenntnisse verfügen. Um die pädagogische Eignung nachzuweisen, muss die Ausbildereignungsprüfung bestanden werden.

Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen Teil in dem Multiple-Choice-Fragen beantwortet werden müssen, einem praktischen Teil sowie einem mündlichen Fachgespräch. Wer die Prüfung besteht, erhält den Ausbildereignungsschein (AdA-Schein).

Die Kammern bieten zur Prüfungsvorbereitung Kurse an, in denen die berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse vermittelt werden. Um an der Prüfung teilnehmen zu können, ist ein solcher Kurs aber keine Voraussetzung. Wer möchte, kann sich die notwendigen Kenntnisse auch im Selbststudium aneignen. Vor allem mit Blick auf die praktische Prüfung und das mündliche Fachgespräch ist ein Vorbereitungskurs allerdings durchaus ratsam.

Nicht zuletzt muss auch die persönliche Eignung des Ausbilders gegeben sein. So darf er im Vorfeld nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sein und nicht wiederholt gegen das Berufsbildungsgesetz verstoßen haben. Insbesondere Personen, die Kinder und Jugendliche nicht beschäftigen dürfen, sind als Ausbilder persönlich ungeeignet.

3. Angemessenes Fachkräfteverhältnis

Die Qualität der Ausbildung hängt maßgeblich von der Anzahl der vorhandenen Fachkräfte im Verhältnis zur Anzahl der Auszubildenden ab. Um die Voraussetzung eines angemessenen Fachkräfteverhältnisses zu konkretisieren, hat der Bundesausschuss für Berufsbildung schon 1972 Richtwerte veröffentlicht, die noch heute gelten:

  • ein bis zwei Fachkräfte = ein Auszubildender
  • drei bis fünf Fachkräfte = zwei Auszubildende
  • sechs bis acht Fachkräfte = drei Auszubildende
  • je weitere drei Fachkräfte = ein weiterer Auszubildender

Im begründeten Einzelfall kann von diesen Werten durchaus abgewichen werden. Als Fachkräfte gelten neben den Ausbildern eben jene, die die Ausbildung in einer entsprechenden Fachrichtung selbst erfolgreich abgeschlossen haben und mindestens das Doppelte der als Ausbildungszeit vorgeschriebenen Zeit in dem Beruf tätig waren, in dem ausgebildet werden soll.

Eignungsüberprüfung durch die Kammern

Wenn Sie Interesse daran haben, in Ihrem Unternehmen auszubilden, ist der erste Schritt immer die Kontaktaufnahme mit einem Ausbildungsberater der zuständigen Kammer. Dieser übernimmt bei einem Vor-Ort-Termin nicht nur die Eignungsüberprüfung, sondern berät Sie auch in allen Fragen zu Ausbildung.

So prüft man gemeinsam, welche Berufsbilder man in Ihrem Betrieb ausbilde könnte und wer sich als Ausbilder eignet. Wenn man nicht selbst alle vorgeschriebenen Teile einer Ausbildung im Betrieb abdecken kann, lassen sich mit der Kammer meist überbetriebliche Lösungen finden. Die Ausbildung im Verbund ist in bestimmten Bereichen, zum Beispiel bei der Vermittlung von Elektro- und Metallgrundlagen, durchaus üblich.

Letztlich sollten Sie bedenken, dass die Kammern auch in Zeiten rückgängiger Bewerberquoten ein Interesse an möglichst vielen Ausbildungsbetrieben haben. Sie sollten deshalb als Partner verstanden werden, die mit Ihnen Hand in Hand zusammenarbeiten und in den meisten Fällen einvernehmliche Lösungen finden.

Fazit: Wer als Ausbilder ausbilden will, kann das auch

Obwohl es einige persönliche, fachliche und organisatorische Voraussetzungen gibt um ausbilden zu dürfen, sind die Hürden nicht unüberwindbar. Der Betrieb muss in Art und Einrichtung geeignet sein, um als Ausbildungsstätte zu fungieren. Wer selbst eine Berufsausbildung genossen hat oder Berufserfahrung nachweisen kann, ist fachlich bereits gut gerüstet. Ausbilder müssen sich zusätzlich pädagogische Kenntnisse aneignen und diese in einer Prüfung unter Beweis stellen.

Autor: Matthias Koprek

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