• 0228 / 95 50 160
Marken der Personalwissen Familie

Projektarbeit am Arbeitsplatz: Ist arbeiten auf Projektbasis zukunftsfähig?

© Coloures-pic/Fotolia
Projektarbeit

Projektarbeit am Arbeitsplatz könnte die klassischen Arbeitsmodelle revolutionieren. Anstatt von festgelegten Arbeitszeiten, Schichtmodellen und klar definierten Aufgabenbereichen bietet das Arbeiten auf Projektbasis die Möglichkeit zu mehr Freiheit und Abwechslung – Werte, die insbesondere für die jüngeren Generationen immer wichtiger werden. Dieser Artikel widmet sich dem Thema Projektarbeit am Arbeitsplatz: Welche Chancen und Risiken gehen damit einher und ist dieses Modell zukunftsfähig?

Projektarbeit am Arbeitsplatz: Was ist damit gemeint?

Ist von Arbeiten auf Projektbasis die Rede, muss man zunächst zwischen zwei vollkommen unterschiedlichen Dingen unterscheiden:

  • Freelancer: Projektarbeit ist insbesondere bei Freelancern sehr beliebt. Selbstständige bzw. Freiberufler unterstützen unterschiedliche Firmen projektbezogen. Es obliegt jedoch dem Freelancer, sich um Aufträge, Sozialversicherung, Steuer und Co. zu kümmern – also das klassische Modell der Selbstständigkeit.
  • Arbeitnehmer: In den vergangenen Jahren hat die Projektarbeit aber auch unternehmensintern zugenommen. Das bedeutet, dass fest angestellte Arbeitnehmer verschiedenen Projekten zugeteilt werden. Sie arbeiten je nach Kapazität, Fachkenntnis und eigenen Interessen in unterschiedlichen Teams mit verschiedenen Schwerpunkten.

Dieser Artikel fokussiert den zweiten Punkt: Die Projektarbeit von festangestellten Mitarbeitern im eigenen Unternehmen. Und die Zahlen sprechen für sich. Beschäftigte verbringen jetzt schon etwa ein Drittel der Arbeitszeit damit, projektbezogen zu arbeiten.

Angestellte werden also nicht mehr ausschließlich in einem festgelegten Aufgabenbereich eingesetzt – so zum Beispiel im Bereich der Fakturierung – sondern haben die Möglichkeit, ihre Expertise auch vorübergehend bei anderen Aufgaben einzubringen.

Arbeiten auf Projektbasis als Zukunftsmodell?

Sicherlich hat die Projektarbeit am Arbeitsplatz das Potenzial, den sich wandelnden Bedürfnissen der Arbeitnehmer nachzukommen. Spätestens seit die Generation Y (engl. ausgesprochen „why“ für „warum“) den Arbeitsmarkt betreten hat, ist klar, dass die tradierten Werte der Arbeitswelt nicht mehr so viel zählen wie noch vor 20 Jahren. Das bedeutet konkret:

  • Vergütung
  • Firmenwagen
  • Status

und dergleichen haben an Relevanz verloren. Stattdessen gehören eine ausgewogene Work-Life-Balance sowie die Erfüllung und die persönliche Weiterentwicklung durch die Arbeit zu den Dingen, die zunehmend wichtiger werden.

Insbesondere jüngere Arbeitnehmer setzen auf flexible Arbeitszeit– und Arbeitsortmodelle. Wer den Luxus hat, nicht ums blanke Überleben kämpfen zu müssen, wird Freizeitaktivitäten und Privatleben wahrscheinlich über die Karriere stellen. Oder die Karriere zumindest so ausrichten, dass sich beide Bereiche – Arbeit und Privates – miteinander vereinbaren lassen.

Was hat das nun mit Projektarbeit zu tun? Eine ganze Menge. Denn: Das Engagement in unterschiedlichen Projekten fordert einen Arbeitnehmer. Es wäre vermessen zu behaupten, dass Projektarbeit Routinen vollkommen aushebelt. Sicher ist jedoch, dass Projekte in jedem Fall ein Plus an Abwechslung mit sich bringen.

Projektarbeit sorgt für Abwechslung

Dass das Arbeiten auf Projektbasis naturgemäß mit Abwechslung einhergeht, ist nicht zu leugnen. Projekte weisen – und das ist sowohl aus der Theorie bekannt, aber auch in der Praxis erprobt – bestimmte Merkmale auf. So werden sie als zielgerichtetes und einmaliges Vorhaben bezeichnet, die folgende Charakteristika besitzen:

  • Klaren Start- und Endtermin
  • Vorgaben zu Zeit, Ressourcen und Umsetzung
  • Vorab definiertes Ziel

Das Gabler Wirtschaftslexikon erweitert die Projekt-Definition noch um einen weiteren Aspekt: Es bezeichnet ein Projekt als „Aufgabe von erheblicher Komplexität“.

Kurzum: Projekte umfassen einmalige Aufgaben und sind von komplexeren Strukturen gezeichnet, womit automatisch mehr Abwechslung einhergeht.

 

Durch den einmaligen Charakter eines Projekts ist nicht nur die Zusammensetzung eines Teams einzigartig – auch die Aufgabenstellung ist individuell. Und genau diese Besonderheit kommt den Bedürfnissen der Arbeitgeber nach.

Beschäftigte haben in Projekten die Option, sich stärker einzubringen. Sie verfallen nicht in Routinen, sondern werden immer wieder vor neue oder anders ausgestaltete Aufgaben gestellt, die zu erledigen sind. Das fördert zum einen die Eigeninitiative, was mit einer erhöhten Motivation einhergeht. Zum anderen sorgt Projektarbeit auch schlicht und ergreifend dafür, dass es nicht langweilig wird.

Projekte: Fordern, aber nicht überfordern

Nicht jeder Beschäftigte kann im Rahmen von Projekten eingesetzt werden. Insbesondere „Wissensarbeiter“ stehen hierbei im Zentrum des Interesses. Doch mit der projektbezogenen Tätigkeit von Arbeitnehmern gehen nicht nur Chancen einher, sondern auch Risiken. Vor allem eher traditionell ausgerichtete Unternehmen haben noch nicht die notwendigen Strukturen aufgebaut, um vollkommen auf Projektarbeit zu setzen.

Und nicht nur die Unternehmen müssen sich im Rahmen von projektbezogener Arbeit weiterentwickeln, sondern auch die Mitarbeiter und die komplette Firmen- und Führungskultur. Das bedeutet konkret: Insbesondere bei der Teamarbeit wird Kommunikation immer wichtiger. Nicht zuletzt deshalb ist es wichtig, eine umfassende Feedbackkultur einzuführen.

Feedback ist nicht nur unter den einzelnen Teammitgliedern wichtig, sondern auch für die Führungskräfte. Nur wenn sie Rückmeldung zum Workload, zum Stresslevel und zur Belastung erhalten, können Sie regulierend eingreifend. Gerade die Überbelastung ist bei Projektarbeit eine der größten Gefahren. Schlicht und ergreifend, weil Beschäftigte in zu vielen Projekten eingesetzt werden und die anfallenden Aufgaben nicht mehr stemmen können. Das Resultat davon ist alles andere als zufriedenstellen: Es drohen Qualitätsmängel bei der Arbeit, Motivationsprobleme oder im schlimmsten Fall sogar ein Burnout.

Projektarbeit: Was sollten Arbeitgeber beachten?

Wie bei allen Personalentscheidungen ist es auch bei projektbasierten Tätigkeiten wichtig, zunächst die passende Besetzung für vakante „Positionen“ zu finden. Hier bietet es sich an, erst einmal Freiwillige zu finden, die an einer projektbasierten Tätigkeit interessiert sind. Zudem ist es wichtig, dass insbesondere die Führungskräfte mit einem guten Beispiel vorangehen.

Parallel dazu sollten Sie überprüfen, wie es um die Feedbackkultur in Ihrem Unternehmen steht. Haben Beschäftigte die Option, Rückmeldung zum Arbeitsumfeld, zur Motivation und zu Führungskräften zu geben?

Tipp: Mitunter ist es sinnvoll, vor der Einführung neuer Strukturen, wie der Projektarbeit am Arbeitsplatz, eine Mitarbeiterbefragung durchzuführen. So lässt sich die Stimmung im Unternehmen abfragen. Vielleicht wünschen sich einige Ihrer Beschäftigten ohnehin mehr Abwechslung oder die Möglichkeit, sich intensiver ins Unternehmen einzubringen.

 

Ob die Projektarbeit am Arbeitsplatz sinnvoll ist, lässt sich nur durch ausprobieren herausfinden. Unternehmen, die bislang noch gar keine Erfahrung im Hinblick auf den projektbezogenen Einsatz der Mitarbeiter gesammelt haben, können einen sanften Einstieg schaffen und zuerst lediglich einzelne kleinere Aufgaben an ein Projektteam übergeben. Wie angedeutet, bietet es sich an, im Projektteam zuerst Freiwillige einzusetzen, die das Potenzial haben, auch als Projekt-Botschafter zu fungieren.

Autorin: Johanna Wirsing

Siegel

Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
0228 / 95 50 160