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Warum eine positive Fehlerkultur über den Erfolg Ihres Unternehmens entscheidet

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Fehlerkultur

Fehler zu begehen, wird in deutschen Unternehmen nicht gern gesehen. Dabei lassen sie sich kaum vermeiden. Fehler passieren, ob wir wollen oder nicht. Und das ist auch gut so. Denn nur wer Fehler macht, kann daraus lernen. Und ohne Fehler keine Innovationen. Eine offene Fehlerkultur wirkt sich positiv auf den Unternehmenserfolg aus.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum ein auffallend großer Teil der Innovationen aus den Vereinigten Staaten von Amerika stammt? Sicherlich ist dafür ein ganzes Bündel an Gründen verantwortlich. Wesentlichen Einfluss hat allerdings die offene Fehlerkultur, die vor allem bei Start-ups zu beobachten ist.

    Fehler sind der Innovationsmotor

    Airbnb, Amazon, Apple, Google, Uber und Co. wären heute sicherlich nicht so erfolgreich, wenn sie Fehler als etwas Negatives ansehen und wie hierzulande allzu oft die Schuldfrage stellen würden. Stattdessen sind sich diese Unternehmen durchaus bewusst, dass aus Fehlern neue Ideen und neue Produkte entstehen können. Sie betrachten Fehler als etwas Positives und sind bereit daraus zu lernen.

    So wie das Scheitern in den USA weit weniger negativ belegt ist als in Deutschland, ist in vielen amerikanischen Unternehmen auch die Fehlerkultur eine ganz andere. Denn nur wer keine Angst vor Fehlern und ihren Konsequenzen hat, der traut sich Entscheidungen zu treffen und Experimente zu wagen.

    Statt danach zu fragen, wer den Fehler begangen hat, fragen erfolgreiche Unternehmen, warum der Fehler passiert ist und wie man ihn in der Zukunft vermeiden kann. Sie haben eine ganz andere Haltung zu Fehlern, die durch Offenheit und Ehrlichkeit geprägt ist.

    „Zeigen Sie mir jemanden, der noch keinen Fehler gemacht hat,

    und ich zeige Ihnen einen Menschen, der noch nie etwas geleistet hat.“

    (Theodore Roosevelt)

    Deutschland Schlusslicht bei Fehlerkultur

    Die deutsche „Wir machen keine Fehler!“-Haltung lässt sich sogar an aktuellen Zahlen festmachen. Bei einer Studie zur Fehlerkultur, von Prof. Dr. Michael Frese von der Leuphana Universität Lüneburg, landet Deutschland im Vergleich mit insgesamt 61 Ländern auf Platz 60 – Vorletzter!

    Mit dieser Haltung stehen sich die Unternehmen selbst im Weg. Denn nur Fehler, aus denen gelernt wird, garantieren Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit. Trauen sich Mitarbeiter nicht Fehler zuzugeben, weil Sie Konsequenzen fürchten müssen, kommen Fehler zum Teil gar nicht zu Tage und richten dadurch meist einen viel größeren Schaden an. Studien belegen außerdem, dass Fehler umso geringere Kosten verursachen, je früher sie eingestanden werden.

    Null-Fehler-Toleranz ist der größte Fehler überhaupt

    Eine Null-Fehler-Toleranz ist also ein Fehler in sich. Für die Unternehmen ist sie eine Erfolgsbremse und für die Mitarbeiter zumindest theoretisch ein Karrierekiller. Praktisch ist es hierzulande für die Karriere leider noch immer kontraproduktiv, Fehler einzugestehen. Nirgendwo wird uns das jeden Tag besser vor Augen geführt, als in der Politik. Dabei könnte das ganze Land profitieren, wenn es auch hier eine konstruktive Fehlerkultur geben würde.

    Die geringe Fehlertoleranz in Deutschland ist umso verwunderlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass Irren nicht nur menschlich ist, sondern Fehler uns sogar zu den Menschen machen, die wir sind. Fehler formen uns. Kleinkinder betrachten sie nicht als etwas Negatives, sondern lernen Tag für Tag aus ihren Fehlern. Dazu gehört natürlich auch, dass Eltern den Kindern irgendwann Grenzen setzen.

    Fehlerkultur bedeutet auch in Unternehmen nicht, dass jeder tun und lassen kann, was er will. Manche Fehler sind so gravierend, dass sie Konsequenzen zur Folge haben müssen. Insbesondere dann, wenn sie vorsätzlich begangen werden. Aber die geringe Fehlertoleranz und der damit verbundene Drang zur Bestrafung, schaffen ein Klima der Unsicherheit und Angst.

    „Sobald eine Organisation scheinbar fehlerfrei läuft,

    muss man ernsthaft nachdenken, einen Fehler zu inszenieren.“

    (Steve Jobs)

    Angst vor Schuld und Strafe lähmt Engagement

    Die Beziehung zu Fehlern beginnt sich meist dann zu wandeln, wenn Kindern in die Schule kommen und die Gefahr Fehler zu machen, die ernsthafte Konsequenzen mit sich ziehen, exorbitant zunimmt. Das hier beigebrachte, kontraproduktive Fehlerverständnis prägt uns fürs Leben und führt dazu, dass viele später lieber gar nichts ausprobieren, anpacken oder machen, als das Risiko einzugehen, einen Fehler zu begehen. Auch damit ist die niedrige Existenzgründerquote in Deutschland zu erklären. Wir bauen schon im Kindesalter eine Fehlervermeidungsstrategie auf, die sich durch alle Bereiche der Gesellschaft zieht.

    Warum spielen deutsche Autobauer keine Rolle bei der Elektromobilität?

    Weil sie sich mit der Materie nicht auskennen, vom Erfolg nicht überzeugt waren, keine verlorenen Investitionen tätigen wollten. Also weil sie keine Fehler begehen möchten. Elon Musk hingegen begeht mit Tesla jeden Tag Fehler. Erfolgreich!

    Richtig kritisch wird es, wenn wir und dann nicht mehr trauen Fehler zu machen, wenn es dringend notwendig wäre. Viele Menschen leisten genau aus diesem Grund keine Erste Hilfe und entfernen sich vom Unfallort. Dabei wären ein paar gebrochene Rippen durch eine nicht fachmännisch durchgeführte Herz-Rhythmus-Massage nur halb so schlimm, wie unterlassene Widerbelebungsmaßnahmen. Zumal für Fehler durch Erste Hilfe niemand eine Strafe erwarten muss, während unterlassene Hilfeleistung sehr wohl strafbar ist.

    Mit all der Mühe, mit der wir manche unserer Fehler verbergen,

    könnten wir sie uns leicht abgewöhnen.“

    (Michelangelo Buonarroti)

    Fehler sind die wertvollsten Erfahrungen, die wir machen können

    Im Alltag kommt außerdem die Problematik der Fehlerdefinition hinzu. Denn was überhaupt ein Fehler ist, lässt sich nicht immer zweifelsfrei sagen. Zumal jede Persönlichkeit zum Teil eine ganz andere Auffassung davon hat und Fehler unterschiedlich bewertet. Auch das hängt stark von unserer Sozialisierung ab und davon, ob bereits im Rahmen der Erziehung oder bei anderen Arbeitgebern eine offene Fehlerkultur herrschte oder Fehler mit dem Teufel gleichgesetzt wurden

    Unbestritten hingegen ist, dass Fehler Erfahrungen sind. Und Erfahrungen sind noch wertvoller als Qualifikationen, Wissen und Kompetenzen. Es liegt an Ihnen, Ihre Mitarbeiter die Erfahrungen machen zu lassen, die Sie schon in der Stellenanzeige einfordern.

    „Fehler vermeidet man, indem man Erfahrung sammelt.

    Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht.“

    (Lawrence J. Peter)

    9 Tipps für eine positive Fehlerkultur

    1. Fehlerkultur beginnt mit der Akzeptanz

    Betrachten Sie Fehler – egal ob Ihre eignen oder die von anderen – nicht als etwas per se Schlechtes, sondern als Chance. Fehler passieren, ob wir wollen oder nicht. Und nur wer Fehler macht kann daraus lernen. Es gibt nur einen Weg Fehler zu vermeiden, nämlich nichts zu tun.

    2. Offenheit schaffen

    Machen Sie Ihren Mitarbeitern klar, wie wichtig Ihnen eine positive Fehlerkultur ist. Statt Schuldzuweisungen zu tätigen, sollten Sie Fehlereingeständnisse honorieren. Denn ein Fehler ist erst ein Fehler, wenn darüber geredet wird. Und diese Kommunikation ist entscheidend, damit aus Fehlern gelernt werden kann. Ermutigen Sie Ihr Team sich über ihre Fehler und dadurch gemachten Erfahrungen auszutauschen, damit sie in Zukunft von allen vermieden werden können.

    3. Gemeinsam Lösungen finden

    Als Führungskraft müssen Sie sich an der Lösung von fehlerbasierten Problemen beteiligen und können dafür auch das gesamte Team ins Boot holen. Nicht um den Schuldigen zu peinigen, sondern um das Problem im Kollektiv schneller lösen zu können und von dem Fehler gemeinsam zu lernen. Sehen die Mitarbeiter, dass mit Fehlern konstruktiv umgegangen wird, statt Vorwürfe auszubreiten, trauen sie sich, ihre Fehler zuzugeben. Die gemeinsame Lösungsfindung stärkt zudem den Zusammenhalt im Team.

    4. Mitarbeitern vertrauen

    Ja, ihre Mitarbeiter werden Fehler begehen. Und trotzdem sollten Sie Ihnen vertrauen. Übertragen Sie Verantwortung und lassen Sie Ihr Personal aus den Fehlern lernen und daran wachsen. Vertrauen Sie auf die Stärken Ihres Teams und bringen Sie ihm damit Wertschätzung entgegen. Mitarbeiter, denen etwas zugetraut wird, wollen Sie nicht enttäuschen und werden alles tun um Fehler zu vermeiden. Sie gewinnen an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein.

    5. Fehler nicht bestrafen

    Bestrafung schürt ein Klima der Angst, das die Mitarbeiter lähmt und schwächt. Werden Fehler verteufelt, werden sie vertuscht. Wer nach Schuldigen sucht und Strafen verhängt, der tötet das Engagement der Mitarbeiter und setzt den Erfolg seines Unternehmens aufs Spiel. Ein Zeichen für eine gute Fehlerkultur ist, dass Mitarbeiter Fehler zugeben.

    6. Fehler analysieren

    Statt Fehler zu bestrafen, müssen sie analysiert werden. Wenn Sie wissen, warum ein Fehler passiert ist, können Sie dafür sorgen, dass er sich nicht wiederholt. Dafür sind Sie auf die Offenheit der Mitarbeiter angewiesen. Nur wer Fehler reflektiert und analysiert, entwickelt sich weiter und verhindert, dass die gleichen Fehler noch mal passieren.

    7. Feedback geben und verlangen

    Feedback ist die Basis für einen nachhaltigen Lernprozess. Geben Sie Ihren Mitarbeitern deshalb regelmäßig Feedback darüber, was gut gelaufen ist und wo Fehler begangen wurden. So erzwingen Sie eine bewusste Reflektion der Vorgehensweise und des Ergebnisses. Fragen aber auch Sie nach Feedback, um selbst an Fehlern arbeiten zu können, die Ihnen als solche bisher gar nicht bewusst geworden sind.

    8. Grenzen setzen

    Eine Fehlerkultur ist nicht dann perfekt, wenn sie keine Toleranzgrenze kennt. Um Mitarbeiter nicht zum Schlendrian zu verleiten, sind Grenzen durchaus sinnvoll. Vor allem fahrlässige oder bewusst in Kauf genommene Fehler müssen auch bestraft werden. Definieren Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern, wann ein Fehler nicht mehr hinnehmbar ist, um in der Belegschaft ein Bewusstsein für die Fehlertoleranz zu schaffen.

    9. Fehler als Investition begreifen

    Nachdem ein Mitarbeiter 600.000 Dollar in den Sand gesetzt hat, wird er ins Büro des Chefs gebeten. „Ich weiß, ich habe einen schweren Fehler gemacht. Sie müssen mich entlassen.“, stammelt er. Nach einer Weile ergreift der Chef das Wort und sagt: „Entlassen? Kommt gar nicht infrage! Ich habe gerade 600.000 Dollar in Ihre Weiterbildung investiert.“

    Autor: Matthias Koprek

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