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Verspätungen im Job: Als Arbeitgeber handeln

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Verspätungen

Zwischenfälle wie ein Streik bei der Bahn oder ein Stau kommen nicht selten vor und können enorme Auswirkungen haben. Dabei sind die Folgen nicht nur für die Privatperson unangenehm. Sie betreffen auch viele Unternehmen, die durch die Verspätungen und Ausfälle in ihrem Betriebsablauf beeinträchtigt werden. Doch welche Verantwortung tragen Arbeitnehmer in Bezug auf ihr Erscheinen am Arbeitsplatz? Müssen Arbeitgeber trotzdem den Lohn auszahlen, obwohl Mitarbeiter in der Arbeitszeit noch im Stau stehen oder am Bahnhof auf Ersatzverkehr warten? Eine Erläuterung der Problematik und Möglichkeiten, in den betreffenden Situationen durchzugreifen, liefert Ihnen dieser Artikel.

Pünktlich kommen: Die Verantwortung des Arbeitnehmers

Grundsätzlich gilt: Der Arbeitnehmer ist – je nach Vereinbarung mit dem Vorgesetzten – dazu verpflichtet, pünktlich seine Arbeit zu beginnen und am Arbeitsplatz zu erscheinen. Dabei unterscheidet sich die exakte Uhrzeit des Arbeitsbeginns individuell oder von Betrieb zu Betrieb. Diese Variation kommt durch verschiedene Arbeits- und Tarifverträge sowie konkrete Betriebsvereinbarungen zustande.

Interessant: Der genaue Stundenumfang hängt stark vom Individualfall ab. Gesetzlich geregelt ist jedoch die Definition der Arbeitszeit. So sieht die Festlegung vor, dass Angestellte die vereinbarten Zeiten ohne Pausen einhalten. Gegen Zuwiderhandlungen können Arbeitgeber somit offiziell vorgehen.

 

Daraus folgt, dass sich der Arbeitnehmer in jedem Fall darum kümmern muss, pünktlich zu kommen, auch wenn sich beispielsweise ein Unwetter ankündigt oder eine Gewerkschaft die Bestreikung eines öffentlichen Transportweges anmeldet. Mitarbeiter sollten sich deshalb frühzeitig informieren, wie die Gegebenheiten für ihren Arbeitsweg aussehen.

Verbreitet sich die Nachricht, dass es zu Einschränkungen auf dem Arbeitsweg kommt, sollten Angestellte sofort handeln. Einige Maßnahmen ermöglichen ein rechtzeitiges Erscheinen am Arbeitsplatz trotz der Störungen des regulären Ablaufs:

  • Das Auto einplanen, statt die Bahn zu nehmen
  • Andere öffentliche Verkehrsmittel ausfindig machen
  • Falls die Möglichkeit gegeben ist: Frühzeitig einen Homeoffice-Tag anmelden
Wichtiger Hinweis: Sollte sich beispielsweise ein Bahnstreik ankündigen, der über mehrere Tage andauern wird, oder sich die Nutzung eines Autos aus einem anderen Grund als sinnvoller erweist, kann es eine gute Option sein, Fahrgemeinschaften zu gründen. Arbeitgeber und HR-Verantwortliche können sich hier nachsichtig zeigen. Im Ausnahmefall lässt sich ein Teil der Arbeitszeit für Fahrt- und Terminabsprachen nutzen.

Sonderfälle: Nicht beeinflussbare Verspätungen

Zwischenfälle, wie etwa ein Streik bei der Bahn, sind meist schon im Vorfeld bekannt. Anders sieht es mit unvorhersehbaren Ereignissen aus, die nicht beeinflusst werden können. Zwar sieht das Wegerisiko des Arbeitnehmers vor, dass dieser sich zu Pünktlichkeit verpflichtet, jedoch können Ausnahmen eintreten.

Arbeitgeber müssen keinen Lohn für die Zeit auszahlen, in der ein Angestellter aufgrund von vorhersehbaren Vorfällen zu spät kommt, und keine effektive Arbeitsleistung erbringt. Ist eine Verspätung jedoch durch unverschuldete Ereignisse bedingt, regelt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) im § 616 eine gesonderte Handhabung.

Interessant: Arbeitnehmer sind auf ihrem Weg zur Arbeit grundsätzlich durch den § 8 Absatz 2 des SGB VII geschützt, welcher eine gesetzliche Absicherung für den Fall eines Unfalls vorsieht.

Folgen des Zuspätkommens

Durch die Verspätung von Mitarbeitern aufgrund von Streiks, Staus oder Wetterbedingungen ergeben sich für die Firma negative Folgen. So müssen Vorgesetzte und die anwesenden Arbeitnehmer eigentlich routinierte Prozesse neu anpassen und verändern, um die gewohnte Effizienz des Unternehmens zu erhalten.

Schwierig ist vor allem der Umgang mit geregelten Öffnungszeiten oder Kundenbesuch. Verantwortliche müssen schnelle Umplanungen vornehmen. Unter Umständen können trotzdem Einbußen entstehen, da beispielsweise kein Personalersatz verfügbar ist.

Die Auswirkungen des Verhaltens eines Mitarbeiters, der regelmäßig zu spät kommt, sind besonders problematisch. Unter Kollegen kann sich durch dieses Benehmen eine unvorteilhafte Stimmung verbreiten, die die Produktivität beeinträchtigt und sich negativ auf das Betriebsklima auswirkt.

Aus diesem Grund sollten Arbeitgeber gegen wiederholte Verspätungen vorgehen und eingreifen, bevor sich die Verhaltensweise eines einzelnen Mitarbeiters auf die Arbeit der Kollegen auswirkt.

Verspätungen: Maßnahmen ergreifen 

Das verspätete Erscheinen eines Angestellten an seinem Arbeitsplatz ist nicht sofort eine gravierende Verfehlung und erfordert eine angemessene Handhabung. Klar ist, dass Vorgesetzte die Hintergründe des Falls kennen sollten, da sich so die Verantwortung des Mitarbeiters erklären und bewerten lässt.

Wichtig ist, dass Führungskräfte ihre Position und Meinung deutlich machen, damit ihre Angestellten wissen, an welche Regeln sie sich konsequent halten müssen. Bleiben Vorgesetzte geradlinig in ihrem Handeln, kommen unerwünschte und vorsätzliche Verstöße seltener vor. Eine Konsequenz, die ein regelmäßiges Zuspätkommen haben kann und vom Arbeitgeber ausgehen sollte, ist die Abmahnung.

Abmahnung bei Verspätung?

Eine Abmahnung teilt dem betroffenen Mitarbeiter mit, dass sein Verhalten negative Folgen für ihn nach sich ziehen kann. Zudem wird deutlich: Seine Führungskraft akzeptiert die Fehlhandlungen nicht. Damit eine Abmahnung den gewünschten Effekt hat, sollten Vorgesetzte bei der Ausstellung einige Aspekte beachten:

  • Schriftliche Dokumentation. In Schriftform und durch den Arbeitnehmer mit einer Unterschrift bestätigt, ist die Abmahnung offiziell von allen Beteiligten wahrgenommen und akzeptiert.
  • Detaillierte Aufnahme des Fehlverhaltens. Um die Situation klar und sachlich darstellen zu können, sollten Arbeitgeber darauf achten, alle konkreten Informationen zu den Verspätungen in die Abmahnung aufzunehmen.
  • Weitere Konsequenzen verdeutlichen. Führungskräfte sollten in der Abmahnung bereits ankündigen, dass sie weitere Maßnahmen treffen werden, wenn sich das Verhalten des Mitarbeiters nicht ändert. An dieser Stelle können Vorgesetzte als nächsten Schritt die verhaltensbedingte Kündigung benennen.

Während die Führungskraft das Fehlverhalten des Angestellten genau dokumentiert, sollte sie dabei auch darauf eingehen, weshalb dieses nicht gebilligt werden kann. So ist es sinnvoll, dass Vorgesetzte noch einmal auf die individuelle Vereinbarung aufmerksam machen, die beide Seiten zu Arbeitsbeginn getroffen haben. Dieser Hinweis dient zudem als fundierte Begründung für die Abmahnung.

Wichtiger Hinweis: Bevor Sie als Führungskraft eine Abmahnung aussprechen, sollten Sie die genauen Umstände und den individuellen Kontext überprüfen. Die Maßnahme, die Sie ergreifen, sollte immer im Verhältnis zur Häufigkeit, den Gründen und dem Ausmaß des Fehlverhaltens des einzelnen Mitarbeiters stehen.

Wenn die Abmahnung keine Wirkung zeigt: Dem Mitarbeiter kündigen

Kommt ein Angestellter trotz bereits ausgestellter Abmahnung weiterhin regelmäßig und ohne rechtmäßige Begründung zu spät, sollten Arbeitgeber weiter konsequent durchgreifen. Je nachdem, wie viel Zeit seit der letzten Vorwarnung vergangen ist, sollten Vorgesetzte unter Umständen eine weitere Abmahnung aushändigen.

Bleibt auch diese ohne Erfolg beziehungsweise zeigt diese Warnung generell keine Wirkung bei einem Mitarbeiter, bleibt eine verhaltensbedingte Kündigung als weitere Konsequenz. Die Kündigung ist jedoch nur für schwerwiegende Fälle oder als letzte Möglichkeit als Handlungsoption zu wählen. Verspätungen, die im Rahmen von Streiks und dergleichen auftreten, lassen sich meistens vorab „planen“. Einmalige Verspätungen können nach Absprache individuell nachgearbeitet werden.

Autor. Redaktion Personalwissen

Siegel

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