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Midijobber: Alles über Jobs in der Gleitzone

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Midijobber

Viele Unternehmen haben Mitarbeiter, die auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung angestellt sind. Wer bis 450 Euro monatlich verdient, gilt als Minijobber. All diejenigen, die regelmäßig mehr als 450 Euro, aber weniger als 850 Euro verdienen, gelten als Midijobber. Sie befinden sich dann in der sogenannten Gleitzone zwischen Minijob und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Lesen Sie in diesem Artikel alles Wichtige rund um Midijobs: Was zeichnet Midijobs aus? Wer gilt nicht als Midijobber? Wer kann Midijobber einstellen? Und müssen Unternehmen Besonderheiten bei den Jobs in der Gleitzone beachten?

    Was ist der Unterschied zwischen Mini- und Midijobber?

    Alle Beschäftigten, die maximal 450 Euro pro Monat verdienen, haben einen sogenannten Minijob – auch geringfügige Beschäftigung genannt. Die Besonderheit dabei: Wer einer geringfügigen Beschäftigung nachgeht, kann selbst entscheiden, ob er Sozialversicherungsbeiträge abführen möchte. Auch für den Arbeitgeber gelten hier in Sachen Sozialversicherung einige Besonderheiten.

    Dauert die geringfügige Beschäftigung maximal drei Monate an, ist sie einerseits für Arbeitgeber und andererseits für Arbeitnehmer sozialversicherungsfrei. Bei einer 450-Euro-Beschäftigung auf dauerhafter Basis – einem regulären Minijob – sind Arbeitgeber jedoch verpflichtet, Sozialabgaben abzuführen. In der Regel zahlen Unternehmen hier einen monatlichen Pauschalbetrag für den Arbeitnehmer.

    Midijobs unterscheiden sich von Minijobs vor allem im Hinblick auf den Verdienst. Liegt das regelmäßige Einkommen eines Mitarbeiters zwischen 450,01 Euro und 850 Euro, spricht man von einer Anstellung in der sogenannten Gleitzone – einem Midijob.

    Wichtiger Hinweis: Dabei muss es sich nicht um eine einzelne Beschäftigung handeln. Hat ein Arbeitnehmer beispielsweise zwei Minijobs, bei denen er zusammen regelmäßig mehr als 450 Euro und unter 850 Euro verdient, gilt er ebenfalls als Midijobber.

    Möglich wäre auch die Kombination aus Midijob und Minijob. Hat ein Arbeitnehmer einen Midijob, darf er nebenbei einem zusätzlichen Minijob nachgehen, ohne dass dies Auswirkungen auf die Sozialversicherungsbeiträge hat.

    Midijobs: Das müssen Unternehmen wissen

    Wer einen Midijobber anstellt, muss einige Dinge beachten. Die gute Nachricht lautet jedoch: Eigentlich ändert sich von Mini- zu Midijobber nur wenig für den Arbeitgeber. Die größten Abweichungen entstehen bei den Sozialabgaben. Beim Minijob fallen für den Arbeitgeber etwa 30 Prozent an, beim Midijob nur rund 20 Prozent. Mit den geringeren Sozialabgaben ist jedoch ein größerer Verwaltungsaufwand verbunden, wodurch viele Unternehmen die Kosten amortisiert sehen.

    Unter diesem Link haben wir einen kostenlosen Vordruck eines Arbeitsvertrags zum Gleitzonenarbeitsverhältnis hinterlegt.

    Sozialversicherungsbeiträge in der Gleitzone

    Doch was haben Unternehmen nun von der Anstellung eines Mitarbeiters in der Gleitzone? Viele Arbeitgeber sehen bei ihren Midijobbern durch das Midi-Modell eine größere Mitarbeiterzufriedenheit. Denn: Es bleibt im Vergleich zu einem herkömmlichen sozialversicherungspflichten Arbeitsverhältnis mehr Netto vom Brutto übrig. Doch warum das?

    Midijobber genießen umfassenden Schutz, was die Sozialleistungen angeht. So sind die Beschäftigten in der Gleitzone versichert in:

    • Krankenversicherung
    • Rentenversicherung
    • Arbeitslosenversicherung
    • Pflegeversicherung

    Das bedeutet: Sie genießen volle soziale Absicherung, genauso wie Arbeitnehmer, die in einem normalen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis stehen. Nun das große Aber: Midijobber müssen dabei nicht die vollen Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Somit bleibt unter dem Strich ein höheres Entgelt übrig.

    Geringere Rentenansprüche für Arbeitnehmer

    Je höher das Einkommen zwischen 450,01 Euro und 850 Euro liegt, desto mehr Sozialversicherungsbeiträge fallen auch für den Mitarbeiter an. Er „gleitet“ sozusagen, was die Beitragszahlungen anbelangt. Der Arbeitgeber muss jedoch den gewohnten Sozialversicherungsanteil entrichten – den halben Beitragssatz in voller Höhe.

    Wichtiger Hinweis: Damit gehen jedoch auch geringere Rentenansprüche einher. Es steht Ihnen offen, Ihre Mitarbeiter auf diese Tatsache hinzuweisen.

    Wer zählt nicht als Midijobber?

    Wie einleitend erwähnt, zählen all diejenigen zur Gruppe der Midijobber, die zwei geringfügige Beschäftigungen ausüben. Auch Halbtagskräfte, deren Einkommen regelmäßig unter 850 Euro liegt, sind in der Gruppe der Midijobber anzusiedeln. Dennoch ist die 850-Euro-Grenze alleine nicht ausschlaggebend, ob ein Arbeitnehmer als Midijobber gezählt werden kann. Die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See nennt auf ihrer Website explizite Ausnahmen. Dazu zählen unter anderem:

    • Azubis
    • Studierende, die ihr Pflichtpraktikum absolvieren
    • Duale Studierende
    • Teilnehmer am freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr
    • Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst
    • Mitarbeiter in Altersteilzeit
    • Arbeitnehmer in Kurzarbeit

    Für diese Gruppen gelten gesonderte – meistens die regulären – Vorgaben hinsichtlich der Sozialabgaben. Nur ausgewählte Arbeitnehmer können also von den Vorteilen der Gleitzone profitieren.

    Gleitzone wird zum Übergangsbereich: Neuerungen ab 2019

    Ab Juli 2019 gibt es eine wesentliche Änderung, was die Höchstverdienstgrenze in der Gleitzone angeht. Diese steigt dann auf 1.300 Euro und wird künftig den Namen „Übergangsbereich“ tragen. Arbeitnehmer können dann also maximal 1.300 Euro verdienen, zahlen dafür aber nur geringere Sozialversicherungsbeiträge. Die Besonderheit dabei: Trotz der geringeren Beiträge zur Sozialversicherung erwerben Betroffene die vollen Rentenansprüche.

    Interessant: Derzeit beträgt die Zahl der Midijobber rund 1,3 Millionen. Mit der Erhöhung der Höchstverdienstgrenze steigt die Anzahl jedoch auf über das Doppelte an.

    Der Anstieg der Midijobber durch die Neuerung ist bislang nicht ohne Kritik geblieben. Während die Partei DIE LINKE vor allem einen Zuwachs an mehr Personen in „prekärer Teilzeitarbeit“ beklagt, setzt die Deutsche Rentenversicherung an einem anderen Punkt an. Das neue Modell beachte nicht, um welche Art von Stelle es sich handele. So könnten beispielsweise Personen mit Ehepartnern im Gutverdiener-Bereich oder Midi-Nebenjobbs die Sozialversicherung zusätzlich um 500 Millionen Euro pro Jahr belasten.

    Autor: Redaktion Personalwissen

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