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Warum Unternehmen, die ihre Mitarbeiter mitgestalten lassen, erfolgreicher sind

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Mitgestaltung

Es gibt noch immer Unternehmer, die bei dem Begriff Mitbestimmung zusammenzucken. Doch die Zeiten, als Arbeitnehmer nur Dienst nach Vorschrift verrichtet haben und die Entscheidungen ausschließlich in der Chefetage gefällt wurden, sind längst vorbei. Unternehmen, in denen Mitarbeiter mitreden und mitentscheiden dürfen, sind nachweislich erfolgreicher. Erfahren Sie in diesem Artikel, warum Mitgestaltung zu einer zeitgemäßen Unternehmenskultur gehört.

Was versteht man unter Mitgestaltung der Arbeitnehmer?

Unter Mitgestaltung oder Mitbestimmung versteht man die Einbeziehung der Arbeitnehmer in betriebliche Entscheidungsprozesse. Während Mitgestaltung eher die freiwillige Einbindung der Mitarbeiter bezeichnet, ist die Mitbestimmung sogar gesetzlich festgeschrieben. So regelt § 1 Abs. 1 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG), dass in Betrieben mit mindestens fünf Arbeitnehmern ein Betriebsrat gewählt wird. Obwohl die gesetzliche Formulierung relativ bestimmend ist, besteht dazu natürlich kein Zwang. Sind die Voraussetzungen jedoch erfüllt, können sich Arbeitgeber nicht dagegen wehren.

Natürlich bedeutet ein Betriebsrat, dass Entscheidungsprozesse komplizierter werden. Die Arbeitnehmervertretung muss zu vielen Dingen angehört werden und hat nicht selten auch ein Mitspracherecht bei Arbeitsplätzen, Arbeitsabläufen und Arbeitsgestaltung. Entscheidungen, die das Personal betreffen, dauern folglich länger. Mitunter können Arbeitgeber nicht immer das umsetzen, was sie vorhaben – zumindest nicht im geplanten Umfang. Der bürokratische Aufwand nimmt zu und letztlich kostet ein Betriebsrat auch Geld. Immerhin dürfe Betriebsräte ihrer Vertretungsarbeit während der Dienstzeit nachgehen.

Unternehmen mit Betriebsrat sind erfolgreicher

Trotz all dieser Aspekte sehen kluge Unternehmen Betriebsräte nicht als Pflicht, Risiko oder gar Bedrohung, sondern als Chance. Denn Betriebsräte machen Unternehmen nachweislich erfolgreicher. So hat der Wirtschaftsforscher Steffen Müller bereits in seiner 2011 publizierten Studie darauf hingewiesen, dass Betriebe mit Betriebsrat um neun Prozent produktiver sind. Die Mühe und auch der Ärger, den man mit einem Betriebsrat sicherlich hin und wieder hat, zahlen sich letztlich also aus.

Genau genommen müssten erfolgshungrige Unternehmer ihre Mitarbeiter fast schon dazu drängen, einen Betriebsrat zu gründen. Doch auch jenseits dieser bürokratischen Ebene gibt es die Möglichkeit, der Belegschaft Chancen zur Mitgestaltung einzuräumen. Fühlen sich Mitarbeiter in Entscheidungen einbezogen und haben selbst die Gelegenheit Ideen und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten, die tatsächlich ernst genommen werden, haben sie meist gar nicht das Bedürfnis, einen Betriebsrat zu gründen.

Die beste Möglichkeit um einen Betriebsrat zu vermeiden und trotzdem von seinen Vorteilen für den Betrieb zu profitieren, ist es auf freiwilliger Basis Mitgestaltung zu ermöglichen. Das kann und sollte alle Bereiche des Unternehmens betreffen, nicht nur die unmittelbar das Personal betreffenden Angelegenheiten wie zum Beispiel die Arbeitszeit.

Innovationskraft steigern durch Mitgestaltung der Arbeitnehmer

Durch die Mitgestaltung der Arbeitnehmer wird mit der Innovationskraft ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor von Unternehmen gesteigert. Wenn Mitarbeiter zu neuen Ideen angehört werden, ihre Optimierungsvorschläge einbringen dürfen, am Entscheidungsprozess beteiligt sind sowie selbstständig neue Ideen anregen, dann entstehen Innovationen, die die Wettbewerbsfähigkeit sichern und den Unternehmenserfolg nachhaltig steigern.

Drei Formen der betrieblichen Mitgestaltung:

  • Operative Mitgestaltung

Mitarbeiter dürfen ihre eigene Arbeit täglich und kurzfristig mitgestalten

  • Taktische Mitgestaltung

Mitarbeiter treffen mittelfristige Entscheidungen, die den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beeinflussen

  • Strategische Mitgestaltung

Mitarbeiter treffen existenzielle und langfristige Entscheidungen, die den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beeinflussen

Damit sich Mitarbeiter allerdings aktiv einbringen, muss ein mitgestaltungsfreundliches Arbeits- und Betriebsklima herrschen. Das beginnt im Kleinen. Mit einem Vorgesetzten, der sich für die Meinungen, Ideen und Probleme der Mitarbeiter interessiert. Der Verantwortung überträgt, statt alles selbst zu entscheiden. Der Spielräume für Kreativität und Innovation lässt. Der die verborgenen Potenziale der Angestellten nutzt.

Kultur der Mitgestaltung zahlt sich aus

Eine Kultur der Mitgestaltung statt der Befehlsausführung sorgt dafür, dass Ihre wichtigste Ressource überhaupt – die Mitarbeiter – sich ideal einbringen und Sie maximal profitieren. Denn Mitgestaltung macht Ihr Personal nachweislich glücklicher, zufriedener und loyaler. Fühlen sich Mitarbeiter im Betrieb nicht wohl, weil sie unterfordert sind und sich nicht ernst genommen fühlen, zeigen sie kaum Engagement.  Je mehr sie jedoch mitgestalten dürfen, desto motivierter sind Ihre Mitarbeiter.

Motivation ist nicht nur der Schlüssel zu Innovationen, sondern auch zu mehr Umsatz. Eine Studie der britischen University of Exeter hat ergeben, dass Mitarbeiter, die ihre Büroräume (mit)gestalten dürfen, nicht nur zufriedener sind, sondern auch um 32 Prozent produktiver. Solche Ergebnisse lassen sich mit keinem Coaching oder Training der Welt erzielen.

Wer mitgestalten darf, der identifiziert sich mit seiner Arbeit und seinem Arbeitgeber. Das führt letztlich auch zu einer stärkeren Verbundenheit mit dem Unternehmen. Arbeitnehmer bleiben ihrem Arbeitgeber eher treu, was in Zeit von Fachkräftemangel ein durchaus wichtiger Aspekt der Mitgestaltung ist.

Praxisbeispiel: Eine Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung ist das betriebliche Vorschlagswesen (BVW). Mitarbeiter können beispielsweise über vorgefertigte Formulare oder das Intranet Verbesserungsvorschläge einreichen. Wird ihre Idee umgesetzt, werden sie unter Einhaltung bestimmten Voraussetzungen mit einer Prämie belohnt, die sich zum Beispiel an den tatsächlichen Einsparungen durch den Optimierungsvorschlag orientiert.

Demokratische Unternehmenskultur erfordert Mut

Wie weit man dabei geht, hängt nicht zuletzt vom Mut des Unternehmers ab. Im Rahmen einer demokratischen Unternehmenskultur gibt es durchaus Betriebe, die die Führungskräfte von den Mitarbeitern wählen lassen. Andere lösen sämtliche Hierarchieebenen unterhalb der Geschäftsleitung auf und ernennen nur noch Projekt- oder Teamleiter. Viele Unternehmen beweise, dass eine demokratische Unternehmenskultur eben nicht nur in Kleingruppen, sondern durchaus auch in großen Betrieben funktioniert.

Keine Frage: Demokratie braucht Zeit, auch in Unternehmen. Eine einzelne Führungskraft mag Entscheidungen schneller fällen. Dafür dauert es umso länger, diese Entscheidungen denjenigen zu kommunizieren, die sie in der Regel umsetzen müssen. Werden die Mitarbeiter hingegen gleich in den Entscheidungsprozess einbezogen, erfolgt eine raschere und präzisere Umsetzung. Statt langwierig Erklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten, profitieren Sie vom Sachverstand und der Motivation des Personals.

Mitarbeiter werden zu Mitunternehmern

Wenn Sie Verantwortung übertragen und Mitgestaltung ermöglichen, identifizieren sich Ihre Mitarbeiter stärker mit Ihrem Unternehmen. Sie setzen sich ein und treiben den wirtschaftlichen Erfolg voran. Wenn Sie noch einen Schritt weitergehen möchten, können Sie die Motivation dadurch erhöhen, indem Sie Ihre Mitarbeiter auch zu Mitunternehmern auf dem Papier machen und finanziell am Erfolg des Unternehmens beteiligen. Am einfachsten geht das in Form von Aktien.Wenn Sie vorhaben, die Mitgestaltungsmöglichkeiten in Ihrem Unternehmen auszubauen, dann ziehen Sie Ihre Mitarbeiter bereits in diesen Prozess mit ein. Fragen Sie Ihr Personal danach, wie es seine Rolle im Unternehmen sieht. Bei welchen Prozesse und Entscheidungen es gern mitgestalten würde. Mitgestaltungen aus den eigenen Reihen ist deutlich effektiver, als externe Ideen- oder Innovationsmanager zu beauftragen. Die langjährigen Mitarbeiter kennen das Unternehmen und seine Kunden viel besser und haben ein Gespür dafür, was funktionieren kann und was nicht.

Neue Arbeitnehmergenerationen fordern Mitgestaltung

Letztlich ist es auch die zunehmende Vernetzung der Wirtschaftswelt, die eigenverantwortliches Handeln notwendig macht. Die neuen Generationen von Arbeitnehmern, die mit dem Internet, Smartphone und sozialen Netzwerken aufgewachsen sind, haben zudem eine ganz andere Erwartungshaltung an Informationsaustausch und Kommunikation. Das heißt: Wer in Zukunft auch auf dem Personalmarkt konkurrenzfähig bleiben will, um qualifizierte und kompetente Arbeitskräfte zu gewinnen, der muss sich auf die neuen Generationen einstellen. Sie wollen aktiv am Unternehmenserfolg mitarbeiten und nicht nur Anweisungen abarbeiten.

Der Hauptgrund, warum Unternehmer sich vor Mitgestaltung sträuben, liegt in der Angst vor Fehlern. Die werden sicherlich auch passieren. Dafür aber werden andere Fehler vermieden. Fehler die dann entstehen, wenn eine einzelne Person eine Entscheidung zu verantworten hat. Eine Person, die vielleicht längst betriebsblind ist und einen Tunnelblick hat. Die Weisheit der Vielen (kollektive Intelligenz) vermindert das Risiko für Fehlentscheidungen.

Fazit: Mehr Mitgestaltung und Demokratie wagen

Betriebliche Mitgestaltung durch Mitarbeiter hat vor allem zwei Aspekte. Zum einen lassen sich mit neuen Ideen aus der Belegschaft die Weiter- und Neuentwicklung von Prozessen, Technologien, Produkten und Dienstleistungen vorantreiben. Zum anderen steigert Mitbestimmung die Mitarbeiterzufriedenheit, fördert die Motivation, erhöht die Produktivität und stärkt die Loyalität. Unternehmer sollten demnach trotz aller Skepsis ruhig mehr Mut zu Mitgestaltung und Demokratie wagen – schon im eigenen Interesse.

Autor: Matthias Koprek

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