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Umlageverfahren und ihre Bedeutung für die Sozialsysteme

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Umlageverfahren

    Die gesetzliche Rentenversicherung hat im Jahr 2016 gemäß einem Bericht des Portals Rentenblicker 259,3 Milliarden Euro an Rentenzahlungen an die knapp 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner ausbezahlt. Neben den Einnahmen aus Arbeitsentgelt, die sich vor allem aus den Beiträgen der Beitragszahler und Unternehmen speisen, wurden zusätzlich nahezu 70 Milliarden Euro an Steuergeldern für die gesetzliche Rentenversicherung abgezweigt. Die umfangreiche Kalkulation und Finanzierung in der Deutschen Rentenversicherung gelingt, da es durchdachte Finanzierungssysteme gibt.

    Welche Finanzierungssysteme sind zu unterscheiden?

    • Das Umlageverfahren
    • Das Kapitaldeckungsverfahren

    Bei diesen auf den ersten Blick für den Beitragszahler unvorstellbaren Geldbeträgen und in Anbetracht der umfangreichen und komplizierten Finanzierungssysteme stellen sich unterschiedliche Fragen:

    • Was ist ein Umlageverfahren?
    • Unterscheidet sich das Umlageverfahren vom Kapitaldeckungsverfahren?
    • Wie ist das Umlageverfahren Rente geregelt?
    • Wie funktioniert das Umlageverfahren in der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung?
    • Welche Vor- und Nachteile bietet ein Umlageverfahren?

    Was ist ein Umlageverfahren?

    Ein Umlageverfahren kann man als Finanzierungssystem beschreiben, in dem man die von Beitragszahlern einbezahlten Beitragszahlungen sofort für die vorgesehenen Leistungen ausgibt. Statt die Beiträge vom Arbeitsentgelt der Beitragszahler langfristig zu sparen und zum Aufbau eines Kapitalstocks zu verwenden, verteilt man eingenommenes Kapital kurzfristig und bestimmungsgemäß. Umlageverfahren nutzt der Gesetzgeber unter anderem in der gesetzlichen Rentenversicherung, sowie in der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung.

    Um im Falle von Konjunkturschwankungen Finanzierungsschwierigkeit zu umgehen, haben die Sozialversicherungsträger die vom Gesetzgeber eingeräumte Möglichkeit, Rücklagen zu bilden. Eine solche Nachhaltigkeitsrücklage, die zum Beispiel in der gesetzlichen Rentenversicherung besteht, verordnet gesetzlich das § 216 Sozialgesetzbuch VI verordnet. Die Mindestrücklage beträgt zwischen 20 % und 150 % der durchschnittlichen Ausgaben für einen Kalendermonat. In der Praxis können mit einer Rücklage saisonal bedingte Einkommensschwankungen ausgeglichen werden. Gleichzeitig unterstützt die gesetzliche Regelung die Politik dabei, den Beitragssatz stabil halten zu können.

    Was bedeutet Generationenvertrag in einem Umlagesystem?

    Der Begriff Generationenvertrag ist den meisten Deutschen geläufig. Trotz des hohen Bekanntheitsgrades gibt es kein Gesetz und keinen unterschriebenen Vertrag, in dem Regelungen des Generationenvertrags behandelt werden. Der Generationenvertrag, den der deutsche Wirtschaftstheoretiker Wilfried Schreiber Anfang der 1950er-Jahre auch als fiktiven Solidar-Vertrag bezeichnete, gilt gleichermaßen für alle Bundesbürger, die ein Arbeitsentgelt erwirtschaften und als Beitragszahler in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlen. Er unterliegt dem einfachen und sinnvollen Prinzip, dass die derzeitigen Beitragszahler durch ihre Beiträge die Rentenzahlungen der vorherigen Generation begleichen. Durch diese Grundnorm stützt eine Generation die andere und sorgt dafür, dass das System der gesetzlichen Rentenversicherung nachhaltig und gerecht funktioniert.

    Wie beeinflusst der demografische Wandel den Generationenvertrag und das Umlageverfahren?

    Der demographische Wandel ist eines der meistdiskutierten Zukunftsthemen in Deutschland. Vor allem die Arbeitswelt und die Systeme der Kranken-, Renten- und Unfallversicherung stehen durch die veränderte Bevölkerungspyramide vor deutlichen Herausforderungen. Gemäß einer Schätzung des Statistischen Bundeamtes verringert sich die Bevölkerungszahl in Deutschland bis 2050 um bis zu 7 Millionen Menschen. Gleichzeitig wird die Anzahl der Personen, die aufgrund ihres Alters als Beitragszahler in den Systemen ausfallen, zahlreicher.

    Das Umlageverfahren Rente wird aufgrund dieser Entwicklung fortlaufend fragiler. Es muss durch Steuermittel und Beitragserhöhungen in noch größerem Maße gestützt werden. Gleichzeitig kann es eine gleichhohe und auskömmliche Rente für die einzahlenden Generationen nicht mehr sicherstellen. Aus diesem Grund ist es für heutige Beitragszahler zielführend, durch private Vorsorge mögliche Rentenlücken in der gesetzlichen Rentenversicherung zu schließen. In der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung kommt es aufgrund der absehbaren Entwicklung zu ähnlichen Herausforderungen, da vor allem die Gesundheitskosten in einer alternden Gesellschaft stetig zunehmen werden.

    Reformen auf dem Arbeitsmarkt implementieren

    Gerade in Bezug auf den demographischen Wandel und den Generationenvertrag sind Unternehmen, Mitarbeiter und die Politik gemeinsam aufgerufen, Reformen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu implementierten. Diese zielen darauf ab, Beschäftigte durch gezielte Fort- und Weiterbildung und Angebote für lebenslanges Lernen fortlaufend und zielführend weiterzuentwickeln. Unternehmen können Fortbildungsangebote nutzen, um ihre bestehenden Mitarbeiter trotz Fachkräftemangel langfristig an den eigenen Betrieb zu binden. Gleichzeitig können sie sich durch ein modernes und zukunftsorientiertes Employer Branding einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt verschaffen.

    Der demographische Wandel beeinflusst bereits seit längerem das Umlageverfahren in den gesetzlichen Systemen. Der Generationenvertrag, der die gesetzliche Rentenversicherung mittlerweile seit mehr als 60 Jahren stabil hält, kann gleichermaßen für die nächsten Jahrzehnte Bestand haben, wenn geeignete Maßnahmen und Methoden greifen. Diese müssen es vor allem älteren Mitarbeitern ermöglichen, bis zum Renteneintrittsalter oder darüber hinaus, in sozialversicherungspflichtigen Anstellungen zu arbeiten. Wir der Generationenvertrag in dieser Weise weitergeführt, erhöht sich das Arbeitsentgelt aller Beitragszahler in den Umlagesystemen kontinuierlich. In diesem Fall wird die Solidargemeinschaft trotz der Auswirkungen des Demografiewandels gestärkt.

    Umlageverfahren von Kapitaldeckungsverfahren: Welche Unterschiede gibt es?

    Während das Umlageverfahren darauf basiert, eingenommene finanzielle Mittel der Beitragszahler umgehend dem eigentlichen Zweck zuzuführen, verfolgt das Kapitaldeckungsverfahren ein anderes Ziel. Auf dem Kapitaldeckungsverfahren gründen sich die meisten privaten Individualversicherungen.

    Bei einer privaten Rentenversicherung, wie zum Beispiel einem Riester-Rentenversicherungsvertrag, werden die Sparanteile der Versicherten am Kapitalmarkt angelegt. Ziel ist die bestmögliche Rendite und die Bildung eines Deckungskapitals. Hierzu werden nach dem individuellen Äquivalenzprinzip die zu leistenden Prämien des Versicherten berechnet.

    Ein Blick in einen Individual-Versicherungsvertrag zeigt, dass die wichtigsten Komponenten, wie Höhe der Versicherungsleistung, Laufzeit oder der Zinssatz in die Kalkulation einbezogen werden. Zahlt der Versicherte regelmäßig die vereinbarten Beiträge in die Individualversicherung, erhält er zum Vertragsende die verbrieften finanziellen Leistungen. Sein einbezahltes Kapital wird abzüglich von Verwaltungskosten und eines Risikobeitrags direkt am Kapitalmarkt angelegt. Die jährlichen Zwischenstands-Meldungen eines Individual-Versicherungsvertrags geben Aufschluss über den aktuellen Stand des Vermögensaufbaus.

    Zusammenfassend basiert das Kapitaldeckungsverfahren darauf, den größten Teil der eingezahlten Beträge der Beitragszahler langfristig am Kapitalmarkt anzulegen. Private Versicherungsunternehmen fokussieren sich professionell auf die bestmögliche Rendite, achten gleichzeitig jedoch ebenfalls auf höchstmögliche Kapitalsicherheit.

    Wie ist das Umlageverfahren Rente geregelt?

    Das Umlageverfahren in der gesetzlichen Rentenversicherung existiert in der derzeitigen Form seit 1957. Vor diesem Zeitpunkt war die gesetzliche Rentenversicherung im Kapitaldeckungsverfahren organisiert und fokussierte sich auf die paritätische Beitragszahlung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Diese mussten auf Rentenkonten entrichtet werden.

    Mit dem sogenannten Schreiberplan, der ein soziales Konzept des deutschen Wirtschaftstheoretikers Wilfried Schreiber benennt, wurde die Deutsche Rentenversicherung unter dem damaligen Kanzler Konrad Adenauer umfassend reformiert und in ein System mit Umlageverfahren umgebaut. Selbst wenn viele Details des Schreiberplanes letztendlich nicht verwirklicht werden konnten, wurde durch das Konzept ein Umlageverfahren Rente aufgebaut, das bis heute funktioniert.

    Die gesetzliche Rentenversicherung dient einem Großteil der Beschäftigten in Deutschland als wesentlicher Baustein in der persönlichen Altersvorsorge. Privat finanzierte Rentenpläne oder eine betriebliche Altersvorsorge sichern des Weiteren die Versorgung im Alter und erlauben es vielen Rentnerinnen und Rentnern, über einen gleichbleibenden oder ähnlichen Lebensstandards wie in Zeiten des Erwerbslebens zu verfügen. Beitragszahler erwerben mit ihren monatlichen Zahlungen Rentenpunkte oder sogenannte Anwartschaften. Bereits nach einer Mindestversicherungszeit von fünf Jahren können Beitragszahler in die gesetzliche Rentenversicherung Leistungen anmelden. Diese werden in den allermeisten Fällen gering ausfallen, da nach solch einer kurzen Zeit ausschließlich minimale Anwartschaften erworben werden können.

    Alle sozialversicherungspflichtigen Angestellten sind verpflichtet, als Beitragszahler in die gesetzliche Rentenversicherung einzubezahlen. Ein Teil ihres Arbeitsentgelts fließt im Umlageverfahren Rente an die jetzigen Beitragsbezieher. Durch diese Vorgehensweise wird der Generationenvertrag erfüllt. Selbstständige und Freiberufler sind keine Pflichtmitglieder in der gesetzlichen Rentenversicherung. Sie haben allerdings die Möglichkeit, sich als freiwillige Beitragszahler und Mitglieder registrieren lassen. Die Bundesregierung plant voraussichtlich 2020 eine Reform, die nach jetzigem Planungsstand Selbstständige und Freiberufler verpflichten soll, Pflichtmitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung zu werden.

    Wie werden die Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung berechnet?

    Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen für sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten insgesamt 18,6 % vom Arbeitsentgelt, die paritätisch aufgeteilt werden. Die Beitragsbemessungsgrenzen unterscheiden sich nach den alten und neuen Bundesländern. Für geringfügig Beschäftigte oder Angestellte in Privathaushalten gelten andere Staffelsätze. Die Beiträge im Umlageverfahren Rente für die gesetzliche Rentenversicherung werden wie folgt berechnet:

    Personenkreis Beitragshöhe Bemessungsgrenze Arbeitsentgelt
    Arbeitnehmer alte Bundesländer 9,3 % 6.700 Euro komplett
    Arbeitgeber alte Bundesländer 9,3 % 6.700 Euro komplett
    Arbeitnehmer neue Bundesländer 9,3 % 6.150 Euro komplett
    Arbeitgeber neue Bundesländer 9,3 % 6.150 Euro komplett
    Mini-Jobs, die vor 2013 bestanden 15 % bis 450 Euro, vom Arbeitgeber grundsätzlich allein zu tragen
    Mini-Jobs ab 2013 15 % Bis 450 Euro, vom Arbeitgeber allein zu tragen, Minijobber zahlt Differenz
    Beschäftigte in Privathaushalten 5 % Vom Arbeitgeber zu entrichten

     

    Sowohl bei Minijobs wie für Beschäftigte in Privathaushalten gilt, dass der Versicherte auf eine Versicherungspflicht verzichten kann. In diesem Fall werden keine Anwartschaften für die gesetzliche Rentenversicherung aufgebaut.

    Die monatlichen Einnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung werden im Umlageverfahren Rente äquivalent an die Rentnerinnen und Rentner in Deutschland ausbezahlt. Differenzbeträge, die die Deutsche Rentenversicherung nicht über das Arbeitsentgelt der Beitragszahler erwirtschaftet, werden durch Steuerzuschüsse in Milliardenhöhe eingebracht.

    Wie funktioniert das Umlageverfahren in der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung?

    Das Umlageverfahren in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung ähnelt dem Umlageverfahren Rente. Alle geleisteten Einnahmen der Beitragszahler werden sofort in Aufwendungen umgesetzt und kommen den Versicherten in der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung zugute. Leistungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung können ausschließlich in dem Fall ausbezahlt oder gewährt werden, wenn diese im Leistungskatalog verankert sind. Gleiches gilt für die gesetzliche Unfallversicherung. Diese gewährt Leistungen, wenn betriebliche Arbeitsunfälle zu einer langen Krankheits- oder Rehabilitationsphase führen.

    Die Beiträge für die gesetzliche Kranken- und Unfallversicherung werden anhand von Erfahrungswerten und umfangreichen Kalkulationen bestimmt. Dabei fokussieren sich die Beitragskommissionen auf die verfügbaren Daten und Fakten, um alle zu erwartenden Ausgaben decken zu können. Die gesetzlichen Krankenkassen haben die Möglichkeit, aus Beitragsüberhängen Rücklagen zu bilden oder bei finanziellen Engpässen über einen Strukturfond Gelder anderer Krankenkassen zu erhalten. Des Weiteren können Sie einen Zusatzbeitrag bei den Versicherten erheben und bekommen einen pauschalen Bundeszuschuss, der versicherungsfremde Leistungen, wie zum Beispiel die beitragsfreie Familienversicherung, abdeckt.

    Berechnung der Krankenkassenbeiträge:

    Der Krankenkassenbeitrag liegt einheitlich bei 14,6 % des Einkommens und wird vom Arbeitsentgelt der Beitragszahler errechnet.

    Info: Seit 01.01.2019 gilt das Versichertenentlastungsgesetz (GKV-VEG). Dieses verfügt, dass die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung komplett paritätisch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragen werden. Gleiches gilt für Rentner und die Deutsche Rentenversicherung.

    Die genaue Berechnung richtet sich in der gesetzlichen Krankenversicherung ebenfalls nach der Beitragsbemessungsgrenze. Diese ist jedoch, anders als bei der gesetzlichen Rentenversicherung, für die alten und neuen Bundesländer äquivalent und beträgt jeweils 4.537,50 Euro pro Monat oder 54. 450 Euro pro Jahr. Die Versicherungspflichtgrenze liegt 2019 bei 5.062,50 Euro oder 60.750 Euro pro Jahr. Verdienen Beitragszahler ein Arbeitsentgelt oberhalb der Versicherungspflichtgrenze, ist es ihnen auf Antrag möglich, in die private Krankenversicherung zu wechseln. Diese ist nicht im Umlageverfahren, sondern im Kapitaldeckungsverfahren organisiert und baut langfristig hohe Altersrückstellungen auf.

    Gleichzeittig sind Krankenkassen berechtigt, einen Zusatzbeitrag zu erheben. Dieser liegt im Durchschnitt bei 0,9 % und wird ebenfalls zwischen Arbeitnehmern und Beitragszahlern oder Pensionären und der gesetzlichen Rentenversicherung geteilt. Die genauen Kalkulationsgrundlagen sehen wie folgt aus:

    Personenkreis Beitragshöhe Bemessungsgrenze Arbeitsentgelt
    Arbeitnehmer 7,3 % + Zusatzbeitrag 4.537,50 Euro gesamt
    Arbeitgeber 7,3 % + Zusatzbeitrag 4.537,50 Euro gesamt
    Mini-Job 13 % bis 450 Euro, vom Arbeitgeber grundsätzlich allein zu tragen
    Beschäftigte in Privathaushalten 5 % Vom Arbeitgeber zu entrichten

     

    Umlageverfahren: Gesetzliche KV und gesetzliche RV

    Das Umlageverfahren in der gesetzlichen Krankenversicherung ähnelt dem Umlageverfahren in der gesetzlichen Rentenversicherung. In der gesetzlichen Krankenversicherung werden die Beiträge der Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder Rentner ebenfalls umgehend in die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen umgelegt. Dies bedeutet, dass die Einnahmen der Beitragszahler im Umlageverfahren der Krankenversicherung benötigt werden, um Ausgaben für Arzneimittel, Krankengeld oder stationäre Aufenthalte aller Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen zu decken.

    Im Rahmen des Solidarprinzips der gesetzlichen Krankenkasse ist es im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung jedoch unerheblich, ob die Ausgaben für die medizinische Versorgung eines Mitglieds die einbezahlten Beiträge übersteigen. Das Ziel der gesetzlichen Krankenkasse ist es, eine Gesundheitsversorgung in Deutschland sicherzustellen, die der Maßgabe des § 12 des Sozialgesetzbuches V entsprechen:

    „Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen.“ § 12 SGB V

    Das Umlageverfahren in der gesetzlichen Krankenkasse stellt zusammen mit den jährlichen Zulagen durch Steuermittel sicher, dass die Vorgabe des Sozialgesetzbuches erfüllt werden kann. Weitergehende Maßnahmen, die über die Leistungen des Gesetzes hinausgehen, müssen von Versicherten privatwirtschaftlich durch eine Krankenzusatzversicherung abgedeckt werden. Diese versichert gewisse Risiken explizit und umfassend. Zum Beispiel übernimmt eine Zusatzversicherung die Mehrkosten für Zahnersatz oder die Behandlungskosten alternativer Heilmethoden bei einem Heilpraktiker.

    Besondere Umlageverfahren U1 und U2 in der gesetzlichen Krankenversicherung

    Eine Besonderheit in der gesetzlichen Krankenversicherung stellen die Umlageverfahren U1 und U2 dar. Diese sorgen innerhalb der gesetzlichen Krankenkasse dafür, dass die finanziellen Belastungen aller Betriebe im Zusammenhang mit der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und in Bezug auf Mitarbeiterinnen im Mutterschutz abgefedert und ausgeglichen werden. Die Abkürzungen stehen für folgende Umlageverfahren:

    Umlageverfahren U1 = Beteiligung an den Kosten der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

    Es handelt sich beim Umlageverfahren U1 um eine Pflichtversicherung, deren Beiträge ausschließlich vom Arbeitgeber bezahlt werden. Der Umlagesatz, der je nach gesetzlicher Krankenversicherung differiert, wird als Anteil vom Bruttolohn des Arbeitnehmers berechnet. Die Umlage U1 ist für Unternehmen ab einer Mitarbeiterzahl von 30 Angestellten verpflichtend. Auszubildende und Schwerbehinderte werden nicht in die Mitarbeiteranzahl eingerechnet. Teilzeitmitarbeiter zählen nach Arbeitszeit anteilig. Erkrankt ein Mitarbeiter, übernimmt die Krankenkasse einen Anteil der für die Lohnfortzahlung entstandenen Kosten. Diese Beteiligung liegt zwischen 60 % bis 80 % und kann von Arbeitgebern über die Umlage erhöht werden. Jede Krankenkasse handelt wirtschaftlich selbstständig. Aus diesem Grund differieren die Umlagekosten und können in Unternehmen zu Mehrbelastungen führen.

    Umlageverfahren U2 = Erstattung von Lohnkosten im Rahmen des Mutterschutzes

    Das Umlageverfahren U2 greift für Unternehmen aller Größenordnung, denen im Rahmen des Mutterschutzes einer Mitarbeiterin Lohnkosten entstehen. Die Zahlungen werden vom Arbeitgeber vorab an die schwangere Angestellte gezahlt. Nach Auszahlung haben Personaler die Möglichkeit, die Zahlung über das Umlageverfahren U2 zu 100 % von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet zu bekommen. Es handelt sich um eine Pflichtversicherung, die ebenso wie das Umlageverfahren U1 ausschließlich vom Arbeitgeber bezahlt wird. Die Umlage wird buchhalterisch als Anteil am Arbeitslohn der Mitarbeiterin abgeführt. Die Erstattung der Lohnkosten bei Mutterschutz liegt für Arbeitgeber bei 100 %.

    Umlageverfahren in der gesetzlichen Unfallversicherung

    Neben der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung finanziert sich ebenso die gesetzliche Unfallversicherung im Umlageverfahren. Die Leistungen und die Höhe der Beiträge sind im Allgemeinen weniger bekannt, da man ausschließlich als Beitragszahler die Arbeitgeber heranzieht. Die gesetzliche Unfallversicherung ist eine der ältesten Sozialversicherungen. Ihre Entstehungsgeschichte geht mehr als 100 Jahre zurück. Ihr Gründungsvater ist der bekannte Reichskanzler Otto von Bismarck. Ihre gesetzliche Grundlage hat die gesetzliche Unfallversicherung im Siebten Sozialgesetzbuch.

    Jedes Unternehmen ist verpflichtet, alle Betriebsangehörigen in die gesetzliche Unfallversicherung einzugliedern. Dies geschieht über eine Berufsgenossenschaft oder einen Unfallversicherungs-Träger. Im Umlageverfahren erhalten alle gesetzlich versicherten Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Die Unfallversicherung zahlt zum Beispiel bei:

    • Allen Arbeitsunfällen, selbst wenn diese auf dem Weg zur oder von der Arbeit entstanden sind,
    • Berufskrankheiten, zum Beispiel durch Teilverrentung bei rezidivierenden Depressionen (Burn-out) oder körperlichen Erkrankungen infolge von schädigender Einwirkung chemischer Stoffe.

    Wonach richten sich die Beiträge?

    Die Höhe der Beiträge, die Unternehmen für ihre Mitarbeiter an die gesetzliche Unfallversicherung abführen müssen, richtet sich nach dem Arbeitsentgelt der Mitarbeiter. Des Weiteren zieht man die Gefahrenklasse in Betracht, zu der die Tätigkeit des Angestellten gehört. Bei dem Umlageverfahren in der gesetzlichen Unfallversicherung handelt es sich um ein nachträgliches Umlageverfahren. Dies bedeutet, dass man die Beiträge in einer Jahreszahlung für das letzte Kalenderjahr entrichtet.

    Durch das Umlageverfahren in der gesetzlichen Unfallversicherung ist sichergestellt, dass man Arbeitsunfälle oder Berufskrankheiten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern adäquat behandeln kann. Neben den Mitarbeitern, die im Falle eines Unfalls oder einer Erkrankung direkt von der gesetzlichen Unfallversicherung profitieren, haben Mitgliedsunternehmen einen weiteren nennenswerten Benefit. Durch eine professionelle Beratung in Bezug auf innerbetriebliche Arbeitsschutzmaßnahmen unterstützen Sie Führungskräfte und Betriebsleiter darin, Arbeitsunfällen wirksam vorzubeugen.

    Welche Vor- und Nachteile bietet ein Umlageverfahren?

    Wie jedes komplexe Finanzierungssystem bietet das Umlageverfahren im Vergleich zu einem Kapitaldeckungsverfahren unterschiedliche Vor- und Nachteile:

    Vorteile Umlageverfahren Nachteile Umlageverfahren
    Kapitalmarktunabhängigkeit, da finanzielle Mittel im Kreislauf bleiben Abhängigkeit von negativen Entwicklungen am Arbeitsmarkt
    Schutz vor Inflation und Krisen Geringere Renditen als bei kapitalgedeckten Systemen
    Schnellere Eingliederung von neuen Beitragsempfängern möglich Demographie-Abhängigkeit, z.B. Veränderung der Alterspyramide
    Geringere Verwaltungskosten Geringere Akzeptanz bei Beitragserhöhungen, da der individuelle Mehrwert der Beitragszahler nicht immer verständlich ist
    Hohe Zweckgebundenheit von Geldern im Umlageverfahren

     

    Zusammenfassung und Fazit zu den gesetzlichen Sozialsystemen

    Die gesetzlichen Sozialsysteme basieren in der Mehrheit auf einem Umlageverfahren. Dieses beinhaltet, dass man die Einnahmen der Beitragszahler fortlaufend einsetzt, um die Ausgaben im jeweiligen Sozialsystem zu decken. Die gesetzlichen Krankenkasse verwendet explizit die Beiträge der Versicherten beispielsweise um Krankenhausaufenthalte oder die Kosten für Medikamente der Versicherten abzudecken. In diesem Fall entsteht ein kontinuierlicher Kreislauf in Bezug auf die Ein- und Ausgaben der Beitragszahler.

    Das sogenannte Solidarprinzip besagt für die gesetzlichen Sozialsysteme, dass es unerheblich ist, in welcher Höhe einzelne Versicherte Beiträge einbezahlt haben. Jedes Mitglied erhält aus dem Leistungskatalog unabhängig von seiner Einzahlung Leistungen, selbst wenn diese seine Beiträge um ein Vielfaches übersteigen. Die gesetzliche Rentenversicherung basiert ebenfalls auf dem Umlageverfahren. Statt eines Solidarprinzips sammelt jeder Versicherte in dieser auf dem Generationenvertrag basierenden staatlichen Versicherung jedoch Rentenpunkte und Anwartschaften. Aus diesem Grund wird die Höhe der Altersrente in der gesetzlichen Rentenversicherung ausschließlich von den eingezahlten Beiträgen im Laufe des Erwerbslebens bestimmt.

    Umlageverfahren sind letzten Endes grundsätzlich dem Solidaritätsprinzip verpflichtet. Um dieses Prinzip sicherzustellen, erhalten die Sozialsysteme umfangreiche Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt. Aufgrund der Beitrags- und Leistungsentwicklung ist es ausschließlich über Steuermittel möglich, alle gesetzlich zugesicherten Leistungen fortlaufend realisieren zu können. Umlageverfahren überzeugen sowohl Arbeitgeber, Leistungsempfänger und die Politik durch viele nachweisbare Vorteile. Diese begründen sich vor allem in der Zweckgebundenheit oder in der Kapitalmarktunabhängigkeit. Allerdings sind Sozialversicherungssysteme mit Umlageverfahren gleichzeitig stark an demografische Entwicklungen gebunden. Für die Zukunft stellt die alternde Gesellschaft und die Fortentwicklung der Demografie in Deutschland die größten Herausforderungen für alle Sozialsysteme dar, die auf dem Umlageverfahren basieren. Moderne Maßnahmen und Investitionen in lebenslanges Lernen und eine Anhebung des Renteneintrittsalters können zielführende Ansätze sein, um das Umlageverfahren in allen Zweigen der Sozialversicherung auch in den nächsten Jahren adäquat fortzuführen.

    Autor: Torsten Niermann

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