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Mindestlohn 2019: Wieder wurde der Mindestlohn erhöht

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Mindestlohn in Deutschland

Der gesetzliche Mindestlohn wurde zum 01.01.2015 in Deutschland eingeführt und beschreibt die Lohnuntergrenze für sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen in Deutschland. Mit der Einführung im Jahre 2015 betrug der Mindestlohn 8,50 Euro und wurde zum 01.01.2017 auf 8,84 Euro erhöht.

Laut Mindestlohngesetz wird der gesetzliche Mindestlohn alle zwei Jahre von einer Kommission neu festgesetzt und steigt daher auch zum 01.01.2019 auf 9,19 Euro. In Deutschland wurden laut Statischem Bundesamt im Jahr 2017 rund 1,4 Millionen Beschäftigte mit dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt, 50% dieser Mitarbeiter waren Minijobber.

Mindestlohn 2019 – Diese Änderungen gibt es

Die Änderung des Mindestlohns zieht für Sie als Entgeltzahler einige Änderungen bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung nach, die Sie schon jetzt umsetzen sollten. Unternehmen müssen bei Gehaltsbeziehern und Mitarbeitern, die einen festgeschriebenen Stundenlohn erhalten, umgehend die Entgeldleistungen überprüfen. Die Kriterien, die kritisch begutachten werden sollten, ob das Arbeitsentgelt bzw. der Stundenlohn zum 01.01.2019 anzuheben ist. Gleichzeitig sind in vielen Fällen auch die Arbeitsverträge anzupassen und auf den neuen Stundenlohn zu aktualisieren.

Verstöße und deren Folgen

Verstöße gegen das Mindestlohngesetz (MiLoG) können lt. § 21 des Gesetzes mit einer Geldbuße von bis zu 500.000 Euro geahndet werden. Gleichzeitig müssten bei einem vorsätzlichen oder auch nur unbewussten Verstoß die Sozialversicherungsbeitrage in voller Höhe nachgezahlt werden.

Hinweis: Um diese unangenehmen und für ein Unternehmen auch kostenintensiven Folgen zu umgehen, ist es wichtig die Gehaltsinformationen aller Mitarbeiter noch im Jahre 2018 zu überprüfen. So haben Sie genügend Zeit den neuen Stundenlohn zum 01.01.2019 schriftlich festzulegen. Dieser neue Mindestlohn muss bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung berücksichtigt werden und in allen elektronischen Abrechnungsprogrammen hinterlegt werden.

Wichtige Infos bei Minijobbern

Vor allem wenn Sie in Ihrem Unternehmen Minijobber beschäftigen, gilt es jetzt schnell zu handeln und die einzelnen Beschäftigten und deren Arbeitszeiten gründlich zu überprüfen. Gerade bei Minijobbern droht durch die Anhebung des Mindestlohns eine Falle, die weitreichende Folgen für den Beschäftigten und auch für Ihr Unternehmen haben kann.

Achtung: Mit der Erhöhung des Mindestlohns auf 9,19 Euro kann die maximal mögliche Arbeitszeit ab 01. Januar 2019 nur noch 48,9 Stunden betragen. Dies sind insgesamt 2 Arbeitsstunden weniger, als im Jahr 2018 maximal an Arbeitsstunden für Minijobber mit Mindestlohn möglich waren.

 

Arbeitet ein Minijobber in Ihrem Unternehmen mehr als die maximal möglichen 48,9 Stunden, überschreitet er die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro. In diesem Fall gehen alle Vorteile des Minijobs, wie z.B. die gedeckelten Sozialversicherungsabgaben verloren und Ihr Mitarbeiter würde als sozialversicherungspflichtiger Mitarbeiter gelten. Dies bedeutet höhere Kosten für Mitarbeiter und Unternehmen bei insgesamt geringerem Verdienst.

Da es bei der Berechnung schon auf 1 Arbeitsstunde ankommt, gilt es hier sehr genau zu prüfen und bereits jetzt schriftlich die neue, maximale Arbeitszeit im Arbeitsvertrag oder einer Arbeitszeitvereinbarung festzuhalten.

Vereinbaren Sie ein Mindestlohn-Arbeitszeitkonto

Tipp: Arbeitet Ihr Mitarbeiter als Saisonkraft flexibel oder auf Abruf und hat jeden Monat unterschiedliche Arbeitszeiten, so empfiehlt sich die Implementierung eines Mindestlohn-Arbeitszeitkontos. Dieses Arbeitszeitkonto sollten Sie in jedem Fall schriftlich vereinbaren und nach den gesetzlichen Vorgaben, die im MiLoG im § 2 geregelt werden, führen.

 

Durch ein Arbeitszeitkonto ergibt sich die Möglichkeit, dass Ihr Minijobber auch mehr als 48,9 Stunden pro Monat arbeiten darf, wenn er die zu viel geleisteten Stunden in einem anderen Monat wieder abbaut. So stellen Sie sicher, dass der Verdienst eines Minijobbers in Ihrem Unternehmen nicht die 450-Euro-Grenze übersteigt und alle gesetzlichen Vorgaben für Minijobber eingehalten werden.

Ausnahmeregelungen vom Mindestlohn

Für folgende Beschäftigte gilt der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn auch im Jahr 2019 nicht:

  • Jugendliche unter 18 Jahren, die keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können
  • Auszubildende
  • Ehrenamtlich Tätige Beschäftigte
  • Freiwillige Praktikanten in den ersten drei Monaten der Tätigkeit
  • Praktikanten, die ein verpflichtendes Praktikum ableisten
  • Langzeitarbeitslose, in den ersten 6 Monaten nach Beendigung der Arbeitslosigkeit

Beschäftigen Sie einen Mitarbeiter, der unter diese Ausnahmeregelung fällt, dürfen Sie diesen auch zu einem Stundenlohn unterhalb des Mindestlohns beschäftigen. Da aber zum Beispiel für Praktikanten oder Langzeitarbeitslose bestimmte zeitliche Grenzen in Bezug auf die Ausnahmeregelung gelten, sollten Sie sich genau notieren, wann auch für diese Personengruppen der Mindestlohn gilt und Sie die Stundenlöhne entsprechend anheben müssen. Andernfalls drohen wiederum Sanktionen gemäß dem Mindestlohngesetz.

Ausnahmeregelung in Tarifverträgen läuft aus

Sehr wichtig ist der neue Mindestlohn ab 2019 für Unternehmen, die einem Tarifvertrag angehören. Denn bei diesen waren die Löhne bisher unter dem gesetzlichen Mindestlohn eingruppiert. Bis Ende 2018 galten hier noch Übergangsfristen, die aber zum 01.01.2019 auslaufen. Das bedeutet, dass es in keiner Branche im Jahr 2019 einen Stundenlohn geben darf, der unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns liegt. Ausgenommen davon sind nur die oben genannten Personengruppen.

Branchen – Mindestlöhne – das ist wichtig zu wissen

Der gesetzliche Mindestlohn stellt die Untergrenze für einen Stundenlohn in Deutschland dar. Zusätzlich zu diesem Mindestlohn gibt es für unterschiedliche Branchen eigene, festgesetzte Lohnuntergrenzen, die nicht unterschritten werden dürfen.

Diese Branchen-Mindestlöhne steigen für einige Branchen zum 01.01.2019 ebenfalls. Zu den bekanntesten Branchen mit einem eigenen Mindestlohn gehört die Pflegebranche oder das Dachdeckerhandwerk.

Des Weiteren wurde für weitere Branchen festgelegt, dass unterjährig im Jahr 2019 der Branchen-Mindestlohn steigt. Dies betrifft zum Beispiel

  • Fachwerker im Bau- Hauptgewerbe
  • oder auch das Maler- und Lackiererhandwerk.

Eine übersichtliche Aufstellung aller Branchen mit Angaben zum derzeitig gültigen Mindestlohn finden Sie auf der Internetseite des DGB Bundesvorstandes.

Nächste Mindestlohnerhöhung bereits zum 01.01.2020

Gemäß § 9 des MiLoG stellt die Mindestlohnkommission alle zwei Jahre einen Bericht für die Bundesregierung zusammen. In dieser wird eine Angleichung des Mindestlohnes an die tatsächlichen Marktgegebenheiten empfohlen. Die große Koalition aus CDU/CSU und SPD weicht 2020 von dieser Regelung ab und erhöht den Mindestlohn auch zum 01.01.2020 noch einmal um 0,16 Euro auf 9,35 Euro.

Diese Information ist für Entgeltabrechner wichtig, da sich damit auch zum Ende des Jahres 2019 Stundenlöhne und maximal mögliche Arbeitszeiten ändern. Wer sich daher schon heute eingehend und professionell mit den Veränderungen beim Mindestlohn beschäftigt und alle Maßnahmen zeitnah und nachhaltig umsetzt, wird es bei der nächsten Mindestlohn-Erhöhung Anfang 2020 leichter haben.

Konkrete Schritte für Ihre Lohn- und Gehaltsabrechnung

Damit Sie die Vorgaben des Mindestlohngesetzes einhalten und Ihre Mitarbeiter auch im Jahr 2019 nach Mindestlohn bezahlen, können Sie nun folgende, konkrete Schritte unternehmen:

  1. Prüfen Sie, welche Ihrer Mitarbeiter unter die generelle Mindestlohn-Regelung oder unter einen Branchen-Mindestlohn fallen
  2. Heben Sie für die relevanten Mitarbeiter den Stundenlohn auf das Mindestlohnniveau 2019 an und informieren Sie Ihre Mitarbeiter darüber.
  3. Ändern Sie Arbeitsverträge so ab, dass diese den Mindestlohn 2019 beinhalten
  4. Prüfen Sie vor allem Ihre Mitarbeiter mit Minijob und verringern Sie die Arbeitsstunden auf höchstens 48,9 Stunden pro Monat. Richten Sie ggf. ein Minijob – Arbeitszeitkonto ein.
  5. Informieren und schulen Sie Führungskräfte zu den neuen Rahmenbedingungen beim Mindestlohn ab 2019/2020

Mit diesen Tipps vermeiden Sie falsche Abrechnungen und halten alle Vorgaben des MiLoG genau ein.

Autor: Torsten Niermann

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