• 0228 / 95 50 160
Marken der Personalwissen Familie

Tattoos am Arbeitsplatz: Was Arbeitgeber erlauben müssen

© olly/Fotolia
Tattoos

Körperschmuck ist heutzutage keine Seltenheit mehr: Ob Piercings, Tattoos oder auffällige Kleidung – viele Menschen gehen mit den Trends der Zeit. Was im privaten Umfeld meistens kein Problem darstellt, wird in der Geschäftswelt nicht überall gerne gesehen. Denn: Arbeitgeber haben ein berechtigtes Interesse daran, dass ihre Mitarbeiter seriös und gepflegt aussehen – vor allem wenn sie Kundenkontakt haben oder in traditionellen Branchen arbeiten. Welche Art von Kleidung und Körperkunst Arbeitgeber erlauben müssen und inwieweit die Kleiderordnung auch bei Tattoos am Arbeitsplatz greift, lesen Sie in diesem Beitrag.

    Kleiderordnung am Arbeitsplatz: Was ist erlaubt?

    Sicherlich: Jeder Mensch ist frei – und hat somit auch das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit. Diese freie Entfaltung zeigen viele Menschen durch ihr Äußeres: Ob durch ihre Kleidung, Tattoos oder Piercings. Doch die Freiheit stößt oft spätestens am Arbeitsplatz an ihre Grenzen. Vor allem wenn Beschäftigte Kundenkontakt haben oder in einer konservativen Branche tätig sind, zum Beispiel in einem Geldinstitut.

    Dann bittet der Arbeitgeber Mitarbeiter oftmals darum, die Persönlichkeitsentfaltung in den privaten Bereich zu verlagern. Doch stellt sich hier die Frage: Darf er das überhaupt? Die Antwort auf diese Frage lässt sich nicht klar mit Ja oder Nein beantworten – wie in vielen Bereichen des Businesslebens.

    Grundsätzlich gilt: Der Arbeitgeber muss ein berechtigtes Interesse an der Kleiderwahl seiner Arbeitskraft vorweisen können. Im Rahmen des Direktionsrechts hat das Unternehmen dann die Berechtigung, seiner Belegschaft Anweisungen bezüglich ihrer Kleiderwahl zu machen.

    Worauf gründen sich Kleiderordnung und Vorgaben zum Aussehen?

    Geht es um die Kleiderordnung oder um Vorgaben zur äußerlichen Erscheinung, müssen folgende gesetzliche Grundlagen beachtet werden:

    • Sicherheit: Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht für seine Mitarbeiter. Daher kann er ihnen auch aus Gründen der Sicherheit vorschreiben, was sie während ihrer Arbeitszeit zu tragen haben. Denn: Manche Berufe bergen ein hohes Verletzungsrisiko. Damit sich der Werktätige nicht verletzt, muss er daher spezielle Schutzkleidung, wie beispielsweise Sicherheitsschuhe oder eine Sicherheitsbrille, tragen. Das ergibt sich aus § 15 Abs. 1 und 2 des Arbeitsschutzgesetzes.
    • Berechtigte Arbeitgeberinteressen: Wie schon erwähnt, muss der Arbeitgeber Gründe vorweisen können, um seinen Mitarbeitern eine bestimmte Kleiderordnung vorgeben zu können. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn:
      1. Der Angestellte Kontakt mit Kunden hat.
      2. Die Firma ihre Belegschaft als solche gegenüber Dritten zu erkennen geben möchte.
      3. Das Unternehmen Maßnahmen bezüglich einer Corporate Identity umsetzen möchte.

    Ist also mindestens ein Punkt der oben genannten erfüllt, hat der Arbeitgeber prinzipiell die Möglichkeit, auf die Kleidung bzw. das Äußere der Belegschaft Einfluss zu nehmen.

    Arbeitskleidung: Wer übernimmt die Kosten?

    Wenn der Betrieb eine bestimmte Kleidung am Arbeitsplatz vorgibt, stellt sich für das Personal oftmals die Frage, wer die Kosten hierfür übernimmt. Pauschal beantworten lässt sich die Frage ebenfalls nicht.

    Je nach vereinbarter Regelung im Arbeitsvertrag, ergibt sich eine andere Antwort. So kann die Arbeitgeberseite im Vertrag fordern, dass sich auch die Betriebsangehörigen an den Kleiderkosten beteiligen müssen. Grundsätzlich ist es dabei dem Arbeitgeber gestattet, einen bestimmten Betrag des Nettogehalts des Angestellten einzubehalten – sofern das Nettogehalt pfändbar ist.

    Tattoos, Piercings und Körperschmuck: Gesetzliche Grundlage für Verbote

    Das äußere Erscheinungsbild der Belegschaft in puncto Kleidung ist das eine, das andere ist jedoch Körperschmuck: Gut sichtbare Tattoos oder Piercings an Armen und Beinen oder im Gesicht sind zum Teil nicht zu verstecken. Dürfen Arbeitgeber hier anordnen, dass Mitarbeiter ihren Körperschmuck verstecken?

    Große mediale Aufmerksamkeit erreichte dabei auch der Fall eines Bewerbers, der Anfang 2018 beim Berliner Arbeitsgericht klagte. Denn: Die Polizei hatte ihn aufgrund seines Tattoos am Unterarm abgelehnt. Das Gericht wies seine Klage mit der Begründung ab, dass Tattoos mit dem Neutralitätsgebot der Dienstkräfte vereinbar sein müssen – was in seinem Fall nicht gegeben war. Doch: Was für Beamte gilt, muss nicht automatisch auch für Beschäftigte in der freien Wirtschaft gelten.

    Darf der Arbeitgeber Tattoos verbieten?

    Es gibt arbeitsrechtliche Grundlagen, die es dem Arbeitgeber unter Umständen zugestehen, Körperschmuck am Arbeitsplatz zu verbieten bzw. den Mitarbeiter dazu aufzufordern, Tätowierungen durch Kleidung oder Make-up zu verdecken.

    • Verbote und Vorgaben: Ja, dem Arbeitgeber steht es zu, seiner Belegschaft Vorschriften bezüglich Tattoos und Piercings zu machen. Aber nur, sofern das Unternehmen Gründe vorweisen kann: Beispielsweise, wenn der Mitarbeiter viel mit Kunden arbeitet und diese ein gewisses Erscheinungsbild erwarten. Das ist zum Beispiel bei Flugbegleitern oder Bankangestellten der Fall. Außerdem ist es auch rechtens, wenn solche Firmen tätowierte Bewerber ablehnen, deren Körperverzierungen sich nicht verstecken lassen.
    • Bedingungen für Vorgaben: Doch: Wenn ein Vorgesetzter einem Mitarbeiter Vorgaben machen möchte, ist das an bestimmte Bedingungen geknüpft. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise die Sichtbarkeit und die Größe des Körperschmucks von Bedeutung. Aber auch die Ausgestaltung eines Tattoos kann ausschlaggebend sein, ob Unternehmen Verbote aussprechen können. So ist es zum Beispiel denkbar, dass ein Arbeitgeber die Bedeckung eines sichtbaren Tattoos fordert, falls die Bedeutung des Tattoos in klarem Widerspruch zum Unternehmen steht.

    Kann der Betrieb also berechtigte Arbeitgeberinteressen nachweisen, steht es ihm zu, einen Bewerber abzulehnen oder einem bereits unter Vertrag stehenden Mitarbeiter Vorgaben zu seinem äußeren Erscheinungsbild zu machen.

    Wichtiger Hinweis: Das Aussprechen von Verboten hängt jedoch immer vom Einzelfall ab. Außerdem kann man auch grundsätzlich keine fristlose Kündigung aufgrund von Tattoos aussprechen. Erst wenn der Angestellte den Vorgaben trotz Aufforderung nicht nachkommt, kann eine Abmahnung in Betracht gezogen werden.

    Darf Körperschmuck im Arbeitsvertrag verboten werden?

    Ob Unternehmen das Tattoo oder das Piercing eines Betriebsangehörigen verbieten dürfen, ist – wie schon erwähnt – eine Einzelfallentscheidung. Daher gilt: Im Arbeitsvertrag darf die Arbeitgeberseite keine grundsätzlichen Verbote aussprechen. Solche oder ähnliche Klauseln sind somit nichtig und unwirksam. Aus diesem Grund darf einem Arbeitnehmer nicht einfach die Kündigung ausgesprochen werden, sollte er dagegen „verstoßen“ haben.

    Interessant: Bevor es zur Unterzeichnung eines Arbeitsvertrags kommt, findet unter normalen Umständen ein Bewerbungsgespräch statt. Dabei sollten Personaler beachten, dass direkte Fragen nach einem Tattoo nicht gestattet sind. Sonst steht es dem Bewerber zu, nicht zu antworten oder zu lügen. Aber: Die Frage, ob der Bewerber ein Tattoo trägt, das er nicht verdecken kann, ist zulässig. Daher muss der Bewerber darauf wahrheitsgemäß antworten.

    Erscheinung am Arbeitsplatz – Fazit

    Firmen können ein berechtigtes Interesse daran haben, dass ihre Belegschaft ein seriöses und ansprechendes Erscheinungsbild am Arbeitsplatz vorweisen kann. Daher ist es im Arbeitsrecht auch erlaubt, dass die Arbeitgeberseite bestimmte Vorgaben und Verbote ausspricht. Das kann in einer Kleiderordnung resultieren. Auch Vorgaben rund um Körperschmuck sind denkbar.

    Diese sind jedoch an bestimmte Bedingungen wie die Größe und die Sichtbarkeit eines Tattoos oder eines Piercings geknüpft. Daher ist auch immer von Einzelfall zu Einzelfall zu unterscheiden, ob eine bestimmte Körperverzierung verboten oder erlaubt wird. Grundsätzliche Verbote im Arbeitsvertrag sind deshalb nicht gestattet.

    Autor: Redaktion Personalwissen

    Siegel

    Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
    0228 / 95 50 160