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Übernahme nach der Ausbildung – Infos für Arbeitgeber

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Übernahme Auszubildende

Fachkräfte sind zum aktuellen Zeitpunkt schwer zu finden. Die Übernahme, der im Unternehmen ausgebildeten Azubis steht diesbezüglich für Arbeitgeber immer häufiger auf der Agenda. Dabei gilt es zu beachten, dass auch mündliche Versicherungen rechtsverbindlich sind und daher nicht unbedacht geäußert werden sollten. Es gibt kein Gesetz, dass Sie zur Übernahme eines Azubis verpflichtet. Dennoch kann es für Ihr Unternehmen von Vorteil sein, die selbst ausgebildeten Berufsanfänger zu übernehmen und somit dem Fachkräftemangel zu entgehen.

In diesem Artikel möchten wir Ihnen aufzeigen, worauf Sie bei einer eventuellen Übernahme von Azubis achten müssen und wie Sie das Thema ansprechen sollten. Ist eine Übernahme nach der Ausbildung ausgeschlossen, vermeiden Sie mit den unten aufgeführten Tipps Missverständnisse im Vorfeld.

    Die offene Kommunikation über freie Arbeitsstellen und Übernahmepläne

    Wenn offen über freie Arbeitsstellen und Übernahmepläne diskutiert wird, bleiben Gerüchte und falsche Hoffnungen auf Azubiseite aus. Sprechen Sie sowohl mit Auszubildenden, die Sie gerne übernehmen würden, aber auch mit den Azubis, denen Sie eine frühzeitige Bewerbung in einem anderen Unternehmen ans Herz legen.

    Werden die für eine Übernahme in Frage kommenden Azubis rechtzeitig ermittelt, bildet dies die optimale Grundlage für eine frühzeitige Planung der Personalabteilung. Auch für den zukünftigen Mitarbeiter besteht ein Vorteil in der Übernahmegewissheit. Hat er rechtzeitig Kenntnis über die Übernahmemöglichkeit, dient das in ihn gesetzte Vertrauen als Bindungsmaßnahme.

    Auch die Thematik der zur Besetzung zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze sollte ehrlich angesprochen werden. Stellt sich ein Azubi nach der Übernahme einen anderen, als von Ihnen angebotenen Aufgabenbereich vor, sind Missverständnisse vorprogrammiert.

    Tipp: Ist eine Übernahme des Azubis ausgeschlossen, unterbreiten Sie ihm diese Hiobsbotschaft nicht unmittelbar vor der Abschlussprüfung.

     

    Versprechen Sie nur, was Sie halten können (und wollen)

    Hand aufs Herz: Nicht mit jedem Azubi können Sie sich eine längerfristige Zusammenarbeit vorstellen. Einem Azubi, der keinesfalls übernommen wird, sollte man keine diesbezüglichen Versprechen machen und einen Arbeitsvertrag in Aussicht stellen.

    Wissen Sie schon innerhalb der Ausbildung, dass nicht jeder Azubi übernommen wird, halten Sie sich mit allgemeinen Versprechen zurück und schüren keine Hoffnungen, die am Ende zu einem Zerwürfnis mit Rechtsfolgen führen können.

    Wichtiger Hinweis! Eine diesbezügliche mündliche Äußerung kann, vor allem wenn es Zeugen gibt, für rechtliche Probleme sorgen und Sie dazu zwingen, den mündlich geschlossenen Arbeitsvertrag einzuhalten.

     

    Rechtsfragen bei Azubi-Übernahme

    Die Azubi-Übernahme setzt nicht wenige rechtliche Fragen auf die Agenda. Wie verhält es sich mit dem Resturlaub, mit dem Kündigungsschutz, mit der Fortzahlung im Krankheitsfall? Zu den wichtigsten aller Fragen gehört jedoch in den meisten Unternehmen der Aspekt, ob eine erneute Probezeit möglich ist.

    Ein Arbeitsvertrag kann teilbefristet oder sachgrundbefristet werden. Um den übernommenen Azubi nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen, sollten die Basics zum Arbeitsvertrag frühzeitig angesprochen werden. Die Inanspruchnahme einer Rechtsberatung oder die Kommunikation mit dem Betriebsrat kann rechtliche Fauxpas ausschließen und offene Unternehmerfragen klären.

    Befristeter Arbeitsvertrag und Probezeit

    Der Abschluss eines befristeten Arbeitsvertrags nach § 14 Abs. 1, Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) ist mit Angabe einer sachlichen Begründung möglich. Darüber sollte der potenzielle Vertragspartner rechtzeitig informiert werden, damit er selbstständig entscheiden und der Befristung zustimmen – oder diese ablehnen kann. Bezüglich einer neuen Probezeit sollten Unternehmen kein Risiko eingehen. Auch wenn sich der Azubi in allen Bereichen bewährt hat, ist ein Rückschluss auf die Zufriedenheit im harten Berufsalltag nicht möglich.

    Tipp: Der § 622 Abs. 3, Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) gibt Ihnen die Sicherheit, eine neue Probezeit zu vereinbaren und diesen Zeitraum zu nutzen, um Ihre Auswahl der Übernahmen abzusichern.

     

    Azubi wünscht keine Übernahme nach Ausbildung – und nun?

    Ob ein Arbeitsvertrag zustande kommt, obliegt nicht allein der Entscheidungskompetenz der Chefetage. Hier hat der Azubi ein „Wörtchen mitzureden“. Kommt eine Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung für den Azubi nicht in Frage, sollten Sie möglichst frühzeitig davon erfahren. Orientierungsgespräche mit jedem einzelnen Azubi sind hilfreich, vor allem, wenn Sie eine Übernahme anstreben und den Arbeitsvertrag praktisch schon unterzeichnet haben. Als häufigster Grund für die Ablehnung einer Anstellung im Lehrbetrieb ist ein Studium als aufbauender Bildungsweg.

    Außerdem kann ein Orientierungsgespräch dazu dienen, die Beweggründe für den Abgang des Azubis herauszufinden. In manchen Fällen bildet sich so eine Grundlage, um den Azubi trotz anderer Pläne im Unternehmen zu halten. Will der Azubi beispielsweise studieren, besteht eine Bindungsmöglichkeit in dem Angebot eines berufsbegleitenden Studiums.

    Der „versehentlich“ abgeschlossene Arbeitsvertrag: ein Fallstrick für Arbeitgeber

    Ein unfreiwillig geschlossener Arbeitsvertrag gehört zu den größten Fallstricken für Arbeitgeber. Nicht jeder Unternehmer weiß, dass er im Falle einer Weiterbeschäftigung nach bestandener Abschlussprüfung einen unbefristeten Arbeitsvertrag schließt. Das gilt auch, wenn der ehemalige Azubi beispielsweise nur eine Stunde im Unternehmen tätig wird.

    Heikel wird es auch, wenn es um einen Azubi aus der Jugend- und Auszubildendenvertretung geht. Hier greift § 78a  aus dem Betriebsverfassungsgesetz (BetrVg), das dem Unternehmen eine automatische Übernahme bei Zumutbarkeit vorschreibt.

    Wichtiger Hinweis! Klären Sie bereits vor der Abschlussprüfung, dass ein nicht für die Übernahme vorgesehener Azubi nach bestandener Prüfung nicht weiter in Ihrem Unternehmen arbeitet und unterbinden Sie die Aufnahme der Tätigkeit, falls der Azubi Ihre Anordnung „überhört“.

     

    Wenn die Chemie nicht stimmt – Rechtsstreitigkeiten vorbeugen

    Ein ursprünglich sympathischer und zum Team passender Azubi kann sich im Laufe der Zeit als „unangenehmer Kollege“ entpuppen. Wenn die Chemie nicht stimmt und das Betriebsklima durch die Anstellung per Arbeitsvertrag leiden würde, muss ein Unternehmer trotz eigentlich angedachter Stellenbesetzung nicht an diesem Gedanken festhalten.

    Wichtig ist, dass das Gespräch mit dem Azubi frühzeitig stattfindet um ihm, sowie Ihnen die Möglichkeit einer Neuorientierung zu geben. Versuchen Sie eine wohlwollende Einigung zu erzielen, wenn es bereits zu einer Zusicherung der Übernahme – auch beim mündlichen Zugeständnis – gekommen ist.

    Wichtiger Hinweis! Falls es in Ihrem Unternehmen einen Betriebsrat gibt, wird dieser oftmals prinzipiell gegen Ihre Entscheidung stimmen. Sie müssen dem jedoch Ratschlag nicht folgen und haben das „letzte Wort“.

     

    Übernahme oder nicht? Zukunftsvorstellungen der Zusammenarbeit zur Diskussion stellen

    Das Wissen um die Zukunftsvorstellungen von Azubis ist ein stabiles Fundament, wenn es um die Beschäftigung nach der Ausbildung geht. Da eine Übernahme nur bei gleichartigen Vorstellungen der Zusammenarbeit sinnvoll ist, sollten Azubis zum Einzelgespräch geladen und über ihre perspektivische Ausrichtung befragt werden. Kongruieren die Vorstellungen nicht, ist keine Übernahme nach der Ausbildung im Regelfall die für beide Seiten beste Lösung.

    Tipp: Für dieses Gespräch bietet sich der Beginn des letzten Ausbildungshalbjahres an. Zu diesem Zeitpunkt hat der Azubi bereits klare Vorstellungen, die entweder zu Ihrer Vorstellung der Übernahme passen, oder einen Arbeitsvertrag ausschließen.

     

    Autor: Redaktion Personalwissen

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