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Leiharbeit allgemein – Was ist das?

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Leiharbeit

Zeitarbeit, Arbeitnehmerüberlassung oder Leiharbeit – alle drei Begriffe bezeichnen die gleiche spezifische Beschäftigungsform, bei der es insgesamt drei Parteien gibt: Den Verleiher, den Entleiher und den Mitarbeiter. In diesem Beitrag lesen Sie relevante Details rund um das breite Spektrum der Zeitarbeit und erfahren, worin die Vor- und Nachteile der Arbeitnehmerüberlassung liegen.

Arbeitnehmerüberlassung: Die Basics der Leiharbeit auf einen Blick

Die Arbeitnehmerüberlassung funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Der Arbeitgeber verleiht an einen Dritten die Arbeitskraft seines Arbeitnehmers. Dabei lässt sich der Verleiher die Leistung seines Leiharbeitnehmers vom Entleiher bezahlen. Der Arbeitnehmer bekommt im Endeffekt einen Teil dieses Erlöses als Gehalt. Der Rest verbleibt beim Arbeitgeber, meistens einem Personaldienstleister oder einer Zeitarbeitsfirma. Es gibt also insgesamt drei Parteien, die bei dieser Beschäftigungsform beteiligt sind:

  1. Verleiher: Wie bereits angedeutet, handelt es sich hier um einen Personaldienstleister, der aus seinem Mitarbeiter-Pool eine geeignete Person auswählt und deren Arbeitskraft an den Entleiher verkauft.
  2. Entleiher: Der Entleiher benötigt – meist kurzfristig – Arbeitskraft und tritt deshalb mit einer Zeitarbeitsfirma bzw. einem Personaldienstleister in Kontakt. Er formuliert ein Anforderungsprofil für eine Stelle. Der Verleiher sucht nach einem geeigneten Mitarbeiter, der die entsprechenden Kompetenzen vorweisen kann.
  3. Mitarbeiter: Der Beschäftigte ist beim Verleiher angestellt und bezieht von dort seinen Lohn bzw. sein Gehalt. Auch Urlaubsansprüche und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall kann er beim Verleiher geltend machen. Der Arbeitseinsatzort ist jedoch beim Entleiher.

Zeitarbeit ist in anderen Ländern, wie beispielsweise in Holland, weitaus anerkannter als in Deutschland und wird beispielsweise häufig für den Berufseinstieg genutzt. In Deutschland hingegen haftet dem Zeitarbeitssektor noch immer ein Makel an, was nicht zuletzt durch schwarze Schafe in der Branche gefördert wurde. Neueste gesetzliche Regelungen wie der Equal-Pay-Grundsatz, der im Rahmen der Gesetzesreform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes implementiert wurde, versuchen, die Rechte von Zeitarbeitern zu stärken.

Rechte und Pflichten des Verleihers bei Leiharbeit

Der Verleiher, also die Zeitarbeitsfirma, geht mit dem Leiharbeitnehmer einen Vertrag ein. Dieser besagt, dass der Verleiher dem Arbeitnehmer meist kurzfristige Jobs bei Unternehmen in der Umgebung verschafft. Das bedeutet, dass der Verleiher über sogenannte externe Mitarbeiter verfügt, deren Arbeitskraft er an den Entleiher weiterverkauft.

Dafür bekommt die Zeitarbeitsfirma ein vorab vereinbartes Honorar vom Entleiher. Dies ist meist wesentlich höher als der Bruttolohn des Arbeitnehmers und deckt verschiedene Kostenpunkte ab:

  • Lohn des externen Mitarbeiters
  • Gehälter der eigenen Personalabteilung (= interne Mitarbeiter)
  • Ausfälle und Krankheitstage des Leiharbeitnehmers
  • Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld des Leiharbeitnehmers
  • Sonstige Kosten: Miete, Verwaltung etc.

Der Verleiher ist also der Arbeitgeber des externen Mitarbeiters. Somit ist er nicht nur für Lohn bzw. Gehalt und Urlaubstage zuständig, sondern auch für den Überstundenausgleich etc.

Der Entleiher im Fokus: Das müssen Sie wissen

Die Arbeitnehmerüberlassung bietet für den Entleiher wesentliche Vorteile. Er kann bei Bedarf kurzfristig Arbeitskräfte anheuern, ohne sich um den Rekrutierungsprozess kümmern zu müssen. Die Leiharbeitsfirma übernimmt die Auswahl der passenden Kandidaten und erspart dem Unternehmen dadurch entsprechenden Aufwand.

Ist der passende Kandidat gefunden, kann dieser sofort mit der Arbeit beginnen. Nach erledigter Arbeit oder bei unzureichender Leistung, kann der Entleiher – je nach Vertrag mit dem Verleiher – den externen Mitarbeiter direkt von der Arbeit freistellen. Fristen und dergleichen müssen vom Entleiher nicht eingehalten werden – all das ist die Aufgabe der Zeitarbeitsfirma.

Zwar gehen für den Entleiher mit der Einstellung eines Zeitarbeiters höhere Personalkosten einher, wer viel Wert auf Flexibilität legt, kann hier aber profitieren.

Die Arbeitnehmerüberlassung: Chance auch für den Leiharbeitnehmer

Die Vorteile des Leiharbeitnehmers liegen hauptsächlich in der Chance, in ein gutes Unternehmen zu kommen und sich dort zu beweisen. Viele Arbeitnehmer verfügen über keinen Ausbildungsabschluss und mangelnde Berufserfahrung, was es schwer macht, eine gute Anstellung in einem renommierten Unternehmen zu finden. Oftmals verzichten Unternehmen auch auf die direkte Festanstellung, sondern gehen stattdessen den Weg der „Testphase“ über die Zeitarbeit.

Kommt ein geeigneter Kandidat als Zeitarbeiter in ein Unternehmen, kann er sich dort beweisen. Nicht selten werden geeignete externe Mitarbeiter vom Entleiher übernommen – wodurch es dem Zeitarbeiter gelingt, in ein festes Anstellungsverhältnis zu kommen. Im Anschluss an die vereinbarte Zeit der Arbeitnehmerüberlassung kann der Entleiher dem Leiharbeitnehmer einen festen Vertrag anbieten und muss dem Verleiher unter Umständen eine entsprechende Ablösesumme bezahlen.

5 Fragen zur Arbeitnehmerüberlassung: Das ist wichtig

 

1. Wo kann ich die gesetzlichen Grundlagen zur Leiharbeit nachlesen?

Die wichtigsten Fragen bezüglich der Leiharbeit sind im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, kurz AÜG, definiert. Weitere Infos können den jeweilig geltenden Tarifverträgen entnommen werden. Eine Übersicht zur Zeitarbeit inklusive aktueller Zahlen stellt auch die Bundesagentur für Arbeit online zur Verfügung.

2. Ist das Einhalten der entsprechenden Tarifverträge für Leiharbeitsfirmen verbindlich?

Im Vertrag, der zwischen der Zeitarbeitsfirma und dem Leiharbeitnehmer geschlossen wird, ist die tarifliche Grundlage geregelt. Sollte kein entsprechender Tarif vorhanden sein, orientieren sich die Leiharbeitsfirmen an den Konditionen des Entleihers. Dennoch sind auch in diesem Fall die gesetzlichen Regelungen zum Mindestlohn, zur Arbeitszeit sowie zum Urlaubsanspruch zu beachten.

3. Was passiert mit den Überstunden eines Leiharbeitnehmers bei dessen Entlassung seitens des Entleihers?

Die angesammelten Überstunden des Arbeitnehmers sind diesem bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses seitens des Entleihers auszubezahlen.

4. Haben Leiharbeiter einen Anspruch auf Weihnachts-, Urlaubs- und Krankengeld?

Leiharbeitnehmer haben ebenso wie Festangestellte einen Anspruch auf Weihnachts- und Urlaubsgeld, sofern das im jeweiligen Unternehmen üblich ist. Der Anspruch auf Urlaubstage ist gesetzlich geregelt und für die Zeitarbeitsfirmen verpflichtend. Ebenso verhält es sich mit der Gewährung von Krankengeld, was ebenfalls gesetzlich definiert ist.

5. Wer zahlt den Leiharbeitern entsprechende Ansprüche aus?

Die oben genannten Ansprüche werden dem Leiharbeitnehmer, ebenso wie das monatliche Gehalt, vom Verleiher ausbezahlt. Übrigens gilt der gesetzliche Mindestlohn für Leiharbeitnehmer ebenso wie für festangestellte Arbeiter. Dabei wird entweder der gesetzliche oder der tarifliche Mindestlohn als Richtlinie genommen. Außerdem haben Leiharbeiter dem Equal-Pay-Grundsatz entsprechend nach spätestens neun Monaten einen Anspruch auf eine Gehaltsangleichung.

Autor: Redaktion Personalwissen

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